Archiv für die Kategorie ‘Bücher’

torederweltWenn man mal etwas Weltflucht begehen muss, sich aus dem Alltag herausziehen oder abschalten will, um mal auf ganz andere Gedanken zu kommen, ist man mit dieser Lektüre ganz gut dran, würde ich sagen. Ich war es jedenfalls.

Die Nachfahren von „Die Säulen der Erde“ sind nun, im 14. Jahrhundert, also 200 Jahre nach den damaligen Geschehnissen am Rödeln, um die Geschicke der Stadt Kingsbridge zum Besten zu wenden. Aber natürlich erlangen sie zunächst nicht die einflussreichen Positionen, denn diese wurden besetzt von eigennützigen, machthungrigen Männern, die auf traditionelle, konservative Wertvorstellungen aufbauen. Für sie sollte alles so bleiben, wie es war. Doch die Pest und politische Unruhen stellen die Menschen vor neue Aufgaben, die mit den alten Mustern nicht lösbar sind.

Zum Teil hat mir diese schwere Literatur – das Buch hat beinahe das Gewicht eines  Ziegelsteins! – sehr gut gefallen, beispielsweise, wie der Mönch Godwyn durch clevere mehr oder weniger diplomatische Tricks geschickt seine Konkurrenten bei der Bewerbung um das Amt des Priors ausschaltet. Auch interessant war, wie  kräuterkundige Frauen schnell in den Verdacht geraten konnten, eine Hexe zu sein.

Es gab also durchaus einen ganz guten Einblick in die Sorgen und Nöte innerhalb der verschiedenen Stände: Bauern, die durch die Bindung an den Adel nicht nur nicht frei agieren können, sondern auch den Launen ihrer Vorgesetzten völlig wehrlos ausgeliefert sind, die Edelleute, die wiederum die politischen Querelen ihrer Könige ausbaden müssen und auf Gedeih und Verderb in den Krieg zu ziehen haben, wenn es der Obrigkeit so passt, die freien Bürger, die durch die Kirche geknechtet werden, wenn sie hohe Abgaben zu zahlen haben, und auch die Kirchenleute selbst, die sich im Kampf um Macht und Einfluss voll in alles einmischen.

Das fand ich so weit ganz interessant. Ansonsten gab es ein sehr ähnliches Schema wie in den „Säulen“: Es spielen mit: Ein ehrgeiziger Baumeister, eine intelligente Frau, die zu Einfluss kommt (halte ich für gar nicht realistisch, fand ich schon in den Säulen der Erde befremdlich), ein intriganter Geistlicher, ein böser Edelmann mit treuem Diener und noch so einigen anderen Figuren mehr. Irgendwie das selbe Strickmuster, „nur in grün“ (oder besser: in scharlachrot, dem neuen Farbton, der in diesem Buch in dem fiktiven Kingsbridge kreiert wurde und als Stoffarbe Furore macht). Und da gab es denn auch viele Handlungen, die ich als unrealistisch empfand, zumal sich das Blatt am Ende in jeder Hinsicht in ein happy end verkehrte. Das hat dem Buch dann doch eine arg triviale Note gegeben. Dennoch: Der Roman verhalf für einige Momente zur Weltflucht, und da ich das gerade brauchte, passte es ja. Aber ein weiteres Buch von Ken Follett – und ich habe hier noch mindestens eines zu stehen – könnte ich jetzt gerade nicht ertragen, ehrlich gesagt.

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csm_produkt-12443_570badec99_spiegelbestseller-210px_796eb3604fHendrik Groen ist nun nach einem bewegten Leben in einem Altersheim gelandet. Hier muss er sich von den anderen Alten, deren Hauptbeschäftigung es ist, zwischen den Mahlzeiten über Krankheiten oder liebe verstorbene Freunde und Verwandte zu sprechen und ansonsten mehr oder minder dahin zu vegetieren, deutlich abgrenzen, wenn er seinen Lebensmut nicht verlieren will. Hendrik Groen, ausgestattet mit einer gesunden Prise anarchistischen Handeln und Denkens, fühlt sich zu jung dazu und beginnt nicht nur, ein Tagebuch zu führen, sondern mit einigen anderen mehr oder weniger rebellischen Alten den Club „Alt aber nicht tod“, kurz: Alanito, zu gründen. Mit Hilfe des Clubs und Ausflugsplanungen versuchen sich die Alten, ihren Lebensabend zu verschönen und auch Abenteuern, so klein sie auch sein mögen, aufgeschlossen zu bleiben.

