Archiv für die Kategorie ‘Filme’

Plakat des Filmes mit Vanessa Redgrave als Fania Fénelon; Quelle: Filmstarts.de

Anlass, warum ich diesen Film noch einmal sehen wollte, war ein Interview mit Esther Bejarano, das ich neulich im Radio hörte. Esther Bejarano war Mitglied im Mädchenorchester in Auschwitz, lebt heute noch und macht auch noch immer Musik – eine ganz besondere Frau ist das, von der wir alle viel lernen können (das 26-minütige Interview lohnt sich zu hören, hier der Link dazu).

Der Film, der auf das Tagebuch von Fania Fénelon zurückgeht,  erzählt aus der Sicht der damals berühmten Pariser Chansonsängerin die Ereignisse im KZ Auschwitz. Fania Fénelon wird zusammen mit einer ganzen Gruppe von Juden und Jüdinnen aus Paris direkt nach Auschwitz deportiert – auch wenn sie wie Vieh in einem Wagen zusammengepfercht werden, sind sie vollkommen ahnungslos über ihr Schicksal. Dort angekommen, werden sie geschoren und „gleichgemacht“. Einem Wunder gleich wird Fania jedoch entdeckt und der schweren Arbeiten enthoben, da sie Mitglied des Orchesters, dem nur weibliche Musikerinnen angehören, werden soll. Maria Mandl, eine der KZ-Leiterinnen, eine schwer gestörte Frau, aber Musikliebhaberin, hat das Orchester initiiert, das ihr und anderen KZ-Funktionären zur Erbauung dienen soll. Die Dirigentin ist niemand geringeres als Alma Rosé, einer Nichte von Gustav Mahler und selber bekannte Violinistin.

Das Mädchenorchester genießt eine Sonderstellung im KZ. Es bekommt bessere Kleidung, muss keine Schwerarbeit leisten – und seine Mitglieder werden vor allem nicht vergast. Durch die Sonderstellung zieht es natürlich den Unmut der anderen Häftlinge auf sich, abgesehen davon ist die Angst, etwas falsch zu machen, ständige Begleiterin. Fania Fénelon kritisiert Alma Rosé dafür, dass diese nicht noch mehr Sonderrechte für die Orchestermitglieder fordert. Letztendlich erreicht Alma bei allem jedoch, dass die Mitglieder vor ihrer Vernichtung einigermaßen geschützt sind, auch wenn sie ihrem Orchester wie sich selbst beinahe Unmenschliches abverlangt.

Fania, die bald stolz ihren Künstlernamen – der Name ihrer nichtjüdischen Mutter – ablegt und den Namen ihres jüdischen Vaters, Goldstein, annimmt, widersteht den Greueln, die um sie her geschehen, nicht zuletzt durch die Frage nach dem, was der Mensch eigentlich sei. Denn sie sieht: Auch Maria Mandl, der berüchtigte KZ-Arzt Josef Mengele und alle weiteren KZ-WärterInnen sind letztendlich doch Menschen, und die Frage ist, ob man sich ein Urteil über andere Menschen erlauben kann. Wäre es nicht menschlicher, zu versuchen, die eigene Würde zu bewahren und damit über der Menschenquälerei und Tötung zu stehen, selbst wenn dies bedeutet, es nicht überleben zu können? Denn was macht den Menschen aus? Eine interessante Frage, wie ich finde, erst recht, wenn sie unter diesen schwierigsten aller Bedingungen gestellt wird…

Es ist ein berührender Film, bei dem bestimmt viele fürchterlich weinen müssen. Und das Thema ist und bleibt wichtig – wenn etwas nicht vergessen werden darf, dann sind es die Greueltaten, die von den Nazis verübt wurden. In den Menschen, und das glaube ich wirklich, schlummern wilde Tiere, die, werden sie losgelassen, die unmenschlichsten Taten vollbringen können – darum bleibt die Frage nach Menschlichkeit, die in diesem Film aufgeworfen wird, immer, immer, immer aktuell.

