Archiv für die Kategorie ‘Ausstellungen’

Skulpturenausstellung Münster

Veröffentlicht: 23. September 2017 in Kultur, Kunst, Ausstellungen

Alle zehn Jahre, immer im Documenta-Jahr, werden auf Münsters öffentlichen Straßen und Plätzen Skulpturen von Gegenwartskünstlern ausgestellt – Grund genug, einen Abstecher in diese schöne Stadt zu machen!

Dieses Mal empfand ich die ausgestellte Kunst etwas arg sperrig, doch auch das hatte unbedingt was. Die Kunst war irgendwie auf dem Sprung, wollte verschwinden, schien die Betrachter zu beobachten – oder schien sich auf andere Weise zu zieren, (wohlwollend oder auch nicht ) rezipiert zu werden. Jedenfalls einige Kunstwerke…

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Da steht beispielsweise ein Schwertransporter vorm Museum (aufgestellt wurde er von Cosima von Bonin und Tom Burr), auf seiner Ladefläche steht ein Kasten, genau in der Größe der Skulptur von Henry Moore (die dort aber schon lange steht). Man könnte meinen, die Kunst würde von hier wegtransportiert werden…

Mit auf dem Foto ist eine Zeichnung an der Wand, und in diesem Stile gibt es noch mehr von dieser Art Wandschmuck. So weit ich es erinnere, sind immer fallende Figuren dargestellt. Irgendwie haben die Zeichnungen, angebracht vom Künstler namens Sany, etwas Heiteres an sich, und doch wirken sie fremd, und das Fallen an sich assoziiert eine plötzliche Bewegung, dazu tragisch. Ist das Kunst oder kann das weg? Gute Frage. Und ich glaube, tatsächlich es ist diese Frage, die sich hier tiefgründig auftut.

muenster_steinblockEbenso rätselhaft und dazu irgendwie falsch ist die Skulptur, aufgestellt von Lara Favaretto, die vis a vis dem sogenannten Traindenkmal gegenübersteht. Sie ist aber gar nicht das, was sie zu sein scheint: sie sieht zwar aus wie ein grob behauener Steinblock, ist es aber nicht. Vielmehr ist der vermeintliche Steinklotz innen hohl, ein Fake, sozusagen.

Und dann war da noch der fiese Kringel von Nairy Baghramian. Beinahe trotzig liegt er da im Vorhof des Erbdrostenhofes, und er erinnert an eine schnell gezeichnete Markierung in einer Landkarte. So spröde dieser Kringel auch wirken mag, so scheint er doch einer höheren Macht entsprungen, die vielleicht eine Ordnung verfolgt, die nicht im Sinne von uns Bürgern ist… Das wiederum finde ich beinahe unheimlich, gerade zu diesen Zeiten, wo der eine oder andere Politiker (oder auch gleich mehrere) durchzudrehen scheint und Dinge beschließt – vielleicht vor einer Landkarte -die an und für sich schon gruselig sind…

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Noch ein weiteres Werk will ich nennen, um meine vorangestellte These zu stützen: die freche Installation von Michael Dean. Der Künstler hat den Innenhof des Museums mit Folie abgehängt. Nur durch einige Gucklöcher kann man Ausschnitte auf die Installation werfen, was neugierig macht. Doch man kann sie auch durch einen Eingang begehen. Und steht dann zwischen rätselhaft angeordnetem Schrott mit Betonfüßen… Angeblich sollen die Teile der Installation in Form eines f in Schreibschrift angeordnet sein, ich konnte das nicht erkennen. Auch dieses Werk entzog sich mir und ließ mich weder an einer Ästhetik noch an einem Bedeutungsansatz teilhaben.

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Ich muss zugeben, dass ich mich besser einer Führung angeschlossen hätte, ohne dies blieb mir der Zugang zu vielen der Werke verschlossen, wenn sie nicht genau dies bewirken sollten. Trotzdem habe ich den Tag in Münster sehr genossen, die Stadt ist entzückend und macht auf mich einen weltoffenen Eindruck, nicht zuletzt, weil man hier an allen Ecken und Enden Kunst sieht, denn viele Werke sind aus den vorangegangenen Skulpturenausstellungen ins Stadtbild integriert worden.

