Archiv für die Kategorie ‘Kino’

„Ocean’s 8“ – Film von Gary Ross

Veröffentlicht: 24. Juli 2018 in Filme, Kino, Kultur

Mir war nach einem leichten, schönen Sommerfilm, und da dieser hier mit einer dollen Besetzung aufwartet, dachte ich halt, probierst es mal… ´

Szene aus Ocean’s 8 mit Awkwafina, Cate Blanchett, Rihanna, Sandra Bullock, Sarah Paulson; Bildquelle: Filmstarts

Und spannend war er schon, der Film. Die Besetzung mit acht bekannten Schauspielerinnen natürlich auch grandios. Nur war die Handlung vielleicht doch ein wenig sehr an den Haaren – vielleicht ja an denen der tollen Schauspielerinnen – herbeigezogen. So blieb mir die ein oder andere Frage unbeantwortet.
Dennoch interessant, Cate Blanchett in der herben Rolle einer abgebrühten Kriminellen zu sehen, oder Rihanna als hochbegabte Hackerin (auch wenn sie ein wenig trutschig daherkam). Mehr Probleme hatte ich mit Helena Bonham-Carter , die irgendwie verwurstelt spielte, was zwar zur Rolle passte, aber dennoch so wirkte, als ob Bonham-Carter nicht viel mit dieser Figur anfangen konnte.
So blieb es ein leichter Sommerfilm für eine heiße Sommernacht, die die Sinne an sich schon vernebelt. Trotzdem, mit diesen Einschränkungen hat der Film auch Spaß gemacht.

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„Am Strand“ – Film von Dominic Cooke

Veröffentlicht: 22. Juli 2018 in Filme, Kino, Kultur

Ich glaube, Ian McEwans Romane müsste ich unbedingt mal lesen… „Abbitte“, oder eben auch „Am Strand“ sind faszinierende Filme, die auf seine Romane zurückgehen. Nun habe ich aber erstmal den Film gesehen, den ich beinahe nicht besucht hätte, weil ich die Handlung so merkwürdig fand: Ein frisch verheiratetes Paar, das sich in der Hochzeitsnacht nicht näher kommen kann… Klang erstmal nicht soo spannend.

Saoirse Ronan in „Am Strand“; Bildquelle: Filmstarts.de

Aber was hätte ich verpasst! Natürlich ist die missglückende Hochzeitsnacht ein ganz gehöriger Auslöser für die Krise in der frischen Ehe, die eben nicht so einfach „vollzogen“ werden kann: Sind doch Florence Ponting (wieder mal ganz toll: Saoirse Ronan) und Edward Mayhew (überzeugend: Billy Howle)  noch Jungfrau… aber das erschwert die Sache vielleicht nur. Viel entscheidender ist doch, dass die beiden trotz ihrer durchaus positiv besetzten Beziehung zueinander sehr empfindsam sind – und das ist vielleicht etwas, das man Anfang der 60er Jahre besser nicht sein sollte. Nicht nur Sexualität ist ein Tabu-Thema, über das man nicht spricht (und selbst die Aufklärungsbücher sind derart verklemmt, dass sie einen nur abtörnen, was eine köstliche Szene zeigt, in der Florence und ihre kleine Schwester in einem Aufklärungsbuch lesen und sich nur schütteln können über den Sexualakt). Es sind auch andere heikle Dinge wie beispielsweise der Umgang mit Behinderungen:  Edwars Mutter nämlich erlitt durch einen schweren Unfall einen Hirnschaden, so  dass sie kaum mehr zurechnungsfähig ist. Nun lebt sie zwar im Kreise der Familie, jedoch ist dies schwer, wenn man weder Zugang zu der erkrankten Person findet,  noch darüber offen sprechen kann. Und auch  Florence hat ein schweres Päcklein zu tragen: In Andeutungen wird gezeigt, dass sie unter Umständen als Kind sexuelle Übergriffe  zu erleiden hatte. Doch fehlten damals die Worte für diese Untaten, und also können sie auch nicht aufgearbeitet werden.

