In letzter Zeit gelesen

Veröffentlicht: 28. Dezember 2016 in Bücher, Isländisches, Kultur, Literatur

Mein Hang zur Dokumentation treibt mich an, doch wenigstens aufzulisten, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Es war zum Teil nicht leicht, mich auf das Gelesene zu konzentrieren, wiewohl es wichtig für mich war, mich abzulenken. Und das wird es auch in Zukunft bleiben, hoffe ich. Lesen und andere kulturelle Beschäftigungen scheinen für mich lebensnotwendig zu sein, vielleicht ist der Gedanke des Eskapismus als Beweggrund zu lesen – etwas, das ich doch eigentlich weit, weit von mir weise – doch gar nicht so verkehrt. Das Andere, auf das es sich zu konzentrieren gilt, scheint mir doch sehr wichtig zu sein, damit ich mich dann auf die Gegenwart wieder ganz einlassen kann. So jedenfalls stellt es sich für mich dar. Es hilft mir sehr. Bislang kann ich mich auf andere Dinge konzentrieren, doch ob das so bleibt, weiß ich nicht. Ich ahne, dass andere, schwere Phasen kommen werden, Phasen der Trauer, vielleicht sogar Depression?

Nun denn.

„Der Grund“ von Anne von Canal

978-3-499-26882-3Dies Buch hatte ich mir dringend zum Geburtstag gewünscht, denn ich hatte eine tolle Rezension dazu bei meinem Blogger-Kollegen Kaffeehaussitzer gefunden. Und die Lektüre hat sich gelohnt: Was dem Protagonisten und seiner Familie zustößt, hat mich ordentlich mitgenommen. Sehr geschickt ist der Roman aufgebaut, denn er beginnt mit dem Jetzt-Zustand eines offensichtlich unter Bindungsängsten leidenden mittelmäßigen Bordpianisten, der in seinen Erinnerungen kramt und doch als vielversprechender intelligenter junger Mann seine Karriere begann. Aber wer ist er? Was war er, und warum war er es? Es ist zugleich die Suche nach der eigenen Authentizität, die durch verschiedene Umstände nicht leicht zu finden ist. Es ist ein starker, lohnenswerter Roman über einen Menschen, der scheinbar in der Mittelmäßigkeit ankommt, wenn man nicht den Weg sieht, den er zu diesem Stück Normalität zurückgelegt hat. Tja, ist jetzt doof, dass gerade Weihnachten war – glücklich sind die, die bald Geburtstag haben und damit Chance auf einen Wunsch …

„Am Hang“ von Markus Werner (abgebrochen)

Hier muss ich irgendwann noch einmal ansetzen, denn ich glaube, das Buch ist sehr lesenswert. Mir fehlte die Konzentration dazu, deshalb musste ich es beiseite legen. Doch gefiel mir durchaus der Zusammenprall zweier absolut unterschiedlicher Menschen, und ich hätte gern gewusst, wie es weitergeht. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben… und dass ich ein Buch nicht zuende lese, kann ich kaum auf mir sitzen lassen…

„Nichts als Gespenster“ von Judith Herrmann

u1_978-3-596-15798-3-55389598Seit mir einmal von einer Dozentin an der VHS eine Kurzgeschichte von Judith Herrmann vorgelesen wurde, habe ich ein Ding am Laufen mit ihr. Die Geschichte, die ich damals hörte, war so kunstvoll und voller tiefer Emotionen erzählt, wie ihr Aufhänger banal war. Seitdem suche ich diese Geschichte, und leider hat auch die Dozentin (die mir mittlerweile eine Freundin ist) diesen kurzen, intensiven Text verbummelt. Doch auch in diesem Erzählband war er nicht zu finden. „Nichts als Gespenster“ erzählt Geschichten von zwischenmenschlichen Begegnungen, die aber eine gewisse Tragik beinhalten. Jede Geschichte erzählt in gewisser Weise von einer Reise, die sich sowohl äußerlich abspielt, als auch innerlich. Mir haben die Geschichten gefallen, jedoch tangierten sie mich kaum, vermutlich, weil in den Geschichten die Problematik von Menschen unter 30 Jahren behandelt werden, sage ich jetzt mal etwas abgeklärt.

„Das Seelenhaus“ von Hannah Kent

9783426199787-33118006Eine Australierin schreibt über eine wahre Begebenheit im alten Island – kann das gut gehen? Oh ja, und wie!!! Hannah Kent hat sich in die Welt der bäuerlichen Torfhäuser Islands des 19. Jahrhunderts intensiv hineingedacht und die Geschichte der Frau aufgeschrieben, an der 1830 die letzte Hinrichtung in Island vollzogen wurde. Wir sitzen mit Agnes Magnusdottir in der engen Torfhütte, atmen die rauchgeschwängerte Luft, hören den Husten der Bewohner und riechen förmlich den Rauch aus Schafsmist und die menschlichen Ausdünstungen, sind ganz nah an der vermeintlichen Verbrecherin, die doch selbst Opfer der Begleitumstände geworden ist… Es ist ein starkes Buch, packend geschrieben und mitreißend. Absolut empfehlenswert!!!  Dies Buch gehört ganz sicherlich zu einem der Lese-Highlights in diesem Jahr!

 

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