Archiv für die Kategorie ‘Bücher’

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Dieser Roman wurde schon 1967 veröffentlicht, aber erst 2014 ins Deutsche übersetzt. Besser spät als nie…!!!

An einem Ort am Meer haben sich junge, sehr reiche Leute in den 1920er Jahren ein Anwesen gekauft, um ihre Sommer dort zu verbringen mit Schwimmen, Wasserski fahren, Reiten, Malen und Feiern. Die Bediensteten beobachten das Treiben der Reichen genau und besprechen es untereinander. Zu ihnen gehört auch der Gärtner, der schon seit Jahrzehnten den zugehörigen Garten pflegt, und der sich mit Bediensteten und Herrschaften gleichermaßen gut versteht. Durch seine Schilderungen über sechs Sommer lang lernen wir die Menschen, Tiere und Pflanzen um ihn herum kennen und lieben, wie auch er es tut. Als eine Villa auf dem Nachbargrundstück gebaut wird und ein alter Freund der nachbarlichen Hausherrin einzieht, hat dies grundlegende Konsequenzen…

Der Gärtner hält eine Distanz und filtert doch alle Begebenheiten durch seinen liebevollen und nachsichtigen Blick, hat ein Ohr für jeden, der ein offenes braucht, und pflegt eine gewisse Nachsicht gegenüber denen, die er schonen zu müssen meint. Und gleichzeitig entdecken wir, dass der Garten um ihn herum nicht nur aus den Pflanzen besteht, sondern auch aus dessen menschlicher Bevölkerung, die ebenfalls gepflegt werden muss und den Tieren, die teilweise in ihre Grenzen gewiesen werden müssen, wie beispielsweise der kleine Affe, der zum Amüsement der feinen Gesellschaft an- und abgeschafft wurde. In besonderem Blickpunkt steht die Senyoreta Rosamaria: Sie stammt aus einfachen Verhältnissen und ist durch ihre Heirat zu den „oberen Zehntausend“ gestoßen. Doch bleibt sie abseits, distanziert und kühl, selbst als sie eine Fehlgeburt erfährt, oder ihr Gatte fremd geht. Doch ganz unbeteiligt kann sie nicht bleiben, als im Nachbaranwesen ein Jugendfreund einzieht. Da wir aber immer alles nur durch den distanzierten Blick des Gärtners erfahren, gilt es, sich die Geschichte selbst zusammen zu reimen und aus den Versatzstücken zu erschließen, was sehr reizvoll ist und einiges an Interpretationen zulässt.

Dieser Roman ist ein kleines Juwel. Er scheint handlungsarm und ist doch allumfassend. Er scheint simpel und handelt doch von den kompliziertesten Dingen, die das Leben zu bieten hat, allem voran die Liebe und dem Verlust geliebter Menschen. Es ist ein Roman, den man im Sommer, in einem schönen Garten sitzend am besten lesen kann – oder aber, wenn man es gerade nötig hat, sich in eine solche Welt hineinzuträumen.

chines_verangenheitEs waren praktische Beweggründe (handlich, leicht), die mich zu diesem Buch aus dem Stapel ungelesener Bücher greifen ließ – es sollte auf einem Kurztrip das Folgebuch sein. Zudem hatte ich es einmal verschenkt, ohne es vorher selbst gelesen zu haben – etwas, das ich mir nur aus guten Gründen erlaube, die in diesem Fall aber nicht vorlagen…

