‚Die Frau in Gold‘ – Film von Simon Curtis

Veröffentlicht: 30. Juni 2015 in Filme, Kino, Kultur

Maria Altmann (bestens gespielt von Helen Mirren), Verwandte der jüdischen Familie Bloch in Österreich und damit einst Mitglied der High Society Wiens, kann während der Nazizeit gerade noch das Land verlassen – muss jedoch ihre Verwandten zurücklassen, und natürlich auch alle Gegenstände, die von Wert wären.

Filmszene aus ‚Die Frau in Gold‘ mit Helen Mirren. Quelle: Filmstarts.de

Ihre Tante Adele wurde 1907 von Gustav Klimt in dem Gemälde ‚Die goldene Adele‘ verewigt – es ist eines der schönsten Klimt-Gemälde überhaupt. Dieses Bild wurde mit den anderen Familienstücken der Familie von den Nazis entwendet und kam nach dem Krieg ins Belvedere nach Wien. Es wurde zu einem der Hauptattraktionen der Ausstellung, eine Ikone für die Österreicher. Im vorgerückten Alter, nach dem Tod der Schwester, begehrt Maria nun auf: Dieses Gemälde hätte eigentlich zu ihrer Erbschaft gehört. Sie fühlt sich dem Bild sehr verbundn, hält es doch die Erinnerungen an die geliebte Tante wach. Dass der Wert des Gemäldes auf weit über 100 Millionen Dollar geschätzt wird, beeindruckt sie nicht.
Doch wie bekommt man ein Bild zurück, das dem österreichischen Staat vermeintlich gehört? Der Sohn einer Freundin, ein Nachkomme Arnold Schönbergs, ist junger Rechtsanwalt. Und da er nicht nur Maria Altmann und ihre Geschichte kennt, sondern er zudem selbst österreichische Wurzeln hat, scheint er der Richtige an Marias Seite.

Marias Wunsch macht eine Reise nach Wien zwingend notwendig. Das ist alles andere als einfach, da sie die Erinnerungen an die schrecklichen Erlebnisse einzuholen drohen. Ihre Eltern hatte sie zurücklassen müssen, und die Flucht aus Österreich war dramatisch genug. Doch stellt sie sich den Erinnerungen.

Der Rechtsanwalt an Marias Seite ist zunächst nicht sehr zuversichtlich. Doch als Maria schon bald aufgeben will, weil sie sowohl durch die wiederkehrenden Erinnerungen als auch die Begegnungen mit den Österreichern, die das Bild natürlich nicht hergeben wollen, überfordert ist, geschieht etwas mit ihm in Wien, etwas, das ihn den Fall nicht abhaken lässt: Es sind vielleicht die eigenen Verknüpfungen, auch vielleicht, dass das Werk seines Großvaters (auch Arnold Schönberg musste als Jude das Land verlassen) jetzt ganz selbstverständlich in Wiens Konzertsälen gespielt wird, als sei nichts gewesen, und natürlich die schreiende Ungerechtigkeit, dazu der eigene drohende Bankrott, die ihn zum Weiterkämpfen veranlassen. Und so geht der Prozess weiter.

Die Erinnerung an die Nazizeit schnürt mir wie immer die Kehle zu. So viele Menschen haben mitgeholfen, die jüdischen Mitbewohner zu vertreiben und sogar umzubringen, das ist einfach gar nicht auszuhalten. Auch bei diesem Film würde ich einmal mehr wünschen, dass es sich um eine böse Vision handelt, undenkbar in der Umsetzung. Dass diese Dinge wirklich passiert sind, ist eine grauenhafte Vorstellung.

Ich bin froh, dass Österreich am Ende eingelenkt hat und das Bild hergab. Es ist nun in Amerika, es ist ins Exil gegangen, was sich in Anbetracht der historischen Gegebenheiten einfach richtig anfühlt. Das nenne ich erfolgreiche Aufarbeitung der Vergangenheit.
Der Film hat mich aus diesen Gründen sehr berührt. Wie viele Menschen haben niemals ihre Rechte eingeklagt, weil sie sich nicht ein weiteres Mal der Vergangenheit stellen können? Ganz sicher die meisten, wenn man von der riesigen Menge ausgeht, die nicht mehr für sich sprechen konnte… Gut jedenfalls, dass das Erinnern bei uns heute durch solche Filme immer weder wach gehalten werden.

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