Und nun stehen sich diese beiden Menschen, die eigentlich gut zusammen passen und sich zudem gegenseitig lieben, gegenüber, und es klappt nicht mit der Hochzeitsnacht…

Diese Geschichte wird mitfühlend und berührend erzählt, wir Zuschauer können uns in beide Personen hineinfühlen und mitleiden, wie selten im Kino. Hinzu kommen grandiose Bilder aus Südengland, eine Augenweide! Ein großartiger Film!

Über Maria Callas und über ihren Mythos weiß ich viel zu wenig. Das war mir Antrieb, in diesem Film zu gehen.

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Foto von Maria Callas und ihrem Mann Aristote Onassis; Bildquelle: Filmstarts.de

Maria Callas sagte von sich selber, dass es 2 Personen in ihr gäbe: einmal Maria, die private Person, und einmal ‚die Callas‘, die Sängerin, die es mit ihrer Kunst geschafft hat, die Menschen zu verzaubern, und damit in der Öffentlichkeit steht.

Der Film greift zurück auf Zeitungsartikel und Fernsehberichte über Maria Callas und bezieht ein Fernseh-Interview mit ein, das wohl bislang nicht veröffentlicht worden ist. In der Öffentlichkeit präsentiert sich eigentlich noch eine dritte Maria Callas: diejenige, wie sich ihr Publikum, und wie sich die Paparazzi ihr Leben vorstellen. Eigentlich ist es das Abbild der privaten Maria, diejenige, deren Misserfolge auf der Bühne, aber auch in der Liebe breitgetreten werden. Wie erging es der Privatfrau Maria damit wirklich? Das soll trotz dieses Films ein Geheimnis bleiben, wie auch damals die Öffentlichkeit eben „nur“ erfuhr, dass sie sich wegen Depressionen der Öffentlichkeit eine Weile entzogen hat.

Insofern bleibt der Film auf dem Niveau der Veröffentlichungen und spiegelt nur das erneut, was das Publikum damals durch die Klatschpresse auch erfahren hat. Keine Spekulationen werden gemacht, und das ist auf jeden Fall gut so. Die Presse hatte sie damals schon genug auseinandergenommen, und das sollte wirklich reichen.

Sehr genossen habe ich auch, dass viele ihrer Arien gezeigt wurden, die sie wirklich hingebungsvoll gesungen hat. Ohja, sie war eine wunderbare Belcanto-Sängerin! Allein dafür lohnte sich dieser Filmabend.

Dies ist mal wieder von hinten bis vorne, von oben bis unten, ein echter Wes-Anderson-Film – und damit witzig, ironisch und grandios verspielt!

Szenenbld aus „Isle of Dogs – Ataris Reise“; Bildquelle: Filmstarts.de

Gedreht wurde er wieder einmal in der Slow-Motion-Technik, in dieser Technik hatte Wes Anderson schon Erfahrungen, denn sein Film Der phantastische Mr. Fox wurde ebenfalls so hergestellt.

Diesmal geht es um einen kleinen Jungen, der seinen Hund sucht. Dies muss er auf der Insel Trash Island tun, auf die nicht nur aller Müll, sondern auch alle Hunde aus Japan verbannt wurden. Ausgerechnet sein Ziehvater, das Staatsoberhaupt, besitzt eine  ausgeprägte Aversion gegenüber Hunden. Merkwürdig, dass er doch dessen Ziehsohn einen Hund (ausgestattet mit einem speziellen Sender, mit dessen Hilfe die Verständigung zwischen Kind und Hund möglich wird) anschafft…

Atari begibt sich also auf die Insel und lernt andere Hunde kennen, vom Schoßhündchen bis zum Straßenköter, und alle helfen ihm bei seiner Suche.

Also schon ziemlich abgefahren, diese Geschichte, die in einer fernen  Zukunft in einem fernen Japan spielt. Doch bietet sie Grundlage für überbordende Phantasie und viele verrückte Einfälle, die, lässt man sich auf die Geschichte ein, viel Spaß machen. Hinzu werden Japan-Klischees hoch und runter zitiert, die in ihrer Dichte riesig Laune machen. Immer wieder werden auch Passagen auf Japanisch gesprochen, die dann untertitelt wurden, wenn überhaupt. Aber das hatte auch den Effekt, dass man immer wieder daran erinnert wird, wie schwer sich die Verständigung zwischen Mensch und Tier gestaltet  (ich kann ja auch nicht genau verstehen, was meine Katze meint, wenn sie mir miauend um die Beine streift, genauso wie sie dieselben Probleme plagt, wenn ich sie etwas frage). Das machte den Film einmal mehr exotisch…

Bestimmte Stilmittel, aber auch Themen kennen wir schon aus anderen Wes Anderson-Filmen, beispielsweise, wenn die Akteure frontal in die Kamera schauen und über das Geschehen reflektieren. Ein kleiner Junge war auch die Hauptfigur in Moonrise Kingdom, der b.a.w. mein Lieblingsfilm von Wes Anderson bleibt.

