Pansori-Veranstaltung im Museum für Völkerkunde, Hamburg: Jeokbyeokga – das Lied vom Roten Felsen

Veröffentlicht: 30. November 2015 in Kultur, Literatur, Theater/Oper

Die koreanische Hofkultur aus vergangenen Zeiten ist vielleicht etwas, das von uns heute riesig weit entfernt ist – und doch hat es gerade deshalb seinen großen Reiz.

Ein Erzähler steht auf der Bühne und erzählt eine Geschichte. Begleitet wird er von nur einem Trommler, der zugleich als ‚aktiver Zuhörer‘ fungiert und den Erzähler anspornt, die Buntheit seiner Epik weiterhin so lebendig zu schildern. Auch das Publikum ist aufgefordert, das Geschehen durch beifällige Äußerungen zu unterstützen. Und das wiederum tut seine Wirkung, der Erzähler redet in einem Enthusiasmus weiter, der ansteckend ist. Und das Dolle: Es funktioniert, obwohl die Sprache altkoreanisch ist – selbst die Koreaner unter den Zuschauern können vielleicht nicht alle Textpassagen so gut verstehen, wie diese dem Erzähler so fließend über die Lippen kommen….

Die Veranstaltung liegt schon etwas zurück, sie fand Anfang Oktober im Saal des Museums für Völkerkunde in Hamburg statt, aber sie hatte es in sich. Trotz der Länge der Aufführung und trotz der anderen Sprache (es gab geniale Übertitel, die mitzulesen hervorragend klappte, wenige Pannen ausgenommen) waren wir ganz in den Bann geschlagen, und das will in dieser kurzlebigen Zeit schon etwas heißen.

Die Geschichte ist eigentlich schnell erzählt: eine Minderheit muss Krieg gegen eine große Macht führen. Wider Willen setzen die Schwachen einen schwachen aber gewitzten Alten ein, der es durch seine Listen schafft, die Schlacht zu gewinnen. Doch mit wieviel Witz wurde die Geschichte erzählt! Das hat super Spaß gemacht.

Eigentlich sollte es öfters solche besonderen Vorstellungen aus ganz anderen Zeiten geben (bzw. sollte ich solche Veranstaltungen öfters besuchen), aus Zeiten, in denen es Fernsehen oder Internet oder Handys noch nicht gab, in denen die Bilder der Geschichten noch ganz ursprünglich im Kopf der Zuschauer entstehen können und die Phantasie die Köpfe bewegte wie nichts sonst. Ich mag das. Es war ein exotischer, phantasiereicher und gelungener Abend, und in der Pause gab es für die Gäste Kim-Chi mit Reis, das ist Kohl, sehr pikant eingelegt, supergesund und megalecker.

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