‚Die Verschwörung von Florenz‘ – Historischer Roman von Jeanne Kalogridis

Veröffentlicht: 4. Dezember 2015 in Bücher, Gedanken, Kultur, Literatur, Reisen

kologridisIch war ja aufgrund meiner Reise auf der Suche nach Literatur, die etwas mit Florenz zu tun hat. Und weil mich die Zeit der Medici, wie ja hier vor kurzem des öfteren erörtert, besonders interessiert hat, fiel meine Wahl auf dieses Buch. Eine gute Wahl? In gewisser Weise ja, in anderer überhaupt gar nicht!

Der Roman greift vielleicht gewisse Eckpunkte der florentinischen Geschichte auf. Lorenzo di Medici, ‚der Prächtige‘, stirbt. Nach seinem Tod führt ein Komplott zur Flucht seiner Söhne aus Florenz. Girolamo Savonarola predigte schon seit Längerem in Florenz, doch jetzt beginnt sein Ruhm noch weiter zu steigen. Er predigt gegen den Wohlstand, gegen Schmuck und deren Träger. Diese sind ohnehin in Verruf geraten, wozu Lorenzo einiges beigetragen hatte, da er beispielsweise Steuern einführte (zu Lasten des ohnehin armen Volkes), damit er seinen ausschweifenden Lebenswandel und sein Mäzenatentum weiter führen konnte. Das kam bei den Bürgern ohnehin nicht besonders gut an, man hatte jedoch wegen der Medici-Generation vor Lorenzo dieser Familie immer Loyalität bezeugt. Dank Savonarolas vermutlich meisterhafte Rhethorik hing Florenz schließlich an seinen Lippen und machte die Abkehr von allem Herrlichen in Florenz möglich.

Dieser historische Hintergrund bildet die Kulisse der Geschichte um Monna Lisa Gherardini, die mitten in die Medici-Intrigen auch ihrer eigenen Identität auf die Spur kommt. Eine nicht kleine Rolle spielt dabei Leonardo da Vinci, der den Auftrag, angeblich von Lorenzo noch vor seinem Tod, bekam, Monna Lisa zu malen. Durch ihn erfährt Monna Lisa dann das Geheimnis ihrer Mutter…
Das war spannend zu lesen, und was ziemlich klasse war, war, dass ich ja nun viele der Orte kannte, die von den Protagonisten aufgesucht wurden. Das war schon ein besonderes Lesevergnügen, die Figuren zu den Orten zu begleiten, viel intensiver war dadurch mein Vorstellungsvermögen. Das habe ich sehr genossen.

Was ich aber abscheulich finde, ist, dass der Roman einen Teil der Personen, die in Florenz damals lebten, benutzt hatte, um eine ganz eigene Geschichte zu erzählen. Ich weiß nicht, ich bin da einfach empfindlich: Mona Lisa, die Leonardo da Vinci malte, war die Gattin eines der reicheren Stoffhändler (dass sie es war, die er malte, ist umstritten, das Buch folgt allerdings dieser Theorie). Im Buch kommt ihr Gatte nicht grad gut weg, ebenso Mona Lisas Vater nicht. Wenn ich jedoch bei Wikipedia über diese Frau nachlese, so scheint mir, dass weder ihre Ehe so grässlich war oder der Vater bestimmte Eigenschaften besessen hatte, wie im Roman geschildert. Das finde ich einfach nur schlimm. Vielleicht kann man ja sagen, dass es eben nur ein Roman ist, der bestimmte historsiche Gegebenheiten aufgreift und zu einer spannenden Handlung – spannender als das, was wirklich geschehen ist – zusammen setzt, aber ich empfinde doch das eine oder andere als rechte Verunglimpfung.

Ich kann mir allerdings vorstellen, dass das Schicksal der Frauen im 15. Jahrhundert durchaus schlimm war; dass Vergewaltigung in der Ehe an der Tagesordnung stand und Frauen absolut nichts wert waren. Die Schilderung mag insofern authentisch sein, aber die Übertragung auf tatsächlich vorhandene Personen finde ich falsch, wenn es für die Untaten keine Belege gibt.

Das Buch ist übrigens auch unter dem Titel ‚Ich, Mona Lisa‘ und ‚Leonardos Geheimnis‘ herausgekommen. Beide Titel zielen auf bestimmte Leserschaften wie mich ab. Tja, mich hat das zwar nicht getroffen, da ‚Die Verschwörung von Florenz‘ ja nicht soo reißerisch klingt. Dennoch: das Buch hat mich auch getroffen. Aber am Ende habe ich es – versenkt.

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