Archiv für die Kategorie ‘Gedanken’

Dieser Filmklassiker wird zu Recht hoch gelobt! Sowohl in Hinsicht der schauspielerischen Glanzleistung als auch des Drehbuchs mit einem der aufregendsten Wendungen der Filmgeschichte ist dieser Film einer der eindrucksvollsten Hollywoodproduktionen.

Filmszene aus „Die üblichen Verdächtigen“ mit Benicio Del Toro, Stephen Baldwin,  Kevin Pollak, Gabriel Byrne, Kevin Spacey; Quelle: Filmstarts.de

Dreh- und Angelpunkt des Films ist das Verhör des erbärmlich wirkenden Kriminellen Verbal Kint (Kevin Spacey), der an einem Schiffsunglück im Hafen beteiligt war. Angeblich sollten Drogen an Bord sein, doch werden keine gefunden, trotz eindeutiger Hinweise aus dem einschlägigen Millieu. Statt dessen sind durch einen Brand nicht nur unschuldige Mitglieder der Besatzung ums Leben gekommen, sondern auch einige der „üblichen Verdächtigen“, die an dem angeblichen Drogengeschäft beteiligt gewesen sein sollen.

Verbal Klint erzählt, was in Rückblenden dann gezeigt wird: wie sich die Kriminellen durch ein Polizeiverhör in der Untersuchungshaft zusammen finden, wie sie erst ein Ding gemeinsam drehen, und dann ein weiteres, das im Auftrag eines unbekannten, zum Mythos verklärten Gangsterboss, dem geheimnisvollen Keyser Soza, durchgeführt werden soll. Aber wer ist Keyser Soza? Die Frage nimmt immer mehr Raum ein…

Es ist ein spannender Gangsterfilm in eigentlich klassischem Stil, gedreht mit wirklich tollen Schauspielern – doch was den Film letztendlich zum Klassiker werden ließ, war das Drehbuch von Christopher McQuarrie, und seine Arbeit wurde 1996 mit einem Oscar ausgezeichnet. Zu Recht!

Tja, und nun sehe ich mich einem Film gegenüber, in dem Kevin Spacey mitspielt, und das auch noch wieder mal großartig… Es macht mir in diesen Tagen natürlich gemischte Gefühle wegen der sexuellen Übergriffe, denen er bezichtigt wird. Schmälert das seine Leistung? Eigentlich nicht. Dennoch kann ich verstehen, dass er aus dem Film „Alles Geld der Welt“ (der demnächst in die deutschen Kinos kommt) herausgeschnitten wurde, wohl auch sehr erfolgreich, wie die Kritiken schreiben. Eine Meinung, ob Kevin Spacey oder Dieter Wedel oder all die anderen, denen solcherlei Untaten zugeschrieben wurden (s. die #meetoo-Debatte), ein Berufsverbot zu Recht erteilt wird, habe ich nicht. Dass die Vorwürfe aber ernst genommen werden müssen, steht natürlich außer Frage. Und auch, dass der gesellschaftliche Druck riesig ist, ist meiner Meinung nach nicht verkehrt, so lange die Vorwürfe jedenfalls berechtigt sind. Es ist auch gut, dass die Menschen sensibiliert werden, vor allem diejenigen Männer, die bislang Machtmissbrauch betrieben haben. Sexismus ist wirklich ein großes Thema, und ich denke, dass es kaum eine Frau gibt, die nicht schon mal fehlende Wertschätzung erfahren hat und auf ihr Geschlecht reduziert wurde (abgesehen von sexuellen Übergriffen). Insofern ist es eine hilfreiche Debatte, die uns hoffentlich der Gleichstellung der Frau wieder ein Stück näher bringt. Und ich will nur hoffen, dass nicht auch Frauen mit Machtmissbrauch reagieren und Lügen verbreiten…. In Anbetracht von Wut zwar menschlich, aber gebilligt werden kann sicher auch das nicht.

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jugendohneKürzlich hatte ich ja die neue Verfilmung dieses Buches gesehen, und nun war ich doch neugierig, inwieweit das Filmdrehbuch dem Original gefolgt ist.

