‚Die zwölf Geschworenen‘ – Film von Sidney Lumet (1957)

Veröffentlicht: 10. Januar 2016 in Filme, Kultur

Diesen Filmklassiker wollte ich unbedingt mal wieder sehen! Er handelt von einer Gruppe von Männern, die als Geschworene ein Urteil über den Angeklagten sprechen müssen. Eigentlich scheint der Fall klar zu sein: Der junge Mann hat seinen Vater erstochen, bei dieser Tat soll er von einer Zeugin gesehen und von einem Zeugen gehört worden sein. Eigentlich liegt der Fall klar auf der Hand, die 12 Männer aus verschiedenen sozialen Schichten kommen also zusammen, wollen aber auch schnell in den Feierabend. Einem von ihnen (Henry Fonda) geht das zu schnell – treffen sie das Urteil ’schuldig‘, wird der Mann sein Leben verlieren.

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Henry Fonda in ‚Die zwölf Geschworenen‘; Bildquelle: Filmstarts.de

Also besteht er darauf, die Aussagen noch einmal auf Stichhaltigkeit zu prüfen, selbst wenn vielleicht auch er der Meinung ist, dass der Mord so passiert ist, wie alle denken. Das nervt einige von den anderen Männern ganz gehörig, sie halten es für Zeitverschwendung; doch schließlich müssen sie sich darauf einlassen, denn alle zwölf Männer haben ein einstimmiges Urteil zu fällen.

Interessant sind die Gruppenprozesse, die hierbei stattfinden. Wie ich unlängst in dem Buch ‚Die Kunst des klaren Denkens‚ nachlesen konnte, ist es ungemein schwierig, innerhalb einer Gruppe eine konträre Meinung zu vertreten. Und in diesem Film kostet es durchaus einigen Mut gegen das eine oder andere Alphatier anzustinken.

Beim Aufrollen kommt zutage, dass einige Aussagen eigentlich nicht den genauen Tatsachen entsprechen könne – der Ablauf hätte vielleicht auch anders sein können; die Zeugin hatte vielleicht gar nicht genug Sehfähigkeit, um in dem Mörder den jungen Mann auf der Anklagebank erkennen zu können. Dennoch halten einige der Männer an ihrer Meinung fest, dass der Mann schon allein durch seine niedere Herkunft schuldig sein muss. Doch immer mehr tritt die Persönlichkeit der Männer zutage – und ihre Defizite. Ihre Meinung wurde geprägt durch ihre eigenen Erfahrungen, beispielsweise mit dem sozialen Millieu, aber auch durch ihre Probleme mit der Jugend. Nur: Was hat das mit dem konkreten Fall zu tun?

Es ist eine psychologische Studie, die hier betrieben wird, und immer deutlicher wird den Geschworenen, dass sie die Behauptung ’schuldig‘ nicht länger aufrecht erhalten können. Auch wenn der Angeklagte den Mord begangen haben sollte, ist die Beweislage nicht in der Form, dass dies eindeutig bewiesen ist.

Es ist ein spannender Film, und intensiv, auch wenn die Kulisse so gut wie nur aus einem einzigen Raum besteht. Sehenswert! Erst recht, um sich die Unzulänglichkeiten der Menschen in ihrer Ureilsfähigkeit anderen gegenüber noch einmal vor Augen zu führen.

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