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Besuch der Documenta 14

Veröffentlicht: 9. September 2017 in Ausstellungen, Gedanken, Kultur, Kunst

Ich maße mir nicht an, dass ich in den 1 ½ Tagen in Kassel wirklich einen Überblick über die gesamte Documenta bekommen habe, zumal ich bei weitem nicht alle Ausstellungsorte besucht habe. Es ist bei einer Auswahl geblieben, mehr oder weniger willkürlich. Da uns schon vorher klar war, das wir nicht alles „schaffen“ werden, haben wir uns das auch gar nicht vorgenommen, sondern wir versuchten, den kleinen Ausschnitt auf uns in Ruhe wirken zu lassen und zu genießen.

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Der Parthenon der Bücher

Unser Rundgang begann klassischerweise am Friedrichsplatz, wo die argentinische Künstlerin Marta Minujín den Parthenon aus Athen nachbauen ließ und den „Parthenon der Bücher“ aufbaute, indem sie an Metallgestellen lauter Bücher festband, die irgendwo auf der Welt schon mal verboten waren. Um die Bücher zu schützen, hat sie sie mit Plastik umwickeln lassen. Und um den Parthenon wirklich voll zu machen, waren Mehrfachhängungen unumgänglich. Vom nahen betrachtet ergab sich für mich kein besonders beeindruckendes Bild. Die Materialien wirkten billig, und die Auswahl finde ich persönlich zu willkürlich, da findest Du Bücher von Solschenizyn neben Brecht, aber da findest Du auch Bücher von Goethe und jede Menge Harry Potter. Mir schien das zu willkürlich; kann man vielleicht sagen, dass sehr, sehr viele Bücher aus den verschiedensten Gründen irgendwo auf der Welt mal verboten waren? In der Abendsonne ergab sich später dann doch noch ein einigermaßen ästhetischer Anblick, was mich ein wenig versöhnte. Aus welchen Gründen auch immer, habe ich den Anblick bei Dunkelheit – durch eine spezielle Beleuchtung sollte das dann sehr schön aussehen – verpasst.

In den Karlsauen war diesmal nicht viel zu sehen. Die „Blutmühle“, ein großes Holzkonstrukt, in das einstmals Sklaven festgebunden wurden, die durch ein ständiges Im-Kreis-Laufen dafür sorgten, dass Münzen geprägt wurden, war nicht in Bewegung, und der schmale Streifen, in dem der Künstler Lois Weinberger verschiedene Wildpflanzen sich ansiedeln lässt, musste vermutlich noch erst in Gang kommen, aber die Fragestellung ist interessant: Wem gehört die Erde, auf der sich die Pflanzen ansiedeln, auch wenn sie von weit her kommen…?

Und das ist sicherlich ein Schwerpunkt, ein Thema, das von vielen Künstlern auf dieser Mammutveranstaltung aufgegriffen wurde: Was bedeutet Identität, was ist Heimat, was ist die Fremde? So gab es viele Installationen, die sich auch mit der Frage beschäftigten, was es bedeutet, dass viele Urvölker durch die Globalisierung oder durch den Eingriff des Staates ihre Kultur und Tradition verlieren. Nachdenklich gemacht hat mich das Werk von Susan Hiller („Lost and Found“): Hier wurden in einem dunklen Raum Tonspulen von Sprachen abgespielt, die vom Aussterben bedroht sind (oder mittlerweile ausgestorben sind), dazu gab es eine Aufzeichnung ihrer Schallwellen. Es macht mich traurig, zu erfahren, wie viel an Kultur anderer Völker einfach verschwindet…

Abgesehen von der sehr interessanten Dauerausstellung des Museums für Nekromantik gab es auch dort interessante Exponate. Das Künstlerduo Prinz Gholam beispielsweise stellt in seinen Videos Posen alter griechischer Statuen nach, was sich auf einem Friedhof, am Rande eines Amphitheaters oder vor einem Säulenarrangement merkwürdig ausnimmt, zumal die beiden Alltagskleidung tragen. Besonders spannend fand ich eine Fotoreihe von Thomas Dick mit Bildern australischer Ureinwohner, die beim Fischen und Jagen gezeigt wurden. Es sind Szenen, die man heute in dieser Form ganz sicher nicht mehr sehen kann…

