Archiv für die Kategorie ‘Gedanken’

liebhaberohnefestenwohnsitzDas Hörbuch hatte ich meinem Schatz geschenkt, vor gar nicht allzu langer Zeit, aber doch lang genug her, als dass er es noch mit Genuss hören konnte. Das Buch hatte ich ja selbst schon vor einiger Zeit gelesen, nun war ich neugierig, was er damals so sehr an Sophie Rois‘ Einlesung genossen hatte.

Die Geschichte war auch beim zweiten Mal spannend und auf eine angenehme Weise phantastisch sowie originell (und diesmal hatte ich eigentlich gar nichts mehr an der Geschichte auszusetzen, was etwas anders beim ersten Lesen war, s. meinen Blogbeitrag von damals), und Sophie Rois hat sie wirklich sehr pointiert gelesen.
Der Hauptprotagonist hatte die Angewohnheit, auf so manche Frage statt verbal zu antworten, einen gewissen Laut auszustoßen, eine Art hörbaren Seufzers, beredter vielleicht als viele Worte, wenngleich vielsagend unverbindlich, aber doch deutlich seinem Gefühl Ausdruck verleihend, auf diese Frage vielleicht gar nicht aufgrund seiner geheimnisvollen Herkunft und Geschichte antworten zu können – oder zu dürfen. Von Sophie Rois‘ Umsetzung dieses Lautes hat mir mein Schatz vorgeschwärmt. Und es stimmt: Dieser Seufzer ist ihr großartig gelungen.

Dieses Buch macht zudem einmal mehr Lust, die wunderbare Stadt Venedig zu besuchen, denn dort spielt der Roman. Ich jedenfalls habe große Lust bekommen, dort wieder einmal hinzufahren, jedoch kann ich mir kaum vorstellen, dass ich noch einmal dort hinfahre. Es ist vielleicht der einzige Ort auf der Erde, der mir aufgrund der Umstände versagt ist, erneut zu besuchen.

Es hat mir dennoch große Freude gemacht, das Buch ein zweites Mal zu genießen, und da ich ja nach Kassel und Münster unterwegs mit Bahn und Bus war, hatte ich auch genügend Muße, es zu hören. Empfehlenswert!

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Besuch der Documenta 14

Veröffentlicht: 9. September 2017 in Ausstellungen, Gedanken, Kultur, Kunst

Ich maße mir nicht an, dass ich in den 1 ½ Tagen in Kassel wirklich einen Überblick über die gesamte Documenta bekommen habe, zumal ich bei weitem nicht alle Ausstellungsorte besucht habe. Es ist bei einer Auswahl geblieben, mehr oder weniger willkürlich. Da uns schon vorher klar war, das wir nicht alles „schaffen“ werden, haben wir uns das auch gar nicht vorgenommen, sondern wir versuchten, den kleinen Ausschnitt auf uns in Ruhe wirken zu lassen und zu genießen.

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Der Parthenon der Bücher

Unser Rundgang begann klassischerweise am Friedrichsplatz, wo die argentinische Künstlerin Marta Minujín den Parthenon aus Athen nachbauen ließ und den „Parthenon der Bücher“ aufbaute, indem sie an Metallgestellen lauter Bücher festband, die irgendwo auf der Welt schon mal verboten waren. Um die Bücher zu schützen, hat sie sie mit Plastik umwickeln lassen. Und um den Parthenon wirklich voll zu machen, waren Mehrfachhängungen unumgänglich. Vom nahen betrachtet ergab sich für mich kein besonders beeindruckendes Bild. Die Materialien wirkten billig, und die Auswahl finde ich persönlich zu willkürlich, da findest Du Bücher von Solschenizyn neben Brecht, aber da findest Du auch Bücher von Goethe und jede Menge Harry Potter. Mir schien das zu willkürlich; kann man vielleicht sagen, dass sehr, sehr viele Bücher aus den verschiedensten Gründen irgendwo auf der Welt mal verboten waren? In der Abendsonne ergab sich später dann doch noch ein einigermaßen ästhetischer Anblick, was mich ein wenig versöhnte. Aus welchen Gründen auch immer, habe ich den Anblick bei Dunkelheit – durch eine spezielle Beleuchtung sollte das dann sehr schön aussehen – verpasst.

