Mein Lese-Rückblick 2016

Veröffentlicht: 3. Januar 2017 in Bücher, Gedanken, Kultur, Literatur

Auch dieses Jahr nehme ich wieder teil an der Blogparade, die diesmal aber nicht mehr von „Buchsaiten“ organisiert wird sondern von „Die Liebe zu den Büchern“ – danke, Petzi!

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Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat? (und Begründung) 

u1_978-3-596-14991-9-46165918„Wenig versprochen“ stimmt nicht, wenn ich sage, dass ich begeistert bin von dem zuletzt gelesenen Buch. Ich hatte mir schon lange vorgenommen, von Stefan Zweig etwas zu lesen, spätestens, seitdem ich den Film „Vor der Morgenröte“ gesehen hatte, denn diesen Autor kannte ich nicht – ein unverzeihlicher Fehler, aber zum Glück wieder gut zu machen! Stefan Zweigs „Meisternovellen“ haben mich restlos überzeugt! Es gab weniges, das mich in letzter Zeit zu solch einem intensiven Leseerlebnis geführt hat. Die Lektüre war herausfordernd, aber absolut lohnenswert.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat? (und Begründung) 

Bei der Überarbeitung dieses Beitrages ist mir aufgegangen, dass ich eigentlich doch kein Buch habe, das mich so komplett enttäuscht hat.

36010Am ehesten träfe dies vielleicht auf meine Lektüre von „Die Frauen von Andros“ von Ioanna Karystiani zu. Ich hatte begeistert „Die Augen des Meeres“ gelesen, was keine leichte Lektüre war, aber absolut lohnenswert. Nun hieß es, dass die Autorin mit den „Frauen von Andros“ erst recht einen Erfolg gelandet hatte und ihre Bekanntheit durch dies Buch zugenommen haben soll. Doch fand ich den Roman zwar trotz der interessanten Verquerungen, die die Autorin ihren Protaginisten angedeihen lässt – darin liegt ihre besondere Kunst, scheint mir – nicht nur unnötig kompliziert, sondern zudem auch nicht so pointiert, wie ich es in den „Augen des Meeres“ empfand. Ja, unnötig kompliziert fand ich, dass man sich erstmal mit den vielen verschiedenen Namen und Nennungen der Figuren zurechtfinden musste (das war genauso kompliziert wie z.B bei Tolstoi), aber dennoch bin ich nicht bei jedem Satz bis zu dessen Sinn vorgedrungen. Vielleicht lag es aber auch an der Übersetzung? Am Ende wog dieser ermüdende Stil den Inhalt für mich nicht ganz auf. Schade. Interessant ist, dass das Buch in meiner damaligen Rezension von Januar 2016 gar nicht soo schlecht weggekommen ist… Also kann es so verkehrt auch wieder nicht gewesen sein.

Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Hier will ich drei Namen nennen:

Stefan Zweig: Seine Meisternovellen sind wahrlich meisterhaft, umwerfend, großartige Literatur! Dass ich sie erst jetzt entdeckt habe, ist ein wenig frevelhaft (warum ich diesen Autor nicht schon in meinem Studium kennen gelernt habe, ist mir schleierhaft…). Zwar muss ich erstmal eine Pause einlegen von ihm, denn Zweigs intensive Literatur ist keine für zwischendurch, aber ganz sicher werde ich schon bald wieder nach einem Buch von ihm greifen.
9783426199787-33118006Hannah Kent: Mit ihrem ersten Roman „Das Seelenhaus“ hat sie bewiesen, dass sie schreiben kann – und wie!! Ich werde sie im Auge behalten. Ihr zweiter Roman ist 2016 erschienen, es kann nur eine Frage der Zeit sein, wann er in der deutschen Übersetzung vorliegt. Und dann heißt es: Nix wie her damit!!!
Als dritter sei genannt Ulrich Tukur. Da ich ja kein Fernsehen gucke (wir haben neulich festgestellt, dass wir auch gar keinen Sender empfangen), kenne ich Ulrich Tukur als Schauspieler kaum. Ich glaube, er dreht so Krimis, oder? Würde ich eh nicht gucken. Irgendwie ist er mir als Mensch nicht sonderlich sympathisch, aber dass er Venedig-Liebhaber ist wie ich (und er wohnt da sogar!!!) bringt ihn mir schon näher. Seine Erzählungen „Die Seerose im Speisesaal“ fand ich klasse, und an der „Spieluhr“ werde ich mich beizeiten noch einmal versuchen (meine erster Versuch ist gescheitert: falsches Buch zur falschen Zeit).

Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum? 

produkt-11506Ich mochte sehr das Cover von meinem Lieblingsautor Jón Kalman Stéfansson: „Fische haben keine Beine“. Auch wenn es im Grunde genommen keinen Bezug auf den Inhalt gibt, wenn man von einigen Touren mit dem Fischerboot, u.a. bei Vollmond inklusive Kenterns absieht – und anderen Katstrophen, die auf und in dem Meer passierten. Keinesfalls kommt aber ein Kajak oder ein Wal in der Geschichte vor.

Der kleine Band aus der DDR-Zeit, erschienen im Aufbau Verlag, „Klein Zaches, genannt Zinnober“ von E.T.A. Hoffmann mit den phantsievollen Illustrationen von Hans Ticha hat mir ebenfalls viel Freude gemacht. Es war doch nicht alles schlecht in der ehemaljen DDR…

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Buch, erschienen im Aufbau-Verlag, 1985 (Ost-)Berlin

Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2017 lesen und warum?

Also, da muss ich passen. Mein Stapel zu lesender Bücher ist derzeit richtig dick, und da ich strikt nach dem Lustprinzip lese, kommt es auch vor, dass ich vielmehr ein Buch aus der Stadtbücherei hole, wenn es etwas Bestimmtes sein soll, oder ich ein Buch aus dem HVV-Bus (vom „Stilbruch-Regal“, eine segensreiche Erfindung!) oder von der Fensterbank meines geliebten Elbe-Kinos klaube. Nein, ein „must read“ habe ich derzeit nicht. Stattdessen will ich mich weiterhin in die Bücher stürzen wie in unverhoffte Abenteuer.

 

 

 

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