Wir haben uns köstlich amüsiert – es ist intelligentes, ironisches Kino. Wes Anderson – der auch das Drehbuch selber schrieb – versteht es meisterhaft, aus den verrücktesten Stoffen gute Unterhaltung zu zimmern.

 

‚3 Tage in Quiberon“ Film von Emily Atef

Veröffentlicht: 29. April 2018 in Filme, Kino, Kultur

Wenn ich an Romy Schneider denke, dann erinnere ich mich an eine schöne Frau und an eine Wahrhaftigkeit in ihrem schauspielerischen Ausdruck, die ihre überragende Ausstrahlung ausmachte. Meine Erinnerungen fußen auf die Kenntnis weniger Filme, die ich vor ewig langen Zeiten gesehen habe. Dennoch ist dies eben mein Mythos von Romy Schneider. Sissy, Erotik, unglücklich sein, tragische Lebensumstände, ein Gartenpfosten, der ein Kind aufgespießt hat…; eine zerbrochene Frau.

Charly Hübner und Marie Bäumer in ‚3TAge in Quiberon‘; Bildquelle: Filmstarts.de

Allein wegen dieser Erinnerungen war ich sehr neugierig auf diesen Film, eine kluge Wahl war es, ihn in Schwarweiß zu drehen, knüpft er doch an die Erinnerungen der 60er Jahre an, in denen wir die Sissy-Filme doch alle nur so an unseren heimischen Fernsehapparaten sahen. Das passte gut.

Romy Schneider (gespielt von Marie Bäumer) befindet sich 1981 in einem Kurhotel in Quiberon zur Entgiftung. Alkohol und Tabletten haben ihrer Gesundheit zugesetzt, ganz zu schweigen von ihren finanziellen Problemen und ihrer Zerrissenheit zwischen dem Beruf und ihren beiden Kindern. Immer kommt eines von beiden zu kurz, und das ist vielleicht auch das Motto ihres Lebens: Denn sie ist, was sie tut, und das  immer mit Haut und Haar. Spielt sie, wird sie zu der Figur; ist sie bei ihren Kindern, ist sie ganz Mutter.

Romy Schneider wird besucht von dem Stern-Reporter Michael Jürgs der sich schneidig, scharf und ehrgeizig gibt (Robert Gwisdek) und dem Fotograf Robert Lebeck, so ein lieber Kerl…(gespielt von Charly Hübner). Zweiteren kannte sie schon, und es verbindet sie eine innige Freundschaft. Ebenfalls reist Romys beste Freundin Hilde (Birgit Minichmayr) an, um Romy beim Interview und überhaupt beizustehen, denn es geht ihr absolut lausig. Warum sie zu dem Interview bereit ist, habe ich nicht wirklich verstanden, am Ende war es vielleicht nur die Aussicht, den Fotografen wiederzusehen. Fakt ist, dass sie in diesen drei Tagen dem Reporter gegenüber sehr ehrlich ist und seine teilweise provokanten, übergriffigen Fragen mit einer beinahe bestürzenden Offenheit begegnet, so dass es Michael Jürgs selbst schon ganz mulmig wird und er ihr später das Interview vorlegt und absegnen lässt, bevor es in die Veröffentlichung geht. Diese Interview-Situation ist eine von vielen in dem Film. Denn abends kommen die vier ganz privat zusammen, um in einer Kneipe ausgelassen zu feiern, natürlich fließt der Chamapgner an diesem Abend, doch es ist in jeder Hinsicht ein berauschender Abend, in dem sich Romy entspannt und ansteckend fröhlich zeigt – nur um in den frühen Morgenstunden fertig und zerknirscht im Hotel anzukommen, und übermannt von schlechtem Gewissen ihrer Kinder gegenüber diese morgens um vier Uhr oder so anrufen will… Hilde, während des Interviews zum Anstandswauwau avanciert, hält sie am Ende davon ab. Überhaupt Hilde: Mit wachen Augen versucht sie, Romy vor sich selbst zu schützen, redet ihr Tabletten, welche genommen werden wollen oder Alkohol, der getrunken werden wil, aus, mit wenig Erfolg.