In den Karlsauen war diesmal nicht viel zu sehen. Die „Blutmühle“, ein großes Holzkonstrukt, in das einstmals Sklaven festgebunden wurden, die durch ein ständiges Im-Kreis-Laufen dafür sorgten, dass Münzen geprägt wurden, war nicht in Bewegung, und der schmale Streifen, in dem der Künstler Lois Weinberger verschiedene Wildpflanzen sich ansiedeln lässt, musste vermutlich noch erst in Gang kommen, aber die Fragestellung ist interessant: Wem gehört die Erde, auf der sich die Pflanzen ansiedeln, auch wenn sie von weit her kommen…?

Und das ist sicherlich ein Schwerpunkt, ein Thema, das von vielen Künstlern auf dieser Mammutveranstaltung aufgegriffen wurde: Was bedeutet Identität, was ist Heimat, was ist die Fremde? So gab es viele Installationen, die sich auch mit der Frage beschäftigten, was es bedeutet, dass viele Urvölker durch die Globalisierung oder durch den Eingriff des Staates ihre Kultur und Tradition verlieren. Nachdenklich gemacht hat mich das Werk von Susan Hiller („Lost and Found“): Hier wurden in einem dunklen Raum Tonspulen von Sprachen abgespielt, die vom Aussterben bedroht sind (oder mittlerweile ausgestorben sind), dazu gab es eine Aufzeichnung ihrer Schallwellen. Es macht mich traurig, zu erfahren, wie viel an Kultur anderer Völker einfach verschwindet…

Abgesehen von der sehr interessanten Dauerausstellung des Museums für Nekromantik gab es auch dort interessante Exponate. Das Künstlerduo Prinz Gholam beispielsweise stellt in seinen Videos Posen alter griechischer Statuen nach, was sich auf einem Friedhof, am Rande eines Amphitheaters oder vor einem Säulenarrangement merkwürdig ausnimmt, zumal die beiden Alltagskleidung tragen. Besonders spannend fand ich eine Fotoreihe von Thomas Dick mit Bildern australischer Ureinwohner, die beim Fischen und Jagen gezeigt wurden. Es sind Szenen, die man heute in dieser Form ganz sicher nicht mehr sehen kann…

Foto von Thomas Dick

Viele Exponate in der Documentahalle greifen dieses Thema wieder auf: Da gibt es gleich zwei Räume, die Fotos, Dokumente, Kleidungsstücke und Musikinstrumente des Musikers Ali Farka Touré aus Mali zeigen. Was ich davon mitnehme, ist der Stolz auf sein Heimatland, seine Identifizierung mit Mali als Ausgangspunkt seiner Kreativität. Allerdings ist Touré hier nicht der Künstler, sondern Ingo Diarra, der meiner Meinung nach genau dies zeigen wollte. Berührend fand ich auch den hinteren Teil der Documentahalle, mit Werken des afrkanischen Künstlers El Hadji Sy, der mit den Füßen seine Bilder auf grobes Sackleinen malte und zum Teil Seile als zusätzliches Gestaltungselement hinzunahm. Dazu wurde leise afrikanische Musik gespielt, und so entstand eine besondere Stimmung.

Ausschnitt aus einem Stickwerk von Britta Marakatt-Labba

Mit großem Interesse habe ich die vielleicht 15 Meter lange Stickerei der Samin Britta Marakatt-Labba angeschaut, die auf ihrem Exponat von dem Leben hoch oben in Lappland erzählt (und tatsächlich befinde ich mich, während ich diesen Text geschrieben habe, in Lappland, aber das nur nebenbei). Die Samen leben im hohen Norden, in Lappland über Norwegen, Schweden, Finnland und Russland verteilt und in jedem der Länder bilden sie eine Minderheit, die sich durch die Staatenteilung nur schlecht zusammenschließen kann, um für ihre Rechte und Lebensweise einzutreten. Diese einzige Urbevölkerung Europas hat also kaum ein Organ, um gehört zu werden. Und da sie in einem Gebiet lebt, das voller Bodenschätze steckt, lässt sich leicht ausmalen, was mit dieser Kultur in Zukunft zu geschehen droht…

Wie ein riesig großes Mobile hängen in verschiedenen Blautönen Stoffe von der Decke – dies ist die Demonstration von Ergebnissen aus alten Färbetechniken, für die der Künstler Aboubakar Fofane einsteht. Auch hier ist eine Stück Kultur vom Aussterben bedroht, denn das industrielle Einfärben von Stoffen ist natürlich effektiver… Es sind übrigens ganz besonders schöne Blautöne, und viele verschiedene…