Ein Mandarin aus dem Jahr 1000 reist per Zeitmaschine in das Jahr um 1983 und kommt zudem nicht wie erwartet in China an, sondern in „Min-chen“, sprich, München. Entsetzt stellt er fest, dass in dieser Welt eigentlich nichts mehr so ist, wie er es kennt. Es ist laut durch die fremdartigen ‚Ao-tos‘, in denen sich die ‚Großnasen‘ durch die Stadt bewegen, und es stinkt. Doch da das Ziel seiner zeitlich begrenzten Zeitreise ist, die Zukunft zu erforschen, blickt er mit äußerst fremdartigem Blick auf das Hier und Jetzt. Seine Beobachtungen teilt er einem Freund im zeitlich und räumlich fernen China mit, die Übertragung findet an einem speziellen Platz statt, und auch das Papier dafür ist speziell. Kao-Tai schließt Freundschaft mit einem Historiker, und schon sehr bald findet er auch eine Geliebte. Zudem lernt er einen Förster auf Weiterbildung kennen sowie einen Richter. Und so bekommt er Zugriff auf verschiedenste Lebensbereiche und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus… Der Clou ist, dass er über die Ao-tos (Autos) genauso ins Staunen kommt, wie über die Rechtsprechung, die er für viel zu lasch hält (keine Todesstrafe oder Verstümmelungen mehr nach Straftaten), über die Anti-Baby-Pille oder über Zaubertricks in einem Stripperladen. Er wundert sich über die entfremdete Arbeit in einer Fabrik und entsetzt sich über den sauren Regen, der die Wälder zerstört.

Dieses Büchlein, das sich wunderbar leicht herunterlesen lässt, ist durch den gefilterten Blick eines Mandarins des 1000. Jahrhunderts sehr vielschichtig, zeigt es uns doch den Spiegel vor das, was besser geworden ist, wie z.B. Demokratie, die der Mandarin nicht kennt und auch befremdet gegenüber tritt, Rechtsprechung oder Gleichberechtigung der Frau, oder das, was schlechter geworden ist, wie die Naturzerstörung. Oder was perverser geworden ist wie entfremdete Arbeit, Fabriken, Industrie, worauf aber gleichzeitig die Annehmlichkeiten des Lebens aufbauen, die der Mandarin aber gerne in Anspruch nimmt. Das Buch hat großen Spaß gemacht zu lesen, zudem ist es eine originelle Idee, die Welt um 1980 aus großer Distanz zu betrachten.

 

csm_produkt-7796_d5ebf57f54Die Ich-Erzählerin in diesem kleinen, schmalen, witzigen Romanbändchen unterscheidet die Menschen in solche, die „drinnen“ sind, und solche, die sind „draußen“.

Sie selbst ist zunächst eine „von drinnen“: Sie stammt aus gutbürgerlichem, reichem Elternhaus, in der auf äußerliche Dinge mehr geachtet wird, als auf die inneren Werte. Doch diese findet sie, als sie Adam – und der Name ist sicherlich nicht zufällig gewählt – kennen lernt. Der multibegabte Handwerker und Sohn einer ärmlichen, kinderreichen Familie gehört ganz klar zu den Menschen, die „draußen“ sind. Adam führt jedoch trotz seiner Wortkargheit der Ich-Erzählerin (die übrigens Logopädin ist) die Werthaftigkeit von Sperrmüll vor Augen, und auch ansonsten versucht er sein Glück nicht in bürgerlichen Wertvorstellungen zu finden, sondern vielmehr in einem freien, wilden, authentischen Leben.

Grund genug, rauszuziehen aufs Land, auf ein Grundstück , das neben der Streuobstwiese liegt, das einem älteren Bauern namens Holzapfel gehört, und der nach dem Tod seiner Ehefrau etwas auf den Hund gekommen zu sein scheint. Doch durch Adams Tatendrang fasst er erneut Lebensmut, und geht einer alten Leidenschaft – der Zucht von seltenen Hühnerrassen, „die fast wie Kapaune schmecken“  – nach. Mit einer weiteren Freundin und deren Freund gründet die mittlerweile vierköpfige Familie in ihrer WG ein ganz ursprüngliches Leben, ein Idyll, in dem Sperrmüll zu neuem Glanz kommt, und dem sich weitere Personen wie der hiesige türkische Imbissbesitzer und dessen  weitläufige Familie freundschaftlich anschließen. Es entsteht ein Idyll, das ganz klar „draußen“ stattfindet  und dabei quicklebendig ist.

Birgit Vanderbeke findet in dem Roman so leicht die Worte und folgt ihrer Phantasie von einer besseren Welt vollkommen hemmungslos – so ist ein heiterer Roman entstanden, der trotz seiner Leichtigkeit tiefgründig ist – und auf jeden Fall sehr lesenswert.

