„Lulu“ – Oper von Alban Berg, Inszenierung: Christoph Marthaler an der Hamburgischen Staatsoper

Veröffentlicht: 19. März 2017 in Kultur, Musik, Theater/Oper

Lulu ist Projektionsfläche für die erotischen Wünsche der Männer; eine alte Geschichte eigentlich, die Frank Wedekind in zwei Theaterstücken aufgeschrieben hat und die Grundlage für diese Oper darstellen. Und so ist auch Lulu hier auf der Bühne wandel- und formbar, was sie in merkwürdigen Verrenkungen auch bildhaft darstellt. Auch wenn die Männer, die ihr reihenweise erliegen, zum Untergang verdammt sind, so ist doch Lulu nicht die Gewinnerin: Zu schnell dreht sich die Geschichte um, und aus der Königin wird eine Bettlerin, die am Ende einen ganz gemeinen Tod stirbt.

Christoph Marthaler hat zu der Oper seine ganz eigene Regiearbeit abgelegt, die mit Zeichen nicht spart und den SängerInnen neben den sicherlich schwierigen Gesangspartien zudem beinahe artistische Fähigkeiten abverlangt – was auch gelingt. So verkörpert Barbara Hannigan eine glaubhafte Lulu mit großartigen schauspielerischen und gesanglichen Fähigkeiten.

Alban Berg hat die Oper nicht beendet, und auch dies legt Christoph Marthaler offen, indem eine Pause eintritt, bevor die Musik, die Friedrich Cerha Bergs Musik hinzufügte, erklang. Doch auch hier formte Marthaler das Stück noch und ließ ein Violinkonzert von Alban Berg spielen, das der Komponist „Andenken eines Engels“ nannte und einen äußerst passenden Schluss bildete, wie ich finde. Gespielt hat Veronika Eberle die Violine leidenschaftlich und mitreißend, und setzte dadurch der Lulu-Figur ein ergreifendes musikalisches Denkmal. Alban Berg hatte dieses Violinkonzert zu Ehren Manon Gropius geschrieben, der Tochter von Walter Gropius und Alma Mahler-Werfel, die 18-jährig an einer Krankheit verstarb, und das passte sehr gut in diese Oper und war auch musikalisch noch ein weiteres Highlight.

Schwere Kost, die Oper, ganz sicherlich, aber absolut lohnenswert! Hier einige Impressionen:

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