Foto von Thomas Dick

Viele Exponate in der Documentahalle greifen dieses Thema wieder auf: Da gibt es gleich zwei Räume, die Fotos, Dokumente, Kleidungsstücke und Musikinstrumente des Musikers Ali Farka Touré aus Mali zeigen. Was ich davon mitnehme, ist der Stolz auf sein Heimatland, seine Identifizierung mit Mali als Ausgangspunkt seiner Kreativität. Allerdings ist Touré hier nicht der Künstler, sondern Ingo Diarra, der meiner Meinung nach genau dies zeigen wollte. Berührend fand ich auch den hinteren Teil der Documentahalle, mit Werken des afrkanischen Künstlers El Hadji Sy, der mit den Füßen seine Bilder auf grobes Sackleinen malte und zum Teil Seile als zusätzliches Gestaltungselement hinzunahm. Dazu wurde leise afrikanische Musik gespielt, und so entstand eine besondere Stimmung.

Ausschnitt aus einem Stickwerk von Britta Marakatt-Labba

Mit großem Interesse habe ich die vielleicht 15 Meter lange Stickerei der Samin Britta Marakatt-Labba angeschaut, die auf ihrem Exponat von dem Leben hoch oben in Lappland erzählt (und tatsächlich befinde ich mich, während ich diesen Text geschrieben habe, in Lappland, aber das nur nebenbei). Die Samen leben im hohen Norden, in Lappland über Norwegen, Schweden, Finnland und Russland verteilt und in jedem der Länder bilden sie eine Minderheit, die sich durch die Staatenteilung nur schlecht zusammenschließen kann, um für ihre Rechte und Lebensweise einzutreten. Diese einzige Urbevölkerung Europas hat also kaum ein Organ, um gehört zu werden. Und da sie in einem Gebiet lebt, das voller Bodenschätze steckt, lässt sich leicht ausmalen, was mit dieser Kultur in Zukunft zu geschehen droht…

Wie ein riesig großes Mobile hängen in verschiedenen Blautönen Stoffe von der Decke – dies ist die Demonstration von Ergebnissen aus alten Färbetechniken, für die der Künstler Aboubakar Fofane einsteht. Auch hier ist eine Stück Kultur vom Aussterben bedroht, denn das industrielle Einfärben von Stoffen ist natürlich effektiver… Es sind übrigens ganz besonders schöne Blautöne, und viele verschiedene…

Das Friedericianum ist auf dieser Documenta der Ort für einen Museumstausch: Zu Gast ist das Athener Museum für Gegenwartskunst, das mit beeindruckenden Kunstwerken aufwartet, in denen häufig auf die Kultur der griechischen Antike zurückgegriffen wird: Teilweise auf Mythen, teilweise aber auch auf die Philosophie oder Politik. In einer Videoinstallation wurden Stellungnahmen zu der Frage, was Demokratie sei, aus verschiedensten Ländern zusammengestellt. Die Künstlerin Janine Antoni geht ganz anders vor: Sie hat nächtelang ihre Augenbewegungen während des Schlafens aufgezeichnet und das entstandene Muster in einen riesenlangen Teppich verwebt. Da muss einiges passiert sein, in ihren Träumen! Und wer sagt, dass nicht auch Odysseus seine Abenteuer nur (oder wenigenstens) geträumt habe?

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Webteppich von Marielou Schultz

Die Abstecher in die Neue Galerie und in die Neue neue Galerie waren ebenfalls sehr lohnenswert. In der neuen Galerie geht es im Untergeschoss auch nochmal um die Wurzeln, die Identität, beispielsweise, wenn die alte Webkunst irgendwo in Südamerika verloren gegangen ist, weil eine Fabrik für Mikrochips die Arbeiterinnen angeworben hatte. Nun sehen wir hier wunderbar handgewebte Teppiche, die aber nicht die alten Muster zeigen, sondern vielmehr riesengroße Muster der Mikrochips. Die afrikanische Künstlerin Otobong Nkanga hat Seife hergestellt, die neben ausgewählten Ölen auch einen beträchtlichen Anteil an Kohle beinhaltet, was sie schwarz macht – ein vielschichtiges Werk, da es auf die Ausbeutung der Menschen im Kohlebergbau hinweist und die Frage, ob man sich mit dieser Seife wohl die Hände in Unschuld waschen könne?

