‚Mein Herz tanzt‘ – Film von Eran Riklis

Veröffentlicht: 21. Juni 2015 in Filme, Kino, Kultur

Israel 1984-93 ist der Ort und Zeitraum, in dem dieser Film spielt, aber ich frage mich, ob sich seitdem viel geändert hat? Ich befürchte, nein…

Tawfeek Barhom und Danielle Kitzis in ‚Mein Herz tanzt‘; Quelle: Filmstarts.de

Der Araberjunge Eyad fällt schon früh durch seine Intelligenz auf, und sein Vater setzt alles daran, ihn zu fördern, da ihm seine eigene Karriere durch politische Agitation unmöglich gemacht wurde und vom Studenten zum Gefangenen zum Obstpflücker geworden ist. Und so schickt er seinen Sohn auf ein Elitegymnasium in Israel – als ersten Araber. Hier erwartet ihn ein komplett neuer Kulturkreis, keines der Bücher oder der Musik die seine Schulkameraden lesen oder hören, kennt er, und auch seine Kultur ist den anderen komplett fremd.

Während Eyad keine Probleme hat, in er Schule oder bei seinem neugewonnenen Freund, dem MS-kranken Yonathan (den er über ein Sozialprojekt betreut) akzeptiert zu werden, ist es schwer, auf den Straßen Jerusalems Akzeptanz zu erhalten. Ein rassistischer Übergriff jagt den nächsten.
Er findet eine jüdische Freundin, Naomi. Doch wie soll diese Liebe dem Alltag und den gesellschaftlichen Gegebenheiten stand halten? Als Naomi ihre Mutter testet mit der Frage, was sie sagen würde, wenn sie einen palästinensischen Freund hätte, ist die klare Antwort: Es wäre das schlimmste von allem! Naomi hält an der Beziehung trotzdem – heimlich – fest. Doch der gesellschaftliche Druck wird größer und größer…

Eyad muss erkennen, dass er als Palästinenser einfach keine gleichberechtigten Chancen hat, beispielsweise, als er in seinem Nebenjob vom Tellerwäscher zum Kellner avanciert. Erst als er beginnt, seine arabische Identität abzulegen und statt dessen die seines immer kränker werdenden Freundes Yonathan (dem er optisch sehr ähnlich sieht) anzunehmen, erhält er Chancen, sich auch gesellschaftlich zu etablieren.

Der Film erzählt dies alles sehr langsam und unaufgeregt, geradezu prosaisch. Vielleicht ist dies ein richtig guter Trick gewesen, denn in mir schlugen die Gefühle wütende Wellen. Ungerecht! Und traurig, das empfinde ich.

1984 war ich in Israel und habe eine Menge Leute – allerdings fast nur jüdische – kennen gelernt, aber die Stimmung in dem Land habe ich sehr gut wiedererkannt, beispielsweise bei einer Straßenkontrolle, in der die Araber aus der Menge herausgepickt wurden. Einmal gab es gezielt eine Kontrolle in einem Bus, und die Palästinenser waren diejenigen, die die Inhalte ihrer Taschen zu leeren hatten (klar, es gab damals öfters Bomben, die in Bussen hochgegangen sind, so weit kann ich folgen). Studenten antworteten mir auf die Frage, woran man denn Palästinenser erkennen würde, dass diese eben einfach primitiver aussehen würden…. Rassismus pur.
Das fand ich in diesem Film sehr authentisch abgebildet wieder.

Interessant fand ich auch, dass es zwar keine Probleme in der Schule zwischen Eyad und den Juden gab, jedoch immer, wenn man sich persönlich nicht kannte, wurde brutal polarisiert, sowohl auf seiten der Juden (z.B. Reaktion von Naomis Mutter) als auch auf seiten der Araber (als sich die Familie über einen Luftangriff auf die Juden freut).

Eine verfahrene und unmenschliche Situation herrscht dort noch immer. Es ist kaum auszuhalten.
Dennoch empfehle ich den Film uneingeschränkt, denn er zeigt sehr gut auf, wo die Crux liegt in diesem Land.

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