Erlesenes 2018

Veröffentlicht: 30. Dezember 2018 in Bücher, Kultur, Literatur

Auch in diesem Jahr, wie schon in den vorigen, lasse ich es mir nicht nehmen, an der Blogparade teilzunehmen, die auch dieses Jahr wieder Petzi ausrichtet. Danke dafür!
Momentan lese ich gerade an dem 20. Buch in diesem Jahr, das scheint also mein ungefähres Jahrespensum zu sein – letztes Jahr waren es 19. Aber was bedeutet schon Quantität…

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Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat? (und Begründung)

Wie jedes Jahr trifft die Frage auch dieses Mal nicht ins Schwarze. In der Regel habe ich keine Erwartungen an ein Buch. Ich fange einfach an, es zu lesen. Also werde ich auch dieses Jahr die Frage anders formulieren: Was war mein Lesehighlight 2018?

Also da schwanke ich… Ist es „Herz der Finsternis“ von Joseph Conrad, ein Buch, das sich mir nur schwer erschlossen hat, mich dann aber so nachhaltig beeindruckte? Oder ist es vielmehr „Von Männern, die keine Frauen haben“ von Haruki Murakami?  Schwer zu entscheiden…

 

Während „Herz der Finsternis“ ein vielschichtiger und hintergründiger Roman ist, ein Buch, mit dem man wahrscheinlich niemals ganz fertig wird, sind die Erzählungen von Haruki Murakami wie lauter funkelnde Edelsteine, die alle ihren ganz eigenen Reiz haben. Sicher ist, dass ich den Murakami lieber gelesen habe, und er mich letztendlich durch die Stilsicherheit im Ausdruck, aber auch durch seine Tiefe begeisterte. Andererseits: Die Bilder, die Joseph Conrad entwirft und die sich in mein Gehirn geradezu hineingefressen haben, sind stark und kräftig und sprechen für grandiose Literatur.

Ich glaube, beide Bücher gehören auf meine Favoritenliste, und ich möchte beide hiermit zu meinen intensivsten Leseerlebnissen 2018 benennen.
Meine ausführlichen Berichte findest Du hier:

Joseph Conrad: „Herz der Finsternis“
Haruki Murakami: „Von Männern, die keine Frauen haben“

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat? (und Begründung)

Ach, naja, negativ überrascht ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck, für keines meiner Leseerlebnisse. Die vielleicht originellste Lese-Erfahrung dieses Jahres war denn vielleicht von Rosalia del Castro „Die Tochter des Meeres“. Es ist gleichwohl eine Entdeckung. Immer mal wieder frage ich mich, wieviele Frauen vollkommen zu Unrecht unbekannt geblieben sind, nur weil sie Frauen sind? Jedenfalls hierzulande ist Rosalia der Castro, eine castillische Autorin, recht unbekannt. In ihrer Heimat, und die ist in Santiago di Compostella, ist sie jedoch sehr bekannt und ist noch immer in dem Herzen und ihre Gedichte auf den Lippen der dortigen Menschen zugegen. Dies erfuhr ich durch Marens wunderbaren Blog, und es berührte mich sehr.

Dennoch muss man sagen: In diesem Frühwerk von der Autorin ist ihre Könnerschaft vielleicht noch nicht ganz erblüht. Zwar fand ich vieles unglaublich gut in Worte gefasst – allem voran ihre Schilderungen der rauen Natur – aber die Gefühlsäußerungen der ProtagonistInnen schienen mir an der ein oder anderen Stelle doch etwas übertrieben. Ich müsste mich vielleicht nochmal mit ihren Gedichten befassen. Darauf hätte ich prinzipiell zwar Lust, aber mit Gedichten tue ich mich doch recht schwer.

Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Ich habe einige neue AutorInnen entdeckt dies Jahr, nämlich ganze 10, wenn ich die beiden Sachbücherautoren, die ich auch noch nicht kannte, einmal außer acht lasse. Von diesen zehn neuen muss ich auf jeden Fall Klaus Modick und Marco Balzano nennen. Klaus Modicks Buch „Konzert ohne Dichter“ hat mir sehr gut gefallen, es handelt von den Worpsweder KünstlerInnen, allen voran von Heinrich Vogeler und seinem gespaltenen Verhältnis zu Rainer Maria Rilke – verkürzt gesagt.  Nicht nur, dass ich jetzt mehr über Heinrich Vogeler wissen will, nein, auch Klaus Modicks Stil hat mich so überzeugt, dass ich unbedingt noch mehr von ihm lesen werde. „Der kretische Gast“ steht auch schon bereit in meinem Regal der ungelesenen Bücher.

Marco Balzanos Buch „Damals, am Meer“ hat mich ebenfalls sehr überzeugt. Die Geschichte von Großvater, Vater und Sohn, die aufbrechen, um die alte, seit Jahrzehnten leerstehende Wohnung in Sizilien zu verkaufen und damit auch in gewisser Weise der Wahrheit ins Gesicht zu sehen, dass die Familie seit und vielleicht sogar durch deren Umzug nach Mailand zerfallen ist, war berührend und zugleich in Bildern eingefangen, deren Tiefe unter die Haut ging.

Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

Kang_Vegetarierin_160215.inddNa, also da muss ich unbedingt dieses Cover von „Die Vegetarierin“ von Han Kang zeigen. Es nimmt sowohl Bezug zum Inhalt des Romans als auch lässt es bei längerem Hinschauen immer neues, ungeheuerliches entdecken. Bitte schau selbst! Es ist unglaublich!!!

Welches Buch wollt ihr unbedingt 2019 lesen und warum?

Also, ich habe mir ja was vorgenommen… Neulich fiel mir das Hörbuch „Ulysses“ von James Joyce in die Hände. Diesen Roman habe ich bislang nicht lesen können. Vielleicht finde ich durch das Hörbuch nun doch einen Zugang… Das muss leider noch etwas warten, bis ich in meinem Kopf freier bin, als momentan. Aber das wäre mal ein Projekt… Mal sehen. Ansonsten, ich erwähnte ja schon: Klaus Modick. Und dann habe ich die zwei Bände von Haruki Murakami zu stehen: „Die Ermordung des Commendatore“ – die stehen schon ein halbes Jahr, aber nur, weil die Vorfreude auch schon so schön ist… Tja, und dann: mal sehen, was alles meine schönen Pläne fürs nächste Jahr durchkreuzt! Spontane Leselust geht immer vor langgehegte Pläne!

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Kommentare
  1. Maren Wulf sagt:

    Sehr unterhaltsam, dein Streifzug durch dein persönliches Lesejahr 2018, liebe Eva! Ich freue mich, dass ich zu den Überraschungen beitragen konnte. 😉

  2. Petzi sagt:

    Vielen Dank für deinen Beitrag. Ich werde ihn auf jeden Fall mit auf die Liste aufnehmen. Weiß leider nicht, warum du nicht kommentieren konntest. Bisher hat es super geklappt.

    Liebe Grüße
    Petzi

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