Der Lehrer – namenlos wie alle Gestalten in diesem Buch, wenn auch der eine oder andere einen charakterisierenden Spitznamen erhalten hat – beklagt sich über die stetig abnehmende Empathie, die unter den Schülern herrscht, seitdem die politischen Machtverhältnisse sich verschieben (man steht kurz vor Hitlers Machtergreifung) . Seine Versuche, diesen Tendenzen entgegen zu wirken, werden nicht nur von den Schülern, sondern  auch von den Eltern abgelehnt. Beim Besuch der Klasse eines Ferienlagers lernt  der Schüler Z ein Mädchen kennen, mit der er sich nachts heimlich trifft. Doch nicht nur der Lehrer beobachtet dies. Er ist es aber, der Zs Tagebuch heimlich liest. Durch diese Tat, die später entdeckt wird, spitzt sich die Stimmung im Lager zu, und als Schüler N tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht zunächst auf Z, der ihn verdächtigt hat, sein Tagebuch gelesen zu haben. Ausgerechnet der Lehrer ist es, der durch seine überraschende Aussage vor Gericht, er hätte die Schatulle geknackt, in der das Tagebuch lag und dieses gelesen,  die Wahrheitsfindung entscheidend voranbringt…

Für mich war es ein deutliches Plädoyer für Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten, und dass es lohnenswert ist, Charakterstärke zu zeigen und den unmenschlichen Einflüssen der aufkommenden politischen Strömungen entgegenzuwirken. Allerdings zahlt der Lehrer am Ende einen hohen Preis dafür, und man kann den Ausgang des Romans wohl kaum als siegreich bezeichnen.

Dieses Buch, so fürchte ich, wird auch nach den historischen Ereignissen, auf die von Horváth Bezug genommen hat, seine Aktualität niemals ganz verlieren. Denn dort, wo politische (oder wirtschaftliche) Belange über die der allgemeinmenschlichen gestellt werden, greift seine Kritik noch immer. Da muss man (auch wenn man es gut kann, wie die Verfilmung unlängst zeigte) gar nicht unbedingt durch den Entwurf einer düsteren Zukunftswelt schwarz malen, das ist jetzt noch alles schlimm genug. Leider.

baselitz1Diese kleine und wie immer in diesem Hause feine Ausstellung widmet sich ganz dem druckgrafischen Werk dieses einstmals rebellischen Künstlers. Georg Baselitz bediente sich ja bekanntermaßen mit einem Trick, um die Sehgewohnheiten des Publikums zu brechen und so neue Aspekte entdecken zu lassen: Er drehte die Motive teilweise einfach auf den Kopf. Interessanterweise ist es dann wirklich nicht mehr ganz einfach, sich auf dem Bild zurechtzufinden, denn das Auge sucht nach Anhaltspunkten und findet sie schließlich mit dem auf den Kopf gestellten Motiv. Und dennoch verändert sich die Sicht dadurch: Einiges zu erfassen wird schwierig zugunsten anderer Feinheiten, die sonst vielleicht nicht wahrgenommen worden wären.

Die riesigen Holz- und Linolschnitte leben jedoch auch von ihrer Monumentalität. Teilweise sind die Bilder mindestens 1,50 m breit und vielleicht 2 m hoch. Auch das macht, neben der zum Teil rein verarbeiteten Farben, einen großen Reiz aus.
Was mir sehr gefallen hat, waren die persönlichen, ja privaten Stellungnahmen. Ganz eigene Positionen fand Baselitz, beispielsweise in einer Bilderreihe, in der er sich selbst als alternden Mann darstellt.

Auch haben mich die ungewöhnlichen Perspektiven beeindruckt, wie bei dem Bild „Spaziergang“. Am schönsten fand ich jedoch die Reihe „Sing Sang BDM“, in der sich bei dieser feinen Strichätzung menschliche Körper auf dem Papier abzeichnen.

