Archiv für die Kategorie ‘Kinderkultur’

Ein Mann, der 23 verschiedenen Persönlichkeiten besitzt, und in der sich gerade eine 24. – extrem bedrohliche – Persönlichkeit einen Weg bahnt: Das schien doch mal ein interessanter Thriller zu sein. Und vielleicht mag das ein Widerspruch sein, wenn ich mich doch gerade darüber beklagt habe, dass so mancher Film eine Story zum Thema hat, die mich einerseits berühren, andererseits unterhalten soll (was mich stört), und ich nun in einen handfesten Psychothriller mit phantastischen Ausmaßen gehe – und das mit Genuss – aber auch mir gefällt es manchmal, mich in den Kinosessel zurückzulehnen und fesseln zu lassen…

Und es hat sich auch gelohnt, den Film zu schauen! James McAvoy spielt die Figur mit der multiplen Persönlichkeit und wechselt sehr gekonnt von einer Persönlichkeit zur anderen, und alle überzeugen absolut. Der Kampf, den die Figur mit sich selbst ausficht, weswegen er des öfteren spontan seine Psychotherapeutin aufsucht, nachdem ihr jede seiner Persönlichkeiten einen Hilferuf per Mail geschickt hat, ist ebenfalls überzeugend gespielt. Doch ist die Katastrophe nicht aufzuhalten: Die drei Mädchen, die er eingesperrt hält, um sie für die 24. Persönlichkeit, „die Bestie“, bereit zu halten, versuchen aus dem unterirdischen Labyrinth zu entkommen, ein Kampf um Leben und Tod nimmt dramatische Ausmaße an…

117664

Filmszene aus „Split“ mit James McAvoy; Bldquelle: Filmstarts.de

Es ist ein raffinierter Film, der mit einem Wechselspiel der Gefühle aufwartet und einen mitreißt in die tiefsten seelischen Abgründe – und die zum Glück einen Touch von fantastischer Entwicklung bekommen. Sonst hätte ich den Film vermutlich auch schon wieder nicht ertragen.

Als meine Freundin mir sagte, dass James McAvoy auch in „Abbitte“ – einem meiner Lieblingsfilme – mitgespielt hat, wollte ich das erst nicht glauben. Kurz nach dem Kinoabend habe ich mir dann nochmal „Abbitte“ (mein Beitrag hier) angeschaut – tatsächlich! Es ist ein extrem wandlngsfähiger Schauspieler, auf dessen schauspielerische Leistung man auch weiterhin gespannt sein darf. Beispielsweise in einem zweiten Teil von „Split“, denn der wurde bereits in diesem Film angedeutet…

Advertisements

Als alter Harry-Potter-Fan lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, mir jedes Fitzelchen von dieser Geschichte reinzuziehen. Egal, was es ist… Und also war klar, dass auch das neue Theaterstück irgendwann mein Nachttischchen beehren würde.

Was soll ich sagen… Es hat riesig Spaß gemacht, alte (und gealterte) Bekannte wiederzutreffen, von Zaubersprüchen zu lesen, die längst Einzug ins Langzeitgedächtnis genommen haben, einfach nochmal in dem reichen Fundus zu schwelgen, den uns Joanne K. Rowling mit ihrem komplexen Romanwerk hinterlassen hat. Ich hatte auch gar nicht erst die Erwartung, dass das Theaterstück, das ja noch noch nicht einmal aus Joanne K. Rowlings Feder stammt (auch wenn sie es in ihre Obhut genommen hat), die Romane übertreffen könnte. Aber hätte ich sie gehabt, wäre sie absolut enttäuscht worden.

Nach diesen Abstrichen hat dieses Puzzle aus dem Siebenteiler „Harry Potter“ aber durchaus Spaß gemacht. Dreh- und Angelpunkt ist das trimagische Turnier, das Thema das vierten Buches ist – und das ich immer als besonders unheimlich empfand. Besonders tragisch war der Tod von Cedric Diggory, der ja tatsächlich mehr oder weniger zufällig sein Leben verloren hat. Hier knüpft die Geschichte an mit der durchaus philospophischen Frage, ob eine Veränderung der Vergangenheit möglich ist. Für Zauberer, die im Besitz eines Zeitumkehrers sind – einem höchst gefährlichen und umstrittenen Accessoires – wäre dies machbar – jedoch mit welchen Konsequenzen…

Im Mittelpunkt steht Albus Severus Potter, der mittlere Sohn der drei Kinder von Harry und Ginny Potter, der als einziger dem Hause Slytherin zugeordnet wurde, was eines seiner von ihm empfundenen Makel darstellt. Doch im Sohn von Draco Malfoy, Scorpius, findet er einen verlässlichen Freund, eine Tatsache, die die Eltern nur schwer akzeptieren können, waren doch die jeweiligen Väter zu Schulzeiten verfeindet. Aber das ist 19 Jahre und länger her, Harrys Narbe schmerzte schon ewig nicht mehr, und über die Geschichte mit dem dunklen Lord ist Gras gewachsen. So jedefalls dachte man, bis… und hier setzt nun die spannende Geschichte des Theaterstückes ein, die sich auch wunderbar lesen lässt und ehrlich gesagt nach Verfilmung schreit… Wie man dies Stück auf die Bühne bringen kann, weiß ich nicht so recht, aber es hat ja schon einmal funktioniert (die Uraufführung war letztes Jahr in London). Hätte ich gern gesehen.

