Archiv für die Kategorie ‘Kino’

‚The Square‘ – Film von Ruben Östlund

Veröffentlicht: 18. November 2017 in Filme, Kino, Kultur

Christian (beängstigend ‚lebensecht‘ gespielt von Claes Beng) ist Kurator eines Stockholmers Museums und plant eine Ausstellung zu einem Kunstobjekt, das den Namen „The Square“ trägt: Innerhalb eines Quadrates, so die Idee des Künstlers, sollte jeder/m Hilfebedürftigen das zuteil werden, was sie/er braucht. So lautet der heere Ansatz eines wirklich brandaktuellen Themas, das uns alle betrifft.

Anderen helfen, mal die eigenen Interessen für einen Moment zurückstecken, losgehen und helfen, und das vorurteilslos, ja, das ist doch das, was unserer Gesellschaft fehlt, woran sie krankt…

Wer macht hier wen zum Affen? Dominic West und  Terry Notary in einer Filmszene aus „The Square“; Bildquelle: Filmstarts.de

Jener Cristian jedenfalls soll die Ausstellung leiten, und er ist es auch, der in diesem Film im Mittelpunkt steht. Man sollte meinen, dass er über dieses Thema besonders reflektiert und nach künstlerischen Ansätzen sinniert. Aber was tut er? Er wird zunächst Opfer eines Trickbetrugs: Eine Frau bittet Passanten um Hilfe, da sie von einem Mann verfolgt und angegriffen wird – also das ist doch genau das Anliegen der Ausstellung!! Christian hilft – auch wenn er erstmal alle Möglichkeiten austariert hat, sich der Situation zu entziehen – und steht am Ende ohne Handy und Geldbörse da. Ist wohl nicht so einfach, vorurteilslos zu helfen!

Als nächstes erarbeitet er mit einem Praktikanten zusammen einen total hirnrissigen Plan, um das Handy, dessen Aufenthaltsort er zweifelsfrei in einem Hochhaus innerhalb eines sozialen Brennpunktes verortet, wiederzubekommen: Er schreibt einen Brief, in dem er den Täter anspricht: Ich weiß genau, dass Du der Dieb bist, der mir mein Handy gestohlen hat… – und wirft eine Kopie in jeden Briefkasten des Hauses. Jede/r im Haus kann also der Dieb sein… Über die Sache seines gestohlenen Handys verliert er die PR-Aktion, einen Werbefilm für die anstehende Ausstellung zu produzieren, aus den Augen und nickt ihn ab, ohne ihn sich vorher angesehen zu haben. Der Film aber, komplett am Thema vorbei und überaus geschmacklos, bringt die Öffentlichkeit gegen das Museum auf… Auch ein Event für die geneigten Spender/innen des Museums verselbständigt sich und führt zu einem Desaster, ach, überhaupt alles, was Christian anfängt, endet letztendlich in abgrundtiefster Peinlichkeit. Zudem versucht er, Worte zu finden zu der ausgestellten Kunst, aber außer einem elaboriert klingenden, aber absolut hohlem Gerede kommt auch hier nichts heraus. Dass weder Künstler noch die Kunst selbst seinen Respekt zollen, ergibt sich aus allen (unbewussten) Äußerungen.

Selten habe ich mich im Kino so fremdgeschämt. Mein Kinosessel war nach dem Kinobesuch bestimmt komplett abgeschubbert, so habe ich mich in ihm gewunden. Peinlich! Und unangenehm berührt hat mich dieser Film… Denn neben dem hochnotpeinlichen Christian berührt der Film auch die eigene Einstellung, sowohl in sozialer als auch künstlerischer Sicht. Es ist so komplex, sich selbst politisch korrekt verhalten zu wollen – schließlich sind wir alle Täter und Opfer zugleich und bewegen uns ständig innerhalb diesen Wechselspiels zwischen Enttäuschungen, guten Vorsätzen und Anspruch. Dieser Film zeigt auf allerdings drastische und oft überzogene Weise, wie das eigene Verhalten nur allzu oft in die Grütze führt und, wenn man es zuende denkt, ins Desaster. Selten hat mich ein Film so unangenehm berührt. Aber das ist unbedingt die Qualität dieses Films, der zudem eine Menge äußerst komischer Momente beinhaltet und also auch Spaß bringt. Es war kein unbeschwertes, aber irgendwo auch ein Kinovergnügen.

