Venedig. Stadt der Künstler – Ausstellung im Bucerius Kunstforum in Hamburg

Veröffentlicht: 5. Januar 2017 in Ausstellungen, Gedanken, Kultur, Kunst

Diese Ausstellung zu besuchen, war für mich eine Selbstverständlichkeit – und so habe ich es denn zwar nur knapp, aber dennoch ins sehr geschätzte Bucerius Kunstforum geschafft…

bucerius_venedig

Collage von der Website des Bucerius Kunstforums http://www.buceriuskunstforum.de

Aber wie das so ist, wenn man von etwas viel erwartet, dann ist die Enttäuschung nicht weit. Warum sind meine Erwartungen nur teilweise erfüllt worden? Es ist der Blick auf diese für mich ganz besondere Stadt, die hier durch das künstlerische Auge gefiltert wurde. Sehr viele – grandiose – Gemälde sind gezeigt worden, die aber im Grunde genommen den Mythos der Stadt selbst mit voran getrieben haben, den Mythos von Vergänglichkeit, der Schönheit des Morbiden, dem verwegenen Tanz Aug in Auge mit dem Vergangenen, mit dem Tod, aus dessen Blickwinkel das ausschweifende Leben seine Berechtigung erhält.

So gab es viele – tolle – Gemälde aus dem 17. Und 18. Jahrhundert zu  sehen, sogenannte „Veduten“, was Stadtansichten sind, und wenn es auch faszinierend ist, sich diese Malerei  genau anzuschauen, so bestätigt sie doch den Blick auf die Stadt als touristisches Ziel. Diese Stadt scheint schon immer alt gewesen zu sein, und das Schäbige an ihr – das ich doch auch so liebe – ist ganz offensichtlich kein neueres  Phänomen. Der Ausblick in die Gegenwartskunst war, wie ich fand,  vergleichsweise etwas dünne, erst recht, wenn man bedenkt, dass in Venedig selbst regelmäßig die Biennale mit toller Gegenwartskunst stattfindet (au man, das möchte ich auch irgendwann mal sehen).

Ja, sie hat mir gefallen, die Ausstellung, auf jeden Fall! Und doch bleibt die Stadt verborgen hinter ihrem Mythos. Ein kritischer Blick fehlt, der aber wenigstens in einem kurzen Film anklingt, wenn eine Fremdenführerin sagt, dass sie zwar nichts Falsches über Venedig erzählt, aber die Wahrheit von den Touristen ohnehin nicht gehört werden will, oder wenn der deprimierte Bausachverständige Venedigs Verfall an allen Ecken und Enden sieht, jedoch einem potentiellen Käufer den tatsächlichen Fakt des Zustandes der Gemäuer nicht offenbaren darf. Wunderschönes Bild in dem Film, wie zwei alte Venezianerinnen in einem alten, malerischen Torbogen miteinander sprechen, während sich im Hintergrund ein gigantisches Kreuzfahrtschiff seinen Weg bahnt. Venedig wird voraussichtlich 2030 schon nicht mehr bewohnbar sein, heißt es in dem Film. Und wir? Glotzen auf Veduten. Ohje…

 

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