Denn viel geht in dem Alter nicht mehr. Und so stellen sich auch bei dem einen oder anderen Clubmitglied Gebrechen ein, die nicht erfreulich sind, sogar geradezu unerfreulich. Aber wie hilfreich ist es, darüber zu sinnieren? Oder ist es nicht viel besser, unbeirrt, wenn auch nicht unberührt von den Schicksalen um einen herum „weiterzumachen“?

Mit Hendrik, „Henk“ konnte ich mich freuen über die teure – aber was soll’s? – Anschaffung eines Elektrogefährts, das er sich noch auf 25 Stundenkilometer hochfrisieren lässt, und mit dessen Hilfe er seine Ausflüge in die Umgebung durch einen Stadtteil Amsterdams noch deutlich ausweiten kann. Oder über die kleinen, gelungenen Ausflüge des Alanito-Clubs. Oder über seine Versuche, die Pläne des Altenheims auszuspionieren, denn dieses scheint mit der Verwaltung (der Alten) mehr beschäftigt zu sein, als mit deren Betreuung, und folgt Vorschriften, die völlig undurchsichtig sind.

Alt werden ist kein Zuckerschlecken, auch das vermittelt dies Buch überdeutlich. Auch wenn man sich, wie Henk, im hohen Alter durchaus noch verlieben kann und es auch tut – natürlich, warum auch nicht? Die Kunst besteht auch darin, das lehrte mich dies Buch, nicht zu beklagen, was nicht mehr geht, sondern sich darüber zu freuen, was noch geht, so schwer das Henk auch gemacht wird, wenn Demenz, Schlaganfälle oder Amputationen um ihn herum versuchen, die eigene  Lebensfreude einzudämmen.

Eigentlich passiert auch gar nicht viel in diesem geheimen Tagebuch, der dramaturgische Faden verläuft eigentlich nur linear, ohne Höhepunkte, wohl aber mit einigen Tiefen, dafür aber immer voller Sarkasmus und (Selbst-)ironie, die unbedingt ein großes Lesevergnügen mit sich bringen. Aber ist es nicht auch so? Ereignislosigkeit im Altenheim? Es sind bedrückende Zustände, und umso erfrischender ist es, mit welchem Sarkasmus (aber nie Zynismus) Henk Groen der Langeweile begegnet.
Wer das Buch letztendlich geschrieben hat, sprich, wer hinter dem Pseudonym Hendrik Groen steckt, ist wohl umstritten. Auf jeden Fall muss es eine Person sein, die sich mit dem Themen Altern und  Altenheime gut auskennt.

Ein gutes Buch ist dies, das sich flott lesen lässt und amüsiert – und das mich dennoch gleichzeitig tieftraurig gestimmt hat, denn letztendlich geht es darum, seine eigene Würde zu erhalten, auch wenn das am Ende des Lebens in einem Altenheim wie ein hartes Stück Arbeit anmutet. Es gibt bereits eine Fortsetzung mit dem dynamischen Titel „Tanztee“. Denn man los!

csm_produkt-2490_f1b8a0b7fbIn letzter Zeit habe ich einiges gehört über die Pilgerwanderung über den Jakobsweg. Eine Freundin hatte sich über sechs Wochen auf dem Weg befunden. Ausgelöst oder befeuert  wurde ein Jakobsweg-Wandern unter anderem durch dieses Buch, das mir fürs Auskurieren einer Erkältung gerade die richtige Lektüre schien.

Hape Kerkeling hielt nicht hinterm Berg mit den Strapazen, die dieser Wanderweg mit sich bringt. Wehe Füße, auch Einsamkeit sind denn wohl ständige Begleiter auf dem Weg. Aber auch verrückte Begegnungen, zuallererst und wohl auch –letzt mit sich selbst, dann aber auch mit einigen mehr oder weniger  ich sage mal schrulligen Typen. Jede Begegnung stellt auch eine Herausforderung dar, die Sonne brennt von oben, die Füße von unten. Und dennoch bricht Hape seine Wanderung nicht ab.

