‚Die Frauen von Andros‘ – Roman von Ioanna Karystiani

Veröffentlicht: 17. Januar 2016 in Bücher, Kultur, Literatur

36010Auf dieses Buch, mit dem die gebürtige Kreterin Ioanna Karystiani auch in Deutschland erfolgreich geworden ist, bin ich schon neugierig geworden, seitdem ich ‚Die Augen des Meeres‚ gelesen habe.

Es ist jedoch kein so zugängliches Buch: Die Autorin wirft mit Namen und Geschichten nur so um sich; eine Figur wird mit drei bis vier Namen bezeichnet, das macht es zu Beginn des Buches nicht ganz einfach, der Geschichte zu folgen. Diese allerdings ist schwer und schwermütig, geht es doch um das Thema einer verfehlten Liebe, um Treue und um verpasste Chancen.

Auf Andros sind die Menschen mit dem Meer zutiefst verbunden. Während die Männer auf See sind, bangen die Frauen um deren Leben und gehen auf in ihren Erinnerungen. So war es schon immer. Mina Salatferos, selbst mit einem Kapitän verheiratet, der sie jedoch nicht liebt, steht vor der Aufgabe, ihre beiden Töchter zu vermählen. Für die ältere Tochter wählt sie einen aufstrebenden jungen Mann aus, der innerhalb der Reederei Karriere machen könnte – eine gute Partie, sicherlich, doch hat Orsa ihr Herz schon verloren…. Für Moska wählt die Mutter einen jungen Seemann aus, der über Persönlichkeit und Format verfügt. Dass die Töchter mit der Wahl vielleicht nicht einverstanden wären – die jüngere Tochter möchte eigentlich keinen Seefahrer zum Mann, die ältere muss ihrer Liebe entsagen – das wird nicht diskutiert. Es war schon immer so, und so wird es auch bleiben: Mina selbst beißt schließlich auch die Zähne zusammen und durchlebt die Ehe als ungeliebte Frau.

Die Eheleute auf Andros leben ihre Dreiecksbeziehungen zwischen Mann, Frau und Meer. Der Blick der Frauen aufs Meer wird beinahe zu einer Reflexion über den Mann. Der Mann liebt das Meer wie seine Frau. Und das Meer? Es nimmt, was es kann und gibt es nicht wieder her. Wie Mina, Orsa, Moska und viele anderen Frauen auf Andros an ihren Lieben vorbeileben, das ist Thema dieses Buches. Dass Konstellationen ungünstiger nicht sein könnten  und wie Lebensziele nicht erreicht werden können, wenn nicht nach Gefühl entschieden werden darf, ist der tragische Gehalt.

Das Buch war nicht leicht zu lesen, wegen der vielen Namen und der vielen Geschichten, die den Frauen widerfahren sind und sie auf der Insel festhalten, als wäre es ein goldener Käfig, der mitten im Meer steht. Der Roman strahlt eine Schwermut aus auf eine spezielle griechische Art und Weise, die mich gleichzeitig in Bann schug. Schwermütig, tragisch und sehnsüchtig, das sind die drei Schlagworte, die ich mit meiner Lektüre verbinde. Ich habe das Buch gemocht, trotz der Schwierigkeiten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s