‚Trumbo‘ – Film von Jay Roach

Veröffentlicht: 3. April 2016 in Filme, Kino, Kultur

Es ist die Zeit kurz nach dem 2. Weltkrieg, die Zeit des sogenannten kalten Kriegs, als die Amerikaner fürchterliche Angst hatten, von den Russen ausspioniert zu werden. Kommunist sein war sowas von ‚politisch unkorrekt‘, dass es gleichgesetzt wurde mit Spionage für Russland. Ein Kommunist gehörte nicht nach Amerika, der konnte gleich nach Russland auswandern. Schwarz-weiß. Naja. Es ist ja auch schon etwas her, dass es so war.

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Szenenfoto aus ‚Trumbo‘ mit Bryan Cranston in der Titelrolle; Bildquelle: Filmstarts.de

Nichtsdestotrotz gab es einige, die sich gegenüber den kommunistischen Ideen öffneten. Doch sich dazu zu bekennen, war gleichzusetzen mit dem gesellschaftlichen Aus. Dalton Trumbo, besessener Drehbuchautor, war so einer. Er war Kommunist, und allein wegen dieser Tatsache musste er für ein knappes Jahr in den Knast, und sein Name hatte – wie ungefähr 10 seiner Kollegen auch – auf der Leinwand nichts zu suchen. Trotz seiner großen Begabung wurde ihm offiziell oder auf den gesellschaftlichen Druck hin – Berufsverbot erteilt.

Der Film handelt genau von dieser Ungerechtigkeit, aber zeigt auch das Hollywood der 50er Jahre in einer produktiven Zeit: Unterhaltungsfilme, sehr gefragt, wurden wie am Fließband produziert, und dazu bedurfte es natürlich frischer Ideen von talentierten Schreiberlingen. Trumbo umging das Berufsverbot nicht nur dadurch, dass er einem anderen Drehbuchautor, der nicht auf der schwarzen Liste stand, zuarbeitete und unter dessen Namen Drehbücher einreichte, er gründete richtiggehend eine organisierte Drehbuchschreiberbande, die unter Phantasienamen ihre Drehbücher einreichten.
Doch da gab es natürlich auch so einige Probleme. Donald Trumbo als hochbegabter Autor mit einer unermesslichen Produktivität sollte denn auch bald seinen ersten Oskar bekommen – und auch wieder nicht: Denn er durfte um keinen Oskar der Welt öffentlich machen, dass er der Autor von ‚Ein Herz und eine Krone‘ (verfilmt mit Audrey Hepburn und Gregory Peck) war! Auch ein zweiter Film wurde für sein Drehbuch ausgezeichnet, und diesmal stellte es sogar ein Problem dar, den Oskar überhaupt in Empfang zu nehmen, weil es ein erfundener Name war…

Der Film erzählt also Trumbos Geschichte, seinen Widerstand gegen das System, welchem er ja gleichzeitig als Autor von mehr oder weniger seichten Hollywoodkomödien im Grunde genommen auch zuarbeitete, denn politisch waren seine Werke wohl eher weniger. Dieser Mann muss 25 Stunden am Tag gearbeitet haben, so wird es dargestellt. Am Schreibtisch, in der Badewanne, trotz Geburtstagsfeiern – er war immer dabei, zu produzieren…

Schön war, dass seine Familie, sprich seine Frau und seine drei Kinder, diese kritische Zeit über voll hinter ihm stand. In einem Interview mit dem echten Dalton Trumbo gab dieser an, dass seine Kinder in große Schwierigkeiten kamen, wenn sie erzählen sollten, welchen Beruf sein Vater ausübte. Die Nachbarn ebenfalls sahen in Trumbo den Verräter und machten ihm das Leben schwer.

All dies wird in dem Film gezeigt, und es wird gut gezeigt. Einzig was ich zu bemängeln hätte wäre – das Drehbuch… Letztendlich ist es eine Geschichte, ein Zeitabschnitt, der geschildert wird, aber einen richtigen Spannungsmoment konnte ich nicht sehen. Gleichzeitig fand ich es interessant, mehr über diese Zeit der amerikanischen Geschichte zu erfahren, insofern bereue ich nicht, ihn gesehen zu haben.

Dann fiel mir auch wieder ein, dass ich vor einiger Zeit ’12 Uhr mittags‘ gesehen hatte, eine Hollywoodproduktion auf hohem Niveau, mit dem brisanten Thema, wie Menschen unter Angst dazu neigen, sich zu verstecken, anstatt Zivilcourage zu zeigen… Wer war hier Drehbuchautor? – Und richtig: Es war ein Kollege von Dalton Trumbo: Carl Foreman! Auch er hatte riesige Probleme, seinen Namen unter die Drehbücher zu setzen, weil auch er der kommunistischen Partei beigetreten war. Er sah sich gezwungen, ins Exil nach England zu gehen. Auch am Drehbuch des Antikriegsfilms ‚Die Brücke am Kwai‘  (eine britisch-amerikanische Produktion) war er beteiligt.

Es muss hart sein, aus politischen Gründen disqualifiziert zu werden, zumal von Spionage für Russland bei diesen Drehbuchautoren nicht die Rede sein konnte, waren es doch allesamt aufrechte amerikanische Bürger.

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