Das liest sich einfach wunderbar easy, und doch ahnt man auch, dass diese Begegnung mit sich selbst nicht belanglos ist, auch wenn wirklich nicht viel passiert und sich vieles wiederholt: Hotel oder Herberge  suchen (Hape Kerkeling mied dann doch die einfachen Pilgerherbergen, denn wollte er, wie er meinte, mit den anderen Wanderern zwar den Weg teilen, nicht aber den Fußpilz), Einkehr in mittelmäßigen, aber immerhin doch Gaststuben, Begegnungen mit anderen Wanderern. Aber er schafft es, das komplette Buch zu fesseln und dass man ihm gespannt folgt. Ich konnte mitlachen über missglückte Frühstücke oder Begegnungen mit allzu abgedrehten Personen, aber mich auch mitfreuen, als er endlich neue und ganz intensive Freundschaften schließen konnte, deren Innigkeit eine ganz besondere war. Auch meine Freundin berichtete über solch intensiven Begegnungen, und das klang sehr gut.

Es wird klar: Diese lange Wanderung ist eine Begegnung mit sich selbst, und das ist ja manchmal die schwierigste aller Beziehungen und Begegnungen.

Hape Kerkeling blieb, so schien mir, überwiegend unerkannt. Seine unmittelbaren und wichtigsten Begleiterinnen wie Anne aus England und Sheelagh aus Neuseeland lernten ihn ohne Kenntnis seiner Prominenz kennen. Und auch ich als Leserin nahm ihn eher als netten Kumpel wahr. Auch wenn ich Hape Kerkeling natürlich kannte (und zwar mindestens doch so gut, dass ich ihn wohl auf der Straße wiedererkennen würde), wusste ich doch wenig über seine Sketche. Habe ein wenig bei Youtube gestöbert, und was ich da fand, trifft nur selten meine Art von Humor. Das Buch aber war eine feine Unterhaltung mit einigem gewissen Tiefgang. Ob es wohl auch ein Bestseller geworden wäre, wenn es ein Fremder geschrieben hätte?

Ob ich mich selbst auf diesen Weg begeben würde, weiß ich nicht… Die Infrastruktur (nämlich Herbergen und Gaststätten) ist ja gut, und der Weg hat auch landschaftlich einige Höhepunkte. Doch die Einsamkeit wäre vielleicht auch ein ständiger Begleiter, denn solch einen Weg gemeinsam mit jemand anderes zu laufen, erscheint mir schwierig. Sich auf einen gemeinsamen Rhythmus zu einigen, ist vielleicht eine zu große Anstrengung. Dazu körperliche Beschwerden, die überwunden werden wollen… Ganz einfach ist das sicher nicht, wenn auch in gewisser Weise tatsächlich heilend. Ich bewundere das Durchhaltevermögen eines jeden.

6087890Dieser Roman von Jón Kalman Stefánsson ist schon etwas älter und mir nicht neu. Dennoch ist er mir besonders in Erinnerung geblieben, denn durch ihn habe ich mich in die Bücher dieses Ausnahme-Autors verliebt… Und diese Liebe hat sich durch die erneute Lektüre nur einmal mehr verfestigt.

Ein Junge muss den Verlust der Mutter verschmerzen. Und nun taucht plötzlich eine Stiefmutter auf, eines Morgens kommt sie einfach aus dem Schlafzimmer des Vaters und kocht einen grässlichen Haferbrei – und dies ab jetzt jeden Morgen! Auch seine Klassenkameraden befinden: Du hast nun eine Schwiegermutter – Du bist erledigt…!

Doch geht es nicht nur um den kleinen Jungen. Auch seine Vorfahren, allen voran sein Urgroßvater, ein unsteter Mann, dessen Erfolge und Misserfolge sich in der Waage hielten, wird unter die Lupe genommen, und sein menschliches, allzu menschliches Verhalten wird ebenfalls in wunderbaren Bilder voller Sehnsucht und anderen Leidenschaften  beschrieben. So wird die Geschichte der Urgroßeltern erzählt, einer leidenschaftlichen Liebe mit einer Menge Aufs und Abs, mit Seitensprüngen, möglichen Liebschaften und der spanischen Grippe.