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Dies ist die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Hape Kerkeling: Im Fokus steht seine Kindheit, in der er einen harten Schicksalsschlag erleiden musste. Ich hatte den Trailer gesehen und war neugierig geworden auf den Jungen, der Hans Peter im Alter von vielleicht 9 Jahren spielte…

Filmszene mit Eva Verena Müller als eine Tante von Hape, und Julius Weckauf in „Der Junge muss an die frische Luft“; Bildquelle: Filmstarts.de

Was soll ich sagen… Dieser Film ist durch das phantastische Spiel von Julius Weckauf atmosphärisch dicht, beglückend und bei allem berührend! Er zeigt, was es heißt, eine depressive Mutter zu haben, aber dennoch nicht den Lebensmut zu verlieren, und auch nicht die Fröhlichkeit, wenn diese auch zeitweise auf der Strecke bleiben muss. Der Film zeigt aber auch eine liebevolle, große Familie, die zusammenhält wie Pech und Schwefel, und in der jedes Familienmitglied mit seinen jeweiligen Eigenheiten einen Platz hat. Diese Familie wird derart lebendig und liebevoll bei gleichzeitiger ruhrpöttischer Feierwütigkeit gezeichnet, dass es eine Freude ist. Und dann Julius Weckauf, der mit seinen 11 Jahren eine reife schauspielerische Leistung hingelegt hat, dass es nur so eine Freude ist! Dies ist ein Ausnahmetalent, und ich hoffe sehr, dass er auf dem Boden bleiben kann…

Doch bei aller Fröhlichkeit, die der Film ausstrahlt, kommt auch der Tiefgang nicht zu kurz, denn Hape hatte es als pummeliges Kind, das sich gerne auch mal als Prinzessin verkleidet hat, sicherlich nicht ganz leicht. Durch seine einnehmende Art aber hat er am Ende doch immer die Kurve bekommen. Großes Kino, unbedingt sehenswert!

Aaach – Weihnachten! Was gibt es schöneres, als sich im Kino in eine andere Welt entführen zu lassen? Dieser Film jedenfalls konnte das trefflich!

Gellert Grindelwald (Johnnie Depp), den Newt Scamander (was kann Eddie Redmayne eigentlich nicht spielen??) im letzten Tierwesen-Film ja hinter Gittern bringen konnte, gelingt die Flucht. Es treibt ihn nach Paris, um Credence ausfindig zu machen, da dieser über eine bestimmte Macht verfügt. Credence wiederum treibt die Frage nach seiner wahren Herkunft um, und diese Frage führte ihn nach Paris… Eigentlich könnte nur Albus Dumbledore (den ich, verkörpert von Jude Law, etwas zu glatt fand) besiegen, aber dieser kann es eben doch nicht tun, weil ein Blutschwur ihn davon abhält. Deshalb bittet er Newt, sich auf die Suche nach Grindelwald zu machen, und Newt reist nun mal nicht ohne seinen Koffer, in dem er seine komplette Menagerie von magischen Geschöpfen mit sich führt…

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Filmszene aus „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ mit Eddie Redmayne als Newt Scamander; Bildquelle: Filmstarts.de

Und das alles – Zauberstäbe, magische Tierwesen, Zauberwesen wie Nagini, die mal Frau, mal Schlange ist, und einige weitere verrückte Charaktere – bieten schon genügend Stoff für einen unterhaltsamen Kinoabend, erst recht, wenn dieser von David Yates angerichtet wurde, der uns ja auch schon die letzten 4 Harry-Potter-Filme bescherte (und den ersten Teil von „Phantastische Tierwesen“).

