Archiv für die Kategorie ‘Filme’

Wenn man diesen Titel ins Deutsche und nach Deutschland  übersetzen wollte, würde er vermutlich ungefähr so heißen:  „3 Reklametafeln in Hausen, irgendwo in Deutschland“… Mitten in irgendeiner Kleinstadt inmitten eines der ländlich-langweiligen Bundesstaaten in Amerika versucht eine verzweifelte Mutter, wieder den Fokus auf ein Verbrechen zu werfen, das vor 7 Monaten geschah, und in dem ihrer Meinung nach zu wenig Zeit für Ermittlungen investiert wurde: Vor sieben Monaten nämlich wurde ihre Tochter vergewaltigt und ermordet, und die ortsansässige Polizei bemüht sich kaum darum, diesen Fall aufzuklären, da es so gut wie keine Anhaltspunkte gibt.

Filmszene aus „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ mit Frances McDormand; Quelle: Filmstarts.de

So kommt Mildred Hayes (überragend gespielt von der grandiosen Frances McDormand) auf den Gedanken, drei Werbetafeln, die aus alter Zeit an einer ehemaligen Ausfallstraße vor sich hingammeln, für die sie bewegende Frage zu benutzen: Wie kommt denn das, Polizeichef Willoughby? Und diese Frage, die sich auf drei 2,50m hohen und 4 m breiten Werbetafeln unübersehbar breit macht, bestimmt von nun an das Dorfleben…

Und so lernen wir einige der Dorfbewohner kennen: natürlich den Polizeichef Willoughby, den das Schicksal von Mildreds Tochter sicher nicht kaltlässt, der aber auch nicht weiter weiß und zudem sein ganz eigenes schweres Päcklein zu tragen hat, sein gewaltbereiter Untergebener Dickson, dem nachgesagt wird, dass er auf der Wache schon mal einen Afro-Amerikaner gefoltert hat oder auch Mildreds Ex-Mann mit seiner 19jährigen neuen Freundin. Alle reagieren unterschiedlich auf diese Plakate, doch was ihnen gemeinsam ist: Sie reagieren alle menschlich, und menschlich heißt ja nun: mit allen menschlichen Schwächen. Kann man dem Polizeichef verübeln, dass er in dem Fall Hayes nicht vorankommt? Ist es hilfreich, dass Dickson bei seiner Mutter wohnt, einer verhärteten alten Frau? Warum sollte der Kleinwüchsige des Ortes nicht auch einmal Glück in der Liebe haben? Und wäre es sinnvoll, einem armen Kerl, der mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus kommt, noch weiter Schaden zuzufügen, „nur“ weil man selbst von ihm völlig zu Unrecht vertrimmt wurde? Wer ist gut, wer schlecht? Aber was hat diese Fragestellung mitten in der amerikanischen Provinz mit der Kirche zu tun?

Das ist sicher die Stärke des Filmes, denn jeder Mensch lädt Schuld auf sich, doch die meisten haben am Ende vielleicht ja doch einen guten Kern. Mildred, schwer mitgenommen durch den Verlust der Tochter, ist nicht allein ein Opfer, wenn sie sich an den vielleicht letzten Streit mit ihrer Tochter erinnert, in dem sich die Mutterliebe nicht wirklich vermittelte… Auch sie ist Täterin beim Zündeln mit dem Thema Gewalt, und dies ist gern wörtlich zu nehmen. Man kann sich bei keiner Figur sicher sein, wie sie letztendlich tickt – dies ist kein Film der Schwarzweißmalerei, vielmehr werden die Facetten der Einzelnen akribisch herausgearbeitet, und am Ende bahnt sich so etwas wie ein prosaisches Bild der Normalität heraus.