 

Dennoch, bei allem muss ich zugeben, dass ich zunächst keinen Zugang zu Baselitz‘ Werk gefunden habe. Ein „Aha“- oder „Oh“-Erlebnis hatte ich bei dieser Ausstellung nicht wirklich. Jetzt aber, mit Abstand – denn leider – oder vielleicht ja auch gücklicherweise – habe ich es schon wieder nicht zeitnah geschafft, über meinen Besuch zu schreiben – gefallen mir die Bilder besser und besser. Interessant, dass sich mein Eindruck nun nochmal geändert hat. Bloggen ist eben eine wirklich gute Möglichkeit, die Dinge erneut Revue passieren zu lassen und nochmal die eigene Meinung zu überdenken.

liebhaberohnefestenwohnsitzDas Hörbuch hatte ich meinem Schatz geschenkt, vor gar nicht allzu langer Zeit, aber doch lang genug her, als dass er es noch mit Genuss hören konnte. Das Buch hatte ich ja selbst schon vor einiger Zeit gelesen, nun war ich neugierig, was er damals so sehr an Sophie Rois‘ Einlesung genossen hatte.

Die Geschichte war auch beim zweiten Mal spannend und auf eine angenehme Weise phantastisch sowie originell (und diesmal hatte ich eigentlich gar nichts mehr an der Geschichte auszusetzen, was etwas anders beim ersten Lesen war, s. meinen Blogbeitrag von damals), und Sophie Rois hat sie wirklich sehr pointiert gelesen.
Der Hauptprotagonist hatte die Angewohnheit, auf so manche Frage statt verbal zu antworten, einen gewissen Laut auszustoßen, eine Art hörbaren Seufzers, beredter vielleicht als viele Worte, wenngleich vielsagend unverbindlich, aber doch deutlich seinem Gefühl Ausdruck verleihend, auf diese Frage vielleicht gar nicht aufgrund seiner geheimnisvollen Herkunft und Geschichte antworten zu können – oder zu dürfen. Von Sophie Rois‘ Umsetzung dieses Lautes hat mir mein Schatz vorgeschwärmt. Und es stimmt: Dieser Seufzer ist ihr großartig gelungen.

Dieses Buch macht zudem einmal mehr Lust, die wunderbare Stadt Venedig zu besuchen, denn dort spielt der Roman. Ich jedenfalls habe große Lust bekommen, dort wieder einmal hinzufahren, jedoch kann ich mir kaum vorstellen, dass ich noch einmal dort hinfahre. Es ist vielleicht der einzige Ort auf der Erde, der mir aufgrund der Umstände versagt ist, erneut zu besuchen.

Es hat mir dennoch große Freude gemacht, das Buch ein zweites Mal zu genießen, und da ich ja nach Kassel und Münster unterwegs mit Bahn und Bus war, hatte ich auch genügend Muße, es zu hören. Empfehlenswert!

Besuch der Documenta 14

Veröffentlicht: 9. September 2017 in Ausstellungen, Gedanken, Kultur, Kunst

Ich maße mir nicht an, dass ich in den 1 ½ Tagen in Kassel wirklich einen Überblick über die gesamte Documenta bekommen habe, zumal ich bei weitem nicht alle Ausstellungsorte besucht habe. Es ist bei einer Auswahl geblieben, mehr oder weniger willkürlich. Da uns schon vorher klar war, das wir nicht alles „schaffen“ werden, haben wir uns das auch gar nicht vorgenommen, sondern wir versuchten, den kleinen Ausschnitt auf uns in Ruhe wirken zu lassen und zu genießen.

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Der Parthenon der Bücher

Unser Rundgang begann klassischerweise am Friedrichsplatz, wo die argentinische Künstlerin Marta Minujín den Parthenon aus Athen nachbauen ließ und den „Parthenon der Bücher“ aufbaute, indem sie an Metallgestellen lauter Bücher festband, die irgendwo auf der Welt schon mal verboten waren. Um die Bücher zu schützen, hat sie sie mit Plastik umwickeln lassen. Und um den Parthenon wirklich voll zu machen, waren Mehrfachhängungen unumgänglich. Vom nahen betrachtet ergab sich für mich kein besonders beeindruckendes Bild. Die Materialien wirkten billig, und die Auswahl finde ich persönlich zu willkürlich, da findest Du Bücher von Solschenizyn neben Brecht, aber da findest Du auch Bücher von Goethe und jede Menge Harry Potter. Mir schien das zu willkürlich; kann man vielleicht sagen, dass sehr, sehr viele Bücher aus den verschiedensten Gründen irgendwo auf der Welt mal verboten waren? In der Abendsonne ergab sich später dann doch noch ein einigermaßen ästhetischer Anblick, was mich ein wenig versöhnte. Aus welchen Gründen auch immer, habe ich den Anblick bei Dunkelheit – durch eine spezielle Beleuchtung sollte das dann sehr schön aussehen – verpasst.

