Picasso. Fenster zur Welt – Ausstellung im Bucerius Kunstforum

Veröffentlicht: 25. März 2016 in Ausstellungen, Kultur, Kunst
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Ausschnitt aus dem Foto von Robert Doisneau (1912-1994): Die Lebenslinie, 1952, auf der Website des Bucerius Kunstforum http://www.buceriuskunstforum.de

Das Fenster hat in Picassos Werk seinen festen Platz, bietet es doch viele verschiedene Interpretationsansätze. Und – natürlich, wie alles in und um und von Picasso – geht er damit äußerst kreativ um!

Unter den ausgestellten frühen Bildern gibt es wunderbare Gemälde, die dem Betrachter Rätsel aufgeben: Handelt es sich um ein Fenster, oder ist es vielmehr ein Gemälde,  das auf einem Tisch an der Wand lehnt und eine Landschaft zeigt (siehe hier )? Oder, wie auf dem kleinen Bildchen, in dem eine kranke Person Besuch bekommt (die Personen sind nur schemenhaft und schwer erkennbar), in dem sich der Ausblick aus dem Fenster des dunklen Raumes so hell und ‚anders‘ darstellt, dass man meinen könnte, es verweise auf den Übergang zu etwas komplett anderen.

Andere – spätere Gemälde – zeigen beispielsweise den Ausblick aus seinem Atelierfenster, und während der Innenraum in einem beschützenden Warm gehalten wird, scheint draußen eine frostige Atmosphäre zu herrschen – vielleicht sogar Krieg. Oder aber genau andersherum: Die Tomatenpflanze steht auf dem Fensterbrett und scheint Wärme und Licht in den kalten Innenraum zu transportieren wie einen Hoffnungsschimmer am Ende einer entbehrungsreichen Zeit.

Zwei Bilder habe ich besonders gemocht. Auf dem Einen hat Picasso seine Frau gemalt; sie ruht ausgestreckt auf dem Bett. Picasso selbst steht im Raum vor dem Fenster und wirft einen Schatten auf die schlafende Frau. Das Bild zeigt auf sehr persönliche Weise die Vorahnung einer Trennung, denn der Schatten symbolisiert die Gebundenheit der Frau; der Mann tut ihr nicht mehr gut, lähmt und überschattet sie. Bald nach Fertigstellung des Bildes fand denn auch die Trennung statt. Es ist ein selbstkritisches Bild, berührend die vor sich selbst eingestandene Ehrlichkeit, so meine Interpretation.

Das andere Gemälde hat Picasso in seiner Villa in Südfrankreich gemalt (siehe hier) und zeigt sein Atelier mit dem grandiosen Ausblick auf Palmen. Es hat eine wunderbare Freiheit; wild ist Picasso mit dem Pinsel über die Leinwand gefahren, wild und mit einer begnadeten künstlerischen Eigenheit – das Gemälde hat mich sehr beeindruckt.

In der Ausstellung sind auch eine Menge Fotos aus Picassos Atelier und Umfeld ausgestellt, die auch viele seiner Motive zeigen, denn Picasso hat sich oft seiner eigenen vielleicht als unspektakulär zu bezeichnenden Umgebung bedient, aber sie durch seine unglaubliche Kreativität zu etwas ganz Neuem, Eigenen werden lassen.

Es ist mal wieder eine Ausstellung, deren Besuch sich unbedingt lohnt!

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