Jón Kalman Stefansson bedient sich einer atemberaubenden Sprache, die mit waghalsigen, aber unglaublich schlüssigen Vergleichen ein originelles Bildwerk entwirft, das tief, tief unter die Haut geht und von den wirklich wichtigen Dingen im Leben handelt wie Liebe, Trauer, Träume und den Tod.

Viele der Themen sind mir auch aus anderen Büchern schon bekannt, gerade in dem letzten zweiteiligen Roman tauchen einige Elemente wieder auf.

In Jón Kalmans Romanen knistert es, gerade so, wie in den Sternen. Unbedingt lesenswert! Auch zum zweiten mal!

 

Nun hatte ich so einiges über dies Buch im Vorfeld gelesen; die FAZ feiert es als „Entdeckung“, und auch innerhalb der Blogszene wurde es oft positiv besprochen. Bin ich also neugierig geworden – und zunächst enttäuscht, jedenfalls teilweise. Doch jetzt, da ich mit Abstand über das Buch nachdenke, komme ich zu einem viel besseren Urteil, als zunächst angenommen!

Aus drei verschiedenen Perspektiven wird die Geschichte einer (süd)koreanischen Frau erzählt, die von einem auf den anderen Tag aufhört, Fleisch essen zu wollen. Ihr Ehemann, der in ihr weniger eine heiße Liebe suchte, sondern vielmehr eine bodenständige Begleitung, ist davon genauso wenig begeistert, wie ihre Schwester und ihre Eltern. Nur ihren Schwager, ein Künstler, berührt das Verhalten der jungen Frau. Ihre Schwester ist am Ende die einzige, die vielleicht wirklich versteht, was in ihr vorgeht… Es sind genau diese drei Figuren: Ehemann, Schwager und Schwester, aus deren Sicht die Handlung erzählt wird.

Han Kang ist es gelungen, beeindruckende Bilder zu entwerfen, die tatsächlich bewegen: beispielsweise, wenn sie alles Fleisch aus dem Kühlschrank entsorgt und zunächst auf dem Küchenboden auslegt, so dass der Mann, als er nachts die Küche barfuß betritt, gar nicht anders kann, als auf sie zu treten. Oder wenn der Schwager ihren Körper mit rankenden Pflanzen und Blüten bemalt. Oder auch, wenn die junge Frau völlig abgemagert bei Regen inmitten eines Waldes steht, bewegungslos, als wäre sie ein Baum… Das sind durchaus Bilder, die gelungen sind und stark. Ebenso interessant sind die Reaktionen ihres Umfeldes, das überwiegend Unverständnis an den Tag legt.

Der Roman ist unbeirrt gradlinig erzählt, das kann ich jetzt, mit Abstand zur Lektüre besser sehen. Es gibt vielleicht einige irritierende Abschweifungen, die der Geschichte nicht gut tun, wie ich finde, wie beispielsweise, wenn die junge Frau in kursiv gedruckten Passagen selbst zu Wort kommt und ihren Traum erzählt, durch den sie sich verändert hat. Aber insgesamt gesehen ist die Geschichte an sich brutal konsequent: die junge Frau bezieht lediglich durch ihr Schweigen und ihre Verweigerung Stellung, und das provoziert ihr Umfeld aufs Äußerste. Nur der Schwester gelingt es ganz am Ende des Buches, wirkliches Verständnis aufzubringen, und der Schluss, den sie daraus zieht, ist eigentlich niederschmetternd: Es ist die Geschichte vom Entzug aus den Fängen des familiären Drucks, der sich in der Ehe in gewisser Weise fortgesetzt hat. Auch eine Art Liebschaft ändert nichts an der Tatsache, dass die Frau lediglich als Projektionsfläche dient. Niemals aber geht es um sie selbst, sie verschwindet in und hinter den Bildern, in denen sie eine Rolle spielt – aber eben nur das: eine Rolle. Wer aber ist sie selbst?