Das ist meistens wohltuend, obwohl ich die vielen teilweise sehr brutalen Szenen weitaus übertrieben fand und im Ton auch falsch. Auch gab es einige Figuren, die denn doch vom Regisseur denunziert wurden wie beispielsweise die blutjunge Freundin des Ex oder der Kleinwüchsige, der am Ende im wahrsten Sinne des Wortes dumm da steht: Hier rutscht der Film ab ins Klischeehafte, was ihm nicht gut ansteht. Dennoch war es insgesamt nicht der schlechteste Kinoabend.

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„The Butler“ – Film von Lee Daniels (2013)

Veröffentlicht: 11. Februar 2018 in Filme, Kultur

Die Geschichte wurde inspiriert durch einen afro-amerikanischen Butler, der tatsächlich 30 Jahre lang im weißen Haus gearbeitet hat und entsprechend 8 Präsidenten hat gehen und kommen sehen. Vielleicht sind es nicht mehr als diese Eckdaten, die in Übereinstimmung sind – was dem Stoff sehr gut tut, denn durch die künstlerische Freiheit konnte sich das Drehbuch auf das fokussieren, was hier wichtig sein sollte: Nämlich die Entwicklung der Rassenpolitik in den USA zwischen 1952 und 1986 zu erzählen.

Ein wenig erinnert das Konzept an das von dem des allerdings poetischeren „Forrest Gump“, nur, dass es sich hier um ein Paralleluniversum zu drehen scheint, da nicht aus der Sicht der Weißen, sondern der Schwarzen  erzählt wird.

So beginnt Cecil Gates‘  Karriere nach einer durchaus bewegten Vorgeschichte: Auf einer Baumwollplantage wurde sein Vater aus einer Laune heraus erschossen, als er ca. 8 Jahre alt war; seine Mutter, bereits gebrochen durch Vergewaltigungen,  verlor danach ihren Lebensmut und vielleicht auch den Verstand. Cecil wurde von seiner Hausherrin daraufhin ins Haus geholt, um ihn zum „Hausnigger“ auszubilden. Nach Jahren hier und dort schaffte es Cecil (hervorragend verkörpert von Forest Whitaker) nach New York in ein angesehenes Hotel, wo er schließlich „entdeckt“ wurde: Ein Afro-Amerikaner, der den politischen Disputen seiner Gäste smart und charmant-ausweichend begegnet ,  der zudem über elaboriertes Wissen z.B. über Cognac verfügt und die Umgangsformen perfekt beherrscht, ist sicher nicht einfach zu finden.

Cecil Gates (Forest Whitaker) stelt seinen Sohn zur Rede, der soeben wegen Teilnahme an einer (gewaltfreien) Demonstration vor Gericht stand. Bildquelle: Filmstarts.de

Parallel zu seiner Zeit im weißen Haus arbeitet sich der Film anhand der Betrachtungen von Cecils Söhnen durch die Widerstandsbewegungen gegen Rassenungleichheit. Und durch die Szenen mit Cecils Frau (großartig dargestellt von Oprah Winfrey) kommt auch das Lebensgefühl der afroamerikanischen Bevölkerung nicht zu kurz.

Ganz sicher reicht dieser Film nicht an „Forrest Gump“ heran, wenn wir diesen Vergleich schon anstrengen wollen: Dafür ist der Stoff natürlich viel zu ernst, und auch zu ernsthaft betrachtet. Doch gibt er kurzweilig Aufschluss über die Geschichte der Afro-Amerikaner in besagtem Zeitraum, das hat uns sehr gut gefallen.

Dieser grandiose Film ist bis in seine Kleinheiten ein kompositorisches Meisterwerk! Die junge Ballerina Nina (Natalie Portman) erhält die Chance, die Hauptrolle in „Schwanensee“ zu tanzen – zu diesem Zweck ist sie gezwungen, sich nicht nur mit ihrer blendend weißen, vielleicht  jungfräulichen Seite auseinanderzusetzen, sondern ihre eigene dunkle Seite nicht nur zu entdecken, sondern auch noch auszuleben. Das ist aber gar nicht mal so einfach, wenn ihre Mutter sie auf Schritt und Tritt belauert und abwechselnd in Watte packt, damit sie die Hauptrolle spielen  kann, und dann wieder in abgrundtiefe schwarze Löcher stößt, da sie ihrer Tochter kaum gönnt, was ihr als Balletttänzerin durch ihre frühe Schwangerschaft verwehrt geblieben ist – nämlich selbst Karriere zu machen.