Das Friedericianum ist auf dieser Documenta der Ort für einen Museumstausch: Zu Gast ist das Athener Museum für Gegenwartskunst, das mit beeindruckenden Kunstwerken aufwartet, in denen häufig auf die Kultur der griechischen Antike zurückgegriffen wird: Teilweise auf Mythen, teilweise aber auch auf die Philosophie oder Politik. In einer Videoinstallation wurden Stellungnahmen zu der Frage, was Demokratie sei, aus verschiedensten Ländern zusammengestellt. Die Künstlerin Janine Antoni geht ganz anders vor: Sie hat nächtelang ihre Augenbewegungen während des Schlafens aufgezeichnet und das entstandene Muster in einen riesenlangen Teppich verwebt. Da muss einiges passiert sein, in ihren Träumen! Und wer sagt, dass nicht auch Odysseus seine Abenteuer nur (oder wenigenstens) geträumt habe?

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Webteppich von Marielou Schultz

Die Abstecher in die Neue Galerie und in die Neue neue Galerie waren ebenfalls sehr lohnenswert. In der neuen Galerie geht es im Untergeschoss auch nochmal um die Wurzeln, die Identität, beispielsweise, wenn die alte Webkunst irgendwo in Südamerika verloren gegangen ist, weil eine Fabrik für Mikrochips die Arbeiterinnen angeworben hatte. Nun sehen wir hier wunderbar handgewebte Teppiche, die aber nicht die alten Muster zeigen, sondern vielmehr riesengroße Muster der Mikrochips. Die afrikanische Künstlerin Otobong Nkanga hat Seife hergestellt, die neben ausgewählten Ölen auch einen beträchtlichen Anteil an Kohle beinhaltet, was sie schwarz macht – ein vielschichtiges Werk, da es auf die Ausbeutung der Menschen im Kohlebergbau hinweist und die Frage, ob man sich mit dieser Seife wohl die Hände in Unschuld waschen könne?

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Auschnitt aus einem bearbeiteten Foto von Gauri Gill und Rajesh Vangad

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Ebenfalls von Gauri Gill und Rajesh Vangad

Ich habe hier längst nicht alle Ausstellungsorte angerissen und erst recht nicht alle Werke, das geht auch nicht. Aber es waren zwei tolle Tage auf der Documenta, schwer verdauliche Kost, wie eigentlich üblich, und mir scheint, dass die Exponate in eine bestimmte Richtig zielten, nämlich in die nach der Frage der Identität, dem Anderssein und -denken, und nach der Frage, was es bedeuten wird, wenn die Vielfalt von Kulturen immer mehr und für immer verloren geht.

2 Filme über die NS-Zeit

Veröffentlicht: 10. Juli 2017 in Filme, Gedanken, Kultur

Da mein Sohn gerade Nationalsozialismus in der Schule durchnimmt, muss ihn seine bildungsbürgerliche Mutter natürlich auch mit dem ein- oder anderen Film konfrontieren, der sich mit dieser Zeit auseinander setzt. Zum Glück interessiert es ihn auch.

„Mephisto“ – Film von Istvan Szabo (1981)

Der Schauspieler Hendrick Höfgen (beeindruckend verkörpert von Klaus-Maria Brandauer) will Karriere machen – „auf Teufel komm raus“. Und das ist sicherlich wörtlich zu nehmen…
Die Geschichte setzt  zur Zeit des aufziehenden Nationalsozialismus ein. Während Hendrik alles daran setzt, ein Theater für die Massen zu entwickeln, verlassen um ihn herum seine SchauspielerkollegInnen Deutschland. Nur er behält seine eigene Karriere im Fokus und bleibt, auch als Hitler zum Reichskanzler ernannt wird und sogar Hendriks großbürgerliche Ehefrau das Weite sucht. Mehr und mehr verkauft er sich – und seine künstlerischen Ideen – an den Nationalsozialismus, der ihm im Gegenzug zu seiner Karriere verhilft. Doch der Preis ist hoch: Am Ende verliert er sämtliche Macht und wird zum Spielball des Regimes.
Wie geschickt ist die berühmte Rolle in diesen Film verwoben, zusammen mit der beeindruckenden Maske, die einer legendären Faust-Inszenierung entliehen wurde, in der damals Grustaf Gründgens Mephisto verkörperte. Und Grustaf Gründgens war auch Vorbild für Klaus Mann, dem Verfasser des gleichnamigen Romans, welches die Grundlage des Drehbuchs bildete. Mephisto ist hier Verführer und der Verführte zugleich, und der Schauspieler wird Opfer seiner eigenen Rolle…

Einmal mehr wird gezeigt, wie ohnmächtig der einzelne Mensch in der nationalsozialistischen Zeit war, und wie verheerend sich das Mittragen des Regimes für die eigene Persönlichkeit auswirkte. Ein sehenswerter, ein zeitloser Film ist das, finde ich.

