‚Nur wir drei gemeinsam‘ – Film von Kheiron

Veröffentlicht: 13. Juli 2016 in Filme, Kino, Kultur

Das Thema Flüchten bewegt uns – so ist es vielleicht kein Zufall, dass es auch in Filmen des öfteren behandelt wird. Dieser Film wird von Kheiron erzählt – einem Exil-Iraner, der in Frankreich seit seiner Kindheit lebt und dort zu einem bekannten Stand-up-Comedian geworden ist.

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Filmszene aus ‚Nur wir drei gemeinsam‘ mit Kheiron; Quelle: Filmstarts.de

Er erzählt die Geschichte der Zeit seiner Eltern im Iran und von deren Flucht, an der er selbst als Baby teilnahm, aber auch vom Ankommen in Frankreich, und dies mit tragischen, aber auch tragikomischen Szenen, in denen sich die Leichtigkeit des Seins genauso widerspiegelt wie auch die Schwere und die Greuel, die die Menschen im Iran durch die Herrschaft des Schahs und der anschließenden Regierungszeit von Ayatollah Khomenyi zu erleiden hatten. Kheiron, der neben der Regie auch seinen eigenen Vater spielt, schafft es, selbst einem Gefängnisaufenthalt mit Folterei noch komische Seiten abzugewinnen. Vielleicht ist dies ja besonders schwer, denn ganz sicher wollte er nicht verharmlosen, was sein Vater in den siebeneinhalb Jahren Gefangenschaft durchzumachen hatte. Das ist ihm auch größtenteils gelungen, finde ich, (auch wenn beispielsweise der Schah überzogen lächerlich gezeichnet wird, was mir – angesichts der Brutalität seines Vorgehens gegen seine Kritiker – nicht angemessen erscheint). Allerdings finde ich auch, dass man es im Kino als VoyeurIn immer bedeutend leichter hat, kritische Momente, die in der realen Welt schwerste Traumata bei den echten Menschen auslösen, mehr oder weniger auszublenden. Also wird am Ende doch ziemlich verharmlost. Vielleicht ist das aber auch in Ordnung, denn anders geht es wahrscheinlich nicht.

Die anschließende Flucht ist ebenfalls ein dramatischer Höhepunkt in dem Film. Die Ankunft in Frankreich erzählt dann aber wieder in eher heiteren Tönen, wie die Eltern es schaffen, beruflich und gesellschaftlich Fuß zu fassen und sich ein Lebenswerk aufzubauen, auf das sie rückblickend sehr stolz sein können.

Insofern ist Kheirons Film vielmehr eine Hommage an seine intelligenten, charakterstarken, anpassungsfähigen und ungemein sympathischen Eltern, als ein Film über die Zustände im Iran vor 1990. Und dann ergeben die verschiedenen Episoden des Films auch wieder einen Sinn, denn als politische Reflektion taugt er letztendlich nicht. Ich mochte den Film und verließ das Kino in einem eher heiteren Zustand, wenn auch mit einer gewissen Schwermut, die ich über die Auswirkungen der iranischen Machthaber auf die Menschen empfinde.

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Kommentare
  1. „Allerdings finde ich auch, dass man es im Kino als VoyeurIn immer bedeutend leichter hat, kritische Momente, die in der realen Welt schwerste Traumata bei den echten Menschen auslösen, mehr oder weniger auszublenden.“ Schön gesagt. Das macht das Kino als Zugang für diese Konflikte auch so wichtig!

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