Filmszene aus „Black Swan“ mit Natalie Portman; Bildquelle: Filmstarts.de

Wir lernen: Alpträume sind auch Träume, doch Träume sind auch die Grimassen, die das Böse (in uns) uns schneidet, oder ein homoerotisches Abenteuer. Oder ein Blick in den Spiegel…

Dieser Film spielt mit der Wahrnehmung, nicht nur mit dem der Akteurin, sondern auch mit der von uns ZuschauerInnen. Selten wissen wir, was wirklich geschehen ist, oder was nur als Ausgeburt einem psychotischen Geist entspringt. Hinzu kommt ausgefeilte Symbolik mit schwarz und weiß, Blut und Jungfräulichkeit, Kuss und Biss und und und….

Phantastisch spielt Natalie Portman die Rührmichnichtan-Ballerina. Unglaublich, wie wandlungsfähig sie ist, kürzlich haben wir sie in „Leon – der Profi“ gesehen, in dessen Film sie schon als 13jährige Furore machte und uns restlos überzeugte.

Auch beim zweiten Schauen, diesmal im Homekino, bin ich wieder schwer begeistert – und lässt mich die Filme von Darren Aronofsky erneut in den Fokus nehmen. Kürzlich war ich ja schon von Aronofskys Film Pi schwer begeistert.  Demnächst findet Ihr hier mehr über weitere (bislang jedoch noch nicht gesehene) Filme von ihm!

„Moonlight“ – Film von Barry Jenkins (2017)

Veröffentlicht: 2. Februar 2018 in Filme, Kultur

In drei Abschnitten wird die Geschichte von Chiron erzählt: Wie er schon als Kind von Mitschülern gejagt und gequält wird, weil er irgendwie anders ist – wie kann es auch anders sein, wenn die Mutter drogensüchtig ist und der Junge von niemandem Schutz erfährt? Die kleine Pseudofamilie, in die er manchmal flüchtet, ist ausgerechnet die von dem Dealer seiner Mutter… Es scheint beinahe so, als hätte es  das Schicksal extrem zynisch gemeint, was diesen Jungen angeht… Doch leider könnte dies alles tatsächlich so oder ähnlich passiert sein. Und in dem Stile geht es weiter, als Chiron als Jugendlicher seine erste Liebe findet – wieder scheint sich alles gegen ihn verschworen zu haben. In der dritten Episode, in der Chiron ungefähr Mitte zwanzig ist, sehen wir, was diese Vorgeschichte aus dem Menschen gemacht hat:  Einen in sich gekehrten, nach Außen verhärteten Kerl, der doch ganz dünnhäutig und verletzlich ist.

Szene aus „Moonlight“ mit Alex R. Hibbert; Bildquelle: Filmstarts.de

Ich will gar nicht zu viel verraten von diesem wunderbaren Film, nur noch dies: Selten habe ich in einem Film so feine Emotionen so deutlich gespürt. Die Not des Jungen (toll gespielt von Alex R. Hibbert), die Verletztheit des Teenies (hier wird Chiron überzeugend von Ashton Sanders gegeben) und die Verschlossenheit vom jungen Mann (Trevante Rhodes, ebenfalls sehr gefühlvoll gespielt) waren authentisch und gingen uns richtig nahe.

Ein toller Film, der seine Auszeichnungen zu Recht erhalten hat! Und einer der wenigen Filme, in dem alle Darsteller afro-amerikanischer Herkunft sind.