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Auschnitt aus einem bearbeiteten Foto von Gauri Gill und Rajesh Vangad

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Ebenfalls von Gauri Gill und Rajesh Vangad

Ich habe hier längst nicht alle Ausstellungsorte angerissen und erst recht nicht alle Werke, das geht auch nicht. Aber es waren zwei tolle Tage auf der Documenta, schwer verdauliche Kost, wie eigentlich üblich, und mir scheint, dass die Exponate in eine bestimmte Richtig zielten, nämlich in die nach der Frage der Identität, dem Anderssein und -denken, und nach der Frage, was es bedeuten wird, wenn die Vielfalt von Kulturen immer mehr und für immer verloren geht.

Natürlich kannte ich Max Pechstein schon, er ist einer der Brücke-Maler, und im sehr lohnenswerten Berliner Brücke-Museum  habe ich einige seiner Bilder auch schon gesehen. Doch dort war er einer von vielen, und damit kann man ihm nicht so ganz gerecht werden. Um so schöner, dass das Bucerius Kunstforum ihm eine eigene Ausstellung gewidmet hat.

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Bildcollage, gefunden auf der Website des Bucerium Kunstforums

Die Farben sind sicherlich das Auffälligste an Pechsteins Werk, denn die Bilder – vor allem die früheren – sind wunderbar bunt und vermitteln eine zumeist fröhliche Stimmung. Sie sind geprägt von einer lebensbejahenden Grundstimmung, immer auf der Suche nach Harmonie und Natürlichkeit, was man von den Brücke-Malern im Allgemeinen auch kennt. Pechstein Lebensfreude lässt sich vor allem an der Farbe Gelb ablesen; diese Farbe setzte er oft kräftig ein – und es scheint mir seine Vitalität und seiner Lebens- und Schaffensfreude zum Ausdruck zu bringen. Beispielsweise in einem Selbstporträt, das er nach dem Krieg  (und einiger Zeit der Mal-Abstinenz) malte, und in dem seine Aura  förmlich gelb vor neu erwachtem Schöpfungsdrang erstrahlt.

Pechsteins Schlachtruf war „Zurück zur Natur“ – in der unberührten Natur und einem ursprünglichen Verhältnis zur eigenen Natürlichkeit und Sexualität suchte er die Erlösung von gesellschaftlichen Zwängen und von den Erlebnissen im ersten Weltkrieg. Auch dies spiegelt sich zumeist in seinen Ölgemälden wieder. Seine Gefühle, die Zwänge, denen er durch die Kriegszeit ausgesetzt war, zeigt er aber auch in einigen Gemälden: beispielsweise in der Darstellung seines etwas verkniffen aussehenden Schwagers  Harry Kaprolat, der in Hut und Mantel neben einer fest verkorkten Weinflasche sitzt. Friert er? Vielleicht. Die angenehmen Seiten des Lebens scheinen ihm verwehrt, obwohl die Farben eine andere Sprache sprechen. Das Bildnis seines kleinen Sohnes, der verstockt inmitten von Spielzeug sitzt, welches sich ganz offensichtlich nicht zu einem Spiel hinreißen lässt, spricht ebenfalls Bände, wenn man weiß, dass Max Pechstein das Bild 1916 gemalt hat und also auf einen Urlaub vom Kriegsalltag (an der Front vielleicht) keinen Zugang zu seiner Familie findet…

Das für mich aufregendste Bild ist das einer kleinen Dompteurin, die sich den engen Käfig mit 7 Raubkatzen teilt (Die Löwenbändigerin, 1920). Die Dompteurin hat Ähnlichkeit mit den 7 Löwen um sie herum und trägt ein knallrotes Kleid. Auch die Hocker, auf denen die Tiere sitzen, sind knallrot sowie der untere Teil des Bildes. Das Bild strahlt Gefahr, aber auch große Anmut aus, gleichzeitig aber auch etwas Animalisches, das jedoch im sicheren (???) Käfig verwahrt bleibt… So ist es ein ungezwungenes Bild, das gleichwohl auf die Zwänge verweist.

Die späteren Werke fand ich dann nicht ganz so spannend. Max Pechsteins Utopie versuchte er in Pallau (wo er zu Beginn des zweiten Weltkrieges hinreisen konnte, allerdings musste er die Reise wegen des Kriegsbeginns jäh abbrechen)  zu finden, doch das Exotische, das Natürliche, vielleicht die Erfüllung seines Traumes ließ für meinen Geschmack seine Gemälde zu tendenziös wirken. Für mich fehlte dort doch eher das Ursprüngliche – eigentlich merkwürdig.