Ja, also, ich finde nicht, dass man das Theaterstück unbedingt lesen muss, und es zu lesen ohne die Romane zu kennen, würde auf jeden Fall deutlich weniger Spaß bringen. Aber den hatte ich auf jeden Fall!

Merken

konferenzDa mein Sohn dies Buch vor einiger Zeit in der Schule lesen musste und ich diesen Nachkriegsklassiker noch nicht kannte, habe ich mir das Buch einmal zu Gemüte geführt. Ein Kinderbuch, oder wie Kästner schrieb: „ein Buch für Kinder und Kenner“ – nun ja, das gilt es zu beachten…

Die Tiere sind mit dem Verhalten der Menschen nicht einverstanden und berufen eine Konferenz ein. Die Kinder seien schließlich die Leidtragenden von den politischen Entscheidungen, und sie können nichts dafür, dass Kriege geführt werden, müssen diese Katastrophen aber ausbaden. Das muss ein Ende haben!

Die Tiere versuchen auf der Konferenz Beschlüsse zu fassen, die die Politiker zum Umdenken bringen, aber dies gelingt nicht im ersten Versuch und schließlich erst durch ein recht radikales Verfahren. Tja, es gelingt… schön wär’s…

Das Buch ist in einem recht einfachen Stil gehalten. Die Tiere mit ihren Eigenheiten (Giraffe langer Hals, Löwe gewaltiges Fell usw.) erhalten zudem menschliche Eigenschaften, das soll wohl alles auch ganz lustig gemeint sein. Man merkt aber gleichzeitig auch, welche Wut in Kästner gewütet hat wegen des zweiten Weltkriegs, nur versuchte er diese in den Humor zu kanalisieren. Heraus kommt Nachkriegsliteratur, die trotz des ernsten Thema vergessen lassen will, welch schwere Zeiten nun endlich zurückliegen. Man möchte unterhalten werden.

Ich fand das alles eher verstörend als witzig, weil es doch sehr aufgesetzt wirkt, wie beschrieben wird, wie die Tiere zusammenfinden, wie sie im Hotel unterkommen, und wie die Konferenz verläuft. Es soll witzig sein, aber ich fand es nicht. Eher bemüht. Vielleicht ist das Buch aber auch eines, das von Kindern bis 8 Jahre anders rezipiert wird, das kann natürlich sein. Ich denke, es ist ein Buch, dessen Thema zwar leider zeitlos ist, aber in der Art doch im Kontext der Entstehungszeit (1949) betrachtet werden muss, um ihm gerecht zu werden.

978-3-401-50618-0Ich wollte noch ein wenig in dieser Zeit leben, von der ich neulich eine Ahnung in Florenz bekam. Meine Wahl fiel auf dieses Buch (und noch ein weiteres, das ich aber noch nicht durchgelesen habe). Und es hat mir tatsächlich einen Eindruck in das Leben des 15. Jahrhunderts vermittelt.

Der einfache aber ehrgeizige Sandro rettet Cosimo de Medici das Leben – und steht nun in dessen Schuld. Im Gegenzug fördert Cosimo de Medici den jungen und begabten Vollwaisen und führt ihn in die Geschäfts- und Bankenwelt ein. Sandro wäre vollkommen glücklich, wenn er auch mit seiner Liebsten, der Sklavin Tessa, zusammenleben könnte. Aber diese dient einer Familie, die zu den Feinden der Medici zählt….

Das war eine einigermaßen spannende Handlung, die Geschichte brauchte etwas, um Fahrt aufzunehmen. Rainer M. Schröder hat es aber ganz gut geschafft, mich in die Zeit der Renaissance zu versetzen. Ich fand vor allem interessant, von Cosimo de Medicis Strategien zu lesen, um sich beim Volk Freunde zu machen. Alles war Kalkül. Auch wurde geschildert, wie Cosimo es schaffte, aus den Geschäften seinen Vorteil zu ziehen – und auch von seiner unerbittlichen Härte war zu lesen, wenn jemand nicht parierte (dennoch wurde er zeitweise aus Florenz verbannt). Auch Sandro ist aus diesem Holz geschnitzt. Er ist sehr loyal gegenüber Cosimo, was ihm nicht nur Wertschätzung, sondern auch ganz konkrete Vorteile bringt.

