Kino in letzter Zeit

Veröffentlicht: 10. Juni 2017 in Filme, Kino, Kultur

So, wie es aussieht, war ich wirklich wenig im Kino in letzter Zeit. Ich frage mich, womit ich eigentlich meine Zeit verbringe… ich schaue derzeit so einige DVDs, dazu ein andermal. Vermutlich arbeite ich momentan ein wenig viel zu viel. Nicht gut!

„A United Kingdom“ – Film von Amma Asante

Die Geschichte klingt wie ein Märchen: Im London Ende der 50er Jahre trifft eine einfache Büroangestellte auf einen schwarzen Jurastudenten, und die beiden verlieben sich. Abgesehen von rassistischen Anfeindungen der Engländer wird die Sache erst richtig kompliziert, als sich der Jurastudent als der Enkel des Regenten von Botswana entpuppt. Ihre Beziehung, ihre Liebe wird zum Spielball politischer Interessen, und während beide versuchen, sowohl an ihrer Liebe als auch an der zukünftigen Regentschaft Botswanas festzuhalten, wirken verschiedenste Kräfte mit den unterschiedlichsten Motivationen diesen Zielen entgegen…

Südafrika mit seiner Apartheid spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle, wie die Bodenschätze (Diamanten), die in Botswana entdeckt werden, und die sich u.U. die Engländer als Verbündete unter den Nagel reißen wollten… Wirkliche Unterstützung erfährt das Paar zunächst weder von familiärer noch staatlicher  Seite…

Szenenbild aus „A United Kingdom“ mit Rosamund Pike. Vielleicht muss man dem Film auch einige Ethno-Klischees nachsagen… Quelle: Filmstarts.de

Die Chancen, die eine Ehe zwischen einer Engländerin und dem Prinzen von Botswana bieten, beispielsweise im Bereich Entwicklung und Völkerverständigung, werden zunächst nicht erkannt bzw. genutzt. Doch durch Charakterstärke und Kreativität der beiden gelingt schließlich doch das Happy End.

Es stimmt schon, was in den Kritiken zu lesen ist: der Film bleibt an der Oberfläche, und wenn man gerne möchte, kann die eine oder andere Träne vergossen werden. Ich habe an dem Film dennoch die Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht, gemocht. Dennoch: Es ist ja schon länger her, dass ich den Film gesehen habe, und er ist in meiner Erinnerung bereits verblasst. Vielleicht zeigt sich daran, dass die Geschichte für einen Kinoabend im Grunde genommen allzu viele Gefühle und Fakten abhandeln will, die im Detail zu erzählen vielleicht besser viermal so viel Zeit verdient hätten, um der politischen, aber auch psychologischen Aspekte wirklich gerecht zu werden.

„Rückkehr nach Montauk“ – Film von Volker Schlöndorff

Der Film, inspiriert von Max Frischs Erzählung „Montauk“, erzählt von dem Schriftsteller Max Zorn, der sein neues Buch in New York vorstellen will. Dieses weist stark autobiografische Züge auf, was vielleicht wenig schmeichelhaft für Max Zorns Freundin ist, die hier bei der Vermarktung ebendieses Buches hilft. Doch Max Zorn hat auch andere Beweggründe, in der Stadt zu sein. Er nimmt Kontakt zu seiner ehemaligen Freundin Rebecca auf, da er die Liebesgeschichte mit ihr und die Trennung niemals verwunden hat. Bei einem Ausflug nach Montauk mit ihr kommt es zu einer intensiven Begegnung – und menschliche Abgründe tun sich auf…

Return to Montauk, Volker Schlöndorff, Stellan Skarsgard, Nina Hoss

Szenenbild aus „Rückkehr nach Montauk“ mit Nina Hoss. Ach ja. Die Bilder sind wunderschön, und die Klamotten, die die Leute anhaben, sehen auch toll aus. Könnte man glatt vermarkten. Quelle: Filmstarts.de

Ich habe große Lust, „Montauk“ von Max Frisch, überhaupt mal wieder Max Frisch zu lesen, auch wenn ich finde, dass in dieser Geschichte ein Männerbild entworfen wird, das ich als überholt empfinde, und erst recht als entlarvend. Die Frauen werden so deutlich zu Objekten degradiert, doch wenigstens geht diese Projektion nicht auf. Ganz toll gespielt haben Stellan Skarsgård den  Schriftsteller, und Nina Hoss war als Rebecca einfach umwerfend! Die ruhigen und wunderschönen Bilder machen den Film zudem sehr sehenswert. Es ist ein toller Film um das Thema des persönlichen Scheiterns.

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Kommentare
  1. sommerdiebe sagt:

    War in letzter Zeit auch selten im Kino. Ist das Sommerloch schon da?
    „Montauk“ hab ich auch gerne gelesen, den Film hab ich aber bisher noch nicht gesehen. Mal schauen, ob ich das demnächst noch schaffe 🙂

    • kutabu sagt:

      Ja, ich fand den Film lohnenswert. Ich glaube, ja, das Sommerloch hat schon angefangen. Ich schaue immer und finde doch nicht recht Filme, die ich unbedingt sehen will. Das Buch Montauk möchte ich auch so gerne lesen – ich finde, Max Frisch hat die Begabung (gehabt), seine Gefühle so genau auszudrücken und seine Ratlosigkeit, gerade gegenüber dem Verhalten der Frauen, das doch ganz anders ist, als seine Projektionen. Interessant.

      • sommerdiebe sagt:

        Bei mir war das Buch Abiturstoff. Fand die Struktur des Textes sehr interessant. Das Buch besteht ja quasi aus Erinnerungsfetzen und tagebuchartigen Gedanken. Und bestimmt auch ein typisches „Alterswerk“ von Max Frisch.
        Dann wünsche ich dir mal eine schöne Lektüre 🙂

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