Ich für meinen Teil mag ja Musicalfime… Singen, tanzen und dazu eine packende Handlung – ich bin dabei! Aber nicht, wenn ein entsprechender Tiefgang fehlt…

Filmszene aus „Greatest Showman“ mit Hugh Jackman; Bildquelle: Filmstarts.de

Der Film erzählt die Geschichte von P.T. Barnum (1810-1891), einem amerikanischen „Zirkuspionier“, wie es bei Wikipedia heißt. Aus verarmten Verhältnissen stammend und als Kind zum Waise geworden, versucht P.T. Barnum als junger Arbeitsloser zunächst eine Art Raritätenkabinett aufzubauen, um schließlich einen Zirkus zu gründen, in dem er neben Kunststücken auch, ich sag mal, ungewöhnliche Menschen zeigt: so ist beispielsweise ein Kleinwüchsiger dabei, ein komplett tätowierter Mann, ein Mann mit Ganzkörperbehaarung und eine Frau mit Bart, aber auch ein Afro-Amerikaner oder weitere Personen mit anderen Hautfarben. Von seinem Zirkus geht für die Menschen eine gewisse Faszination aus, was ihm Erfolg bringt. Gesellschaftliche Anerkennung bleibt ihm zunächst verwehrt, auch wird der Zirkus von der Bevölkerung zum Teil mit großer Abscheu abgelehnt. Seine Frau (aus wohlhabendem Elternhaus stammend) und seine beiden Töchter jedoch halten zu ihm. Doch dann wendet sich das Blatt…

Hugh Jackmann, dessen Leistung ich als Jean Valjeans in „Les Miserables“ großartig fand, empfand ich hier ziemlich mittelmäßig. Als gutgelaunter Strahle-Boy hat er es geschafft, sämtliche Tiefen, die diese eigentlich schillernde Persönlichkeit besaß, zu vermeiden. Statt dessen legte er ein „It’s Showtime!“-Lächeln auf, das bei mir nur einen müden Gähner hervorrufen konnte… Doch ist nicht nur er weit von einer Glanzleistung entfernt. Es ist, denke ich, das Drehbuch, das aus der Handlung einen höchst mittelmäßigen Film machte. Anstatt die Figuren in ihrer Tiefe auszuleuchten, dienen sie teilweise nur als interessante Dekoration, was bei den Zirkusleuten leider wirklich schade ist und auch ein wenig weh tut. Welche Biographien mögen diese ungewöhnlichen Menschen gehabt haben, welche Seelenqualen haben sie erlitten, und was bedeutet es für sie, vielleicht endlich in einer Gemeinschaft angekommen zu sein, in der sie Anerkennung ernten? Der Film deutet dies, wenn überhaupt, nur an. Von den Zirkusartisten habe ich nur ungefähr drei Namen aufschnappen können, mehr aber auch nicht! Sie sind nur Kulisse – wenn auch teilweise mit einer grandiosen Stimme ausgestattet, wie z.B. die Frau mit Bart (Keala Settle), sonst nichts, wie schade! Dann die Liebesgeschichte zwischen den Eheleuten Barnum: Da kennen sie sich von Kindesbeinen an, bekommen zwei tolle Töchter. Keine Konflikte? Keine Irritationen trotz des Standesunterschiedes? Langweilig!!!

Auch muss ich sagen, dass die Musik mich angesichts dieser zu wenig ausgearbeiteten Story nicht mitgerissen hat. Die Emotionen blieben blanke Behauptungen, mehr Substanz konnte ich dort nicht herauslesen. Schade, aber ich muss sagen: Dieser Film, das war wohl nichts.

Heimelige Kinoerlebnisse II

Veröffentlicht: 22. Januar 2018 in Filme, Kultur

Und weiter geht es mit meinen letzten Filmerlebnissen, zuhause genossen… Ich versuche ja immer, eine Schnittmenge zwischen meinem Geschmack und dem meines Sohnes zu finden, was nicht immer einfach ist. Natürlich gibt es trotzdem eine Reihe anspruchsvoller Filme oder auch Filmklassiker, die ich ihm gern zeigen möchte. Insofern ist unser Zuhausekino nicht wirklich repräsentativ für meinen eigenen Filmgeschmack.