„Die weiße Rose“ – Film von Michael Verhoeven (1982)

Diesen Film hatte ich nie gesehen, und so sah ich den Moment gekommen, die Lücke zu schließen. Er handelt von der Untergrundbewegung, die in Studentenkreisen 1942 entstand und versuchte, dem nationalsozialistischen Regime etwas entgegenzusetzen. Es wurden vor allem Flugblätter gedruckt und an Intellektuelle verschickt sowie hauptsächlich an der Münchener Universität ausgelegt. Innerhalb kurzer Zeit gelang doch immerhin eine Vernetzung zu anderen Städten Deutschlands, doch schon beim Verteilen des sechsten Flugblattes wurden die Geschwister Hans und Sophie Scholl erwischt. Sie wurden im Februar 1943 hingerichtet, weitere Todesurtele an Beteiligte wurden im Juli 1943 vollstreckt.

Die weisse Rose

Lena Stolze und Wulf Kessler als Sophie und Hans Scholl in „Die weiße Rose“; Quelle: Filmstarts.de

Der Film erzählt einigermaßen nüchtern und chronologisch die Vorgänge und reißt auch die Diskussionen innerhalb der Gruppe über Formulierungen und politische Richtungen an. Einig war sich die Gruppe im Grunde genommen überhaupt nicht, nur in dem Einen, wie wichtig es ist, den mittlerweile aussichtslosen Krieg möglichst schnell zu beenden und Hitler abzusetzen.Wie mutig sind diese jungen Menschen gewesen, und wie großer Gefahr haben sie sich ausgesetzt, einfach aus dem Grunde, dass sie die Vorgänge in Deutschland nicht ertragen konnten! Und so zeigt dieser Film, wie schwer es war, politisch Rückgrad zu bewahren und sich gegen den Nationalsozialismus zu stellen.

Mich überwältigt jedes Mal der Gedanke, wie es die Nationalsozialisten schafften, nicht nur an den Fronten zu kämpfen, sondern auch in der selben Zeit die Ermordung so vieler Juden voranzutreiben und dazu noch so schnell auf Gegenstimmen innerhalb der Bevölkerung reagieren zu können. Es ist so grässlich. Und so wichtig, das niemals zu vergessen.

 

Konzerte und Gärten

Veröffentlicht: 25. Juni 2017 in Gedanken, Kultur, Kunst, Musik, Reisen

Was hat denn nun das miteinander zu tun? Vielleicht Musik im Garten? Nein, nein. Nur einfach, dass ich hier einmal etwas vorankommen will, und nun verbinde ich zwei kulturelle Themen, die mir beide sehr am Herzen liegen.

Das Hagen Quartett spielte am 29.3. in der kleinen Elphi
Ludwig van Beethoven: Streichquartett G-Dur op. 18/2
Bela Bartok: Streichquartett 3 Sz 85
Johannes Brahms: Streichquartett a-Moll op. 51/2

Und am 26.4. besuchte ich die Aufführung des Apollon Musaète Quartett in der kleinen Elphi, und gespielt haben sie
Crisantemi von Giacomo Puccini
Streichquartett a-Moll op. 35a von Anton Arensky
Andante festivo von Jean Sibelius
Streichquartett g-Moll op 27 von Edvard Grieg

Und nun soll ich nach so langer Zeit etwas über diese Konzerte schreiben und kann es gar nicht… Für mich ist Musik noch immer die flüchtigste aller Künste, zu der ich vermutlich auch den Zugang am schwierigsten finde. Deshalb fällt es mir auch sehr schwer, jetzt noch etwas darüber zu schreiben. An die Töne kann ich mich auch nicht mehr erinnern, und das Konzert am 29. März hat sich ohnehin sehr schnell verflüchtigt. Nur eines hat sich wieder gezeigt: Die modernen Streichquartette liebe ich mehr als die alten. Sie machen etwas in meinem Kopf, stoßen Gedanken an, lassen Assoziationen entstehen, tun mir gut, berühren mich. Das ganz andere System, mit dem ich mein Gehör, meinen Kopf in Berührung bringe, erfasst mich auf eine Weise, die in meinem Alltag sonst nicht vorkommt. Es erweitert meinen Horizont auf eine Art, die mir zu beschreiben kaum möglich ist.
Die Stücke der Komponisten aus dem 19. Jahrhundert haben bei mir diese Wirkung in nicht ganz so ausgeprägter Weise, jedenfalls nicht an jenem Abend. Sicherlich ist es auch immer stimmungsabhängig.