In den Karlsauen war diesmal nicht viel zu sehen. Die „Blutmühle“, ein großes Holzkonstrukt, in das einstmals Sklaven festgebunden wurden, die durch ein ständiges Im-Kreis-Laufen dafür sorgten, dass Münzen geprägt wurden, war nicht in Bewegung, und der schmale Streifen, in dem der Künstler Lois Weinberger verschiedene Wildpflanzen sich ansiedeln lässt, musste vermutlich noch erst in Gang kommen, aber die Fragestellung ist interessant: Wem gehört die Erde, auf der sich die Pflanzen ansiedeln, auch wenn sie von weit her kommen…?

Und das ist sicherlich ein Schwerpunkt, ein Thema, das von vielen Künstlern auf dieser Mammutveranstaltung aufgegriffen wurde: Was bedeutet Identität, was ist Heimat, was ist die Fremde? So gab es viele Installationen, die sich auch mit der Frage beschäftigten, was es bedeutet, dass viele Urvölker durch die Globalisierung oder durch den Eingriff des Staates ihre Kultur und Tradition verlieren. Nachdenklich gemacht hat mich das Werk von Susan Hiller („Lost and Found“): Hier wurden in einem dunklen Raum Tonspulen von Sprachen abgespielt, die vom Aussterben bedroht sind (oder mittlerweile ausgestorben sind), dazu gab es eine Aufzeichnung ihrer Schallwellen. Es macht mich traurig, zu erfahren, wie viel an Kultur anderer Völker einfach verschwindet…

Abgesehen von der sehr interessanten Dauerausstellung des Museums für Nekromantik gab es auch dort interessante Exponate. Das Künstlerduo Prinz Gholam beispielsweise stellt in seinen Videos Posen alter griechischer Statuen nach, was sich auf einem Friedhof, am Rande eines Amphitheaters oder vor einem Säulenarrangement merkwürdig ausnimmt, zumal die beiden Alltagskleidung tragen. Besonders spannend fand ich eine Fotoreihe von Thomas Dick mit Bildern australischer Ureinwohner, die beim Fischen und Jagen gezeigt wurden. Es sind Szenen, die man heute in dieser Form ganz sicher nicht mehr sehen kann…

Foto von Thomas Dick

Viele Exponate in der Documentahalle greifen dieses Thema wieder auf: Da gibt es gleich zwei Räume, die Fotos, Dokumente, Kleidungsstücke und Musikinstrumente des Musikers Ali Farka Touré aus Mali zeigen. Was ich davon mitnehme, ist der Stolz auf sein Heimatland, seine Identifizierung mit Mali als Ausgangspunkt seiner Kreativität. Allerdings ist Touré hier nicht der Künstler, sondern Ingo Diarra, der meiner Meinung nach genau dies zeigen wollte. Berührend fand ich auch den hinteren Teil der Documentahalle, mit Werken des afrkanischen Künstlers El Hadji Sy, der mit den Füßen seine Bilder auf grobes Sackleinen malte und zum Teil Seile als zusätzliches Gestaltungselement hinzunahm. Dazu wurde leise afrikanische Musik gespielt, und so entstand eine besondere Stimmung.

