‚Nolde in Hamburg‘ – Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle

Veröffentlicht: 12. Januar 2016 in Ausstellungen, Kultur, Kunst

Die Ausstellung umfasst Bilder aus Noldes Besuchen in Hamburg 1909 sowie dem Bestand der Hamburger Kunsthalle, was praktisch ist, da die Kunsthalle ja z.Zt. noch aufwendig restauriert wird und wenigstens Noldes Bilder in dieser Ausstellung dann noch zu sehen sind (die Highlights der Kunsthalle waren allerdings nicht weggesperrt – die finden sich, wenn auch nur noch bis Ende Januar, in einer anderen Ausstellung).

nolde1Die Ausstellung ist ein echtes Erlebnis! ‚Meinen‘ Nolde, so wie ich ihn z.B. aus Seebüll kenne, habe ich hier kaum wiedergefunden. Emil Nolde hat sich am Hamburger Hafen in einer Form ausprobiert, die reduzierter – aber auch genialer – kaum sein kann: In vielen Tuschezeichnungen perfektionierte er die Kunst der Reduktion, beinahe nichts, nur ein paar Pinselstriche, setzen dennoch das perfekte Motiv zusammen; nichts fehlt auf dem Bild: Himmel, Wasser, und das Schiff – perfekt – und wunderschön! Doch auch mit Radierungen und Holzdrucken sind  fantastische Bilder gelungen; im Groben zeigt sich die ganze Genialität und Feinheit seiner Kunst.

Ebenfalls großartig waren einige der Aquarelle, teilweise reduziert in den Farben, wie dies Beispiel in schwarz-weiß-rot, und das da wir doch wissen, wie intensiv von Nolde die Farben benutzt wurden.

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Eigentlich habe ich Nolde immer geliebt wegen der intensiven farbigen Leuchtkraft seiner Bilder, diese hier waren mir neu, ich wäre wohl auch nicht darauf gekommen, dass die Bilder von ihm sind. Es gab wohl schon mal eine Ausstellung dieser Werke in Hamburg, irgendwann Ende der 1980er Jahre, die habe ich aber damals wohl verpasst.

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Dieser Ausschnitt aus einem Gemälde zeigt nochmal wunderbar, wie es Nolde versteht, die Farbigkeit expressiv einzusetzen; keinen Halt findet man in dem Bild, es geht ganz auf in der farbenflirrenden Luft, wir können uns darin verlieren. Diese Landschaftsbilder bieten immer neue Überraschungen, und einmal mehr zeigt sich die Kunst darin, neue Zeichen zu erfinden, um der Welt eine weitere Perspektive von sich selbst zu schenken.

Ich habe diesen Teil der Ausstellung sehr gemocht. Der zweite Teil umfasst die Gemälde, die die Kunsthalle angeschafft hat. Nolde lag sehr viel daran, Werke in Hamburg unterzubringen, allein schon, weil er sich mit der Stadt sehr verbunden fühlte. Ich persönlich war mit der Auswahl nur teilweise zufrieden.

Nolde hat neben seinen unvergleichlichen Landschaftsbildern auch Menschen gemalt, nur ist mir dafür sein Malstil oft zu grob. Natürlich ist es vom Zeitgeist richtig, im Expressionismus liegt der Schwerpunkt auf dem Ausdruck, wie der Name schon sagt. Mir waren die Menschendarstellungen dennoch oft zu unsensibel, das sprach mich nicht so sehr an. Aber es gab auch so einige geniale Gemälden von Landschaften und Blumen (neben einem wunderbaren Selbstbildnis, das mich dann doch überzeugte), beispielsweise dieses Bild, das wohl nach einer Odyssee, ausgelöst durch die Verbote, die während der NS-Zeit ausgesprochen wurden, nun wieder ‚zuhause‘ ist:

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SO kannte ich Nolde! Aber ich bin sehr froh, dass ich die Ausstellung besucht habe, es war eine große Bereicherung! Die Ausstellung endet am 10.2.16.

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