‚Die Seerose im Speisesaal: Venezianische Geschichten‘ – von Ulrich Tukur

Veröffentlicht: 28. März 2016 in Bücher, Kultur, Literatur

tmp_6918-9783548608396_cover-2085087761Ulrich Tukur und ich teilen eine Leidenschaft, und die heißt Venedig. Viel zu selten war ich zu Besuch bei dieser alten, verwelkten doch nicht minder schönen Grande Dame, und ich finde, Herr Tukur hat es sowas von richtig gemacht, dass er dorthin gezogen ist. Und er hat noch etwas richtig gut gemacht, wenn ich jetzt kurz einmal seine schauspielerischen Erfolge unter den Tisch fallen ließe: Er hat ein Buch geschrieben, venezianische Geschichten. Dazu sind diese Geschichten alle wahr, ganz bestimmt, das glaube ich ihm voll und ganz, denn er sagt selbst darüber, dass sich die Geschichten alle genau so zugetragen haben, so, oder so ähnlich.

Es sind wunderbare Geschichten, die uns Leser mitnehmen in die engsten Gassen und hochherrschaftlichsten Häuser, in denen sogar schon kleine verwöhnte Milchbubis dem überreichen Genuss von Wodka standhalten, bis alles Verinnerlichte eine Retoure macht. Er nimmt uns auch mit zu seinen Abstechern nach Sardinien, wo sein Großvater als Maler arbeitete und lässt uns erahnen, dass es Zufälle nicht geben kann, bei der Menge, die ihm selbst widerfahren ist und oft sogar den Weg gewiesen hat, beispielsweise, wenn er erzählt, dass er im Büro des Immobilienmaklers ein Gemälde seines Opas hängen sieht – um sodann die Wohnung eines ehemaligen Gondolieres im Giudecca-Viertel zu finden, in der er und seine Frau vermutlich bis heute glücklich leben. So knüpft Ulrich Tukur eins ums andere Mal an Erlebnisse und Begegnungen an, die er selbst hatte, und zusammen mit seiner guten Beobachtungsgabe, der Kunst des Verknüpfens mehrerer Geschichten und einer sehr feinen Sprache entstehen ganz phantastisch wahre Erzählungen.

Beispielsweise wie die, wo er das Antlitz von Charlie Chaplin (nein, oder doch vonAdolf  Hitler?) in einem Klingelknopf wiederfindet. Und, wer weiß, vielleicht hat sich auch nur Hitlers amouröses Abenteuer, das er vielleicht mit einer schönen und schön jungen Venezianerin gehabt haben soll, in die Seele der Stadt eingegraben (und Charlie Chaplin? War er auch in Venedig? Das wäre dann vielleicht Stoff für eine weitere Geschichte, aber dazu müsste Herr Tukur dann wohl auch in den Besitz von alten Tagebüchern oder Briefen einer Frau kommen, wie in Hitlers Falle… leider sind die Tagebücher von Hitlers Bekannten dann von seiner Reinigungskraft versehentlich entsorgt worden, so dass über diese Romanze keine Dokumente mehr vorhanden sind).

Doch Herr Tukur lehrt uns: Venedig ist überall! Beispielsweise immer noch im Hamburger Schanzenviertel in Gestalt eines seit Jahren (oder gar Jahrzehnten?) leerstehenden Eissalons namens ‚Venezia‘, dessen verstorbener Besitzer ein begnadeter Eishersteller war. Ja, es stimmt: Sogar hier in Wedel heißt der (für mich) beste Eissalon ‚Venezia‘, und seit ich das Buch gelesen habe, gehe ich sogar noch viel lieber dorthin.

Unendlich ist Ulrich Tukurs Ideenreichtum, und es hat riesig viel Spaß gebracht, diese Geschichten zu lesen. Gerade wenn man Venedig-Fan ist oder dorthin eine Reise plant – und sei es nur in der Phantasie! – lohnt sich die Lektüre.

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Kommentare
  1. Ich mochte Venedig und mag Ulrich Tukur… Eine win-win Situation! Schöner Beitrag, macht richtig Vorfreude auf das Buch.

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