2 Filme über die NS-Zeit

Veröffentlicht: 10. Juli 2017 in Filme, Gedanken, Kultur

Da mein Sohn gerade Nationalsozialismus in der Schule durchnimmt, muss ihn seine bildungsbürgerliche Mutter natürlich auch mit dem ein- oder anderen Film konfrontieren, der sich mit dieser Zeit auseinander setzt. Zum Glück interessiert es ihn auch.

„Mephisto“ – Film von Istvan Szabo (1981)

Der Schauspieler Hendrick Höfgen (beeindruckend verkörpert von Klaus-Maria Brandauer) will Karriere machen – „auf Teufel komm raus“. Und das ist sicherlich wörtlich zu nehmen…
Die Geschichte setzt  zur Zeit des aufziehenden Nationalsozialismus ein. Während Hendrik alles daran setzt, ein Theater für die Massen zu entwickeln, verlassen um ihn herum seine SchauspielerkollegInnen Deutschland. Nur er behält seine eigene Karriere im Fokus und bleibt, auch als Hitler zum Reichskanzler ernannt wird und sogar Hendriks großbürgerliche Ehefrau das Weite sucht. Mehr und mehr verkauft er sich – und seine künstlerischen Ideen – an den Nationalsozialismus, der ihm im Gegenzug zu seiner Karriere verhilft. Doch der Preis ist hoch: Am Ende verliert er sämtliche Macht und wird zum Spielball des Regimes.
Wie geschickt ist die berühmte Rolle in diesen Film verwoben, zusammen mit der beeindruckenden Maske, die einer legendären Faust-Inszenierung entliehen wurde, in der damals Grustaf Gründgens Mephisto verkörperte. Und Grustaf Gründgens war auch Vorbild für Klaus Mann, dem Verfasser des gleichnamigen Romans, welches die Grundlage des Drehbuchs bildete. Mephisto ist hier Verführer und der Verführte zugleich, und der Schauspieler wird Opfer seiner eigenen Rolle…

Einmal mehr wird gezeigt, wie ohnmächtig der einzelne Mensch in der nationalsozialistischen Zeit war, und wie verheerend sich das Mittragen des Regimes für die eigene Persönlichkeit auswirkte. Ein sehenswerter, ein zeitloser Film ist das, finde ich.

„Die weiße Rose“ – Film von Michael Verhoeven (1982)

Diesen Film hatte ich nie gesehen, und so sah ich den Moment gekommen, die Lücke zu schließen. Er handelt von der Untergrundbewegung, die in Studentenkreisen 1942 entstand und versuchte, dem nationalsozialistischen Regime etwas entgegenzusetzen. Es wurden vor allem Flugblätter gedruckt und an Intellektuelle verschickt sowie hauptsächlich an der Münchener Universität ausgelegt. Innerhalb kurzer Zeit gelang doch immerhin eine Vernetzung zu anderen Städten Deutschlands, doch schon beim Verteilen des sechsten Flugblattes wurden die Geschwister Hans und Sophie Scholl erwischt. Sie wurden im Februar 1943 hingerichtet, weitere Todesurtele an Beteiligte wurden im Juli 1943 vollstreckt.

Die weisse Rose

Lena Stolze und Wulf Kessler als Sophie und Hans Scholl in „Die weiße Rose“; Quelle: Filmstarts.de

Der Film erzählt einigermaßen nüchtern und chronologisch die Vorgänge und reißt auch die Diskussionen innerhalb der Gruppe über Formulierungen und politische Richtungen an. Einig war sich die Gruppe im Grunde genommen überhaupt nicht, nur in dem Einen, wie wichtig es ist, den mittlerweile aussichtslosen Krieg möglichst schnell zu beenden und Hitler abzusetzen.Wie mutig sind diese jungen Menschen gewesen, und wie großer Gefahr haben sie sich ausgesetzt, einfach aus dem Grunde, dass sie die Vorgänge in Deutschland nicht ertragen konnten! Und so zeigt dieser Film, wie schwer es war, politisch Rückgrad zu bewahren und sich gegen den Nationalsozialismus zu stellen.

Mich überwältigt jedes Mal der Gedanke, wie es die Nationalsozialisten schafften, nicht nur an den Fronten zu kämpfen, sondern auch in der selben Zeit die Ermordung so vieler Juden voranzutreiben und dazu noch so schnell auf Gegenstimmen innerhalb der Bevölkerung reagieren zu können. Es ist so grässlich. Und so wichtig, das niemals zu vergessen.

 

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