„Der Garten über dem Meer“ – Roman von Mercé Rodoreda

Veröffentlicht: 23. Juli 2017 in Bücher, Kultur, Literatur

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Dieser Roman wurde schon 1967 veröffentlicht, aber erst 2014 ins Deutsche übersetzt. Besser spät als nie…!!!

An einem Ort am Meer haben sich junge, sehr reiche Leute in den 1920er Jahren ein Anwesen gekauft, um ihre Sommer dort zu verbringen mit Schwimmen, Wasserski fahren, Reiten, Malen und Feiern. Die Bediensteten beobachten das Treiben der Reichen genau und besprechen es untereinander. Zu ihnen gehört auch der Gärtner, der schon seit Jahrzehnten den zugehörigen Garten pflegt, und der sich mit Bediensteten und Herrschaften gleichermaßen gut versteht. Durch seine Schilderungen über sechs Sommer lang lernen wir die Menschen, Tiere und Pflanzen um ihn herum kennen und lieben, wie auch er es tut. Als eine Villa auf dem Nachbargrundstück gebaut wird und ein alter Freund der nachbarlichen Hausherrin einzieht, hat dies grundlegende Konsequenzen…

Der Gärtner hält eine Distanz und filtert doch alle Begebenheiten durch seinen liebevollen und nachsichtigen Blick, hat ein Ohr für jeden, der ein offenes braucht, und pflegt eine gewisse Nachsicht gegenüber denen, die er schonen zu müssen meint. Und gleichzeitig entdecken wir, dass der Garten um ihn herum nicht nur aus den Pflanzen besteht, sondern auch aus dessen menschlicher Bevölkerung, die ebenfalls gepflegt werden muss und den Tieren, die teilweise in ihre Grenzen gewiesen werden müssen, wie beispielsweise der kleine Affe, der zum Amüsement der feinen Gesellschaft an- und abgeschafft wurde. In besonderem Blickpunkt steht die Senyoreta Rosamaria: Sie stammt aus einfachen Verhältnissen und ist durch ihre Heirat zu den „oberen Zehntausend“ gestoßen. Doch bleibt sie abseits, distanziert und kühl, selbst als sie eine Fehlgeburt erfährt, oder ihr Gatte fremd geht. Doch ganz unbeteiligt kann sie nicht bleiben, als im Nachbaranwesen ein Jugendfreund einzieht. Da wir aber immer alles nur durch den distanzierten Blick des Gärtners erfahren, gilt es, sich die Geschichte selbst zusammen zu reimen und aus den Versatzstücken zu erschließen, was sehr reizvoll ist und einiges an Interpretationen zulässt.

Dieser Roman ist ein kleines Juwel. Er scheint handlungsarm und ist doch allumfassend. Er scheint simpel und handelt doch von den kompliziertesten Dingen, die das Leben zu bieten hat, allem voran die Liebe und dem Verlust geliebter Menschen. Es ist ein Roman, den man im Sommer, in einem schönen Garten sitzend am besten lesen kann – oder aber, wenn man es gerade nötig hat, sich in eine solche Welt hineinzuträumen.

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