Sehr gelungen finde ich das Cover des Buches, das mir mit jedem Blick darauf neue Dinge offenbarte, die ich zunächst nicht gesehen hatte. Toll gemacht!

csm_produkt-11478_acc33d2d78Da mein Sohn und ich uns seit vielen vielen Monaten durch die Star Trek Serien arbeiten, liegt es nahe, sich auch mit Hintergrundwissen zu bestücken, zudem bewegt die Frage, wie phantastisch sind denn all die technischen Errungenschaften? Wird es tatsächlich für uns als Spezies Mensch möglich sein, unglaubliche Entfernungen innerhalb vergleichsweise sehr kurzer Zeit zurückzulegen? Wie fundiert ist denn die Star Trek Physik? Ich habe immer der Eindruck gehabt, wenn die technischen Ingenieure wie B’Elanna Torres in „Raumschiff Voyager“ oder Geordi La Forge in „Star Trek – Next Generation“ binnen Sekunden die tollsten Ideen in einem physikalischen Fach-Chinesisch auf den Punkt bringen, dass dies vielleicht auch absoluter Spinnkram sein kann. Seit dieser Lektüre weiß ich jedoch, dass es das nicht ist, jedenfalls nicht ausschließlich.

So gibt es doch erstaunlich viele technische Erfindungen, die mit den physikalischen Gesetzen im Einklang sind und also theoretisch möglich. Dazu gehört beispielsweise auch das Beamen, von dem wir im Geheimen doch alle träumen… Auch die wahnwitzig schnelle Fortbewegung mit Warp-Geschwindigkeit ist theoretsich möglich. Und dennoch sieht es derzeit nicht danach aus, dass wir Menschen solche tollen Dinge jemals könnten, denn die Sachen haben dann doch zumeist einen gravierenden Haken: Und die besteht in den meisten Fällen in der Frage nach Energie. Wenn es also theoretisch möglich ist, einen Körper von A nach B zu transferieren, so erfordert dies eine unglaublich hohe Rechenleistung, um zu sicherzustellen, dass alle Moleküle am Zielort wieder so angeordnet werden, wie sie am Ausgangsort vorhanden waren. Wie soll das eigentlich gehen? Auch der Warp-Antrieb ist so eine Sache. Um diese unglaublichen Geschwindigkeiten zu erreichen, müsste eine unvorstellbar große Menge an Treibstoff mit an Bord sein, und durch das zusätzliche Gewicht wäre die Sache nicht einfacher.

Insofern gibt es dann doch riesige Stolpersteine, die, so die Einschätzung des Autors, wohl unüberwindbar bleiben.

In anderen Hinsichten jedoch ist die Forschung den Star-Trek-Möglichkeiten auf den Fersen, wie beispielsweise der Organtransplantation. Für Captain Picard ist es nur ein lästiger Routineeingriff, wenn er sein fehlerhaftes Kunstherz austauschen lassen muss – davon sind wir sicher weit entfernt. Dennoch wird ja schon hart an der Züchtung von Organen geforscht, und es wurden ja auch schon Erfolge erzielt. Also wer weiß… in vielleicht einer fernen Zukunft ist da deutlich mehr möglich als jetzt…

Das Buch gibt also zum Einen Aufschluss über die zukünftigen physikalischen Möglichkeiten, wenn nur das ein oder andere Problem gelöst werden könnte, zum anderen lässt es uns durch locker eingeflochtene Zitate aus den Star Trek-Serien an so einige Highlights erinnern, beispielsweise wenn Mr Spock in unglaublich kurzer Zeit ausrechnet, mit wie vielen Tripples man sich demnächst gegenüber steht, wenn Scottie (im vierten Kinofilm) eine Computermaus aus den 1980er Jahren wie ein Mikrofon in die Hand nimmt, um dem Rechner seine Befehle zu erteilen, oder Geordi La Forge von der optimalen Materie-Antimaterie-Zusammensetzung schwärmt, die eine Voraussetzung für Warp-Geschwindigkeit darstellt. Daneben stellt es aber auch in Kürze eine Zusammenfassung der relevantesten physikalischen Gesetzt vor, die in vertiefenden „Details für Besserwisser“ noch ausführlicher dargestellt werden. Kurzum: Es ist ein Buch, das einem an Physik interessierten Trekkie-Fan durchaus Freude macht – jedenfalls bei uns zuhaus.