 

Rasmussens letzte Reise von Carsten JensenCarl Rasmussen (1841-1893) war ein dänischer Maler, der vor allem durch seine Marinebilder Ansehen und Erfolg erzielte. Seine künstlerische Karriere begann er jedoch in Grönland, wo er das ursprüngliche Leben bildnerisch erfasste. Hier war er mit sich und seiner Ästhetik im Einklang. Nach seiner Rückkehr nach Dänemark, wo er heiratete und sein Ansehen vor allem durch die maritimen Darstellungen erlang, begannen im Laufe der Jahre aber auch die Zweifel, ob er sich letztendlich nicht doch dem „Idyllischen“ heimverkaufte und somit Verrat an der Kunst – und sich selbst – verübte.

Während es Rasmussen darum ging, das Schöne – und nur das – zu malen, stößt er im Laufe seines Lebens immer wieder an die bürgerlichen Grenzen. Die Menschen wollen nicht das wahre Schöne von ihm, sondern das bürgerliche Schönheitsideal bestätigt sehen. Obwohl Carl Rasmussen diesen Wünschen versucht, zu widerstehen, fragt er sich, ob er nicht am Ende doch korrumpiert wurde.

Mit dieser Fragestellung reist er  erneut nach Grönland, um diesen Gedanken noch einmal nachzuspüren, und auch, um den Grönländer Jonas wiederzufinden, der durch seine Anteilnahme an Rasmussens Gemälden, durch seine tiefe Rührung, Rasmussens Kunst als authentisch bestätigte.

So beginnt das Buch mit dieser letzten Reise nach Grönland, und wir begleiten Carl Rasmussen dabei. In Rückblicken lässt er sein Leben an sich vorüberziehen, er sucht darin nach seinem ursprünglichen Ansatz und kann ihn so richtig nicht wiederfinden. Er hatte Erfolg – mit Bildern, von deren existentiellem Gehalt er letztendlich nicht komplett überzeugt ist. Er hatte eine Ehe – jedoch nicht mit seiner großen Liebe, seine Verlobte verstarb in Dänemark während seiner ersten Grönlandreise, sondern mit deren Schwester, die ihm eine gute, treue Ehefrau war und mit der er eine Menge Kinder bekam. Woran er auch immer in seinem Leben denkt, zweifelt er doch an der Wahrhaftigkeit seiner Gefühle und seiner Kunst.

Carsten Jensen hat sehr kunstfertig diese Schiffsreise und den Aufenthalt in Grönland beschrieben, die doch gleichzeitig eine innere Reise darstellte, hat interessante Parallelen geschaffen, durch die Rasmussens Konflikt deutlich zutage tritt, und dabei eindringliche Bilder entworfen. Gleichzeitig aber wurde im Roman dieser Maler auch als ein Opfer der gesellschaftlichen Verhältnisse geschildert, und das mit manchmal karikaturesken Zügen, wie ich finde.
Was ich problematisch finde, ist, dass nicht sicher ist, ob sich Carl Rasmussen wirklich mit diesen Selbstzweifeln herumgeschlagen hat. Denn im Anschluss des Romans steht, dass „seine Gedanken, inneren Konflikte und sein persönliches Dilemma“ die Erfindung des Autors seien. Es stört mich, dass dem Maler Carl Rasmussen diese Selbstzweifel unterstellt werden, und während ich einige Stellen, in denen Carl Rasmussen tragikomische Züge verleiht werden, für sich genommen witzig finden kann, so tue ich mich doch schwer damit, dass eine Person, die wirklich gelebt hat, damit in Verbindung gebracht wird. Dies schmälert mir die Freude an dem Roman, auch wenn ich die Gedanken darin ansonsten existenziell und berührend fand.