Besser erinnere ich das Konzert im April. Die gespielte Musik hatte fast durchgängig einen traurigen Grundtonus, vielleicht bis auf das Stück von Grieg, in das er, laut Programmheft, seine persönliches Liebestragödie  zum Thema machte. Es ist ein temperamentvolles Stück. Am meisten hatte mich an diesem Abend jedoch Puccinis Streichquartett beeindruckt, in der die Trauer so greifbar wurde.

Aber insgesamt muss ich meine Konzertimpressionen besser  unmittelbar nach den Konzertbesuchen  beschreiben – sonst ist wirklich alles weg!

Keukenhof  in Holland

Leichtere Kost ist dann doch ein Besuch in einem Garten zur Tulpenzeit, in der ich mich ja, wie bereits beschrieben, im schönen Noordwijk in Holland aufgehalten habe. Der Keukenhof liegt dort gleich um die Ecke, und so haben wir uns auf den Weg gemacht, die Tulpen zu entdecken. Der Keukenhof  hat wohl nur zur Tulpensaison geöffnet und stellt die neuen Tulpenzüchtungen vor. Und das sind schon ganz schön dolle Dinger.

 

Der Japanische Garten im Botanischen Garten im Hamburg

Aber um tolle Gartenerlebnisse zu finden, muss man nicht unbedingt weit weg fahren. Vor der eigenen Haustür liegen ebenfalls Paradiese, auch wenn sie klein sind. Nicht satt sehen kann ich mich an den leuchtenden Farben der Azaleen, wenn sie so schön blühen in dem japanischen Gartenstück in Hamburg-Klein Flottbek. Es hat uns entrückt in eine exotische, prachtvolle Welt, in der wir ganz schnell für einen Besuch lang alles andere vergessen konnten. Seht einfach selbst, wie schön er ist. Unser Besuch fand am 20. Mai statt. Und der nächste Mai kommt bestimmt!!!

 

In diesem Jahr bisher gelesen

Veröffentlicht: 25. Mai 2017 in Bücher, Gedanken, Kultur, Literatur

Ich bin entsetzt: Man könnte den Eindruck gewinnen, dass ich gar nicht lese, denn ich habe in diesem Jahr noch gar nicht über meine Lese-Erlebnisse geschrieben. Aber ich habe eigentlich immer ein Buch in Arbeit, und tatsächlich liegt die Betonung sowohl auf „eigentlich immer“ und „ein Buch“. Auf mehr zur Zeit kann ich mich nicht konzentrieren, mehrere Bücher im selben Zeitraum zu lesen ist mir völlig fremd…  (Fällt mir ein Witz ein: „Ich lese immer mehrere Bücher zur gleichen Zeit“ „- Ja – aber wie halten Sie die denn alle??“)

„Die Säulen der Erde“ – Roman von Ken Follet

saeulenDie Bücher von Ken Follet sind bislang komplett an mir vorbeigegangen, und da ich durchaus hörte, dass es lohnenswerte Bücher seien, habe ich mich über das chronologisch erste Buch hergemacht, es handelt in der Zeit von 1100 in England und umreißt den Bau einer Kathedrale. Da sich so etwas ja bekanntlich immer etwas hinzieht, vergehen im Verlauf mindestens 50 Jahre, in denen wir das Werden und Vergehen der verschiedenen ProtagonistInnen verfolgen. Das Buch ist sehr geschickt aufgebaut, denn es bietet Einblicke nicht nur in das Leben eines Kirchenmannes und des Klosters, sondern auch von Handwerkern, Rittern und anderen mehr oder minder begüterten Edelleuten sowie sogar Außenseitern. Die Geschichte mag in manchen Teilen recht konstruiert sein und ich fand auch einige Passagen sehr unwahrscheinlich, beispielsweise wie eine Frau mit sicherlich starkem Willen mit einem Säugling quer durch Europa zieht, um ihren Mann zu finden – und das im Jahr 1100 – das konnte ich nicht ganz abnehmen.
Bei allen Schwächen in der Handlung und einem Schreibstil, den ich nicht als literarisch bezeichnen möchte, hat mich das Buch dennoch gepackt und es zu lesen hat Spaß gemacht. Genau das habe ich mir auch von dieser Lektüre versprochen. Ich brauchte einen Schmöker, und das ist einer.