Es sind wunderbare Szenen, die diesen atmosphärisch dichten Film ausmachen und das wunderbare Schauspiel aller Darsteller, aber allen voran das Spiel von der wunderschönen Marie Bäumer (der eine gewisse äußere Ähnlichkeit mit Romy Schneider von jeher nachgesagt wird). Sie spielt Romy derart überzeugend, dass ich zwischendurch glatt vergessen habe, dass Marie Bäumer gar nicht Romy Schneider ist, sondern sie nur spielt. Irgendwie war ich versetzt, entrückt in einen Film mit Romy Schneider, und nicht über sie. Das war faszinierend. Im Übrigen ist es ein leidenschaftlicher Film, ein Plädoyer fürs satte, ungebremste Leben, ohne zu verheimlichen, dass es eine Schattenseite gibt, die genau so schwer auszuhalten ist, wie der Gegenpol. Gleichzeitig ist es ein poetischer Film, romantisch auch, wenn wir sehen, wie Romy beim Fotoshooting über die bretonischen Steine am Strand springt oder mit einem vagabundischen Künstler in der Kneipe feiert. Ich freue mich, dass der Film gerade so tolle Auszeichnungen bekommen hat und gehe damit ganz d’accord. Es ist ein unbedingt sehenswerter Film.

Eine Klasse, 1956, irgendwo in der sowjetischen Besatzungszone in Deutschland, unweit von Berlin: Zwei Schüler hatten bei einem Abstecher nach Berlin im Kino die Wochenschau gesehen, in der vom Volksaufstand in Ungarn gegen die sowjetische Besatzung erzählt wurde. Zurück in ihrem Dorf, hören sie bei einem Großonkel eines Klassenkameraden heimlich im RIAS vom blutigen Ende dieses Ausftandes und beschließen spontan in der nächsten Geschichstsstunde, eine Schweigeminute einzulegen. Dies wird ihnen als politischer Akt ausgelegt (welcher es ja auch ist), und nun wird alles daran gesetzt, herauszufinden, wer der Anstifter war – und dafür wird in Kauf genommen, jede Seele des Dorfes in seiner Würde herabzusetzen, wenn sie nicht ganz und gar linientreu ist…

Szenen aus „Das schweigende Klassenzimmer mit Jonas Dassler und Jördis Triebel; Bildquelle: Filmstarts.de

Der Film beruht auf wahren Begebenheiten, was ihn noch viel unverdaulicher macht. Wie mit den Menschen umgesprungen wird, wie abgrundtief menschenverachtend und brutal, ist unglaublich schmerzhaft. Selbst wenn wir doch eigentlich wissen, wie diese unmenschlichen Zeiten innerhalb Deutschlands – begonnen mit Hitlers Machtergreifung und dann eine Fortsetzung erfahrend durch den Umgang mit den Menschen in den nunmehr neuen Bundesländern – abgelaufen sind, ist es nach wie vor schwer zu verknusern, wie man damals gegängelt wurde. Einmal mehr führt uns dieser Film deutlich vor Augen, wie wichtig freie Meinungsäußerung ist. Ein Recht, das uns hier in Deutschland hoffentlich für immer erhalten bleibt…

Der Film hat mich sehr berührt, die Repressionen, denen die Schüler ausgesetzt sind, um sie zu spalten und den Schuldigen herauszufinden, sind grässlich, die Lügen, Vertuschungen und Heucheleien der Menschen ebenso. So muss der Großonkel des Schülers, ein Außenseiter, bitter dafür büßen, dass er in seinem Haus den RIAS hört  (der übrigens auch nicht ganz bei der Wahrheit in seiner Berichterstattung geblieben ist, vielleicht, um die Menschen in der „Zone“ aufzustacheln?), und als vermeintlich schwuler ist es einmal mehr lebensgefährlich, in Untersuchungshaft zu kommen… Eine Schülerin wird erpresst, dass ihre sehbhinderte Oma ihren Job verlieren wird, wenn sie nicht die Wahrheit sagt, und die anderen Dramen sind noch viel entsetzlicher… Die führe ich hier nicht aus, sondern empfehle vielmehr, diesen Film zu sehen. Es ist hart, aber es lohnt sich.

