‚Briefe in die chinesische Vergangenheit‘ – Roman von Herbert Rosendorfer

Veröffentlicht: 21. Juli 2017 in Bücher, Kultur, Literatur

chines_verangenheitEs waren praktische Beweggründe (handlich, leicht), die mich zu diesem Buch aus dem Stapel ungelesener Bücher greifen ließ – es sollte auf einem Kurztrip das Folgebuch sein. Zudem hatte ich es einmal verschenkt, ohne es vorher selbst gelesen zu haben – etwas, das ich mir nur aus guten Gründen erlaube, die in diesem Fall aber nicht vorlagen…

Ein Mandarin aus dem Jahr 1000 reist per Zeitmaschine in das Jahr um 1983 und kommt zudem nicht wie erwartet in China an, sondern in „Min-chen“, sprich, München. Entsetzt stellt er fest, dass in dieser Welt eigentlich nichts mehr so ist, wie er es kennt. Es ist laut durch die fremdartigen ‚Ao-tos‘, in denen sich die ‚Großnasen‘ durch die Stadt bewegen, und es stinkt. Doch da das Ziel seiner zeitlich begrenzten Zeitreise ist, die Zukunft zu erforschen, blickt er mit äußerst fremdartigem Blick auf das Hier und Jetzt. Seine Beobachtungen teilt er einem Freund im zeitlich und räumlich fernen China mit, die Übertragung findet an einem speziellen Platz statt, und auch das Papier dafür ist speziell. Kao-Tai schließt Freundschaft mit einem Historiker, und schon sehr bald findet er auch eine Geliebte. Zudem lernt er einen Förster auf Weiterbildung kennen sowie einen Richter. Und so bekommt er Zugriff auf verschiedenste Lebensbereiche und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus… Der Clou ist, dass er über die Ao-tos (Autos) genauso ins Staunen kommt, wie über die Rechtsprechung, die er für viel zu lasch hält (keine Todesstrafe oder Verstümmelungen mehr nach Straftaten), über die Anti-Baby-Pille oder über Zaubertricks in einem Stripperladen. Er wundert sich über die entfremdete Arbeit in einer Fabrik und entsetzt sich über den sauren Regen, der die Wälder zerstört.

Dieses Büchlein, das sich wunderbar leicht herunterlesen lässt, ist durch den gefilterten Blick eines Mandarins des 1000. Jahrhunderts sehr vielschichtig, zeigt es uns doch den Spiegel vor das, was besser geworden ist, wie z.B. Demokratie, die der Mandarin nicht kennt und auch befremdet gegenüber tritt, Rechtsprechung oder Gleichberechtigung der Frau, oder das, was schlechter geworden ist, wie die Naturzerstörung. Oder was perverser geworden ist wie entfremdete Arbeit, Fabriken, Industrie, worauf aber gleichzeitig die Annehmlichkeiten des Lebens aufbauen, die der Mandarin aber gerne in Anspruch nimmt. Das Buch hat großen Spaß gemacht zu lesen, zudem ist es eine originelle Idee, die Welt um 1980 aus großer Distanz zu betrachten.

 

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