Das fand ich alles mehr interessant als spannend. Obwohl es ein Jugendbuch ist, konnte ich es meinem Sohn höchstens halbherzig empfehlen, er hat es denn auch nicht gelesen.
Ob ich die Fortsetzungen noch lese, weiß ich grad nicht. Oh, ich habe noch solche Schätzchen in meinem Regal stehen, die dringend von mir gelesen werden wollen! Da muss die Fortstetzung erst einmal hinangestellt werden…

Ist es nun Zufall? Oder Absicht, dass ich auf diesen Winnetou-Trip im wahrsten Sinne des Wortes herumreite? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Die Handlung dieses Kinderfilms fand ich jedenfalls derart sympathisch, dass ich meiner Familie Lust darauf machen konnte: Der 10jährige Max ist in seinem Herzen ein echter Indianer, was man ihm ansonsten eher nicht ansieht: Mit seiner Brille, den blonden Haaren und der milchweißen Haut sowie seiner Moppeligkeit ist er statt dessen der klassische Anti-Held. Das Indianersein gibt ihm aber eine Stütze und Anleitung, wie er mit seinen Gefühlen umgehen kann, als sich seine Elten trennen. Als er in einem Ferienlager den vorpubertierenden Morten kennenlernt, schafft er es auf seine Weise, den Jungen zu integrieren und mit ihm sogar (Indianer)-Freundschaft gegen die Unwägbarkeiten des Lebens zu schließen.

Lorenzo Germeno und Tristan Göbel in ‚Winnetous Sohn‘; Quelle: Filmstarts.de

Max hat ein Ziel: Er will die Rolle von Winnetous Sohn auf den Karl-May-Festspielen übernehmen, da der ursprüngliche Kinderschauspieler kurzfristig ausfällt. Dafür muss er trainiert werden, wozu er seinen neuen Freund gewinnen kann, aber auch seinen liebevollen Vater, der jedoch ein ganzes Päcklein mit Problemen mit sich herumträgt und auch unter der Trennung seiner Frau leidet. Aber Max schafft es, seine eigenen Ängste zu überwinden, und auch die Zweifel, die in ihm aufkeimen, als sein größter Unterstützer, nämlich sein Vater, kurzfristig in Lethargie verfällt.

Da gibt es wunderbare Szenen, wie beispielsweise die, in der Max (toll: Lorenzo Germeno) und Morten (Tristan Göbel) zusammen auf dem Gatter sitzen, das Morten noch rechtzeitig geschlossen hat, bevor die Pferde entfliehen, und die beiden sich einfach nur im stillen Einverständnis zunicken. Oder die Rückblenden mit Max‘ Vater, der ihm durch die Indianerbezüge in früher Kindheit Selbstbewusstsein gab. Leider gab es aber auch Szenen, die mich eher ärgerten, denn ich bin nicht sicher, ob die KInderzuschauer hier nicht vergackeiert wurden: Uwe Ochsenknecht als ‚General‘ bzw. als Regisseur lässt keine grobe oder gröbste Mimik aus, damit auch jeder versteht, wie lächerlich er sich gerade macht, mit Arnim Rohde als ‚Sheriff‘ verhält es sich kaum besser. Mortens Eltern werden derart überzogen bescheuert dargestellt, dass man nur glauben kann, beim Regisseur hackts. Ehrlich. Ein wenig mehr Authentitizität  und ein wenig weniger ‚kindgerechtes‘ Kino wären an dieser Stelle mehr gewesen. Die Stimmung und auch das Drehbuch tragen auch ohne solchen unentschiedenen Krempelkram durch die Handlung. Auch Kinder – grade Kinder! – haben ein Recht auf Wahrhaftigkeit, finde ich. Davon hat der Film genug zu bieten. Wenn Clowneinlagen, finde ich – und dagegen habe ich ja überhaupt nichts – dann doch bitte an richtiger Stelle.

Aber ich will nicht zu dolle meckern, denn de Film hat uns allen dreien insgesamt gesehen wirklich gut gefallen.

Der Kleinkriminelle Zeki Müller ist grad aus dem Knast raus, und nun will er seine Diebesbeute zurück, die seine Freundin, eine Prostituierte, für ihn vergraben hat – neben einer Schule, auf einer Baustelle. Das war vor 14 Monaten. Jetzt steht da die neue Turnhalle! Und Zeki Müller will das Geld, wozu er den Generalschlüssel der Schule braucht…

Filmszene aus ‚Fack ju Göhte‘ mit Elyas M’Barek; Quelle: Filmstarts.de

Also lässt er sich anstellen, hatte sich zwar auf die Hausmeisterstelle beworben (die war aber aus Kostengründen gestrichen worden), bekam aber stattdessen die Lehrerstelle. Was soll’s. Muss halt gehen, auch wenn er noch nicht einmal einen Hauptschulabschluss hat….

