Archiv für die Kategorie ‘Kino’

Die Dreigroschenoper ist für mich beinahe so etwas wie die Initialzündung meiner Theaterbegeisterung, auch wenn sich diese in den letzten Jahren nicht mehr so recht zeigen wollte (scheint sich aber gerade wieder zu ändern, vielleicht). Und dies Stück wollte ich wirklich schon lange mal wieder sehen. Wohlwissend, dass dieser Film zwar nicht die Dreigroschenoper zeigt, sondern vielmehr Brechts Bemühungen einer Verfilmung zum Thema hat, war aber sonnenklar, dass ich ihn sehen wollte – unbedingt! Und ich habe es auch nicht bereut.

Das Boot am Ufer losgemacht: Filmszene aus Mackie Messer – der Dreigroschenfilm mit Hannah Herzsprung und Tobias Moretti; Bildquelle: Filmstarts.de

Wie gesagt, im Film geht es vielmehr um die Verfilmung des Stücks. Nachdem Berthold Brecht und Kurt Weill auf der Premiere gebibbert haben, ob das Publikum das Stück annehmen würde und sodann auf große Begeisterung stießen, gab es diesen Plan. Produzenten und Filmfirma fanden sich ebenfalls, jedoch bestand von dieser Seite die Meinung, dass an der ein oder anderen Stelle Modifizierungen vorgenommen werden müssten, sowohl aus Kostengründen als auch aus moralischen und gar politischen Gesichtspunkten betrachtet. Und so verhandeln der Filmproduzent  und Berthold Brecht (Lars Eidinger), und gehen das Stück einmal durch – was uns entsprechend vorgespielt wird. Wir sehen also das, was Brecht vielleicht so vorschwebte, und das ist ganz enorm gutes Theater mit mitreißendem Gesang. Die Besetzung war entsprechend toll: Der sehr charismatische Macheath wurde überzeugend von Tobias Moretti gegeben, Hannah Herzsprung war perfekt als Polly, Britta Hammerstein war ebenfalls überzeugend in der Rolle der Lotte Lenya bzw. „Seeräuber“ Jenny – ah! Wunderbar! (auch wenn ich schon als Kind die Single-Platte mit Lotte Lenya als Seeräuber-Jenny immer und immer wieder hörte, weil ich sie so liebte – die Darbietung in dem Film war ebenfalls klasse). Großartig und überraschend toll hat auch Joachim Król als Peachum gespielt und gesungen. Diese Ausführungen haben mir Riesenspaß gemacht. Grenzwertig waren die aufwendigen aber wie ich finde konventionellen (Ballett-)Tanzeinlagen. Das war mir persönlich etwas zu geleckt und ästhetisch und erinnerte mich eher an das Fernsehballett aus den achtziger Jahren (damals guckte ich noch fern, jetzt ja schon lang nicht mehr, deshalb weiß ich auch nicht, ob das immer noch so ist wie damals).

Der Film an sich kam nie zustande, letztendlich scheiterte alles sowohl am Geld als auch am aufkeimenden Nationalsozialismus.

Kurz gesagt: Wer die Dreigroschenoper liebt, kann unbehelligt in den Film gehen, denn man kommt auf seine Kosten: Tolle Gesangseinlagen und überzeugende SchauspielerInnen machen’s möglich! Manchmal vergisst man vielleicht sogar ein wenig, dass sich die eigentliche Handlung um die Filmproduktion und den damit verbundenen Schwierigkeiten dreht. Aber auch das war interessant, beleuchtet dies das Stück ebenfalls, beispielsweise um Fragen des Anstandes von 1930, die klare politische Ausrichtung des Stückes, aber auch finanzielle Aspekte.
Ich kann den Film auf jeden Fall empfehlen.

