‚Über Wasser. Malerei und Photographie von William Turner bis Olafur Eliasson‘ – Ausstellung im Bucerius Kunstforum Hamburg

Veröffentlicht: 21. September 2015 in Ausstellungen, Gedanken, Kultur, Kunst

Wasser – was ist nicht Wasser? Wasser ist der Stoff, der Leben schenkt und Leben nimmt. Es umgibt uns, und wir bestehen aus ihm.
Wasser ist mächtig und gewaltig, in ihm spiegeln wir uns und es zeigen sich in ihm unsere Umweltsünden. Es kann uns reinwaschen.
Wasser ist natürlich aus diesen und noch viel mehr Gründen ein riesiges Thema in der Kunst, und dass das Bucerius Kunstforum nur einen kleinen Einblick geben kann von den verschiedenen Ansätzen der Auseinandersetzung, versteht sich von selbst.

Die Ausstellung beinhaltet Werke aus dem frühen 19. Jahrhundert, z.B. von Caspar David Friedrich (nicht das Eismeer! Das kann die Hamburger Kunsthalle nun wirklich nicht verleihen), in denen es beispielsweise um die Erhabenheit der Natur geht und dem Menschen, der nur ehrfürchtig und staunend ihr gegenüber stehen kann. Eisberge und Wasserfälle sind aber nicht nur Thema in dieser Epoche, denn die Bilder reichen bis in die Gegenwart. Immer wieder ist auch Reflexion das Thema: Was zeigt uns das Wasser, was spiegelt es? Ein wunderbares Werk stammt von Naoya Hatakeyama, der Tokio nur durch Fotos der nächtlichen Spiegelung auf einem Kanal portraitierte. Die Bilder waren zudem falsch herum aufgehängt. Je länger man auf diese Fotoreihe starrte, desto mehr rückte auch die Verschmutzung des Kanals in den Fokus.
Dann gab es auch Studien über die geheimnisvolle Veränderung von Menschen und Gegenständen durch die Durchsicht von Wasser. William Turner hat Studien betrieben, indem er Glaskugeln mit Wasser füllte und versuchte, die Reflexionen und Spiegelungen im Aquarell festzuhalten. David Hockney hat mit seinen grandiosen Poolfotos (es gab zwei, glaube ich, und leider kein Gemälde) ebenfalls untersucht, was das Wasser mit der Realität macht. Wasser ist (oft) durchsichtig, doch es verzerrt die Dinge und führt zu ganz perfiden – gefilterten – Perspektiven. Oder es bildet eine Oberfläche, die so undurchdringlich ist, wie der festeste Stoff.

Wasser fließt. Man kann nicht zweimal in den selben Fluss steigen. Es ist die verkörperte Veränderung! Li Trieb hat den Augenblick einer Wasserszene versucht, festzuhalten: eine bewegte Wasserfläche, auf die es zudem regnet, scheint ein Foto zu sein. Doch tatsächlich ist es eine filigrane Bleistiftzeichnung, an der sie drei Monate gesessen hat. So stehen sich Augenblick und Zeit gegenüber, und während die Zeichnung einem langen Entstehungsprozess unterliegt, ist das Dargestellte keinen Wimpernschlag lang beständig. Doch Wasser und seine Formationen ist schon seit Jahrmilionen vorhanden und formiert sich immer neu – was sind dagegen drei Monate Zeichnen in dem Leben eines Menschen im Vergleich zu der Dauer des Vorhandensein dieses Stoffes?

Wasser ist unser Leben, und es ist ein Gradmesser unseres Lebens. Im Wasser ist mittlerweile Gift, wie beispielsweise Josef Beuys‚ Rheinflasche zeigt, oder Eis schmilzt wegen der veränderten Umweltbedingungen und wird wieder zu Wasser. Wir suchen Wasser auf, suchen das Idyll, das es aber nicht mehr in der Form gibt. Eine Illusion? Vielleicht lassen wir uns ja, was angeht, sogar gerne täuschen, wie uns Sonja Braas vor Augen hält, wenn sie uns im Ungewissen lässt, ob ihre Fotos in der Natur entstanden oder nur Nachbildungen sind, die sie im Atelier fotografierte.

Ich hatte so viele Gedanken in der Ausstellung über das Thema Wasser, und wenn mir auch ganz viel Ansichten und Perspektiven fehlten (so viele Assoziationen stellten sich bei mir ein!!), so zeigte die Ausstellung sehr eindrucksvoll, wie geheimnisvoll und undurchdringlich, wie vieldeutig und zugleich einfach dieser Stoff ist, der das Leben schlechthin bedeutet. Es war ein spannender Ausstellungsbesuch!

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