Also erstmal: Eine lustige Handlung, in der besagter Zeki Müller (Elyas M’Barek) auf eine kleine tragische Referendarin (die wunderbare Karoline Herfurth) trifft; es entsteht zunächst eine Zweckgemeinschaft. Was aber die Größe dieses Films ausmacht, sind die Lehrmethoden, die der Zeki in einer nicht unterrichtbaren zehnten Klasse anwendet. Diese asozialen und über alle Grenzen hinausgehend frechen Kids sehen für sich keine Zukunft, haben kein Ideal, folgen keinerlei Gesetzen oder Grenzen. Das alles kennt Zeki Müller aus eigener Anschauung, er weiß, wie es sich anfühlt, wenn niemand an einen glaubt, und dass man am Besten Drogendealer wird, um  einfach und effektiv an Geld zu kommen. Und er erkennt seine Aufgabe, der er sich hingebungsvoll widmet: diesen Kids die Augen zu öffnen, ihnen Ziele und Ideale zu geben, eben all das, was ihm als Jugendlicher verwehrt blieb. Dass das nicht mit den herkömmlchen Unterrichtsmethoden möglich ist, ist eigentlich fast logisch.

Eine Exkursion, die sowohl auf den Kiez führt als auch zu einem Drogenabhängigen, der gerade auf kaltem Entzug ist und zu einer Familie von Hartz 4-Empfängern, der es egal ist, wenn der Hund auf den Teppich kackt, öffnet den Kids die Augen dafür, dass es höchste Zeit ist, sich mal auf den Arsch zu setzen und wenigstens einen Schulabschluss zu machen. Und eine Liebesgeschichte ist natürlich auch mit dabei…

Ich fand den Film ganz gut. Alles ist natürlich so auf witzig gemacht, aber wir wissen ja, es gibt solche Klassen oder einzelne Jugendliche, die ohne Ziel direktemang in eine Hartz-4-Karriere stolpern, und das ist megaschlimm. Insofern fand ich den Film, so witzig und politisch unkorrekt er auch in vieler Hinsicht sein mag, ziemlich gut! Jedenfalls stimmt die Einschätzung meines Sohnes nicht: Er dachte nämlich, manche Szenen wären zu hart und zu politisch unkorrekt für mich. Waren sie auch, und dennoch blieb es ein großer Spaß mit ernstem Beigeschmack. ‚Türkisch für Anfänger‚: mhm, mal sehen, diesen Film kenne ich ja auch noch nicht…

Die Geschichte ist schwierig: die Mutter des 13jährigen Conor hat Krebs, und das leider im Endstadium. Da sich ihr Zustand immer verschlechtert, der Vater aber von Conor weit weg in Amerika mit seiner neuen Familie lebt, kümmert sich seine Großmutter um ihre eigene sterbende Tochter und um ihn. Das Verhältnis der Großmutter und Conor ist nicht die beste, führt diese doch ihr eigenes aktives Leben mit Vorstellungen, in die ein Kind nicht so recht passen will.

Nachts besucht ihn ein Monster, das sich aus einer Eibe, die nahe Connors Haus steht, verwandelt und ihm Geschichten erzählt, die ihn ratlos machen, aber seine derzeit chaotische Gefühlswelt wiedergibt. Connors Zustand bleibt auch in der Schule wider Willen nicht verborgen. Dort wird er mit Mobbing von Seiten der Schüler konfrontiert und mit Mitleid von Seiten der Lehrer – beides kann er nicht gebrauchen. Von seiner Freundin hat er sich distanziert, weil sie in der Schule von Connors kranken Mutter erzählt hat.

Als klar wird, dass auch die letzte Therapie, die mit Hilfe eines Präparats, das aus Eibe gewonnen wird – ausgerechnet – fehlschlägt, der Vater die Unmöglichkeit, dass Connor zu ihm nach Amerika zieht, klar gemacht hat, bleiben nur die Oma und er mit der sterbenden Mutter zurück.

Harter Toback, dies Buch, erst recht, wenn man weiß, das Siobhan Dowd, die die Idee zu diesem Buch entwickelte, selbst an Brustkrebs gestorben ist. Es war dennoch sehr beeindruckend, welche Bilder für Connors Zustand, innerlich wie äußerlich, gefunden wurden.

Dazu kamen wunderbare Illustrationen von Jim Kay, düster, aber sehr beeindruckend, die das Thema passend untermalen.

Das Buch war eines der Beeindruckendsten in diesem Jahr, auf jeden Fall, auch wenn es schwer zu ertragen war. Zu Recht ist es für den Jugendbuchpreis 2014 nominiert worden