Ich muss allerdings zugeben: Der Film war ab und an doch etwas wirr, so dass es mir nicht immer leicht fiel, zu folgen. Letztendlich aber ging das Drehbuch auf, und die Handlung war stimmig. Und auch das ist uns Harry-Potter-Fans ja nicht neu, dass wir Joanne K. Rowlings ganz eigener Magie durchaus vertrauen können, die uns durch Wirren und Abwege am Ende aber doch zielsicher zum Finale leitet, das sowohl in dem Film als auch bestimmt nochmal am Ende der Filmreihe stattfinden wird. Ich glaube daran – und freue mich schon auf die nächsten Teile. So wie es sich mir darstellt, hat Joanne K. Rowling diesmal „nur“ die Drehbücher verfasst und keinen Roman aus dieser Geschichte gemacht, was ich eigentlich etwas schade finde.

 

5bcd9a911fb20965a6c68c20_MFPLDer Film folgt einer Roma-Familie, die über Nacht Deutschland durch eine Zwangsabschiebung verlassen muss, und wie es ihr in Mazedonien dann ergeht.

Mitglied dieser Familie ist auch der 13-jährige Zijush, der aus seiner Schule in Deutschland gerissen wird. Da er hier aufgewachsen ist, kennt er die Sprache in Mazedonien gar nicht, und überhaupt: zunächst kann er dort nicht zur Schule gehen, vielleicht aus organisatorischen Gründen, wer weiß. Die Klassenlehrerin in Bremerhaven, Frau Carstens, holt ihn deshalb kurzerhand übers Smartphone zum Unterricht in Deutschland dazu, denn hier hat er Freunde gefunden, die ihn vermissen. Auch macht sich Frau Carstens in den Ferien auf, um Zijush und seine Familie in Skopje, der Hauptstadt Mazedoniens, zu besuchen – und bringt Zijushs besten Freund gleich mit.

Der Film, und also wir, folgen ihr dorthin. Man ahnt es ja schon: Wie kann es einer Familie, die jahrelang in Deutschland geduldet wurde und also hier gelebt hat, in Mazedonien schon gehen? Nicht gut – und zwar, weil die Roma dort nicht nur aus finanziellen Gründen in sozialen Brennpunkten leben. Eine weitere Tatsache ist, dass sie mit rassistischen Anfeindungen leben müssen, denn auch in Mazedonien werden sie lediglich geduldet. Der Anblick der schlecht ausgestatteten Schulen lässt Frau Carstens weinen, denn ihr ist sofort klar, dass hier die SchülerInnen überhaupt nicht gefördert werden. Hinzu kommt, dass viele nicht einmal eine Schule besuchen, warum, habe ich nicht ganz verstanden, aber da manche Familien in Wohnwagen oder einige Kinder auf der Straße leben, ist es vermutlich auch eine Frage des festen Wohnsitzes. Eine gute Frage – denn gerade wenn eine Familie aus Deutschland zwangsausgewiesen wird, ist nicht davon auszugehen, dass sie sofort einen festen Wohnsitz haben wird. In Zujishs Fall gab es einen Verwandten, der die Familie wenigstens bei sich aufnehmen konnte.

Wir erfahren von diesem grässlichen Kreislauf: Hier in Deutschland wird eine Roma-Familie geduldet, so lange es einen Arbeits- oder Ausbildungsvertrag gibt (so habe ich es verstanden). Aber eine Arbeit oder einen Ausbildungsplatz zu finden ist natürlich schwierig, wenn man über keine besondere Schulbildung verfügt. Eine durchgängige Schullaufbahn ist aber nicht gewährleistet, wie in Zijushs Fall deutlich wird. In Deutschland lediglich bis zu einem bestimmten Maß geduldet, in Mazedonien teilweise sogar verfolgt – Zijush wurde beispielsweise einmal auf dem Nachhauseweg von der Schule von Nachbarn verprügelt – können Roma kein beständiges Leben führen und sind verbannt, am Rande des sozialen Abgrundes zu leben – ohne Aussicht auf Besserung.