Ausschnitt aus einem Stickwerk von Britta Marakatt-Labba

Mit großem Interesse habe ich die vielleicht 15 Meter lange Stickerei der Samin Britta Marakatt-Labba angeschaut, die auf ihrem Exponat von dem Leben hoch oben in Lappland erzählt (und tatsächlich befinde ich mich, während ich diesen Text geschrieben habe, in Lappland, aber das nur nebenbei). Die Samen leben im hohen Norden, in Lappland über Norwegen, Schweden, Finnland und Russland verteilt und in jedem der Länder bilden sie eine Minderheit, die sich durch die Staatenteilung nur schlecht zusammenschließen kann, um für ihre Rechte und Lebensweise einzutreten. Diese einzige Urbevölkerung Europas hat also kaum ein Organ, um gehört zu werden. Und da sie in einem Gebiet lebt, das voller Bodenschätze steckt, lässt sich leicht ausmalen, was mit dieser Kultur in Zukunft zu geschehen droht…

Wie ein riesig großes Mobile hängen in verschiedenen Blautönen Stoffe von der Decke – dies ist die Demonstration von Ergebnissen aus alten Färbetechniken, für die der Künstler Aboubakar Fofane einsteht. Auch hier ist eine Stück Kultur vom Aussterben bedroht, denn das industrielle Einfärben von Stoffen ist natürlich effektiver… Es sind übrigens ganz besonders schöne Blautöne, und viele verschiedene…

Das Friedericianum ist auf dieser Documenta der Ort für einen Museumstausch: Zu Gast ist das Athener Museum für Gegenwartskunst, das mit beeindruckenden Kunstwerken aufwartet, in denen häufig auf die Kultur der griechischen Antike zurückgegriffen wird: Teilweise auf Mythen, teilweise aber auch auf die Philosophie oder Politik. In einer Videoinstallation wurden Stellungnahmen zu der Frage, was Demokratie sei, aus verschiedensten Ländern zusammengestellt. Die Künstlerin Janine Antoni geht ganz anders vor: Sie hat nächtelang ihre Augenbewegungen während des Schlafens aufgezeichnet und das entstandene Muster in einen riesenlangen Teppich verwebt. Da muss einiges passiert sein, in ihren Träumen! Und wer sagt, dass nicht auch Odysseus seine Abenteuer nur (oder wenigenstens) geträumt habe?

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Webteppich von Marielou Schultz

Die Abstecher in die Neue Galerie und in die Neue neue Galerie waren ebenfalls sehr lohnenswert. In der neuen Galerie geht es im Untergeschoss auch nochmal um die Wurzeln, die Identität, beispielsweise, wenn die alte Webkunst irgendwo in Südamerika verloren gegangen ist, weil eine Fabrik für Mikrochips die Arbeiterinnen angeworben hatte. Nun sehen wir hier wunderbar handgewebte Teppiche, die aber nicht die alten Muster zeigen, sondern vielmehr riesengroße Muster der Mikrochips. Die afrikanische Künstlerin Otobong Nkanga hat Seife hergestellt, die neben ausgewählten Ölen auch einen beträchtlichen Anteil an Kohle beinhaltet, was sie schwarz macht – ein vielschichtiges Werk, da es auf die Ausbeutung der Menschen im Kohlebergbau hinweist und die Frage, ob man sich mit dieser Seife wohl die Hände in Unschuld waschen könne?

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Auschnitt aus einem bearbeiteten Foto von Gauri Gill und Rajesh Vangad

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Ebenfalls von Gauri Gill und Rajesh Vangad

Ich habe hier längst nicht alle Ausstellungsorte angerissen und erst recht nicht alle Werke, das geht auch nicht. Aber es waren zwei tolle Tage auf der Documenta, schwer verdauliche Kost, wie eigentlich üblich, und mir scheint, dass die Exponate in eine bestimmte Richtig zielten, nämlich in die nach der Frage der Identität, dem Anderssein und -denken, und nach der Frage, was es bedeuten wird, wenn die Vielfalt von Kulturen immer mehr und für immer verloren geht.

2 Filme über die NS-Zeit

Veröffentlicht: 10. Juli 2017 in Filme, Gedanken, Kultur

Da mein Sohn gerade Nationalsozialismus in der Schule durchnimmt, muss ihn seine bildungsbürgerliche Mutter natürlich auch mit dem ein- oder anderen Film konfrontieren, der sich mit dieser Zeit auseinander setzt. Zum Glück interessiert es ihn auch.