„Die Katze des Dalai Lama“ – Buch von David Michie

katze-dalai-lama1Nicht nur, weil ich seit zwei Jahren Katzenbesitzerin bin und unweigerlich zur –liebhaberin geworden, hatte mich dies Buch interessiert. Es war zudem die Empfehlung einer Freundin. Und ja – es ist eine Entdeckung!!!

Die kleine Katze (mit einer Schwäche der Hinterbeine ausgestattet)  wird vom Dalai Lama als Ausgestoßene  aufgenommen und und verbreitet seitdem im Dunstkreis Seiner Heiligkeit noch mehr gutes Karma. Als lernbegierige Katze verfolgt sie aber ihr Umfeld mit einem durchaus buddhistischen Interesse und belauscht nicht nur die Gespräche bei Empfängen, sondern auch in ihrem Umfeld und stellt Beobachtungen im Ort an. So weit, so niedlich. Doch die Gespräche und Handlungen dienen im Grunde genommen nur als Aufhänger in eine federleichte Einführung in die buddhistischen Lehren. (Langweilig beschrieben könnte man auch sagen, dass die Sorgen und Nöte der Menschen in der Umgebung der Katze als Fallbeispiele dienten, aber das schreibe ich natürlich nicht). Dieses wunderbare Buch lässt sich also in verschiedener Hinsicht lesen und genießen: Als Bericht aus dem Blickwinkel der Katze Seiner Heiligkeit (kurz KSH), aber auch als Einführung in die buddhistischen Lehren und die große Weisheit des Dalai Lama. Ich hätte nach jedem Kapitel am liebsten eine kleine Zusammenfassung geschrieben, so interessant und auch wichtig fand ich das. Wo findet man schon ein Buch, das eine ungeheure Leichtigkeit hat und dabei so sehr in die Tiefe geht – ich habe es bisher  nur in diesem Buch gefunden.
Ich muss ja nicht alle Bücher besitzen, die ich lese – aber bei diesem hege ich doch den Wunsch, es zu haben. Mit Sicherheit lese ich es nochmal!

„Ganz langsam bis zehn zählen“ – Roman von Mildred Lee

ganz-langsamWer kennt dieses Buch? Wahrscheinlich niemand (außer meiner Freundin Uli). Ich habe es zwischen meinem 13. Und 15. Lebensjahr wer weiß wie oft gelesen, doch habe ich es mir immer aus der Hamburger Bücherhalle ausleihen müssen. Neulich fiel mir dieses Buch wieder ein, und es gelang mir doch tatsächlich, ein antiquarisches Exemplar zu ergattern, was mich sehr froh gemacht hat.
Beim erneuten Lesen hatte ich ein seltsames Phänomen: Da ich das Buch ja wie gesagt schon mehrmals gelesen habe, hatte ich den Eindruck, es beinahe auswendig zu kennen. So flüsterte mir eine innere Stimme schon das Ende des Satzes ins Ohr, bevor ich ihn las – so genau konnte ich mich noch an das Buch erinnern!

Es handelt von einem Jahr im Leben eines 13-14 jährigen Mädchens, das in all ihren Höhen und Tiefen begleitet wird, und das auf  sehr einfühlsame Weise. Eigentlich passiert nichts wirklich Dramatisches – außer, dass Honor Sands  ein Jahr Pubertät durchlebt. Wie gesagt, damals in meiner eigenen Pubertät war es ein wichtiges Buch für mich, und es war schön, es erneut zu lesen. Und ich freue mich, dass ich es nun besitze. Scheinbar ist das Buch nach den 70er Jahren nicht wieder aufgelegt worden. Schade.