Es war ein gelungener Ausstellungsbesuch, ich kann ihn nur empfehlen! Bis 3. September ist sie noch zu sehen.

Ausstellungen in letzter Zeit

Veröffentlicht: 24. Mai 2017 in Ausstellungen, Kultur, Kunst

Es ist grässlich mit mir, ich komme zur Zeit kaum zum Blog-Schreiben… oder besser, ich nehme mir dafür keine Zeit. Oder ich habe keinen Kopf dafür. Natürlich bin ich deshalb kulturell nicht weniger unterwegs, und so gibt es einen gehörigen Blog-Rückstau, dem zu begegnen gar nicht mal so einfach ist. Nun denn. Genug geklagt!

„Revisited“ Ausstellung mit Werken zum Bau der Elbphilharmonie in den Deichtorhallen zu Hamburg

Meine Begeisterung über die Elphi habe ich hier ja schon kund getan, und so interessierte mich auch zu sehen, was andere Künstler zu diesem Prachtgebäude zu sagen haben. Die Ansätze waren sehr unterschiedlich: Neben einem „Quasi -Gegenentwurf“, gezeigt in einer riesigen, aus verschiedensten Materialien zusammengeschusterten und –gezimmerten Modell-Frechheit, gab es auch tolle Fotos aus dem Bau zu sehen, Entwürfe, die auf sexistische Elemente von Architektur im Allgemeinen Bezug nehmen, aber auch Dokumentationen aus dem Architekturbüro mit Teilen der Original-Modelle und einer Reihe von Fragebögen, die die Arbeiter der Elphi-Baustelle beantwortet haben. Doch auch eine Spinne durfte mit einem kunstvoll gesponnenen Netz, das in einem verdunkelten Raum durch eine Lichtinszenierung ästhetisch aufgemotzt wurde,  auf die Elbphilharmonie antworten. Und über den politischen Ablauf, eigentlich einem riesigen Skandal, weil die Kosten ja explodierten wie ein riesiges Feuerwerk, gab es ebenfalls eine Arbeit. Ja, eine vielseitige Ausstellung. Und gut, dass ich diesen Blog schreibe, denn direkt nach dem Besuch, der schon ewig her ist, war ich eher enttäuscht, hatte ich mir doch eine ästhetischere Antwort auf die Elphi erhofft. Jetzt, rückblickend, erkenne ich die Vielseitigkeit und Komplexität der Ausstellung besser.

„Warten“ in der Kunsthalle

Eine Themenausstellung… Verschiedenste Aspekte vom Warten wurden in den Werken aufgegriffen und mal ästhetisch, mal witzig, mal auch konzeptionell untersucht.  Ein Bewohner eines Hospizes schaut eine Weile aus dem Fenster (Film); auf Fotos sind Prostituierte, die in einem entlegenen Industrieviertel auf Freier warten, Anglern, die an eher weniger idyllischen Plätzen ihre Ruten ausgeworfen haben, gegenübergestellt – ein seltsames Spannungsverhältnis… Andere Installationen wie z.B. die Wartehalle, in der man Literatur zum Durchblättern zum Thema Warten findet, oder einer Art selbstgezimmertes Freizeitparadies für pensionierte Beamten, die ab nun eigentlich nur noch auf ihr Ende warten, wenn man so will, führen deutlich bis drastisch die Absurdität dieses weit verbreiteten Seinszustands  vor Augen. Was soll’s? Am besten, man quartiert sich gleich in dem 4qm großen Wartehäuschen ein, das mit Küche und Klo einen kleinen, aber doch ganz eigenen Wartebereich mit nützlich-heimeligen Akzenten wie dem Bett ausgestatteten Rückzugsort  darstellt. Um zu warten – worauf? Dass der Bus kommt – wohin? Es ist eine zugleich irritierende als auch anregende Auseinandersetzung mit dem Thema Warten, das um so absurder wird, je länger ich darüber nachdenke.

