‚Alle Toten fliegen hoch. Amerika‘ – Roman von Joachim Meyerhoff

Veröffentlicht: 30. April 2016 in Bücher, Kultur, Literatur, Reisen

9783462044362Dieses Buch hat mir mein Zahnarzt geschenkt, nachdem ich ihn mit dem ersten Buch der letzten Trilogie von Jón Kalman Stefansson bedacht hatte. Die Patientin ist ja klar im Vorteil, wenn sie mit offenem Mund den Erzählungen ihres Arztes lauschen kann, und insofern eine andere Art der Antwort finden muss (wenn sie will). Ich wollte, denn es ist nicht nur ein guter Zahnarzt, sondern zudem auch noch ein Freund guter Literatur.

So also kam dies Buch zu mir. Es ist die Geschichte vom Autor Meyerhoff selbst, von Beruf Schauspieler und zudem derzeit im Hamburger Schauspielhaus tätig, wo ich ihn in ‚‚Die Schule der Frauen‘ auch schon gesehen habe. Und es geht um sein Jahr in Amerika, das er als Austauschschüler mit ca. 18 Jahren besucht hatte, und zwar dem Amerika op’n Dörp’n, mitten in der Provinz in Laramie (Wyoming) – und das ist allemal exotisch! Er erzählt von Jacuzzi-Partys mitten im Winter in den Bergen – man hatte nicht nur in einen entfernten Winkel jede Menge Alkohol mitgebracht, sondern auch gleich seinen Whirlpool, in dem man sich nun besoffen tummelte. Oder er erzählt von merkwürdigen Individuen wie einem Lehrer, dessen Familie ihn zu einer Body-Building-Darbietung einlädt – alle Familienmitglieder sind daran beteiligt, während über ihnen die Adler kreisen. Die im Anschluss mit Steaks gefüttert werden. Merkwürdiges Land, das, komische Leute – Amerikaner halt, Individuen bis auf die Knochen. Doch Joachim – oder wie man ihn vermutlich in Amerika rief: Joakim – erzählt auch von seinem Erwachsenwerden, das ihn natürlich parallel einholt, von seiner Entwicklung, die im Kreise seiner geliebten Familie in einer norddeutschen Kleinstadt nicht in diesem Maße möglich gewesen wäre. Und er erzählt von einem schweren Schicksalsschlag, der ihn um so stärker ins Leben zu katapultieren scheint, und es wird klar, wie dieser Mensch durch das Jahr Amerika gereift nach Deutschland zurückkehrt, stolz, arrogant, und doch noch zu jung, um nicht furchtbar ins Straucheln zu geraten, um am Ende aber wieder aufzustehen und ein Stück weiter zu sich selbst zu finden.

Es ist eine Geschichte, die sich gut lesen lässt und mich als Leserin abwechselnd zum Staunen, Lachen oder Trauern bringt, ja, man kann sagen, dies Buch hat mich mitgenommen zu einer Reise – nach Amerika und ins Ich von Joakim. Letzteres natürlich nur ein Stück weit. Ich bewundere seine Offenheit, diesen Prozess mit uns Lesern zu teilen. Ja, und es macht neugierig auf die weiteren Bücher, die dieser vielbegabte Autor mittlerweile herausgebracht hat!

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