Im Anschluss des Films kamen noch weitere Betroffene zu Wort, z.B. ein Roma, dessen Familie in einer Nacht-und-Nebel-Abschiebe-Aktion ins Flugzeug gesetzt wurde in ein Land, das diese kaum kennt. Obwohl die Mutter ohnmächtig auf der Straße zusammengebrochen ist, wurde darauf keine Rücksicht genommen (und wer wollte ihr oder ihrer Familie schon glauben???), und obwohl die Familie im Ankunftsland niemanden kennt und erstmal in ein Hotel gehen musste, um überhaupt ein Dach über den Kopf zu haben, fand die Abschiebung statt. Eine Juristin, die sich für die Roma einsetzt meinte, dass viele der EntscheiderInnen in den Ämtern diese Einzelheiten nicht klar wären. Leider machte sie uns Publikum klar, dass es hier in Deutschland Menschen gibt, die diese Positionen dennoch einnehmen, ich meine, man kann sich auch als Beamte/r sicherlich woanders hin versetzen lassen, wenn man eine bestimmte Arbeit nicht machen will. Insofern sind diese Menschen in gewisser Weise nicht erreichbar, um auf den Missstand aufmerksam zu machen, der durch diese Abschiebungen entstehen. Dringend müsste also etwas passieren, damit die Roma ein Leben in Würde führen könnten, egal ob hüben oder drüben.

Es war ein bewegender Film und Abend, der zur Aufklärung über Zwangsabschiebung beiträgt, aber auch schwer zum Nachdenken anregt, was hier in Deutschland fürchterlich schief läuft. Und der natürlich die Problematik aufzeigt, mit der die Roma zu leben haben – sowohl hier in Deutschland, als auch in den Ländern, in die sie abgeschoben werden. Ich hoffe, dass der Film viel, viel Publikum findet, damit möglichst viele davon erfahren, was es heißt, ein Roma zu sein.

Hiermit rufe ich einen neuen Filmpreis ins Leben, der so subjektiv und eigen ist wie mein Blog, der doch nichts anderes ist als eine Chronik meiner kulturellen Unternehmungen: Ich nenne ihn:

Das goldene Kutabu

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Und dies ist meine Auswahl aus ungefähr 18-20 Filmen, die ich – und das war hierbei eine Bedingung – im Kino gesehen habe:

Bester Film:Werk ohne Autor“ – Der Film hat mich nachhaltig beeindruckt. Das Thema, wie jemand zu seinem künstlerischen, ganz persönlichen Ausdruck findet, geht mich sehr an. Einen Film, der diese Thematik derart intensiv aufgreift, habe ich zuvor nicht gesehen (oder ich erinnere mich nicht).

Bestes Drehbuch:Der seidene Faden“ – Eigentlich ist es nicht nur das Drehbuch, das mich hierbei überzeugte. Interessante Thematik in einem Drehbuch hervorragend ausgearbeitet, tolle, tolle SchauspielerInnen, wunderbare Bilder – bei diesem Film stimmte einfach alles!

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Filmszene aus „Der seidene Faden“ mit Daniel Day-Lewis und Vicky Krieps; Quelle: Filmstarts.de

Bester Hauptdarsteller: Alexander Scheer in „Gundermann“. Ich finde es unglaublich, wenn Schauspieler zudem noch so gut singen können – so wie Alexander Scheer.

Beste Hauptdarstellerin: Marie Bäumer in „3 Tage in Quiberon“ hat mich absolut umgehauen. Sie hat Romy Schneider nicht einfach nur gespielt, sie war Romy Schneider! Absolut toll! Sie konnte an dieser Stelle sogar Alba August als „Astrid“ toppen – auch sie hat mich mit ihrem Spiel zutiefst beeindruckt.

Bester Nebendarsteller: Micheal Shannon als böser Sicherheitschef Strickland  in „Shape of Water“, Tobias Moretti als Maceath und Joachim Król als Peachum in „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ – auch für beide letztere gilt: Was können diese Schauspieler denn nicht?