ESA

Nicht unerwähnt möchte ich meinen Besuch der Space-Expo auf dem ESA-Gelände in Noordwijk, Holland, lassen. Natürlich geht es dort um die Raumfahrt und vielerlei Aspekte. Einige Ausstellungsstücke laden zum Mitmachen ein, wie z.B. der Landesimulator einer  Weltraumkapsel. Richtig Gänsehaut habe ich aber bekommen bei den Ausstellungsstücken, die tatsächlich mal im All waren und nun mitsamt ihrer Schrammen, die sie sich beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre  zugezogen haben, ausgestellt werden.

Van- Gogh-Museum, Amsterdam

Von Noordwijk aus wollte ich wenigstens einmal Amsterdamer Luft schnuppern und das Van-Gogh-Museum besuchen, mehr habe ich von Amsterdam leider nicht gesehen – ich muss unbedingt bald wiederkommen! Aber dies Museum stand doch am dringlichsten auf meiner Wunschliste. Die Ausstellung ist nach van Goghs Leben chronologisch aufgebaut und zeigt aber auch wegweisende Gemälde von Künstlern, die das Wirken van Goghs mitgeprägt haben sowie  von Zeitgenossen, und gibt so einen guten Überblick über van Goghs Werk und seine Zeit. Es sind so grandiose Gemälde zu sehen wie ‚Die Kartoffelesser‘, oder natürlich die berühmten Sonnenblumen. Aber neben diesen sehr berühmten Gemälden gibt es viele, die ebenfalls großartig sind.
Es ist schon verrückt, wenn man sich vorstellt, dass van Goghs Malweise für das Publikum derart ungewöhnlich war, dass es die Ästhetik der Bilder nicht wahrnehmen konnte. So blieb bekanntlich der Erfolg zu seinen Lebzeiten aus. Wie schwer muss es sein, trotz aller Widerstände und Misserfolge doch weiterzumachen und irgendwie zu wissen, dass er mit seiner Kunst großartiges geschaffen hat, auch wenn niemand (außer seinem Bruder und vielleicht einer Handvoll Kollegen) an ihn glaubte. Ja, ich kann mir vorstellen, an solch einer Missachtung seiner Leistung kann man letztendlich zerbrechen oder darüber wahnsinnig werden… oder sogar beides. Der Besuch lohnt sich sehr, aber man sollte sich die Karten im Vorfeld besorgen, wir haben es nicht getan und haben an einem stinknormalen Werktag 45 Minuten für Karten angestanden.

Barberini-Museum, Potsdam: Ausstellung „Impressionismus“ und „Klassiker der Moderne“

In den Frühjahrsferien bin ich ein wenig herumgekommen, war nicht nur in Holland, auch ein Kurzbesuch in Berlin musste sein, und ich bin heilfroh, dass ich das Barberini-Museum bei dieser Gelegenheit besuchen konnte: Was soll ich sagen: Es war eine ganz tolle Ausstellung mit großartigen Gemälden von vielen Impressionisten. So wunderbare impressionistische Gemälde, in denen Landschaft und Wetter eine herausragende Rolle spielten, habe ich lange nicht gesehen. Einige wunderbare Seerosenbilder von Monet waren für mich der Höhepunkt, aber auch Bilder, in denen die Motive deutlich unspektakulär sind (wie z.B. die Heuhaufen), dafür aber die Umsetzung in der impressionistischen Malweise umso aufrührender, gab es zu sehen. Dazu wurden aber auch Gemälde aus späterer Zeit gezeigt, die Themen aus den impressionistischen Bildern aufgreifen und in ein neues Licht rücken – spannend! Tolle Gemälde aus der klassischen Moderne, beispielsweise von Edward Munch, waren auch vertreten. Insgesamt war es eine hochkarätige Ausstellung in einem tollen Gebäude, die zu besuchen sich ungemein lohnt (aber auch nur noch bis zum 28. Mai).
Der Abstecher in den Trakt (ist das ständige Ausstellung? Ich weiß es nicht) von (zensierten) Künstlern zu Zeiten der DDR war ebenfalls bereichernd und sehenswert.