„Die Katze des Dalai Lama und die Kunst des Schnurrens“ – Buch von David Michie

katze-dalai-lama2Es zog mich doch gleich zum  nächsten Buch über die Erlebnisse der KSH (Katze Seiner Heiligkeit). In diesem bekommt die Katze die Aufgabe vom Dalai Lama gestellt, in dessen siebenwöchiger Abwesenheit einmal die Frage, was Glück sei, zu ergründen. Auch in diesem Buch verfolgt die Katze ihr Umfeld genau, und anhand der Menschen um sie herum erkennt sie, was glücklich macht. Einige schillernde Persönlichkeiten werden hier beschrieben, die nach vielleicht einigen Irrwegen in aller Bescheidenheit ihr eigenes Glück finden, und das – oh Wunder – außerhalb eines groß gedachten Karrierismus und dem Streben nach Anerkennung.

Eine kurze und oberflächliche Formel habe ich nach der ersten Lektüre hier herausgefunden: Glück ist eine sehr persönliche Angelegenheit, aber wenn das eigene Streben zur Zufriedenheit führt und dabei einen guten Zweck nicht außer Acht lässt (oder sogar Ausgangspunkt der eigenen Handlungen wird), kann sich auch ein Glücklichsein einstellen. Auch dieses Buch empfand ich als großen Schatz, auch dessen Lehren möchte ich weiter verfolgen und am liebsten beherzigen. Wie oft werde ich es noch lesen müssen, um auch in meinem Leben die Weichen zu stellen? Wirklich: Unglaublich leseswert!

Die Elbphilharmonie

Veröffentlicht: 25. Februar 2017 in Gedanken, Kultur, Kunst, Musik

Nun war ich schon kurz nach der Eröffnung sowohl in der kleinen als auch in der großen Elbphilharmonie, und das empfinde ich als ganz großes Glück. Denn die Karten sind rar, das Haus scheint mir chronisch ausverkauft zu sein, und so freue ich mich sehr, dass ich Gelegenheit hatte, das Haus schon so schnell kennen lernen zu können – von den großartigen Konzerten, die ich hier schon gehört (und vor kurzem berichtet) habe, ganz zu schweigen.

Was soll ich sagen: Mich freut dieser Bau, da er nun fertig ist, ganz ungemein! Auch wenn die Baugeschichte einem einzigen Desaster gleicht und der Stadt Hamburg viele (finanzielle) Opfer gekostet hat. Ob es ihn überhaupt jetzt gegeben hätte, wenn man vorher gewusst hätte, was der Bau kostet, und abzüglich der Fehler, die bei der Bauplanung passiert sind, ist mehr als fraglich. Doch was hier entstanden ist, ist ein künstlerisches und technisches Meisterwerk, eine Zierde und ein Glücksfall für Hamburg. Ich finde, jetzt im Nachhinein, dass sich der Aufwand absolut gelohnt hat, etwas Großes und hoffentlich (lange) Bleibendes ist entstanden, und wie so oft in der Geschichte, war dies nicht ohne Ungerechtigkeiten (beispielsweise weil in Hamburg wahrscheinlich andere wichtige zu finanzierende Projekte spät oder gar nicht realisiert wurden) und Ausbeutung möglich. Es wäre schön, wenn es diese Opfer nicht gekostet hätte, aber wäre dies machbar gewesen??

Nun jedenfalls ist sie da, unsere Elphi, und für mich waren es große und feierliche Momente, sie kennen zu lernen. Hier einige Impressionen (bitte verzeiht mir die schlechten Aufnahmen, die ich mit meinem Handy gemacht habe, ich hoffe, Ihr bekommt dennoch einen Eindruck vermittelt):

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Meine erste Annäherung (Blick von der Landseite)

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Auf der Plaza, dem öffentlich zugänglichen Bereich: Spiegelungen, schräge Säulen und gewelltes Glas

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Die Spiegelungseffekte und ein großartiger Blick über den Hamburger Hafen vom Außenbereich der Plaza aus

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Der kleine Saal der Elphilharmonie ist sehr flexibel gestaltbar: Zuschauertribüne und Bühne können komplett verschwinden, so dass man auch einen Ballsaal daraus machen kann – toll!

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Die Holzvertäfelung mit der kunstvoll gestalteten, unebenen Oberfläche soll die Akustik optimieren.

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Alles, alles voll toll: Sogar der Boden im Klo!

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Die große Elphi; hinter den Stäben verbirgt sich die Orgel

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Blick von den billigen Plätzen: Aug in Auge mit dem Dirigenten, und die Akustik ist super!