 

dietotenseelenIn einem kleinen Städtchen irgendwo in Russland taucht eines Tages ein gewisser Herr namens Pawel Iwanowitsch Tschitschikow auf. Schnell findet er Zugang zu den Bewohnern des Örtchens, und auch zu denen im Umland, denn er ist angenehm, unterhaltend, kurz: riesig sympathisch. Und solche Menschen braucht die Provinz, bevor sie vor Langeweile vergeht!

Tschitschikow verfolgt jedoch ein Ziel, und wir LeserInnen sind ebenso vor den Kopf gestoßen, wie die Figuren, denen er sein Anliegen vorträgt. Und um das zu verstehen, muss ich erstmal ausholen:
Russische Gutsbesitzer verfügten über Leibeigene, also Bauern, die den Gutsherren dessen Felder bestellen. Diese Leibeigenen werden natürlich auch in den Büchern aufgeführt, denn die Gutsbesitzer haben für sie wiederum Steuern zu zahlen. Die Personenzahl steht dann für einen gewissen Zeitraum fest. Erst bei einer Revision wird geschaut, was sich daran geändert hat. Ist jemand gestorben, wird er erst dann aus der Steuerschuld entfernt, ist jemand hinzugekommen, muss erst ab dann für ihn bezahlt werden.

Auf die gestorbenen Leibeigenen nun hat Tschitschikow es abgesehen: Diese versucht er, seinen neu gewonnenen Freunden für ’nen Appel und’n Ei abzuluchsen. Doch wozu? Das ist dabei niemandem klar. Was soll das?
Und so zieht Tschitschikow zusammen mit seinem Kutscher, einem übelriechenden Diener und drei recht eigenwilligen Pferden durch das Land und stattet verschiedensten Gutsbesitzern seinen Besuch ab, um sein Anliegen vorzutragen… und die Menschen reagieren auf die verschiedenste Weise, was durchaus unterhaltsam zu lesen ist…

Gogol ist hier ein fabelhafter, ausufernd fabulierter Roman gelungen, der nicht nur einen Querschnitt durch die russische Gesellschaft zeigt; es sind zugleich bezeichnende Karikaturen entstanden und unglaublich witzige Szenen, die lebhaft beschrieben sind, was einen großen Lesegenuss mit sich bringt. Doch in diesem Buch spielt ebenso der Autor eine große Rolle, denn er beschränkt diese nicht nur auf die als auktorialer Erzähler, der die Geschichte wiedergibt – er hält auch mit Kommentaren über seine Figuren oder zur russischen Gesellschaft oder zu sich selbst nicht hinterm Berg! Das alles ist höchst amüsant und lustig, so dass ich die Lektüre des ersten Teils sehr genoss.

Doch dann habe ich das Nachwort gelesen… Und in dem erfuhr ich, dass dieser Roman von Gogol als Trilogie geplant war . Den ersten Teil hat er abgeschlossen, und vom zweiten Teil ist ein einigermaßen umfangreiches Fragment erhalten, welches jedoch wohl nicht der erste Wurf ist (den hat Gogol vernichtet). Einen dritten Teil gibt es nicht (mehr?). Ich sage das deshalb, weil ich tatsächlich das Buch nicht zuende gelesen habe, was ganz gegen meine Gewohnheit ist – und damit habe ich ganz persönlich ein Problem, da ich meinem eigenen Anspruch nicht gerecht werde. Andererseits war es so, dass ich zwar den ersten Teil sehr genossen habe zu lesen, doch dann uferte die Handlung weiter und weiter aus. Und da ich ja schon wusste, dass der zweite Teil ein Fragment ist, verließ mich die Lust… Was ist, wenn Gogol nicht zum Punkt kommt? Vielleicht lese ich ja nochmal weiter, aber fürs Erste nicht. Trotzdem: Es sollte niemanden von der Lektüre abhalten!! Denn die hat sich trotzdem sehr gelohnt.