Paula Modersohn-Becker – Ausstellung im Bucerius Kunstforum, Hamburg

Kurz vor Ablauf habe ich es denn zum Glück doch noch geschafft, diese Ausstellung zu besuchen. Und auch sie hat sich sehr gelohnt! Paula Modersohn-Becker war die Ausnahmekünstlerin zwischen den tollen und sehr begabten Künstlern aus der Worpsweder Künstlerkolonie – nicht zuletzt, weil sie sich durch ihre Besuche in Paris zur Weiterentwicklung ihres eigenen Schaffens selbst förderte. Die Werke, die hier ausgestellt wurden, sind durch die Bank großartige Malerei. Ob es atmosphärische Landschaftsmalerei  ist oder Portraits von der einfachen Bevölkerung von Worpswede: Diese Bilder haben die Seele des Motivs genau erfasst und auf den Punkt gebracht. Mein Lieblingsbild war auch zu sehen: Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag. Es zeigt die Künstlerin mit nacktem Oberkörper schwanger. Doch zu diesem Zeitpunkt ist sie es nicht. Es ist die Kunst, die in ihr reift. Leider wurde sie kurz danach tatsächlich schwanger. Es ist tragisch und traurig, dass genau dies ihr zum Verhängnis wurde: Sie starb kurz nach der Geburt ihrer einzigen Tochter.

Ich bin froh, dass ich es noch rechtzeitig geschafft habe. Was hätte ich ansonsten verpasst!

Also, wenn mein Sohn mich schon fragt, wann wir endlich in diese Ausstellung gehen – ja, dann ist es für mich keine Frage, dass ich den Museumsbesuch nicht auf die lange Bank schiebe…

Erwartet hatte ich jedoch von der Ausstellung, dass sie mich heranführt an die Ästhetik von Computerspielen, denn dass diese virtuellen Welten visuell einiges zu bieten haben, steht für mich außer Frage. Und genau darauf hatte ich mich auch gefreut, auch wenn ich mir eigentlich nicht allzu viel aus Computerspielen mache. Dennoch finde ich es spannend, diese Ästhetik einmal genauer zu betrachten.

Und nun sahen wir uns in den Ausstellungsräumen einer Vielzahl von Bildschirmen und Wandprojektionen gegenüber gestellt, und alle Konsolen konnten wir auch nach Herzenslust bedienen und diese Spiele selbst ausprobieren – so weit die Theorie. Eine kleine Anleitung sollte helfen, sich im jeweiligen Spiel zurecht zu finden, und genau hier lag die Crux: Es klappte nämlich nicht, sich so zügig mit den Spiel- und Bedienregeln vertraut zu machen, um ins Spielen zu geraten, und das liegt in der Natur der Sache. Könnte man das Spiel sofort bedienen, wäre es vielleicht schon sehr schnell durchgespielt, es wäre auch keine Herausforderung mehr. So aber blieben die Versuche ziemlich an der Oberfläche, und mir hat sich dadurch nur sehr weniges erschlossen.

Dennoch gab die Ausstellung einen feinen Überblick über die Vielseitigkeit der Spiele, der Kreativität, Spielfreude und dem grafischen Können der Spielemacher, wenn eben auch vieles nur angerissen werden konnte. Zu einem bestimmten Spiel – ich habe leider den Namen vergessen – hieß es, dass den Entwicklern es ein Anliegen war, die (virtuelle) Spielewelt durch Interaktion zu verschönern und dadurch ein Wohlgefühl beim Spieler zu erzeugen. In dem Spiel sollten Blütenblätter aktiviert und verteilt werden, wodurch viele neue Blumen entstehen. Leider kam ich über die wüste, eintönige Ausgangswelt nicht hinaus, insofern vollzog sich bei mir auch kein Wohlgefühl. Sicher wäre es anders, wenn ich das Spiel einen Nachmittag lang spielen würde. Und dennoch: Für mich bleibt es eine virtuelle Bildschirmwelt, die vielleicht unterhaltend ist und einen gewissen Reiz ausübt. Aber dieses Virtuelle ist mir bei aller vermeintlichen Ästhetik dann doch eine Spur zu wenig sinnlich, nein, das ist nicht meins.

Insofern war ich nicht besonders angetan von der Ausstellung, auch wenn einige Spiele Spaß gebracht habe, beispielsweise das Mitmachspiel, in dem die eigenen Tanzbewegungen auf einen Bildschirm übertragen und bewertet wurde, wie gut man im Takt tanzen kann. Sowas finde ich irgendwie gut!