‚Ghost – Nachricht von Sam‘ – Film von Jerry Zucker (1990)

Sam, erfolgreicher Banker und glücklich verheiratet, wird Opfer eines Raubüberfalls – und stirbt. Als Geist bleibt er aber in der Nähe seiner Frau (Demi Moore) und kommt schließlich hinter eine Intrige, dessen Opfer er geworden ist… Nur ein Medium kann ihm nun noch helfen, um seine Frau zu schützen, und das findet sich mitten in Brooklyn – gespielt wird es von Whoopi Goldberg.

Upps, tot… Filmszene aus „Ghost, Nachricht von Sam“ mit Patrick Swayze. Bildquelle: Filmstarts.de

Patrick Swayze, Demi Moore und Whoopi Goldberg – das sind schon drei SchauspielerInnen, die für einen guten Film stehen! Und hinzu kommt das äußerst gelungene Drehbuch von Bruce Joel Rubin. Zu Recht hat der Film zwei Oscars bekommen, einen Oscar hat Whoopi Goldberg als beste Nebendarstellerin abgesahnt, die zweite Auszeichnung galt dem Original-Drehbuch. Ich fand beide sehr gerechtfertigt. Die schauspielerische Leistung aller Mitwirkenden war überaus überzeugend: dicht, schlüssig, brillant und originell, und die Geschichte war stimmig, spannend, atmosphärisch und nicht zuletzt witzig. Dieser Film könnte tatsächlich zu einem meiner Lieblingsfilme werden… Nur das Ende war dann doch ein klein wenig viel zu moralisch. Dennoch: Der Film ist wie gemacht für einen unterhaltsamen Kino-Winterabend!

‚Leon, der Profi‘ – Film von Luc Besson (1995)

Der Profikiller Leon (großartig und knochentrocken: Jean Reno) bemerkt, dass der Nachbar in Schwierigkeiten steckt und rettet dessen Tochter (schon damals mit 13 Jahren toll: Natalie Portman): Nur knapp entkommt sie einem Massaker, das ihre komplette Familie zum Opfer fällt, darunter auch ihr geliebter kleiner vierjähriger Bruder… Für ihn will sie Rache nehmen. Da trifft es sich doch, dass Leon sie aufgenommen hat – dann könnte er sie auch gleich ausbilden! Das Schicksal nimmt seinen Lauf im Zickzack, und wir Zuschauer immer fix hinterher… Das war schon manchmal anstrengend, wenn es doch etwas zu blutig und brutal wurde. Dennoch: Jean Reno und Natalie Portman sind ein Filmpärchen, wie es im Buche steht, ein dolles Team, und der Film war nicht nur originell (klar: hat ja auch Luc Besson gedreht!!!) sondern auch sehr spannend.

‚Ich. Darf. Nicht. Schlafen.‘ – Film von Rowan Joffe (2014)

Eigentlich ein wenn auch sehr konstruierter Plot, doch ein interessantes Gedankenspiel: Christine (Nicole Kidman) wacht seit zwanzig Jahren auf, ohne sich an die Vergangenheit zu erinnern. Ein Mann in ihrem Bett behauptet, er sei ihr Gatte, ein Anrufer erklärt ihr, er sei ihr Psychiater, und die Kamera, mit deren Hilfe sie ein Filmtagebuch führt, sei im Schrank versteckt. Über Tage, Wochen oder Monaten gelingt ihr eine kleine Rekonstruktion ihres bisherigen Lebens, aber da ist noch viel, das sie nicht weiß… Das war schon eine spannende Ausgangssituation, auch gut gespielt durch Nicole Kidman und Colin Firth. Doch leider flacht das Drehbuch zum Ende hin drastisch ab, und die Geschichte nimmt Wendungen, die ich absolut nicht schlüssig fand. Und das trübte den Genuss an diesem Psychthriller leider gewaltig ein.