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Die berühmte „weiße Haut“: Jede dieser Platten ist individuell gestaltet und soll (zusammen mit anderen Elementen) für die gute Akustik sorgen.

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Die Orgelpfeifen

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Foyer und Treppenhaus: abwechselnd fühlt man sich geborgen wie in einem Schiffsbauch oder als Teil eines riesengroßen, dreidimonsionalen Kunstwerkes. Einfach toll!

Zwei Kritikpunkte habe ich aber doch: Sollte frau aufs Klo gehen wollen (Männer haben ja eine größere Blase oder wasweißich), sollte sie das im Foyer tun. Dort gibt es nämlich eine Toilette mit ca. 6 Klos. Bei den Zuschauerrängen sind nur 2 Klos, dafür aber riesenlange Schlangen davor, das nervt…

Was das Kartenbesorgen angeht, muss auch unbedingt noch was passieren. Die Karten sind insgesamt eigentlich nicht überteuert, aber nur, wenn man das Glück hat, am ersten Tag des Vorverkaufs eine Karte direkt von der Elphi (oder den VVK-Stellen) zu bekommen… Schon sehr schnell sind die Karten ausverkauft und finden sich umgehend bei Ebay zum Verkauf wieder, natürlich für das Doppelte und mehr… Das ist schlecht, und ich hoffe, die Verwaltung lässt sich schnell etwas einfallen, dies zu stoppen.

Doch sonst… ich freue mich über den Bau!!

Dies ist übrigens der 700. Blogbeitrag (seit Januar 2007). Und darauf bin ich ganz schön stolz!

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Diese Ausstellung zu besuchen, war für mich eine Selbstverständlichkeit – und so habe ich es denn zwar nur knapp, aber dennoch ins sehr geschätzte Bucerius Kunstforum geschafft…

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Collage von der Website des Bucerius Kunstforums http://www.buceriuskunstforum.de

Aber wie das so ist, wenn man von etwas viel erwartet, dann ist die Enttäuschung nicht weit. Warum sind meine Erwartungen nur teilweise erfüllt worden? Es ist der Blick auf diese für mich ganz besondere Stadt, die hier durch das künstlerische Auge gefiltert wurde. Sehr viele – grandiose – Gemälde sind gezeigt worden, die aber im Grunde genommen den Mythos der Stadt selbst mit voran getrieben haben, den Mythos von Vergänglichkeit, der Schönheit des Morbiden, dem verwegenen Tanz Aug in Auge mit dem Vergangenen, mit dem Tod, aus dessen Blickwinkel das ausschweifende Leben seine Berechtigung erhält.

So gab es viele – tolle – Gemälde aus dem 17. Und 18. Jahrhundert zu  sehen, sogenannte „Veduten“, was Stadtansichten sind, und wenn es auch faszinierend ist, sich diese Malerei  genau anzuschauen, so bestätigt sie doch den Blick auf die Stadt als touristisches Ziel. Diese Stadt scheint schon immer alt gewesen zu sein, und das Schäbige an ihr – das ich doch auch so liebe – ist ganz offensichtlich kein neueres  Phänomen. Der Ausblick in die Gegenwartskunst war, wie ich fand,  vergleichsweise etwas dünne, erst recht, wenn man bedenkt, dass in Venedig selbst regelmäßig die Biennale mit toller Gegenwartskunst stattfindet (au man, das möchte ich auch irgendwann mal sehen).

Ja, sie hat mir gefallen, die Ausstellung, auf jeden Fall! Und doch bleibt die Stadt verborgen hinter ihrem Mythos. Ein kritischer Blick fehlt, der aber wenigstens in einem kurzen Film anklingt, wenn eine Fremdenführerin sagt, dass sie zwar nichts Falsches über Venedig erzählt, aber die Wahrheit von den Touristen ohnehin nicht gehört werden will, oder wenn der deprimierte Bausachverständige Venedigs Verfall an allen Ecken und Enden sieht, jedoch einem potentiellen Käufer den tatsächlichen Fakt des Zustandes der Gemäuer nicht offenbaren darf. Wunderschönes Bild in dem Film, wie zwei alte Venezianerinnen in einem alten, malerischen Torbogen miteinander sprechen, während sich im Hintergrund ein gigantisches Kreuzfahrtschiff seinen Weg bahnt. Venedig wird voraussichtlich 2030 schon nicht mehr bewohnbar sein, heißt es in dem Film. Und wir? Glotzen auf Veduten. Ohje…