 

Diese Ausstellung ist etwas ganz Besonderes, denn sie speist sich zum großen Teil aus den Sammlungen von Roland Penrose, Edward James, Gabrielle Keiller sowie Ulla und Heiner Pietzsch. Und das bedeutet, sie besteht zum großen Teil aus Bildern, die sonst nirgends zu sehen sind…

Und was für Schätze sind das! Von Max Ernst gibt es wunderbare Bilder, die er in seinen favorisierten Techniken wie z.B. der Frottage herstellte, und sie haben allesamt etwas extrem Dystopisches. Doch auch die Gemälde von Dalí sind voller Bedrohungen, und extrem beunruhigend… Besonders mochte ich die Bilder von Leonora Carrington, deren phantasievolle, beinahe traumhafte Sequenzen etwas ganz Eigenes, Mystisches haben.

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Aber auch Verfremdungen – hier wurden Postkarten in einen neuen, komplett verfremdenden Kontext gestellt, fand ich interessant.

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Bewegt hat mich auch dieses Gemälde von Francis Picabia, der die Leinwand gleich zu drei verschiedenen Portraits benutzte.

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Und ich liebe Jean Jacques Rousseau mit seinen scheinbar naiven Bildern, die doch aufs Dollste überraschend sind.

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Alles konnte man nicht „verstehen“, wenn es darum überhaupt geht, was ich bezweifle. Von einem wirklich komischen Disput von Rezipienten untereinander hat Maren in ihrem Blog ja schon berichtet.

Es war auf jeden Fall ein sehr lohnenswerter Besuch, und was ich schön fand, war, dass mein Sohn mitgekommen ist (und ich glaube, es hat ihm sogar gefallen).

Diese Ausstellung zu besuchen, war für mich eine Selbstverständlichkeit – und so habe ich es denn zwar nur knapp, aber dennoch ins sehr geschätzte Bucerius Kunstforum geschafft…

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Collage von der Website des Bucerius Kunstforums http://www.buceriuskunstforum.de

Aber wie das so ist, wenn man von etwas viel erwartet, dann ist die Enttäuschung nicht weit. Warum sind meine Erwartungen nur teilweise erfüllt worden? Es ist der Blick auf diese für mich ganz besondere Stadt, die hier durch das künstlerische Auge gefiltert wurde. Sehr viele – grandiose – Gemälde sind gezeigt worden, die aber im Grunde genommen den Mythos der Stadt selbst mit voran getrieben haben, den Mythos von Vergänglichkeit, der Schönheit des Morbiden, dem verwegenen Tanz Aug in Auge mit dem Vergangenen, mit dem Tod, aus dessen Blickwinkel das ausschweifende Leben seine Berechtigung erhält.

So gab es viele – tolle – Gemälde aus dem 17. Und 18. Jahrhundert zu  sehen, sogenannte „Veduten“, was Stadtansichten sind, und wenn es auch faszinierend ist, sich diese Malerei  genau anzuschauen, so bestätigt sie doch den Blick auf die Stadt als touristisches Ziel. Diese Stadt scheint schon immer alt gewesen zu sein, und das Schäbige an ihr – das ich doch auch so liebe – ist ganz offensichtlich kein neueres  Phänomen. Der Ausblick in die Gegenwartskunst war, wie ich fand,  vergleichsweise etwas dünne, erst recht, wenn man bedenkt, dass in Venedig selbst regelmäßig die Biennale mit toller Gegenwartskunst stattfindet (au man, das möchte ich auch irgendwann mal sehen).

Ja, sie hat mir gefallen, die Ausstellung, auf jeden Fall! Und doch bleibt die Stadt verborgen hinter ihrem Mythos. Ein kritischer Blick fehlt, der aber wenigstens in einem kurzen Film anklingt, wenn eine Fremdenführerin sagt, dass sie zwar nichts Falsches über Venedig erzählt, aber die Wahrheit von den Touristen ohnehin nicht gehört werden will, oder wenn der deprimierte Bausachverständige Venedigs Verfall an allen Ecken und Enden sieht, jedoch einem potentiellen Käufer den tatsächlichen Fakt des Zustandes der Gemäuer nicht offenbaren darf. Wunderschönes Bild in dem Film, wie zwei alte Venezianerinnen in einem alten, malerischen Torbogen miteinander sprechen, während sich im Hintergrund ein gigantisches Kreuzfahrtschiff seinen Weg bahnt. Venedig wird voraussichtlich 2030 schon nicht mehr bewohnbar sein, heißt es in dem Film. Und wir? Glotzen auf Veduten. Ohje…