„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ – Film von Martin McDonagh

Veröffentlicht: 18. Februar 2018 in Filme, Kino, Kultur

Wenn man diesen Titel ins Deutsche und nach Deutschland  übersetzen wollte, würde er vermutlich ungefähr so heißen:  „3 Reklametafeln in Hausen, irgendwo in Deutschland“… Mitten in irgendeiner Kleinstadt inmitten eines der ländlich-langweiligen Bundesstaaten in Amerika versucht eine verzweifelte Mutter, wieder den Fokus auf ein Verbrechen zu werfen, das vor 7 Monaten geschah, und in dem ihrer Meinung nach zu wenig Zeit für Ermittlungen investiert wurde: Vor sieben Monaten nämlich wurde ihre Tochter vergewaltigt und ermordet, und die ortsansässige Polizei bemüht sich kaum darum, diesen Fall aufzuklären, da es so gut wie keine Anhaltspunkte gibt.

Filmszene aus „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ mit Frances McDormand; Quelle: Filmstarts.de

So kommt Mildred Hayes (überragend gespielt von der grandiosen Frances McDormand) auf den Gedanken, drei Werbetafeln, die aus alter Zeit an einer ehemaligen Ausfallstraße vor sich hingammeln, für die sie bewegende Frage zu benutzen: Wie kommt denn das, Polizeichef Willoughby? Und diese Frage, die sich auf drei 2,50m hohen und 4 m breiten Werbetafeln unübersehbar breit macht, bestimmt von nun an das Dorfleben…

Und so lernen wir einige der Dorfbewohner kennen: natürlich den Polizeichef Willoughby, den das Schicksal von Mildreds Tochter sicher nicht kaltlässt, der aber auch nicht weiter weiß und zudem sein ganz eigenes schweres Päcklein zu tragen hat, sein gewaltbereiter Untergebener Dickson, dem nachgesagt wird, dass er auf der Wache schon mal einen Afro-Amerikaner gefoltert hat oder auch Mildreds Ex-Mann mit seiner 19jährigen neuen Freundin. Alle reagieren unterschiedlich auf diese Plakate, doch was ihnen gemeinsam ist: Sie reagieren alle menschlich, und menschlich heißt ja nun: mit allen menschlichen Schwächen. Kann man dem Polizeichef verübeln, dass er in dem Fall Hayes nicht vorankommt? Ist es hilfreich, dass Dickson bei seiner Mutter wohnt, einer verhärteten alten Frau? Warum sollte der Kleinwüchsige des Ortes nicht auch einmal Glück in der Liebe haben? Und wäre es sinnvoll, einem armen Kerl, der mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus kommt, noch weiter Schaden zuzufügen, „nur“ weil man selbst von ihm völlig zu Unrecht vertrimmt wurde? Wer ist gut, wer schlecht? Aber was hat diese Fragestellung mitten in der amerikanischen Provinz mit der Kirche zu tun?

Das ist sicher die Stärke des Filmes, denn jeder Mensch lädt Schuld auf sich, doch die meisten haben am Ende vielleicht ja doch einen guten Kern. Mildred, schwer mitgenommen durch den Verlust der Tochter, ist nicht allein ein Opfer, wenn sie sich an den vielleicht letzten Streit mit ihrer Tochter erinnert, in dem sich die Mutterliebe nicht wirklich vermittelte… Auch sie ist Täterin beim Zündeln mit dem Thema Gewalt, und dies ist gern wörtlich zu nehmen. Man kann sich bei keiner Figur sicher sein, wie sie letztendlich tickt – dies ist kein Film der Schwarzweißmalerei, vielmehr werden die Facetten der Einzelnen akribisch herausgearbeitet, und am Ende bahnt sich so etwas wie ein prosaisches Bild der Normalität heraus.

Das ist meistens wohltuend, obwohl ich die vielen teilweise sehr brutalen Szenen weitaus übertrieben fand und im Ton auch falsch. Auch gab es einige Figuren, die denn doch vom Regisseur denunziert wurden wie beispielsweise die blutjunge Freundin des Ex oder der Kleinwüchsige, der am Ende im wahrsten Sinne des Wortes dumm da steht: Hier rutscht der Film ab ins Klischeehafte, was ihm nicht gut ansteht. Dennoch war es insgesamt nicht der schlechteste Kinoabend.

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Kommentare
  1. Auf den letzten Absatz bezogen,fand ich die „Nichtbeugung“ den Richtlinien des PC gegenüber interessant, auch bis in die kleinen Szenen hinein. Der „Town-Midget“ hat es nun im wirklichen Leben nicht einfach, Hohn und Spott sind seine ständigen Begleiter, und es soll ja auch junge Blondinen in der Realität geben, die Schwierigkeiten haben, den Unterschied zwischen Polio und Polo zu erkennen.Ein mögliches Klischee besteht auch aus Bestandteilen unseres Lebens, und beruht nicht nur auf abstrakter Überzeichnung.

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