‚Schafe im Schnee‘ – Ein Färöer-Roman von Huldar Breiðfjörð

Veröffentlicht: 17. April 2016 in Bücher, Isländisches, Kultur, Literatur, Reisen

image_1_12596Im Sommer fahren wir auf die Färöer Inseln, und da ist es ja klar, dass wir uns schon jetzt für das Land interessieren. Und erst recht, wenn Huldar Breiðfjörð die Inseln besucht hat und darüber schreibt… denn sein Buch ‚Liebe Isländer‘, hatte mir damals gut gefallen (und jetzt lesen wir es gerade wieder).

Ein Isländer also besucht die Färöer Inseln, und er fragt sich, ob er eigentlich im Ausland ist… So ähnlich scheinen sich die beiden Völker zu sein, und doch gibt es Unterschiede – nicht zuletzt dadurch, dass dieser kleine Inselstaat Island Geld gepumpt hat, als dies 2008 in die große Krise geriet. Da das Buch zu dieser Zeit geschrieben wurde, ist die Krise oft Thema zwischen Huldar und den Menschen, denen er auf den Färöern begegnet. Denn streng genommen ist dieses Buch kein Roman, sondern vielmehr eine Reisebeschreibung, denn Huldar Breiðfjörð erzählt, was ihm auf seiner vierwöchigen Reise über die Inseln im Winter so alles widerfahren ist.

Und was ist ihm denn nur widerfahren? Das lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: Fast nichts. Aber das macht nichts, weil Huldar es versteht, seine Beobachtungen und Erlebnisse mit den Ureinwohnern und auch zugereisten Isländern in eine leichtseichte Form zu packen, sodass es Spaß macht, das Buch (vor-)zu lesen. So erzählt er von einem Zimmernachbarn in einer Art Wohnheim in Torshavn, der im Straßenbau und zur Zeit im Winterräumdienst tätig ist, und ausgiebig über seine Arbeit berichtet. Ich stelle mir vor, dass er Huldar vielleicht ziemlich zugeblubbert hat über Asphaltarten, der Kunst des Asphaltierens oder auch der Problematik von Schlaglöchern. Huldar aber versteht es, auch daraus noch etwas zu formen, das uns einen Eindruck von der färöischen Bevölkerung vermittelt. Wobei seine Besuche des färöischen Nachtlebens oder einer Veranstaltung, in der der typisch färöische Tanz getanzt wird, vielleicht noch aufschlussreicher sind…
Also, es war nett, dies Büchlein zu lesen, aber an seinen Erfolg ‚Liebe Isländer‘ kommt dieser färöische Roman einfach nicht heran.

Am Buchende ist auch ein Foto vom Autor höchstselbst: Er sitzt, seine Hand den Kopf mit den struppeligen Haaren stützend, vor einem Schachbrett – und erinnert irgendwie schrecklich an Woody Allen… Der ewig zweifelnde Intellektuelle, ein, wie er sich im Buch selbst nennt, ‚erfahrener Reisender‘ auf dem Weg vom Irgendwo ins Nirgendwo, tragisch und komisch zugleich. Wie seine Bücher es sind, tragisch, weil so wenig passiert, komisch, weil doch etwas passiert, aus dem sich eine Art Geschichte formen lässt.

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Kommentare
  1. Maren Wulf sagt:

    Die Vorstellung von einem, der einen mit der Kunst des Asphaltierens zublubbert, ist köstlich. 😉

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