Der Film handelt von der Zeitungskrise der Washington Post Anfang der 1970er Jahre: Die Verlegerin Katharine „Kay“ Graham (toll gespielt von Meryl Streep) steht vor der Entscheidung, einen Börsengang zu versuchen, um ihre Zeitung vor dem Ruin zu retten. Zeitgleich kommen geheime Papiere ans Licht, die nicht nur den amtierenden Präsident Nixon als Lügner entlarven: Entgegen der Aussage der Regierung ist schon länger bekannt, dass der Vietnamkrieg von Amerika nicht zu gewinnen ist. Dennoch werden immer weiter Soldaten in den Vietkong geschickt und verheizt. Wird Kay trotz Androhung gerichtlicher Konsequenzen einer Veröffentlichung stattgeben? Und wenn ja, wie wirkt sich das auf die Probezeit an der Börse aus?

Krisensitzung im Hause Graham; Szenenbild aus „Die Verlegerin“ mit Tom Hanks, Meryl Streep und anderen; Bildquelle: Filmstarts.de

Dies sind die Fragen, die in diesem Drama bewegen. Dabei stammt Kay zwar aus der Familie, die einst diese Zeitung ins Leben gerufen hat, doch war sie bis zum Tod ihres Mannes, der die Leitung von ihrem Vater übertragen bekam, nicht in die geschäftlichen Prozesse involviert. Nun aber muss sie als einzige Frau „ihren Mann stehen“ – was teils belächelt wird, teils auf große Skepsis stößt. Daneben ist sie noch Mutter und bleibt auch Teil der repräsentativen Öffentlichkeit. Viele ihrer Freunde sind Politiker und stecken nicht nur aktuell in den Ämtern, sondern sie decken zudem den Verrat ans Volk. Nichts also liegt näher, als sich dem gesellschaftlichen Druck zu fügen – und zu schweigen.

Dann steigt auch noch der juristische Druck, und jetzt geht sogar dem mutigen Chefredakteur Ben Bradlee (Prima Rolle für Tom Hanks) der Arsch gehörig auf Grundeis – steht doch zu befürchten, für eine Veröffentlichung ins Gefängnis zu wandern…

Steven Spielberg hat wieder einmal sämtliche Register für ein spannungsgeladenes Kino-Ereignis gezogen, zudem, wie es bei ihm ja nicht anders zu erwarten ist, mit einem aktuellen Thema, das den derzeit amtierenenden Präsidenten sicherlich nicht amüsiert. Und so ist dieser Film nicht nur brillant von den SchauspielerInnen umgesetzt worden, sondern gleicht dabei einem Thriller. Nur mit dem Unterschied, dass diese Geschichte auf Tatsachen beruht.

Und es wird auch in diesem Film einmal mehr das Licht auf eine äußerst mutige Frau in der Geschichte geworfen, die Beachtliches geleistet hat. Es bleibt nur zu vermuten, wie beispielsweise ein Mann sich in diesem Moment verhalten hätte – und in der Tat, wer weiß, wie sich bei einer andersartigen Entscheidung die Politik entwickelt hätte…

Insofern ist auch dieser Spielberg-Film wieder einmal ein wichtiger Film, der bewegt. Das Einzige, was ich ihm vielleicht vorwerfen könnte (wenn ich wollte), wäre, dass er einfach absolut perfekt gemacht ist: Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und wurden perfekt gespielt, und auch der zeitliche Rahmen fand ausgiebig Berücksichtigung. Szenische Elemente wurden überaus geschickt eingesetzt, so dass beispielsweise sogar der Druckmaschine eine eigene tragende Rolle zukommt, oder eine einfache Pappschachtel eine geradezu dramatische Aufwertung erfährt. Das alles war vielleicht – ganz vielleicht – eine Spur zu perfekt. Aber das ist natürlich nur eine Mäkel-Kritik an einem makellosen, politsch korrekten Film.