‚Das letzte Land‘ – Roman von Svenja Leiber gelesen von Burghart Klaußner

Veröffentlicht: 6. März 2016 in Bücher, Kultur, Literatur

Eine Erkältung fesselte mich eine komplette verschniefte Woche an mein Bett. Beste Zeit also, der Empfehlung meines Schatzes zu folgen und sein derzeitiges Lieblingshörbuch zu hören…

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Es ist die Geschichte des Ruven Preuk, der als begabter Musiker um 1910 auf dem Dörpen irgendwo in Norddeutschland geboren wird und dessen Förderung sich als schwierig erweist – sind die einfachen Bauersleut doch nicht gerade Musikexperten. So wird er dort herumgereicht, kommt zum Dordel, dessen Sohn Fritz nichts von Musik wissen will, doch auch bei ihm, der sich seiner liebevoll annimmt, kann er nicht lange etwas lernen, und so geht es weiter in die Vorstadt zu dem einzigen jüdischen Geiger.

Seine Versuche, sich auch gesellschaftlich im Großbürgertum zurechtzufinden, scheitern jedoch; ein Stück weit bleibt er der verschlossene Bauerntölpel, dem der Bezug zu allem irgendwie abgeht, beinahe könnte man meinen, dass er zwar die Geige spielen lernt, doch das Musikalische bleibt ihm dennoch verschlossen. Seine Intuition allein reicht jedoch nicht aus, als der Faschismus um sich greift und ausgerechnet Fritz Dordel zu seinem Gegenspieler wird. Immer wieder begegnen sich diese höchst unterschiedlichen Geister, und als Ruvens politische Freundin Emma Braren getötet wird, bleibt Fritz ein Tatverdächtigter. Doch in der Stimmung des aufkeimenden Faschismus wird der Mord an diese zugereiste Außenseiterin nie aufgeklärt. So ist also Ruvens Geschichte mit der deutschen Geschichte untrennbar verbunden. Die Verletzungen, die er durch den Krieg und der ewigen Feindschaft mit Fritz Dordel davonträgt, sind so tief, dass er darüber verpasst, als Musiker Erfolg zu haben.

Ein Mann, geboren am falschen Ort und zur falschen Zeit, könnte man sagen. Die Geschichte ist packend, aber mit ihren vielen Wendungen nicht unbedingt ausgewogen erzählt. Zu viele Fragen bleiben: warum hat sich Ruven nicht um seine Tochter gekümmert bzw. hat zugelassen, dass eine kaltherzige Haushälterin und später seine zweite Ehefrau das Kind misshandelt bzw. ins Heim abgeschoben hat? Warum hat er sie überhaupt geheiratet? Und was ist aus Fridjoff, seinem zweiten Sohn (geboren von seiner ersten Frau, jedoch ist er ganz klar nicht sein leiblicher Vater) geworden, der wird gar nicht mehr erwähnt?
Da sind so einige Fragen offen, und ist auch die Geschichte manchmal arg konstruiert. Svenja Leiber brilliert jedoch in der Schilderung der Menschen auf dem norddeutschen Lande. Deren Leben und Treiben beschreibt sie anschaulich und mit einem liebevollen, wenn auch manchmal sehr negativem Zug, der aber zu dem Land und den Leuten passt.
Ich habe Burghart Klaußners Stimme gern gelauscht, bin aber mit der Geschichte nicht ganz zufrieden. Vieles wird angerissen, aber doch nicht so ausgeführt, dass es in sich schlüssig wird. Manche Figuren verschwinden plötzlich aus dem Geschehen, wie Fridjoff, anderen wird plötzlich sehr viel Raum gegeben, wie Marie, der Tochter Ruvens. Das hat mein Hörvergnügen dann doch etwas getrübt.

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