Zwei Hörbücher und ein Film

Veröffentlicht: 28. Mai 2017 in Bücher, Filme, Kultur

In den Frühjahrsferien war ich ja unterwegs, erst in Holland, dann in Berlin. Autofahrten, so habe ich jetzt festgestellt, eignen sich ja sehr gut zum Hörbuch hören – und so weit ich nicht im Bett höre, sogar, wenn ich es mir mit einem Tee auf dem Sofa gemütlich mache…

„Sieben Jahre in Tibet“ Buch von Heinrich Harrer, als Hörbuch gehört (Erzähler: Martin Schwarz)

siebenjahreWie ja schon erwähnt, habe ich mich gerade ein wenig mit den Buddhistischen Lehren beschäftigt – und da fiel mir dieses Hörbuch in die Hände – das passte! Heinrich Harrer erzählt von seinen Abenteuern, die er während des zweiten Weltkriegs als flüchtiger Gefangener erlebte. Sein Ziel war ursprünglich, den Mount Everest zu besteigen, was jedoch durch den ausgebrochenen Krieg nichts wurde. Nun versuchte er, sich so lang wie möglich illegal in der Region um Tibet aufzuhalten. Als einem der wenigen Ausländer gelang es ihm, in Tibet Fuß zu fassen und sogar in Kontakt mit dem damals 9-jährigen Dalai Lama (dem IVX., der nunmehr 82 Lenze zählt) zu kommen. Als Europäer wurde er in gewisser Weise auch Lehrer des wissbegierigen Dalai Lama und konnte ihm die westliche Welt und Denkweise nahe bringen.

Zudem erzählt er von der Annektion durch die VR China, die mit der Ermordung vieler Tibeter einherging sowie mit der Flucht des Dalai Lama. Allein daher kommt Heinrich Harrers Buch eine große Bedeutung zu, weil es das Unrecht, das den Tibetern widerfahren ist, erneut in die Erinnerung ruft.

Das Buch bringt erstaunliche Abenteuer zur Sprache von einer komplett fremden Welt und auch einer fremden Zeit. Es war sehr unterhaltsam, und es schwingt ein gewisser Stolz von Heinrich Harrer mit, dass er Lehrer des Dalai Lama sein konnte. Zudem dokumentiert es die Annektion durch China, was ich ebenfalls sehr wichtig finde. Martin M. Schwarz hat eine klare, sachliche Stimme, der zu lauschen angenehm war.

 

„Shining“ – Roman von Steven King, als Hörbuch gehört mit der Stimme von Dietmar Wunder

shiningIch glaube, ich habe bislang nicht einen Roman von Steven King gelesen, ich kenne lediglich einige Verfilmungen seiner Romane, u.a. auch die dieses Romans, von Stanley Kubrick. Steven King war nicht glücklich über die Verfilmung, und nun verstehe ich auch, warum: Kubrick hat sich ein wenig viel zu viel künstlerische Freiheit herausgenommen und die Handlung doch sehr verändert.

Steven King lässt sich viel Zeit dabei, die einzelnen Charaktere der Protagonisten vorzustellen, allen voran der des Hauptprotagonisten Jack, der über eine labile Persönlichkeit verfügt und zudem ein dickes, fettes Alkoholproblem hat. Dass er im Suff seinem kleinen Sohn Dany einmal den Arm gebrochen hatte, als dieser dessen Manuskript gewässert und damit unbrauchbar gemacht hat, kann ihm seine Frau nicht recht verzeihen. Seitdem ist sie gegenüber Jacks jähzornigen Gewaltausbrüchen sehr wachsam, und ein grundsätzliches Misstrauen will nicht weichen, auch wenn Jack seit geraumer Zeit seinen Alkoholkonsum eingestellt hat. Wegen eines Vorfalls an einer Schule, weswegen er seinen Posten als Lehrer verlor, ist er nun arbeitslos, will jedoch die Zeit nutzen, um sein Theaterstück zuende zu schreiben. Da kommt ihm das Angebot, in einem Hotel weitab jeglicher Zivilisation den Winter über einzuhüten, entgegen, auch wenn die Familie dort über Monate von der Außenwelt abgeschnitten sein wird. Jedoch: Das Hotel ist böse! Dany, der fünfjährige Sohn ist hellsichtig und ahnt Schreckliches…

Es ist ein echter Steven King, ein Klassiker, und er ist sehr gruselig. Ein echter Schocker, packend und detailreich erzählt. Und wie Dietmar Wunder dieses Buch vorliest, ist ein großer Hörgenuss!