Beste Nebendarstellerin: Saoirse Ronan in „Am Strand“ – Saoirse Ronan ist und bleibt eine Ausnahmeschauspielerin!

Beste Ausstattung:  „Loving Vincent“ für die Idee und Umsetzung im Stil von van Goghs Malerei – das hat mich restlos überzeugt, „Isle of dogs – Ataris Reise“ mochte ich sehr wegen der Verspieltheit. Ich habe den Eindruck, was auch Wes Anderson anpackt: es gelingt!

Bester Film, gesehen auf DVD/BluRay: Von den rund 32 Filmen, die ich im Heimkino gesehen habe, fällt es mir doch sehr schwer, einen Film zu küren. Wenn ich dann anfangen wollte mit mehreren, würde ich vielleicht gleich ein Drittel dieser Perlen auswählen müssen. Deshalb küre ich diesmal einen Filmemacher, mit dem ich mich in 2018 (und auch schon davor) beschäftigt habe, nämlich Darren Aronofsky, dessen Filme immer interessant und psychologisch derart geschickt gemacht sind, dass sie einem wie unter die Haut gespritzt nahe gehen. Allen voran war „Requiem for a Dream“ ein unglaublich intensiver Film. Ich schätze an Aronofsky, dass seine Filme experimentellen Charakter haben und mir Bilder und Gefühle lange in Erinnerung bleiben.

Der Film ist eine freie Interpretation über die Jugendjahre von Astrid Lindgren in den 20er Jahren, betrachtet wird die Zeit zwischen vielleicht 15 und 23 Jahren – das war, bevor sie ihre Laufbahn als Kinderbuchautorin begann.

Ansatzweise selber Pipi Langstrumpf? Filmszene aus „Astrid“ mit Alba August; Bildquelle: Filmstarts.de

Astrid wird als lebenslustiges, aber sehr eigenes Mädchen gezeigt, das sich seine eigenen Gedanken macht – zu Vorschriften, aber auch in Bezug auf Glaube und die Kirche, von der ihre Familie – der Vater war Kirchenvorsteher – abhängig war. Als sie die Möglichkeit bekommt, für die örtliche Tageszeitung zu arbeiten, ergreift sie diese – und beginnt eine Affäre mit dem deutlich älteren Redakteur, der ihr Vater sein könnte. Dann wird sie schwanger, und ein Spießrutenlauf zwischen Anklagen moralischer und juristischer Art beginnt, dazu ein Kampf um Selbstbestimmtheit…

Vielleicht darf man die wirkliche Biographie von Astrid Lindgren und das hier Gezeigte nicht gleichsetzen, aber ganz sicher hatte es die junge Astrid Ericsson als sehr junge Mutter, deren Wunsch es ist, mit ihrem Kind, aber nicht unbedingt in einer Ehe zu leben – und das in den 1920er Jahren -, schwer. Das vermittelt uns dieser Film auf sehr einfühlsame Art und Weise. Und das genau ist der Fokus des Films: Wie lässt sich solch eine schwere Zeit überstehen, nicht wissend, ob das je ein Ende haben wird, ohne unterzugehen? Wie geht man damit um, wenn das eigene Kind entfremdet von der Mutter von dieser nichts wissen will? Was bedeutet es, zu kämpfen gegen all die Widerstände, erst recht gegen all jene, die aus Vorbehalten gegen ihre Person und Handlungen bestehen? Was das angeht, kann die Astrid aus dem Film uns ein leuchtendes Beispiel geben, vermutlich, nein: ganz sicher auch die Autorin Astrid Lindgren. Auch wenn in dieser Zeit von ihr als Autorin nicht die Rede ist: wenn man will, falls man das will, ließen sich vermutlich einige Parallelen an Grundhaltung ihrer starken, eigenwilligen Figuren wie Pipi Langstrumpf oder Ronja Räubertochter finden. Wie toll überhaupt, dass es diese Figuren nun gibt, sind sie doch ein leuchtendes Beispiel an selbstbestimmten Mädchen, die kraft ihres Willens nicht nur Pferde heben, sondern auch gesellschaftliche Normen sprengen können (ich sollte dringend einmal Astrid Lindgrens Kinderbücher wieder lesen).