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Jeanette Walls ist eine engagierte Reporterin und zudem mit einem Banker verlobt. Sie ist jung, erfolgreich, und es scheint, als könne sie nichts bremsen, um beruflich als auch privat durchzustarten. Doch es gibt ein fettes „aber“ in ihrem Leben, ein dunkler Punkt in ihrer Vergangenheit, der doch fast die Kraft eines schwarzen Loches besitzt: Und das ist ihre Kindheit, das sind ihre Eltern, die sich aus dem bürgerlichen Leben schon immer fern hielten. Die Mutter ist Künstlerin. Ihr ist es deutlich wichtiger, Bilder „für die Ewigkeit“ zu malen, als für ihre Kinder zu kochen – denn das Gefühl des Sattseins hält schließlich nur 3-4 Stunden an… Ihr Vater ist ein phantasievoller Träumer mit einem Alkoholproblem. In ein geregeltes Arbeitsleben passt er einfach nicht. Und so fehlt neben einer treusorgenden Mutter auch ein zuverlässiger Vater, der seine Familie durch seine Arbeit ernährt. Die vier Kinder müssen selbst sehen, wie sie klar kommen. Und da es die Eltern nicht interessiert, ob die Kinder die Schule besuchen, fehlt schlicht und ergreifend eine gewisse Regelmäßigkeit in ihren Leben.

Elli Anderson und Woody Harrelson in ‚Schloss aus Glas‘; Bildquelle: Filmstarts.de

Die Kinder beschließen irgendwann, dass sie ihr Elternhaus so schnell wie möglich hinter sich lassen müssen – das wird ihnen die Triebfeder zu regelmäßigem Schulbesuch und Ehrgeiz. Sie müssen für sich selber sorgen, und als Jeannette nach ihrer jüngeren Schwester das Haus verlässt, wird auch ihr Weggang nicht akzeptiert.

Mit anderen Worten: Alles wäre einfacher, wenn man die Eltern vergessen könnte – aber ist das möglich? Spätestens, als Jeannette ihre Eltern dabei beobachtet, wie diese einen Müllberg mitten in New York durchforsten, erkennt sie, dass sie sich ihrer Kindheit stellen muss, um ihr eigenes Leben selbstbestimmt führen zu können.

Das war schon ein harter Film: Zu sehen, wie die vielleicht fünfjährige Jeannette (überzeugend gespielt von Ella Anderson als Kind und Brie Larson als Erwachsene) am Gasherd Feuer fängt, beim Versuch, sich ein Würstchen warm zu machen, oder auch zu sehen, wie sie ihrem jüngsten Geschwister Butter mit Zucker mischt, weil es so großen Hunger hat… Doch abgesehen von diesen wirklich drastischen Vernachlässigungen wird der Vater (großartig dargestellt von Woody Harrelson) nicht nur als unnützer Alkoholiker dargestellt, sondern auch als herzensguter Vater, der es mit viel Phantasie  immer wieder schafft, seinen Kindern zu vermitteln, wie sehr er sie liebt. Überhaupt ist der Film das große Porträt eines eigenwilligen Mannes, der andere Maßstäbe als gesellschaftliche Standards anlegt, um seine eigene Persönlichkeit zu leben und letztendlich zum Glück zu finden.

Ja, der Film war in vielerlei Hinsicht hart, aber die Sicht- und Lebensweise der Eltern, diesem sehr eigenwilligen, chaotischen, beinahe anarchistischem Paar, zu verurteilen, geht für die Tochter einfach nicht, und geht auch für niemanden. Der Film wirft große Fragen auf: nach dem, was glücklich macht, und auch nach dem unkonventionellen, wirklich ganz ureigenen Sein, das in einer einigermaßen konformen Gesellschaft kaum gelebt werden kann, und wenn doch, auf riesige Widerstände stoßen muss. Das sind wichtige, existentielle Fragen, wie ich finde, die in diesem Film überzeugend thematisiert wurden – es war ein berührender Kinobesuch!

‚Jugend ohne Gott‘ Film von Alain Gsponer

Veröffentlicht: 29. Oktober 2017 in Filme, Kino, Kultur

Die Adaption von Ödön von Horvarths Roman schließt sich im Grunde genommen an meine Reihe der Science-Fiction-Filme an. Es ist eine Dystopie, und dies aber doch ziemlich angelehnt an unsere Zeit. Autos, Busse, Kleidung sind einigermaßen identisch mit heute, aber anders sind die Umstände, in denen die Menschen leben. Es ist nunmehr eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: die Eliteklasse und die dritte, die im Elend lebt, inmitten von Umweltverschmutzung, ohne Geld, Bildung oder eigener Wohnung.

