‚Liebe Isländer!‘ – Reisebericht von Huldar Breiðfjörð

Veröffentlicht: 26. Mai 2016 in Isländisches, Kultur, Literatur, Reisen

9783746629339Nachdem wir neulich auf unserem roten Sofa Huldars ‚Schafe im Schnee‚ gemeinsam gelesen hatten, überkam mich doch sehr die Lust dazu, noch einmal seinen ersten Roman, mit dem er auch gleichzeitig einen tollen Erfolg landete, zu lesen. Und das getan zu haben, habe ich keine Sekunde bereut!

Huldar ist es satt, in Reykjavík herumzuhängen und Sein-Leben-nicht-auf-die Reihe-zu-kriegen zu kultivieren. Und so beschließt er mitten im Winter die Verrücktheit, seine Heimatinsel, von der er bislang nur wenig gesehen hat, zu umrunden – und das auch noch mit einem Volvo Lappländer (genannt ‚Lappi‘), einem Gefährt, das durchaus einen eigenen Charakter zu haben scheint… Und während seine Freunde ihn für verrückt erklären, fährt er tatsächlich los – zu dem größten aller Abenteuer: dem Leben selbst!

Und so erzählt er von seinen Problemen, das Auto zu bändigen, oder die Straße – denn im Winter bei Schnee und Glatteis Pässe zu überqueren, ist nicht ungefährlich. Und wenn diese beiden ihm kein Kopfzerbrechen bereiten, ist es womöglich die auf dem Land lebende Bevölkerung, bemitleidenswert, wie Huldar findet, da fernab von dem pulsierenden Reykjavík. Doch schnell findet er heraus, dass das Landleben nicht ganz reizlos ist, und auch die Begegnungen  mit den Menschen sind für viele Überraschungen gut! Dazwischen erzählt Huldar immer wieder von sich selbst, einem echten isländischen Greenhorn, das seine Probleme und Konflikte offen, aber mit einer gesunden Distanz ausspricht, was durchaus seine überaus komischen Seiten hat.

Ja, und so ist er auf der Suche nach sich selbst, und die Suche, sie läuft ins Leere. Da beschreibt er beispielsweise einen Hotelaufenthalt im tiefsten Hinterland Islands, in dem er nun aber wirklich systematisch zu sich selber finden will und sich zu diesem Zweck im Hotel einschließt, während draußen ein Schneesturm tobt (in dessen Verwehungen er sogar schon einem Geist begnetet ist). Doch er findet und findet nichts – wiewohl er natürlich in Wirklichkeit einen ganzen Schatz hebt, indem er am Ende eben dieses wunderbar stimmungsvolle, launige Büchlein über Island und seine ‚Menschwerdung‘ schreibt.

Huldar Breiðfjörð ist hier ein wirklich toller Aufsatz gelungen, der sich wunderbar (vor-)lesen lässt und riesig Spaß bringt. Es ist eine phantastische Roadnovelle, die sich auch als Reiselektüre hervorragend eignet. Und wenn man sich als Tourist durch Island bewegt, wird man ganz sicher die ein oder andere Person oder Lokalität aus diesem Buch in natura begegnen.

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