Das Streichquartett „Quatuor Ebène“ in der kleinen Elbphilharmonie zu Hamburg spielt Werke von Mozart, Beethoven und Ravel

Veröffentlicht: 28. Januar 2017 in Kultur, Musik

Ich habe ja, da ich im letzten Jahr ein 3-Veranstaltungen-Abonnement hatte, schon vor langer, langer Zeit einen Brief von der Elbphilharmonie bekommen, ob ich nicht wieder… Naklar, und ob ich wollte! Der Preis war zudem sowas von unschlagbar, dass ‚Nein‘ zu sagen echt Sünde gewesen wäre.

Und so bin ich also in den Genuss eines der Eröffnungskonzerte der Elbphilharmonie gekommen, was mich aus verschiedenen Gründen ganz glücklich gemacht hat…. In einem anderen Artikel werde ich mich noch über das Gebäude ausmehren, das mir ausnehmend gut gefallen hat. Jetzt geht es aber um das Konzert.

Darüber zu schreiben, fällt mir wie immer schwer. Musik beschreiben, als blutige Laiin ist ein haariges Unterfangen, aber ich will es mal probieren.

Wolfgang Amadeus Mozart: Streichquartett d-Moll KV 417b
Während man von Mozart eher leichte, fröhliche Musik kennt, kommt dieses Musikstück tragend und schwer daher: in Moll-Tönen eben. Die Umstände, unter denen es Mozart aufschrieb – meist hatte er die Kompositionen schon fertig im Kopf, bevor er ans Notieren ging – muten geradezu  exzentrisch an: Seine Frau Constanze liegt nämlich, sich in Wehen immer wieder vor Schmerzen krümmend, kurz vor der Geburt des ersten Sohnes. Mozart soll nun also daneben gesessen haben und seine Arbeit immer wieder unterbrochen haben, um seine Frau zu umsorgen oder ihre Hand zu halten. Sobald sich Constanzes Situation wieder ein wenig entspannt hat, soll er wieder an seine Arbeit zurückgekehrt sein. So erzählt Constanzes zweiter Ehemann. Will man dies Werk also autobiografisch betrachten, so wundern mich die Moll-Töne, und sie wundern mich nicht. Die Geburt ist doch eine riesig gefährliche Angelegenheit, zumal im Entstehungsjahr 1783, als Kaiserschnitte noch nicht gang und gäbe waren. Zugleich bedeutet die Geburt – zumal des ersten Kindes – so oder so einen starken biografischen Einschnitt. Vielleicht also ist auch ein Stück Abschied in dem Stück herauszulesen, von der eigenen Kindheit und ganz sicher von der Unabhängigkeit. Mag sein, dass Mozart genau solches mit zum Ausdruck bringen wollte. Ich fand es sehr schön. Doch so flüchtig wie Musik nun mal ist, ist mein Gehör ungeübt, und mehr kann ich leider nicht dazu schreiben.

Ludwig van Beethoven: Streichquartett f-Moll op. 95 »Quartetto serioso«
Beethoven muss ein Mann von recht launischer und eigener Natur gewesen sein, und so ist auch dieses Stück Gefühlswallung in Reinkultur. Wut stecken in den Noten, Heftigkeit und Unausgeglichenheit. Dieses Temperament wussten die vier Streicher des Quatuor Ebène bestens herauszuarbeiten. Schon lange möchte ich einmal mehr über Ludwig van Beethovens Biographie wissen. Laut Programmheft war Herr Beethoven oft verliebt und schien zur Entstehungszeit dieses Stücks gerade einmal mehr von einer Frau abgewiesen worden zu sein.

Maurice Ravel: Streichquartett F-Dur:
Das Stück von Ravel stellte für mich den Höhepunkt des Abends dar, die Streichinstrumente bildeten ein wunderbar harmonische Einheit, und so löste das Stück in mir eine Welle von ästhetischer Schwelgerei aus, denn so wunderbar war das Zusammenspiel der vier Instrumente, die zudem auf vielerlei Weisen gespielt wurden. Auf wohlklingende Einheiten folgten Pizzicati, und die Instrumente konnten auch durch die vieltönige Melodik ihre komplette Bandbreite demonstrieren. Zwischendurch entstanden in mir Bilder von Naturlandschaften von größter Harmonie. Es war toll.

Das Publikum raste am Schluss, und die temperamentvollen jungen Musiker, die ihren Emotionen schon beim Spiel der Instrumente deutlich zeigten (so dass sie öfters durch Aufstampfen des Fußes bei Tempowechsel den Stücken eigene Geräusche – natürlich sicher ungewollt – hinzufügten) zeigten in zwei Zugaben, wie groß ihre künstlerische Bandbreite ist. Von einer ohnehin obsoleten Unterscheidung zwischen E- und U-Musik halten die Jungs jedenfalls nichts! So spielten sie einen rasanten Tango von Astor Piazola, der uns echt vom Hocker riss, und dann noch ein Stück von Miles Davis (glaube ich).

Das Quatuor Ebène ist auf jeden Fall einen Konzertbesuch wert! Oder besser: nicht nur einen!

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