Eine Eliteuniversität führt einen Eignungstest durch: Von ca. 20 Prüflingen werden vielleicht nur 3 oder 5 Leute aufgenommen, so genau weiß man es nicht. Sie werden aufgefordert, die Aufgaben im Team zu lösen, es kommt also auch auf Sozialkompetenz an, und gleichzeitig stehen sie unter enormem Druck, da sie sich aus der Menge hervorzutun haben, um den begehrten Studienplatz zu ergattern. Die Vorauswahl fällt natürlich auf Jugendliche aus reichem Elternhaus. Dort, wo dies nicht gegeben wird, wird fleißig gemobbt, bis der Jugendliche aus dem Auswahlverfahren ausgeschlossen wird und ein Studium nur an einer Schule, in der unter chaotischen Verhältnissen gelehrt wird, fortsetzen kann – unter diesen Voraussetzungen wird er sich niemals für den Elitekreis qualifizieren können.

Bei der Schnitzeljagd nach Bonuspunkten einen weiteren Abschnitt geschafft, der implantierte Chip im Arm wird ausgelesen. Filmszene aus „Jugend ohne Gott“ mit Alicia von Rittberg und Jannis Niewöhner. Bildquelle: Filmstarts

Der junge Zach (Jannis Niewöhner), Erbe eines Unternehmens, ist vielleicht ein Stückchen sensibler und intelligenter als die anderen. Er erkennt die schizophrenen Strukturen, unter denen sich die Jugendlichen zu beweisen haben, und außerdem hat er noch den Selbstmord seines Vaters zu verarbeiten. Die junge Frau F. findet Gefallen an ihm und möchte ihn nur unterstützen. Doch er hat kein Interesse. Als er auf dem Testgelände – ein ausuferndes Waldgebiet – die „Gesetzlose“ Ewa, kennen lernt, entbrennt er in Liebe, und er findet die Kraft, sich aus der absurden Testsituation zu befreien. Doch dann geschieht ein Mord…

Immer wieder sehen wir die selben Szenen, jedoch immer aus dem Blickwinkel einer anderen Person, und so wird der Mordfall wie ein Puzzle gelöst. Zum Schluss ist es die Perspektive des begleitenden Lehrers, die uns den Mörder offenbart.

Die herzlose Atmosphäre ist sehr gut getroffen, das Unmenschliche auf den Punkt gebracht. Die Dystopie ist in beeindruckende Bilder gebracht worden, doch am Ende wurde es mir etwas zu rührselig. Dennoch fand ich, dass es ein sehr sehenswerter Film ist. Inwieweit von Horvarths Vorlage die Adaption verkraftet, kann ich nicht beurteilen, meine Lektüre liegt zu lang zurück. Vielleicht wiederhole ich sie ja demnächst nochmal.

 

„Auguste Rodin“ – Film von Jacques Doillon

Veröffentlicht: 3. Oktober 2017 in Filme, Kino, Kultur

Kürzlich, nämlich im Barberini-Museum hatte ich erst wieder einige Bronzeskulturen von Auguste Rodin gesehen. Er war ein Meister seiner Zunft, das ist gar keine Frage. So ist es kein Wunder, dass ich Lust hatte, mir diesen Film anzusehen, trotz der mittelmäßigen Kritiken.

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Filmszene aus „Auguste Rodin“ mit Izïa Higelin, Vincent Lindon. Bildquelle: Filmstarts.de

Schlaglichtartig werden Szenen aus Rodins Leben gezeigt, so z.B. viele aus seiner langjährigen Liebschaft mit Camille Claudel, einer ebenfalls sehr begabten Bildhauerin (und Schwester von Paul Claudel, dem Schriftsteller), aber auch mit seiner Lebensgefährtin und Haushälterin sowie mit anderen Frauen in erotischen Verbindungen. Oder er wird bei der Arbeit gezeigt, oder auch, wenn er sich vor seinen Auftraggebern rechtfertigen muss – gerade die Skulptur von Honoré Balzac erzeugt großen Unmut. Doch sind die Szenen thematisch nicht gebunden, sie reihen sich mehr oder weniger zusammenhanglos aneinander. Das hat mir keinerlei neuen Erkenntnisse über Rodin und sein Leben gebracht, ja, ich weiß nicht, was mir der Film eigentlich erzählen wollte. Dass er eine intensive Liebschaft mit Camille Claudel hatte? Dass seine neuen, sogar revolutionär zu nennenden Ideen in der Bildhauerei auf Missmut bei der breiten Masse stießen? In diesem Zusammenhang bringt es mir nichts, wenn ich in einer anderen Sequenz sehe, wie Auguste Rodin die Rinde eines Baumes ertastet…

So blieb das Agieren der Schauspieler sehr an der Oberfläche, weil einfach nicht klar war, was eigentlich erzählt werden sollte, die Figuren, beispielsweise andere Künstler des Impressionismus, blieben nur oberflächlich gezeichnet.

