Kraftfelder. Carl Lohse Bilder von 1919-21 im Ernst Barlach Haus, Hamburg

Veröffentlicht: 19. November 2017 in Ausstellungen, Kultur, Kunst

Von dem Hamburger Künstler Carl Lohse (1895-1965) hatte ich vor Besuch der Ausstellung nie gehört. Das hat vermutlich auch damit zu tun, dass er eine relativ kurze Schaffenszeit hatte, bzw. eine sehr kurze und später noch eine, über die ich nichts sagen kann, weil ich keine Bilder von ihm aus der Zeit kenne. Den Aussagen innerhalb der Ausstellung nach war es aber die kurze Schaffenszeit 1919-21, in der er Herausragendes geleistet hatte. Wie so oft, blieb der Erfolg damals aber aus, und frustriert ergriff Carl Lohse zunächst einen bürgerlichen Beruf und ließ das Malen in der Zeit vielleicht sogar ganz bleiben – obwohl Alfred Lichtwark versuchte, ihn zu fördern.

Es sind wilde Bilder, ursprünglich, der Mann muss in diesen zwei Jahren gemalt haben wie verrückt, denn verrückt sind die Gemälde auch. Sowohl farblich, als auch vom Malduktus hat er auf der Leinwand herumexperimentiert, und so ist in dieser Zeit ein beeindruckendes Oeuvre entstanden, fern aller Konventionen und auch Traditionen – wiewohl sich Lohse durchaus zeitgemäß zu den Expressionisten zählen lässt.

Lohses Darstellung von Orten erinnern an die apokalyptischen Landschaften von Ludwig Meidner (die sind allerdings früher entstanden), und zeichnen sich wie dessen Bilder durch einen wilden Malstil aus:

Das Heftige und Freie in seinen Bildern hat mich besonders beeindruckt. Ganz ungebremst hat er sich den Farben und Formen hingegeben:

lohse3

Hier im Detail lässt sich noch besser erkennen, wie der Künstler Lohse auf der Leinwand gewütet hat:

lohse3_detail

Die Portraits nehmen ebenfalls einen großen Raum in Lohses Werk ein, und auch sie bestechen durch Originalität. Fast meint man sich an Andy Warhol erinnert zu fühlen, was natürlich komplett anachronistisch ist, doch in gewisser Weise scheint mir Maler Lohse durchaus ein Wegbereiter der Pop-Art zu sein:

lohse4

Mich haben die Bilder durchaus in ihren Bann gezogen. Eine tolle Entdeckung, die ich dank des Ernst Barlach Hauses machen konnte (die Ausstellung endet heute)!

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