Sieben Jahre in Tibet“ – Film von Jean-Jacques Annaud (1997)

19395573Den Film wollte ich nun auch gern nochmal sehen, und auch beim zweiten Gucken hat er mir ganz gut gefallen, wiewohl er in wichtigen Punkten vom Buch abweicht. Vielleicht bringt er aber die Persönlichkeit Heinrich Harrers (toll gespielt von Brad Pitt) – im Film ist er ein unsteter und ungestümer Mann, der seiner Ehe und anstehender Vaterschaft entflieht und sich auch ansonsten nicht gerade durch Sozialkompetenz auszeichnet – auf den Punkt: Heinrich Harrer vollzieht in den sieben Jahren – auch durch den Kontakt zum damals schon überaus klugen Dalai Lama – eine Wende. Das fand ich sehr gut dargestellt. Auch bin ich froh, dass die persönliche Geschichte Harrers, die im Buch so nicht erzählt wird, in den Vordergrund rückt, während seine Abenteuer auf der Flucht in Richtung Tibet lediglich punktuell beleuchtet wurden. Das ist zwar alles aufregend, was Heinrich Harrer da erlebt hat, hätte jedoch in seiner Aneinanderreihung noch lange kein gutes Drehbuch abgegeben.

Die Annektion wird ebenfalls gezeigt, und hier auch, wer hier und warum die politischen Fäden gezogen hat. Ich habe das der Vorlage – Heinrich Harrers  Buch – nicht entnehmen können; ob es den wahren Begebenheiten entspricht, kann ich nicht sagen. Ein gelungener und auch ein wichtiger Film mit Bildern einer grandiosen Landschaft.

In diesem Jahr bisher gelesen

Veröffentlicht: 25. Mai 2017 in Bücher, Gedanken, Kultur, Literatur

Ich bin entsetzt: Man könnte den Eindruck gewinnen, dass ich gar nicht lese, denn ich habe in diesem Jahr noch gar nicht über meine Lese-Erlebnisse geschrieben. Aber ich habe eigentlich immer ein Buch in Arbeit, und tatsächlich liegt die Betonung sowohl auf „eigentlich immer“ und „ein Buch“. Auf mehr zur Zeit kann ich mich nicht konzentrieren, mehrere Bücher im selben Zeitraum zu lesen ist mir völlig fremd…  (Fällt mir ein Witz ein: „Ich lese immer mehrere Bücher zur gleichen Zeit“ „- Ja – aber wie halten Sie die denn alle??“)

„Die Säulen der Erde“ – Roman von Ken Follet

saeulenDie Bücher von Ken Follet sind bislang komplett an mir vorbeigegangen, und da ich durchaus hörte, dass es lohnenswerte Bücher seien, habe ich mich über das chronologisch erste Buch hergemacht, es handelt in der Zeit von 1100 in England und umreißt den Bau einer Kathedrale. Da sich so etwas ja bekanntlich immer etwas hinzieht, vergehen im Verlauf mindestens 50 Jahre, in denen wir das Werden und Vergehen der verschiedenen ProtagonistInnen verfolgen. Das Buch ist sehr geschickt aufgebaut, denn es bietet Einblicke nicht nur in das Leben eines Kirchenmannes und des Klosters, sondern auch von Handwerkern, Rittern und anderen mehr oder minder begüterten Edelleuten sowie sogar Außenseitern. Die Geschichte mag in manchen Teilen recht konstruiert sein und ich fand auch einige Passagen sehr unwahrscheinlich, beispielsweise wie eine Frau mit sicherlich starkem Willen mit einem Säugling quer durch Europa zieht, um ihren Mann zu finden – und das im Jahr 1100 – das konnte ich nicht ganz abnehmen.
Bei allen Schwächen in der Handlung und einem Schreibstil, den ich nicht als literarisch bezeichnen möchte, hat mich das Buch dennoch gepackt und es zu lesen hat Spaß gemacht. Genau das habe ich mir auch von dieser Lektüre versprochen. Ich brauchte einen Schmöker, und das ist einer.