„Mephisto“ – Film von Istvan Szabo (1981)

Der Schauspieler Hendrick Höfgen (beeindruckend verkörpert von Klaus-Maria Brandauer) will Karriere machen – „auf Teufel komm raus“. Und das ist sicherlich wörtlich zu nehmen…
Die Geschichte setzt  zur Zeit des aufziehenden Nationalsozialismus ein. Während Hendrik alles daran setzt, ein Theater für die Massen zu entwickeln, verlassen um ihn herum seine SchauspielerkollegInnen Deutschland. Nur er behält seine eigene Karriere im Fokus und bleibt, auch als Hitler zum Reichskanzler ernannt wird und sogar Hendriks großbürgerliche Ehefrau das Weite sucht. Mehr und mehr verkauft er sich – und seine künstlerischen Ideen – an den Nationalsozialismus, der ihm im Gegenzug zu seiner Karriere verhilft. Doch der Preis ist hoch: Am Ende verliert er sämtliche Macht und wird zum Spielball des Regimes.
Wie geschickt ist die berühmte Rolle in diesen Film verwoben, zusammen mit der beeindruckenden Maske, die einer legendären Faust-Inszenierung entliehen wurde, in der damals Grustaf Gründgens Mephisto verkörperte. Und Grustaf Gründgens war auch Vorbild für Klaus Mann, dem Verfasser des gleichnamigen Romans, welches die Grundlage des Drehbuchs bildete. Mephisto ist hier Verführer und der Verführte zugleich, und der Schauspieler wird Opfer seiner eigenen Rolle…

Einmal mehr wird gezeigt, wie ohnmächtig der einzelne Mensch in der nationalsozialistischen Zeit war, und wie verheerend sich das Mittragen des Regimes für die eigene Persönlichkeit auswirkte. Ein sehenswerter, ein zeitloser Film ist das, finde ich.

„Die weiße Rose“ – Film von Michael Verhoeven (1982)

Diesen Film hatte ich nie gesehen, und so sah ich den Moment gekommen, die Lücke zu schließen. Er handelt von der Untergrundbewegung, die in Studentenkreisen 1942 entstand und versuchte, dem nationalsozialistischen Regime etwas entgegenzusetzen. Es wurden vor allem Flugblätter gedruckt und an Intellektuelle verschickt sowie hauptsächlich an der Münchener Universität ausgelegt. Innerhalb kurzer Zeit gelang doch immerhin eine Vernetzung zu anderen Städten Deutschlands, doch schon beim Verteilen des sechsten Flugblattes wurden die Geschwister Hans und Sophie Scholl erwischt. Sie wurden im Februar 1943 hingerichtet, weitere Todesurtele an Beteiligte wurden im Juli 1943 vollstreckt.

Die weisse Rose

Lena Stolze und Wulf Kessler als Sophie und Hans Scholl in „Die weiße Rose“; Quelle: Filmstarts.de

Der Film erzählt einigermaßen nüchtern und chronologisch die Vorgänge und reißt auch die Diskussionen innerhalb der Gruppe über Formulierungen und politische Richtungen an. Einig war sich die Gruppe im Grunde genommen überhaupt nicht, nur in dem Einen, wie wichtig es ist, den mittlerweile aussichtslosen Krieg möglichst schnell zu beenden und Hitler abzusetzen.Wie mutig sind diese jungen Menschen gewesen, und wie großer Gefahr haben sie sich ausgesetzt, einfach aus dem Grunde, dass sie die Vorgänge in Deutschland nicht ertragen konnten! Und so zeigt dieser Film, wie schwer es war, politisch Rückgrad zu bewahren und sich gegen den Nationalsozialismus zu stellen.

Mich überwältigt jedes Mal der Gedanke, wie es die Nationalsozialisten schafften, nicht nur an den Fronten zu kämpfen, sondern auch in der selben Zeit die Ermordung so vieler Juden voranzutreiben und dazu noch so schnell auf Gegenstimmen innerhalb der Bevölkerung reagieren zu können. Es ist so grässlich. Und so wichtig, das niemals zu vergessen.

