‚Die Schüler der Madame Anne‘ – Film von Marie-Castille Mention-Schaar

Veröffentlicht: 27. November 2015 in Filme, Kino, Kultur

Eine Problemklasse, irgendwo in Frankreich: viele Jugendliche mit Migrationshintergrund, verschiedene Religionen und Kulturen, französische Jugendliche aus sozial schlecht gestellten Familien: Sie alle sind in der 10. Klasse eines Gymnasiums, doch einen Hochschulabschluss traut ihnen niemand so recht zu. Bis auf eine neue Lehrerin, die an die Jugendlichen glaubt. Warum? Sie sieht das Potential der Jugendlichen, nicht nur das, was alles nicht klappt.

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Ariane Ascaride als Madame Anne; Quelle: Filmstarts

Sie ruft zur Teilnahme an einem Workshop auf: Es geht darum, eine eigene Mappe in Gruppenarbeit zum Thema ‚Kinder in Konzentrationslagern während des zweiten Weltkriegs‘ zu erstellen, es ist ein Wettbewerb. Auch wenn die Schüler überhaupt nicht verstehen, dass es was mit ihnen zu tun haben kann, lassen sich die meisten auf den freiwilligen Workshop ein. Warum? Madam Anne, die Lehrerin, versteht es, die Kinder zu berühren, sie hat ihnen was zu sagen und nimmt sie ernst.

Und dann geschieht es: Die Jugendlichen beschäftigen sich mit dem Thema, lassen sich berühren, lernen, ohne es zu merken, und beginnen zu verstehen, übernehmen Selbstverantwortung. Sie beginnen, nachzudenken, tiefer, als sie es für den verordneten Pflichtunterricht je tun würden. Sie finden sich zusammen zu einer Gruppe, einen Verband. Ihre anderen schulischen Leistungen werden besser, man hilft sich gegenseitig, grenzt niemanden aus, geht aufeinander ein. Ein Traum!!!

Das Schöne ist, dass diese Geschichte wohl tatsächlich passiert ist. Sie zeigt, dass die Kinder nicht verloren sind, wenn man nur an sie glaubt, wenn man sie ernst nimmt und fördert.

Aber: So what? Ich mochte zwar die Entwicklung der Jugendlichen sehen, aber so richtig zufrieden bin ich mit dem Film nicht. Was wird denn gezeigt? Ganz zu Beginn betritt eine Abiturientin die Schule, weil sie ihr Abschlusszeugnis abholen will – mit Kopftuch! Das ist in der Schule nicht erlaubt. Und obwohl sie nicht mehr Schülerin ist, verweigert man ihr den Zutritt zum Sekretariat, so lange sie das Kopftuch trägt. Diese, aber auch weitere kleine Geschichten, wird am Rande erzählt. Ich habe den Bezug zum Ganzen ehrlich gesagt dabei nicht verstanden. Es wurde auch einiges über das Thema erzählt, wie es den Kinder in den Konzentrationslagern ging, es kam sogar ein Zeitzeuge vor. Natürlich sind diese Geschichten sehr eindrucksvoll, die Jugendlichen wurden in ihrer Betroffenheit gezeigt. Aber was will der Film eigentlich sagen?

Für mich blieb da nicht besonders viel. Es hat mir vielleicht einmal mehr gezeigt, dass Erwachsenenwerden immer noch so passiert, wie immer schon. Durch Reife – die sich dadurch einstellen kann, dass man in der Gemeinschaft beginnt, zu reflektieren und Verantwortung zu übernehmen. Und der Film hat mir auch gezeigt, dass es ziemlich gute Lehrer gibt, die verständnisvoll sind und gleichzeitig sich durchzusetzen wissen. Lernen kann jemand, der als Lehrer Probleme hat sich in einer schwierigen Klasse durchzusetzen, wahrscheinlich nicht aus diesem Film. Also, ich weiß nicht. Jetzt noch, zwei Wochen nach dem Kinobesuch, gehen mir noch die Bilder im Kopf herum, was immer ein gutes Zeichen ist, eigentlich. Aber was dieser Film nun wirklich mir gegeben hat, weiß ich noch nicht, auch wenn ich vergleichsweise oft über diesen Film gesprochen habe.

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