Allerdings kannte ich Rodins Skulptur von Honoré Balzac noch nicht – sie ist ein Riesenschritt auf dem Weg in die moderne Kunst und wunderbar eigen – toll!

Die Darstellerin der Camille Claudel (Izïa Higelin) hatte es besonders schwierig, denn obwohl der Film „Camille Claudel“ mit Isabell Adjani in der Titelrolle schon dreißig Jahre alt ist, so ist er doch noch recht präsent (zumindest mir). Diese Frau ereilte ja ein wirklich schlimmes Schicksal. An Begabung stand sie ihrem Meister Rodin in nichts nach, doch hatte sie das Pech, eine Frau zu sein, weswegen ihr Anerkennung verweigert wurde. Die Liebesgeschichte mit dem untreuen Rodin trieb sie zudem in den Wahnsinn, und ihr Bruder ließ sie für ihre restlichen Lebensjahre – Jahrzehnte! – wegsperren, so dass sie nicht mehr künstlerisch arbeiten konnte. War das Neid? Vielleicht.

Das war das Gute an diesem Film „Auguste Rodin“: Dass ich mich auch an das Schicksal von Camille Claudel erinnert habe und mir den Ausstellungskatalog einer Ausstellung von 1987 in Hamburg noch einmal vornahm. Eine große Begabung! Wie es auch Rodin war.

‚The Party‘ – Film von Sally Potter

Veröffentlicht: 13. August 2017 in Filme, Kino, Kultur

Eine Frau öffnet die Tür und richtet eine Pistole frontal auf uns Publikum – damit beginnt der Film. Und gleich wirft er also die Frage auf: Warum? Was ist geschehen? Dies wird in den kammerspielartigen restlichen 70 Minuten nun aufgerollt.

Endlich hat Janet (Kristin Scott Thomas) den Höhepunkt ihrer Karriere erreicht: Sie wird zur Gesundheitsministerin ernannt. Dies Ereignis will sie mit ihrem Mann Bill (Timothy Spall) und einigen engen Freunden feiern. Doch ihr Gatte wirkt einigermaßen teilnahmslos, und auch ihre anderen Gäste wie ihre beste Freundin April, ihres Zeichens Zynikerin, mit ihrem esoterischen und etwas abgehobenen Freund Gottfried oder das lesbische Pärchen Martha und Jinny sowie der hypernervöse Banker Tom (Cillian Murphy), dessen Frau erst später nachkommen will, tragen an ihren eigenen Problemen schwer. Die Geschichte nimmt ihren folgenschweren Lauf, als Bill eine Mitteilung macht, über dessen Folgen und den entsprechenden Ausführungen letztendlich die komplette Partygesellschaft ins Straucheln gerät…

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Szenenbild mit Timothy Spall aus „The Party“; Bildquelle: Filmstarts.de

Es ist ein hochintensives Kammerspiel, das durch die perfekte Besetzung mit Timothy Spall, Bruno Ganz, Kristin Scott Thomas, Cillian Murphy und allen weiteren DarstellerInnen brilliert. Das lässt beinahe über die dramaturgischen Schwächen des Stückes hinwegsehen, denn nicht jeder der Konflikte ließ sich für mich nachvollziehen. Der Schluss war dann ein Knaller, der mich ganz unvorhergesehen einholte. Ich bin jedoch nicht ganz überzeugt, dass er vom Ende betrachtet vollkommen schlüssig war, das wage ich dann doch zu bezweifeln.

Dennoch war es ein amüsanter Kinoabend, und die sorgfältig ausgeleuchteten Schwarzweißbilder stellten auch einen ästhetischen Genuss dar. Wer also schon ‚Der Gotte des Gemetzels‘ mochte, wird bei diesem Film ebenso auf seine Kosten kommen.