 

Konzerte und Gärten

Veröffentlicht: 25. Juni 2017 in Gedanken, Kultur, Kunst, Musik, Reisen

Was hat denn nun das miteinander zu tun? Vielleicht Musik im Garten? Nein, nein. Nur einfach, dass ich hier einmal etwas vorankommen will, und nun verbinde ich zwei kulturelle Themen, die mir beide sehr am Herzen liegen.

Das Hagen Quartett spielte am 29.3. in der kleinen Elphi
Ludwig van Beethoven: Streichquartett G-Dur op. 18/2
Bela Bartok: Streichquartett 3 Sz 85
Johannes Brahms: Streichquartett a-Moll op. 51/2

Und am 26.4. besuchte ich die Aufführung des Apollon Musaète Quartett in der kleinen Elphi, und gespielt haben sie
Crisantemi von Giacomo Puccini
Streichquartett a-Moll op. 35a von Anton Arensky
Andante festivo von Jean Sibelius
Streichquartett g-Moll op 27 von Edvard Grieg

Und nun soll ich nach so langer Zeit etwas über diese Konzerte schreiben und kann es gar nicht… Für mich ist Musik noch immer die flüchtigste aller Künste, zu der ich vermutlich auch den Zugang am schwierigsten finde. Deshalb fällt es mir auch sehr schwer, jetzt noch etwas darüber zu schreiben. An die Töne kann ich mich auch nicht mehr erinnern, und das Konzert am 29. März hat sich ohnehin sehr schnell verflüchtigt. Nur eines hat sich wieder gezeigt: Die modernen Streichquartette liebe ich mehr als die alten. Sie machen etwas in meinem Kopf, stoßen Gedanken an, lassen Assoziationen entstehen, tun mir gut, berühren mich. Das ganz andere System, mit dem ich mein Gehör, meinen Kopf in Berührung bringe, erfasst mich auf eine Weise, die in meinem Alltag sonst nicht vorkommt. Es erweitert meinen Horizont auf eine Art, die mir zu beschreiben kaum möglich ist.
Die Stücke der Komponisten aus dem 19. Jahrhundert haben bei mir diese Wirkung in nicht ganz so ausgeprägter Weise, jedenfalls nicht an jenem Abend. Sicherlich ist es auch immer stimmungsabhängig.

Besser erinnere ich das Konzert im April. Die gespielte Musik hatte fast durchgängig einen traurigen Grundtonus, vielleicht bis auf das Stück von Grieg, in das er, laut Programmheft, seine persönliches Liebestragödie  zum Thema machte. Es ist ein temperamentvolles Stück. Am meisten hatte mich an diesem Abend jedoch Puccinis Streichquartett beeindruckt, in der die Trauer so greifbar wurde.

Aber insgesamt muss ich meine Konzertimpressionen besser  unmittelbar nach den Konzertbesuchen  beschreiben – sonst ist wirklich alles weg!

Keukenhof  in Holland

Leichtere Kost ist dann doch ein Besuch in einem Garten zur Tulpenzeit, in der ich mich ja, wie bereits beschrieben, im schönen Noordwijk in Holland aufgehalten habe. Der Keukenhof liegt dort gleich um die Ecke, und so haben wir uns auf den Weg gemacht, die Tulpen zu entdecken. Der Keukenhof  hat wohl nur zur Tulpensaison geöffnet und stellt die neuen Tulpenzüchtungen vor. Und das sind schon ganz schön dolle Dinger.

 

Der Japanische Garten im Botanischen Garten im Hamburg

Aber um tolle Gartenerlebnisse zu finden, muss man nicht unbedingt weit weg fahren. Vor der eigenen Haustür liegen ebenfalls Paradiese, auch wenn sie klein sind. Nicht satt sehen kann ich mich an den leuchtenden Farben der Azaleen, wenn sie so schön blühen in dem japanischen Gartenstück in Hamburg-Klein Flottbek. Es hat uns entrückt in eine exotische, prachtvolle Welt, in der wir ganz schnell für einen Besuch lang alles andere vergessen konnten. Seht einfach selbst, wie schön er ist. Unser Besuch fand am 20. Mai statt. Und der nächste Mai kommt bestimmt!!!