‚Monsieur Chocolat‘ – Film von Roschdy Zem

Veröffentlicht: 12. Juni 2016 in Filme, Gedanken, Kino, Kultur

Rassismus ist, glaube ich, etwas, das es schon immer gab, und ich habe keine Hoffnung, dass es ihn einmal nicht mehr gibt. Das Anderssein ist für den Homo sapiens beängstigend und aus Sicht des Kleinhirns nicht erstrebenswert, aber absolut nicht wegzudenken. Die Abgewöhnung von Ausgrenzung bleibt, fürchte ich, eine Utopie. Es ist gut, dass viele Menschen an sich arbeiten und diese Art Angst, die aus Zeiten stammt, als der Mensch wahrscheinlich noch nicht mal richtig sprechen konnte, überwinden. Aber wie man ja gerade mal wieder in Deutschland sieht, bleibt es bis heute ein riesiges Thema.

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Filmszene aus Monsieur Chocolat mit James Thiérrée und Omar Sy; Bildquelle: Filmstarts

Anfang des 19. Jahrhunderts konnten es die Europäer im Allgemeinen nicht fassen, einen Menschen mit dunkler Hautfarbe zu sehen. Sogar Carl Hagenbeck hat Afrikaner in seinem Zoo noch ausgestellt… Und so gibt es für Raphael, der aus Afrika irgendwie nach Frankreich gekommen ist, keinen anderen Platz in der Gesellschaft, als im Zirkus eine Nummer als Wilder aufzuführen. Als Footit, ein ehemals erfolgreicher Clown, ihn kennen lernt, hat er die Idee, mit ihm gemeinsam Doppelclownsnummern einzustudieren, mit durchschlagendem Erfolg: Die beiden machen eine steile Karriere, und der Afrikaner wird Teil eines Teils der Gesellschaft. Alles geht gut, so lange Raphael, den alle nur Monsieur Chocolat nennen, in der Manege den Prügelknabe spielt. Als ihm das nicht ausreicht und er beginnt, unter dieser Rolle zu leiden, setzt er alles auf eine Karte…

Im Grunde genommen hat Raphael durch die (berechtigte) Empfindung, er werde gedemütigt, alles verloren, obwohl er auf dem besten Wege war, durch die Beziehung zu einer weißen, bürgerlichen Französin und durch seinen erfolgreichen Job im Zirkus ein geachtetes Mitglied der Gesellschaft zu werden. Doch aus der Rolle auszubrechen, einer würdevolleren Arbeit wie ernsthafter Schauspielerei nachzugehen, überfordert die Pariser Gesellschaft. Das ist eine unbequeme und schmerzhafte Wahrheit, und es ist gut, dass sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts eine Menge getan hat.

Ach, was soll ich noch zu dem Film sagen? Dem Menschen ist großes Unrecht geschehen, würdevoll war das nicht. Was gibt mir diese Erkenntnis heute?

Momentan habe ich den Eindruck, als wäre alles schon gesagt. Es werden Themen und Geschichten fürs Kino ausgegraben, die berühren oder beeindrucken. Aber was soll ich damit anfangen? So richtig habe ich darauf keine Antwort. Der Film war
berührend und lehrreich, gut gespielt. Und sonst? Ich weiß es nicht…

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