„Die Katze des Dalai Lama“ – Buch von David Michie

katze-dalai-lama1Nicht nur, weil ich seit zwei Jahren Katzenbesitzerin bin und unweigerlich zur –liebhaberin geworden, hatte mich dies Buch interessiert. Es war zudem die Empfehlung einer Freundin. Und ja – es ist eine Entdeckung!!!

Die kleine Katze (mit einer Schwäche der Hinterbeine ausgestattet)  wird vom Dalai Lama als Ausgestoßene  aufgenommen und und verbreitet seitdem im Dunstkreis Seiner Heiligkeit noch mehr gutes Karma. Als lernbegierige Katze verfolgt sie aber ihr Umfeld mit einem durchaus buddhistischen Interesse und belauscht nicht nur die Gespräche bei Empfängen, sondern auch in ihrem Umfeld und stellt Beobachtungen im Ort an. So weit, so niedlich. Doch die Gespräche und Handlungen dienen im Grunde genommen nur als Aufhänger in eine federleichte Einführung in die buddhistischen Lehren. (Langweilig beschrieben könnte man auch sagen, dass die Sorgen und Nöte der Menschen in der Umgebung der Katze als Fallbeispiele dienten, aber das schreibe ich natürlich nicht). Dieses wunderbare Buch lässt sich also in verschiedener Hinsicht lesen und genießen: Als Bericht aus dem Blickwinkel der Katze Seiner Heiligkeit (kurz KSH), aber auch als Einführung in die buddhistischen Lehren und die große Weisheit des Dalai Lama. Ich hätte nach jedem Kapitel am liebsten eine kleine Zusammenfassung geschrieben, so interessant und auch wichtig fand ich das. Wo findet man schon ein Buch, das eine ungeheure Leichtigkeit hat und dabei so sehr in die Tiefe geht – ich habe es bisher  nur in diesem Buch gefunden.
Ich muss ja nicht alle Bücher besitzen, die ich lese – aber bei diesem hege ich doch den Wunsch, es zu haben. Mit Sicherheit lese ich es nochmal!

„Ganz langsam bis zehn zählen“ – Roman von Mildred Lee

ganz-langsamWer kennt dieses Buch? Wahrscheinlich niemand (außer meiner Freundin Uli). Ich habe es zwischen meinem 13. Und 15. Lebensjahr wer weiß wie oft gelesen, doch habe ich es mir immer aus der Hamburger Bücherhalle ausleihen müssen. Neulich fiel mir dieses Buch wieder ein, und es gelang mir doch tatsächlich, ein antiquarisches Exemplar zu ergattern, was mich sehr froh gemacht hat.
Beim erneuten Lesen hatte ich ein seltsames Phänomen: Da ich das Buch ja wie gesagt schon mehrmals gelesen habe, hatte ich den Eindruck, es beinahe auswendig zu kennen. So flüsterte mir eine innere Stimme schon das Ende des Satzes ins Ohr, bevor ich ihn las – so genau konnte ich mich noch an das Buch erinnern!

Es handelt von einem Jahr im Leben eines 13-14 jährigen Mädchens, das in all ihren Höhen und Tiefen begleitet wird, und das auf  sehr einfühlsame Weise. Eigentlich passiert nichts wirklich Dramatisches – außer, dass Honor Sands  ein Jahr Pubertät durchlebt. Wie gesagt, damals in meiner eigenen Pubertät war es ein wichtiges Buch für mich, und es war schön, es erneut zu lesen. Und ich freue mich, dass ich es nun besitze. Scheinbar ist das Buch nach den 70er Jahren nicht wieder aufgelegt worden. Schade.

„Die Katze des Dalai Lama und die Kunst des Schnurrens“ – Buch von David Michie

katze-dalai-lama2Es zog mich doch gleich zum  nächsten Buch über die Erlebnisse der KSH (Katze Seiner Heiligkeit). In diesem bekommt die Katze die Aufgabe vom Dalai Lama gestellt, in dessen siebenwöchiger Abwesenheit einmal die Frage, was Glück sei, zu ergründen. Auch in diesem Buch verfolgt die Katze ihr Umfeld genau, und anhand der Menschen um sie herum erkennt sie, was glücklich macht. Einige schillernde Persönlichkeiten werden hier beschrieben, die nach vielleicht einigen Irrwegen in aller Bescheidenheit ihr eigenes Glück finden, und das – oh Wunder – außerhalb eines groß gedachten Karrierismus und dem Streben nach Anerkennung.

