‚Daphne‘ – Oper von Richard Strauß in der Hamburgischen Staatsoper, Regie: Christof Loy

Veröffentlicht: 2. Juli 2016 in Kultur, Musik, Theater/Oper

Die Handlung ist schnell erzählt: Daphne fühlt sich unter Menschen nicht so recht wohl; sie geht mehr auf inmitten der Natur. Ihr Jugendfreund Leukippos versteht das nicht so recht, und auf jeden Fall täte er sie sowieso am liebsten mit den menschlich-fleischlichen Wonnen vertraut machen. Doch das kommt bei Daphne nicht gut an. Als aber Apollo, getarnt als Hirte, auftaucht, ist sie hin und weg, was aber nicht heißt, dass sie seinem Werben nachgibt. Als es zu einer Eifersuchtsszene der beiden werbenden Männern kommt, tötet Apollo kurzfristig den Nebenbuhler. Doch das Entsetzen, das Daphne an den Tag legt, und auch ihre Schuldgefühle, die sie empfindet, da Leukippos ihretwegen gestorben ist, lassen Apollo seine Tat bereuen. Er bittet um Aufnahme des Leukippos in den Olymp. Daphne verwandelt er in einen Lorbeerbaum und eröffnet ihr damit endlich die Welt, zu der Daphne schon immer eine Seelenverwandtschaft hatte.

Christof Loy verlegt die Szenerie inmitten einer bayerischen Wirtschaft, in der die zünftgen Buabn sich vorm Dionysos-Fest erstmal waschen und auch sonst mit dem Präsentieren ihrer Männlichkeit nicht hinterm Berg halten. Daphne dazwischen passt nicht in diese illustre Runde, hängt lieber mit den Topfpflanzen ab, die vor der Wirtschaft stehen, als sich unter die bierseelige Gesellschaft zu mischen. Es ist ein altes Thema, das Inmitten-der Gesellschaft-sein-aber-sich nicht-zugehörig-fühlen, welches von Richard Strauß in eine innige, spätromantische Musik umgesetzt wurde und die Tiefe des Konflikts einmal mehr betont. In Christof Loys Inszenierung ist nicht Apollo der ausübende Mörder, vielmehr wird Daphne von dem Gott zu der Untat gezwungen. Und diese muss dann auch die Folgen ausbaden. Statt einer kompletten äußeren Verwandlung in einen Lorbeer sind es nur ein paar Blätter, mit denen sie sich schmückt; letztendlich wird sie abgeführt, um für ihre Tat zur Rechenschaft gezogen zu werden. Ja, die Götter! Was richten sie für Unheil an! Und im nächsten Moment haben die kleinen Menschen alles wieder auszubaden…

Im Grunde genommen, und das ist vielleicht eine gewagte Deutung, ist das Stück hochaktuell. Die Götter mischen sich unter unser Volk als Aufmischer, Psychopathen, die es, wie auch immer, schaffen, dass ihren kaputten Ideen andere Menschen folgen und sich zu Taten hinreißen lassen, die man einem einzelnen schwachen Menschen in dieser Heftigkeit kaum zutrauen kann. Mit idealistischem Unterbau aber ist dann so einiges möglich… Tja, und diese Götter entziehen sich der Strafe, denn ausgeübt wurden die Taten nicht von ihnen. Menschen, die nicht in der Lage sind, ihre Taten in ihrer Schwere zu erfassen, müssen – und das ist richtig so – dafür zur Rechenschaft gezogen werden…

Es war ein toller Abend mit wunderbaren Stimmen von Agneta Eichenholz als Daphne und Eric Cutler als charismatischer Apollo. Richard Strauß‘ Musik dazu war grandios!

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