‚Girl on the train‘ – Film von Tate Taylor (2016)

Noch so ein Thriller war dann dieser Film: Rachel ist geschieden und hat ein dickes, fettes Alkoholproblem. Eigentlich will sie nur zurück in ihr altes Leben mit ihrem Mann, doch der ist anderweitig liiert und hat mit seiner neuen Partnerin ein Kind, was ihr zu haben nicht vergönnt war. Jeden Tag fährt sie mit der Bahn an dem Grundstück ihres Hauses vorbei, das sie einst bewohnte und schaut sehnsuchtsvoll in die Fenster. Dabei fällt ihr Blick auch aufs Nachbarhaus, in dem ein junges, offensichtlich verliebtes Paar wohnt. Auch die beiden beneidet sie um ihr Glück.

Filmszene aus „Girl on the train“ mit Emily Blunt. Bildquelle: Filmstarts.de

Aber ein Blick hinter die Fassade stürzt sie schließlich und endlich in Abgründe, nicht nur in das der anderen, sondern auch in seelische, eigene…

Das ist der Stoff, aus dem ein gelungener Psychothriller gemacht ist! Emily Blunt (als Rachel), Haley Benett, Justin Theroux und die weiteren Schauspieler machen ihre Sache so gut, dass ein spannender, überzeugender Psychothriller dabei heraus gekommen ist. Ich fand den Film auf jeden Fall sehenswert.

Ein vielleicht ehrgeiziges und vielleicht auch grenzwertiges Unterfangen ist dieses ganz besondere Filmprojekt: Es ist ein Film über Vincent van Gogh, dazu ganz im Stile seiner Bilder bearbeitet… Jede Einstellung wurde zwar ganz normal mit Schauspielern  gedreht, dann aber wurden alle einzelnen Bilder im Stile von van Gogh übermalt. Ein Effekt mit nichts dahinter? Nein, ich fand das nicht…

Szenenbild aus „Loving Vincent“ mit Chis O’Dowd und Douglas Booth; Bildquelle: Filmstarts.de

Der Sohn des mit Vincent van Gogh befreundeten Briefträgers Joseph Roulin bekommt von seinem Vater den Auftrag, einen Brief des mittlerweile verstorbenen Vincent an den Adressaten, Vincents Bruder Theo van Gogh zuzustellen. Das aber erweist sich als unmöglich, denn Theo ist ebenfalls nicht mehr am Leben. Amand Roulin, der den Auftrag zunächst nur widerwillig angenommen hat, beginnt, sich für die schillernde Persönlichkeit Vincent van Gogh zu interessieren – und für die Umstände, die zu seinem Tod  führten. Hat Vincent wirklich Selbstmord begangen, wie er selbst behauptet hatte? Und wenn nicht, wer hat ihn ermordet? Armand forscht nach, spricht mit den Menschen, die Vincent begegnet sind und wundert sich über die kontroversen Meinungen über den exzentrischen Künstler: Einige liebten ihn, andere wollten ihn nicht mehr in ihrem Ort sehen, manche verehrten ihn als Künstler. Dabei nimmt die Handlung eine berührende und unerwartete Wendung… Gleichzeitig sehen wir auf der Leinwand viele der von Vincent gemalten Bilder, doch hier sind sie bewegt.

So entsteht nicht nur ein Bild von Vincents schillernder Persönlichkeit, sondern auch gleich ein Film über seine Bilder. Und dies alles zudem mit einer berührenden Handlung, dargestellt durch phantastische Schauspieler wie Douglas Booth (als Armand), Saoirse Ronan (Margaret Gachet) und Jerome Flynn als Dr.  Gachet, um nur einige zu nennen. Denn das war das Interessante: Die schauspielerischen Fähigkeiten taten der starken Bildbearbeitung keinerlei Abbruch!

So ist dies ein toller Film geworden, mit einer schlüssigen, fesselnden und berührenden Handlung, und dann auch noch szenisch umgesetzt in den Motiven Vincent van Goghs. Ein Meisterwerk, wie ich finde, und unbedingt sehenswert!!

Hier geht es zum Trailer.