„Das Rheingold“ – Oper von Richard Wagner, Inszenierung von Claus Guth an der Hamburgischen Staatsoper

Veröffentlicht: 2. Juni 2018 in Kultur, Theater/Oper

Es liegt ja nun schon gut 20 Jahre zurück, dass ich mir den „Ring des Nibelungen“ angeschaut habe, da dachte ich, dass ich mir dies einmal wieder gönnen könnte (nachdem diese Inszenierung ja auch schon 10 Jahre auf dem Buckel hat). Und: das war gar nicht mal so eine schlechte Idee…

Bild gefunden auf der Seite der Hamburgischen Staatsoper, Copyright s. dort

Ein großes Haus dient hier als Spielplatz: Während die drei Rheintöchter mehr schlecht als recht über den Schatz, das Rheingold, wachen – was sich schon daran zeigt, dass sie sich in einem riesigen Bett tummeln – holt sich Alberich nach erfolgreichem Raub das Rheingold in den Heizungskeller, wo er das Gold zu einem Ring zusammenschmiedet: Dadurch sind , wie die Sage vom Rheingold erzählt, die Voraussetzungen erfüllt, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Seinen Bruder Mime weist er an, einen Tarnhelm herzustellen, mit dessen Magie es ihm gelingen könnte, die Macht zu erlangen und zu halten.  Dies alles geschieht in den Tiefen dieses Hauses, während sich die Götter auf dem Dachboden neben ihrem Modellbauwerk beraten, wie sie den Riesen Fasolt und Fafner (die sahen aus wie zwei Hamburger Kiezgrößen – köstlich! – und treffend) die Göttin Freia wieder abluchsen können – war es doch von Wotan, dem Chefgott, etwas vorschnell gewesen, gerade sie den Erbauern als Lohn für den Bau Walhalls zu versprechen, denn Freia wird dringend gebraucht. Nur sie ist nämlich in der Lage, den Göttern die Äpfel zu ernten, die sie brauchen, um weiterhin alles unter Kontrolle zu behalten… Loge, ein Halbgott und Lebemann, pfiffig, weltgewandt und aalglatt, schmiedet einen Plan: Wenn man Alberich das Rheingold abnimmt, wäre dieser gar nicht mal so schnöde Mammon sicher etwas, mit dem man Freia angemessen frei kaufen könnte…

Das Bühnenbild passte perfekt, es erinnert an ein großes Spielhaus, in dem so ein Kinderkram bestens aufgehoben ist, denn eigentlich ist es nichts anderes, was da abgeht. Die Rheintöchter sind zu verspielt und die Götter unterm Dach juchhe zu verkopft, um den Ernst der Lage zu begreifen, während die arbeitende Bevölkerung – nämlich die Zwerge im Heizungskeller und die Riesen auf der Baustelle – von der „High Society“ nach Strich und Faden verarscht werden. Kommt einem doch irgendwie bekannt vor, oder? Am Ende, egal ob man es gut oder schlecht nennen will, da dies variiert, je nachdem welcher Partei man angehört, stehen die Götter am riesengroßen Fenster, genießen Sekt und Aussicht, während die Rheintöchter den Raub des Schatzes in der Ferne beklagen. Unter dem Fenster befindet sich nach bester Wohnzimmermanier ein laaaanger Heizkörper, Symbol nicht nur einer gutbürgerlichen, gemütlichen Wohnsituation, sondern dazu Zeichen der Präsenz der Außenstehenden, der geächteten Zwerge, die die Hoheit in den Tiefen besitzen… – wenn auch nicht mehr die Weltherrschaft. Wer hat die überhaupt? Fasolt hat seinen Bruder Fafner ja bereits erschlagen, was dem Fluch geschuldet ist, der auf dem Ring liegt…

Die Stimmen waren alle brillant, alle auf hohem Niveau, deshalb fällt es mir schwer, hier jemand besonders Herausragenden zu nennen. Ganz sicher hilft es auch den SängerInnen bei der Ausgestaltung der Rollen, wenn die Inszenierung derart in sich stimmig ist – und das war hier der Fall.

Es war ein kurzweiliger, ein inspirierender Opernabend, der ganz sicher neugierig auf mehr gemacht hat – nicht zuletzt auf den zweiten Teil des „Ring“. Der läuft aber erst wieder im November, wenn die Tage empfindlich kurz und die Temperaturen auch nicht mehr das Gelbe vom Ei sind. Könnte ein Trost werden, dort hinzugehen. Mal sehen. Vermutlich tue ich das auch.

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