‚Tao Jie – Ein einfaches Leben‘ – Film von Ann Hui

Veröffentlicht: 19. August 2015 in Filme, Kultur

Ich empfinde es oft als wohltuend, mal einen Film zu sehen, der aus einem anderen Kulturkreis stammt. Die Schnitttechnik und Erzählweise der amerikanischen Filme behagt mir oft nicht (obwohl es immer wieder grandiose Ausnahmen gibt!); französische Filme schätze ich sehr, deutsche Filme empfinde ich oft als etwas schwerfällig.

Andy Lau und Deannie Yip in ‚Ein einfaches Leben‘; Quelle: Filmstarts.de

Dieser Film nun stammt aus China. Und er zeichnet sich durch seine einfache Erzählweise aus, durch Bilder, die direkt wirken und herzerwärmend sind…

Ein Mädchen wurde von den Eltern nach der Geburt in einer Pflegefamilie gegeben, die jedoch durch familiäre Umstände das Kind nicht behalten konnte und daher gezwungen war, es als Dienstmädchen in eine wohlhabende Familie zu geben, dem sie 60 Jahre lang diente. Jetzt, in schon recht betagtem Alter, ereilt sie ein Schlaganfall, und sie hat das Bedürfnis, nun in ein Altersheim überzuwechseln.
Im Grunde ist diese alte Frau ganz einfach – einfach. Und dies hat sie die Kinder der Familie gelehrt; dem erfolgreichen jungen Mann, der nicht wie der Rest der Familie nach Amerika ausgewandert ist, dient sie bis zu ihrer Pensionierung. Doch es ist viel viel mehr als Dienen, was sie für ihn gemacht hat. Sie hat ihn durch sein Leben begleitet, hat ihn und seine Freunde bekocht und bleibt mit jeder einzelnen Phase ihres Seins mit ihm verbunden. Es gibt kein Detail an ihm, das ihr nicht vertraut ist, und sie lehrt ihn Innigkeit und Weitsicht – sogar noch, als er sie sehr regelmäßig in dem von ihm ausgesuchten Altersheim besucht. Das Altersheim ist für europäische Maßstäbe eine höchst mittelmäßige Kaschemme. Doch Ah Tao, das ehemalige Dienstmädchen ohne eigene Angehörige, erträgt auch dies mit einem bewundernswerten Gleichmut, nimmt Anteil am Geschick der anderen alten Leute und des Pflegepersonals, beklagt sich nie und bleibt daher ein unerschütterliches Vorbild für die Familie, die sie auch nach den 60 Jahren Dienerschaft nicht vergisst. Ah Tao ist zu einem vollwertigen Familienmitglied geworden, wie eine zweite Mutter war sie für die Kinder da, die nun erwachsen sind, und nimmt Anteil an ihrem Leben.

Das ist herzerwärmend und unspektakulär. Die Bilder lassen sich viel Zeit für das Portrait dieser einfachen Frau und auch des jungen Mannes, der ihr treu bleibt bis zum Tod, und sie nun betreut, grad so, wie sie es in der Zeit ihrer Dienerschaft gemacht hat. So berührend dies alles ist: eine spannende Geschichte kann man in diesem Film nicht erwarten, muss man aber auch gar nicht. Er steht so ganz für sich selbst.

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Kommentare
  1. Maren Wulf sagt:

    Das klingt nach einem Film ganz nach meinem Geschmack – danke für den Tipp!

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