„The Who and the What“ – Theaterstück von Ayad Akhtar, inszeniert von Karin Beier am Deutschen Schauspielhaus zu Hamburg

Veröffentlicht: 4. Juli 2017 in Kultur, Theater/Oper

Zarina und ihre Schwester sind die erwachsenen Töchter pakistanischer Auswanderer und wurden mitten im heutigen Amerika muslimisch erzogen. Nach dem Tod der Mutter ist die größte Sorge des Vaters, der sich ein ansehnliches Geschäft aufbauen konnte, dass seine Töchter nun Ehemänner finden, die seinen muslimischen Vorstellungen entsprechen. Bei der jüngeren Tochter scheint dies auch gelungen, sie ist bereits verlobt. Doch die ältere, Zarina, hat wenig Interesse an einer Eheschließung, wurde doch ihre erste, eigene Wahl vom Vater verworfen. Stattdessen hat sie sich nun dem Schreiben eines Buches gewidmet, in dem sie versucht, den Menschen in dem Propheten zu entdecken, womit sie sich auf sehr dünnes Eis begibt.

Währenddessen datet der Vater mit potentiellen muslimischen Männern, um schon  mal eine Vorauswahl für Zarina zu treffen. Und tatsächlich: Er wird fündig, und Zarina selbst ist dem Mann trotz aller Befremdung ob der Aktionen ihres Vaters nicht abgeneigt.

Als jedoch der Vater durch Zufall das Manuskript liest, kommt es zu einem Eklat, der zum Bruch der Familie führt…

Dieses kurze Stück erzählt vielschichtig von den kulturellen Unterschieden zwischen der amerikanischen Gesellschaft und dem muslimischen Glauben, aber es erzählt auch von der unverbrüchlichen Liebe innerhalb einer Familie sowie der Auslegung von Glauben im Wandel der Kulturen und Zeiten. Allein der in Pakistan aufgewachsene Vater kann nicht begreifen, was die Töchter wegen  ihrer streng religiösen Wurzeln in Amerika durchzumachen haben, und unter welchen enormen Anpassungsschwierigkeiten sie leiden. Zarina ist das Bild einer starken, eigensinnig denkenden Frau, das dem Islam trotz ihres Glaubens  – oder gerade deswegen – gehörig  – oder, nach des Vaters Meinung,  ungehörig – auf den Zahn fühlt.

Dieses Vier-Personen-Stück wurde perfekt besetzt von Lina Beckmann, Paul Herwig, Josefine Israel und Ernst Stötzner, die sich einem intensiven Spiel hingaben. Der Abend war äußerst gelungen, es ist ein tolles Stück und eine adäquate Inszenierung.

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