„Paula – Mein Leben soll ein Fest sein“ – Film von Christian Schwochow

Veröffentlicht: 23. Januar 2017 in Kino, Kultur, Kunst

Nicht nur, weil ich Paula Modersohns Bilder sehr mag – und das bereits vor unseren Besuchen in Worpswede – wollte ich den Film unbedingt sehen. Es steht auch eine große Ausstellung in meinem geliebten Bucerius Kunstforum an. Und außerdem interessiert mich natürlich immer das Thema „Die Frau und die Kunst“. Es gibt also genug Gründe für mich, dass ich diesen Film unbedingt sehen wollte. Und es hat sich sehr gelohnt, wenn ich auch einige Abstriche zu machen habe…

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Carla Juri als Paula Modersohn-Becker; Filmszene aus „Paula“; Bildquelle: Filmstarts.de

Paula Becker ist auch mt 24 Jahren nicht verheiratet, was ihrem Vater Sorge bereitet. Malen will sie, naja, das geht ja noch – aber Künstlerin werden? Aber sie hat es sich in den Kopf gesetzt und nimmt Malkurse in dem von Bremen aus gesehen nahen Worpswede (interessant, dass diese Tradition schon so lange besteht, denn das kann man auch heute noch klassischerweise dort machen). Dort lernt sie den früh verwitweten Maler Otto Modersohn (und seine kleine Tochter) kennen – und lieben. Und endlich kommt sie unter die Haube – und kann zudem ihrem Traum, sich auch künstlerisch zu verwirklichen, näher kommen.

Und hier wird es für mich etwas haarig, was die Geschichte im Film angeht. Einige biografische Gegebenheiten wurden nicht genau übernommen (allerdings welcher Film tut das schon), sondern werden zur Setzung dramatischer Höhe- oder Wendepunkte verändert. So ist Paulas Abreise nach Paris an ihrem 30. Geburtstag in dem Film die erste und einzige Reise, während sie schon tatsächlich drei Parisaufenthalte vorher  absolvierte, bevor sie sich endgültig von Paul Modersohn trennte. In dem Film spitzt sich daher auch schon vorher zu, dass Paula sich als Künstlerin dennoch den ehelichen Pflichten unterzuordnen hatte. Den Grund, warum sie beispielsweise nicht schon gleich nach Eheschließung schwanger wurde, betrachte ich hier ebenfalls mit einiger Skepsis, wiewohl ich ihn schlüssig und hochineressant finde – spricht es doch sehr für Otto Modersohns Zugewandtheit zu seiner Frau. Aber ob es so war???

Die Beziehung, so wie sie zwischen Paula und Otto in dem Film dargestellt wurde, hat mich sehr berührt. Aber auch die Bilder – von beiden – sind großartig. Paula Modersohn-Beckers Gemälde bestechen durch ihre Einfachheit und Tiefe der Gefühle, sie haben etwas extrem Authentisches, während Otto Modersohns Bilder poetisch und perfekt gemalt sind.

Carla Juri ist eine ganz wunderbare Paula, temperamentvoll, etwas naiv, aber willensstark, und in jeder Minute absolut glaubwürdig. Toll! Und die Worpsweder Landschaft in dem Film wurde großartig in Szene gesetzt (da möchte ich unbedingt mal wieder hin). Man muss eben nur aufpassen, dass man die Geschichte des Films nicht mit Paulas eigentlicher Biographie verwechselt.

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