Bella Brown (Jessica Brown Findlay), von der behauptet wird, dass ihr Leben bislang alles andere als normal verlief, bekommt vom Verwalters des Vermieters die Aufforderung, den Garten in Schuss zu bringen. Sie ist zwar im Hause äußerst penibel und zwanghaft auf Ordnung aus, aber die Natur mache ihr Angst. Ihr Leben verlief bislang scheinbar einsam. Sie arbeitet in einer Bibliothek, und in der Freizeit versucht sie, Schriftstellerin zu sein. Kontakte nach außen hat sie keine. Dies ändert sich erst, als – plötzlich – verschiedene Dinge gleichzeitig passieren: Sie kommt in Kontakt zu ihrem schrulligen Nachbarn (Tom Wilkinson) und dessen ebenso exzentrischen Koch (Andrew Scott), der kurz nach deren flüchtiger Bekanntschaft seine Arbeitsstelle ungefragt zu Bella hinüberwechselt. In der Bibliothek trifft sie auf einen eigenen und ebenfalls gestört scheinenden jungen Typ, der Erfinder sein soll. Im Verlauf gibt es also jede Menge Anknüpfungspunkte an exzentrische Begegnungen und seltsamen Dialogen, und inmitten all dessen verwandelt sich das Stück wilder Natur immer mehr in – ja, kommst Du nicht drauf? – in eine Augenweide.

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Guck mal, da geht es schon los: Es regnet in Strömen, aber die beiden Schauspieler (Jessica Brown Findlay, Tom Wilkinson) werden nicht nass! Bildquelle: Filmstarts.de

Na, toll. Trotz der hochkarätigen Besetzung ist der ganze Film am Ende nichts, da das Drehbuch nicht stimmig ist. Ich konnte keiner, aber auch gar keiner Figur irgend etwas von ihrer Eigenheit abnehmen; sei es Bellas zwanghafter Ordnungssinn, der aber gar nicht so zwanghaft scheint, wenn der Koch doch alles vollkrümelt und von ihr keine Reaktion erfolgt; sei es, dass der brummige Nachbar, der ihr immer zugesetzt hat, aus heiterem Himmel liebenswert und umgänglich wird, oder auch dass der Koch gaaanz plötzlich seine jahrelange Stellung von einem Moment auf den anderen hinschmeißt und von Stund an für ein mittelloses Mädchen kocht (und er macht ihr nicht einmal Avancen, wozu er aber eigentlich jede Menge Gründe hätte). Das Zauberhafte, das der Film eigentlich hätte haben sollen und vielleicht auch können, hat sich mir ebenfalls nur als Behauptung vermittelt. Die Eigenheiten der Figuren waren niedlich ausgedacht und hätten, wenn sie denn nicht nur so behauptet daher gekommen wären, eine riesige positive Schlagkraft entwickeln können – allein, ich konnte keiner Figur irgend etwas glauben. Schade, wirklich.

Nachdem ich „Lost in Translation“ von Sofia Copolla gesehen habe, war ich neugierig auf ihren neuen Film, der zudem mit einer tollen Besetzung (Nicole Kidman, Kirsten Dunst) aufwartet…

Der Film spielt während des Bürgerkriegs zwischen den Nord- und Südstaaten in einem fast leeren Mädchenpensionat in South Carolina. Nur 5 Schülerinnen sind nicht wegen des Krieges nach Hause geschickt worden, und eine Lehrerin (Kirsten Dunst) sowie die Schulleiterin (Nicole Kidman) sind mit ihnen in dem Haus. Durch ihr einsames und zurückgezogenes Leben kommt ihnen die Abwechslung, die ein verwundeter Soldat, von einem der Mädchen unweit des Pensionats inmitten der dichten Wälder gefunden und nun von der Leiterin aufgenommen, gerade recht. Er solle zunächst seine Verwundung ausheilen, dann würde man ihn der hiesigen Polizei ausliefern, heißt es zunächst. Der Soldat nutzt jedoch die Gunst der Stunde und schmeichelt sich bei allen Mädchen und Frauen ein. Jede setzt ihre Erwartungen in die Begegnung mit ihm, was ein unausgesprochenes Geheimnis ist. Als sie feststellen müssen, dass ihre Erwartungen allesamt enttäuscht wurden, werden drastische Maßnahmen ergriffen, um der Lage wieder Herr zu werden…

The Beguiled

Filmszene aus „Die Verführten“ mit Colin Farrell und Kirsten Dunst; Quelle: Filmstarts.de

Es sind bestechend wunderschöne Bilder sowohl vom Urwald in den Südstaaten als auch von den Frauen und Mädchen im Haus, die diesen Film atmosphärisch dicht machen. Hinzu kommt das analytische Auge Sofia Coppolas und die großartige schauspielerische Leistung aller Beteiligten, die diesen Film so sehenswert machen. Tolles Kino und eine echt abgefahrene Geschichte, erzählt nach dem Roman A Painted Devil von Thomas P. Cullinan.