Eine kurze und oberflächliche Formel habe ich nach der ersten Lektüre hier herausgefunden: Glück ist eine sehr persönliche Angelegenheit, aber wenn das eigene Streben zur Zufriedenheit führt und dabei einen guten Zweck nicht außer Acht lässt (oder sogar Ausgangspunkt der eigenen Handlungen wird), kann sich auch ein Glücklichsein einstellen. Auch dieses Buch empfand ich als großen Schatz, auch dessen Lehren möchte ich weiter verfolgen und am liebsten beherzigen. Wie oft werde ich es noch lesen müssen, um auch in meinem Leben die Weichen zu stellen? Wirklich: Unglaublich leseswert!

Als alter Harry-Potter-Fan lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, mir jedes Fitzelchen von dieser Geschichte reinzuziehen. Egal, was es ist… Und also war klar, dass auch das neue Theaterstück irgendwann mein Nachttischchen beehren würde.

Was soll ich sagen… Es hat riesig Spaß gemacht, alte (und gealterte) Bekannte wiederzutreffen, von Zaubersprüchen zu lesen, die längst Einzug ins Langzeitgedächtnis genommen haben, einfach nochmal in dem reichen Fundus zu schwelgen, den uns Joanne K. Rowling mit ihrem komplexen Romanwerk hinterlassen hat. Ich hatte auch gar nicht erst die Erwartung, dass das Theaterstück, das ja noch noch nicht einmal aus Joanne K. Rowlings Feder stammt (auch wenn sie es in ihre Obhut genommen hat), die Romane übertreffen könnte. Aber hätte ich sie gehabt, wäre sie absolut enttäuscht worden.

Nach diesen Abstrichen hat dieses Puzzle aus dem Siebenteiler „Harry Potter“ aber durchaus Spaß gemacht. Dreh- und Angelpunkt ist das trimagische Turnier, das Thema das vierten Buches ist – und das ich immer als besonders unheimlich empfand. Besonders tragisch war der Tod von Cedric Diggory, der ja tatsächlich mehr oder weniger zufällig sein Leben verloren hat. Hier knüpft die Geschichte an mit der durchaus philospophischen Frage, ob eine Veränderung der Vergangenheit möglich ist. Für Zauberer, die im Besitz eines Zeitumkehrers sind – einem höchst gefährlichen und umstrittenen Accessoires – wäre dies machbar – jedoch mit welchen Konsequenzen…

Im Mittelpunkt steht Albus Severus Potter, der mittlere Sohn der drei Kinder von Harry und Ginny Potter, der als einziger dem Hause Slytherin zugeordnet wurde, was eines seiner von ihm empfundenen Makel darstellt. Doch im Sohn von Draco Malfoy, Scorpius, findet er einen verlässlichen Freund, eine Tatsache, die die Eltern nur schwer akzeptieren können, waren doch die jeweiligen Väter zu Schulzeiten verfeindet. Aber das ist 19 Jahre und länger her, Harrys Narbe schmerzte schon ewig nicht mehr, und über die Geschichte mit dem dunklen Lord ist Gras gewachsen. So jedefalls dachte man, bis… und hier setzt nun die spannende Geschichte des Theaterstückes ein, die sich auch wunderbar lesen lässt und ehrlich gesagt nach Verfilmung schreit… Wie man dies Stück auf die Bühne bringen kann, weiß ich nicht so recht, aber es hat ja schon einmal funktioniert (die Uraufführung war letztes Jahr in London). Hätte ich gern gesehen.

Ja, also, ich finde nicht, dass man das Theaterstück unbedingt lesen muss, und es zu lesen ohne die Romane zu kennen, würde auf jeden Fall deutlich weniger Spaß bringen. Aber den hatte ich auf jeden Fall!

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