Alba August spielt Astrid nicht nur, sie lebt diese Rolle. Sie zeigt uns eine intelligente junge Frau, deren Willen bärenstark ist, und die uns zeigt, dass etwas gelingen kann, wenn man es nur will und daran festhält, allen Widerständen zum Trotz. Ganz toll! Ich hoffe, dass wir künftig mehr von dieser Ausnahmeschauspielerin zu sehen bekommen.

2001 hat Francis Ford Coppola einen neuen ‘Director’s Cut’ angefertigt, der einige Szenen mehr zeigt als die Fassung von 1979. Ich kam um diesen Film nicht herum, nachdem ich doch „Herz der Finsternis“ von Josef Conrad gelesen habe und dieser Film auf dem Buch basiert – wenn es auch keine herkömmlich Literaturverfilmung ist, da Zeit und Ort verändert wurden.

Filmszene aus „Apocalypse Now“ mit Martin Sheen; Bildquelle: Filmstarts.de

Die Handlung spielt während des Vietnamkriegs. Ein ohnehin schon schwer gestörter, traumatisierter Soldat bekommt den höllischen Auftrag, den Mekong hochzureisen, um dort einen General namens Kurtz ausfindig und unschädlich zu machen. Dieser hochintelligente General hatte sich aus den Kriegswirren abgesetzt, und man hört verstörende Berichte von seinem Tun aus dem Dschungel.

Die Reise wird zu einem Höllentrip, der Beauftragte trifft auf Amerikaner, die ganz offensichtlich jeden Bezug zur Menschlichkeit, wenn nicht gar zur Realität, verloren haben und nun zu sehr skurrilen Handlungen neigen, und die die Einwohner Vietnams quälen und töten, als wären es keine Menschen. Eine Unterhaltungsshow mit völlig zugedröhnten Mädchen, die selbst nicht merken, dass sie missbraucht werden, wird gezeigt, um die anwesenden Amerikaner bei Laune zu halten. Der Soldat – herausragend gespielt von Martin Sheen – sein beobachtender Blick geht einem durch Mark und Bein – versucht zwar, sich aus diesem höllischen Verhalten herauszuhalten, ist jedoch selbst schon derart gestört, dass er letztendlich bei dem allgemeinen Morden mitmacht.

 

Schließlich trifft er auf General Kurtz (einfach umwerfend gespielt von Marlon Brando) – und er muss feststellen, dass dieser sich tatsächlich zu einer Art Götze aufgeschwungen und die einheimische Bevölkerung in psychische Abhängigkeit gezwungen hat, die tödlich enden kann. Doch ist dies nicht einfach eine Marotte schlimmster Art, nein, es ist die allzu zynische Reaktion auf das Kriegsgewirr im Vietnam mit seinen furchtbaren, furchtbar perversen Ausmaßen.

Es ist ein großartiger Anti-Kriegs-Film, der die Perversion des Kriegführens schmerzhaft spürbar macht, ein modernes Epos, das den griechischen Sagen ebenbürtig und wie sie – leider – ein Klassiker ist, in dem die Möglichkeit von Perversion menschlichen Tuns auf den Punkt gebracht wird. Dieser Film tut weh, und das soll er auch. Dazu ist er eine, wie ich finde, gültige Auslegung des Romans „Herz der Finsternis“ von Josef Conrad, die dessen Aussage einmal mehr herausfokussiert – grandios, wenn auch überaus schmerzhaft.