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„Gundermann“ – Film von Andreas Dresen

Veröffentlicht: 16. September 2018 in Filme, Gedanken, Kino, Kultur

Ich als angestammte Westdeutsche staune immer über die Sache mit der Stasi in der ehemaligen DDR. Auch wenn ich in meiner Berliner Zeit – ich lebte schließlich um den Mauerfall in Westberlin – durchaus auch eine Person kennengelernt habe, die vor lauter Druck, den die Stasi auf sie ausgeübt hatte (sie wollten sie als Informantin gewinnen) „rübermachte“, habe ich insgesamt doch gar keinen Bezug zu diesem Thema. Von dem Liedermacher Gundermann hatte ich bislang ebenfalls noch nie gehört. Um so dankbarer bin ich über diesen Film, der mir dieses Thema einmal mehr näherbrachte, und auch diesen Künstler.

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Alexander Scheer ist Gundermann; Szene aus dem gleichnamigen Film (Quele: Filmstarts.de)

Gundermann war nicht nur Sänger, er war auch Baggerfahrer im Schichtdienst und zudem überzeugter Anhänger der Staatsform der DDR. In letztgenannter Eigenschaft jemand, der sein Land mitgestalten und aus diesem Grunde konstruktive Kritik üben wollte. Diese jedoch war nicht erwünscht, und so wurde er auch aus der Partei ausgeschlossen. Anerkennung erhielt er jedoch für seine Leistung als Stasi-Spitzel, der seine Kollegen auf dem Bau und seine Künstlerkollegen ausspionierte. Die Geschichte spielt 1992, als er mehr durch Zufall auf diesen Teil seiner Biografie (er spitzelte wohl bis 1984) erneut gestoßen wurde. Er hatte es vollkommen verdrängt, dass er für die Stasi seine Mitmenschen ausspionierte, und nun wundert er sich über sich selbst. Sogar seine eigene Frau hatte von dieser Seite ihres Mannes nichts gewusst, obwohl die beiden sich schon Jahrzehnte kannten, und auch sie kann es nicht glauben, dass Gundermann dazu fähig war…

Nach Durchsicht seiner eigenen Akte entschuldigt er sich bei den Opfern. Zum Glück war mit ihnen nichts Schlimmes passiert, „aber das hast Du ja vorher nicht gewusst“, schmettert ihm ein Bespitzelter entgegen. Und nach Aktenlage wurden denn wohl auch drei oder vier Personen durch Gundermanns Aussagen observiert. Auf die Frage, warum er denn solch ein eifriger Spitzel gewesen sei, weiß Gundermann auch keine richtige Antwort: „Ich wollte doch etwas in meinem Staat bewirken“, ist wohl auch nur eine recht schwache Erklärung, denn mit der Aussage, dass dieser oder jener sich im Intershop eine Jeans gekauft habe, lässt sich so recht nichts bewegen.

Interessante Geschichte, die einmal mehr diese verdammte Rhetorik des DDR-Staates reflektiert: Dieser vollkommen integere Mann, der auf keinen Fall mit seiner Musik seinen Lebensunterhalt bestreiten wollte, damit er nicht zum Spielball politischer Interessen werden konnte, wurde ausgenutzt, und das sogar, ohne dass er richtig merkte, wie ihm geschah. Was macht so etwas mit einem? Irgendwo muss es einen Bruch in der Persönlichkeit geben, der in den tiefsten Tiefen verschüttet wurde, aber doch da ist. Es ist unglaublich gemein, was den Menschen in der damaligen DDR angetan wurde.

Ich weiß nicht, vielleicht lässt sich auch durch das diesem System Ausgesetztsein erklären, weswegen viele Menschen sich in den neuen Bundesländern so verunsichert fühlen, und warum viele nach einem Leitbild suchen oder den öffentlichen Aussagen nicht über den Weg trauen („Lügenpresse“). Das erklärt sicher nicht alles, zumal es natürlich auch im Westen diese Strömungen gibt. Doch im Osten eben stärker. Insofern ist es gut, dass es diesen Film gibt, der sich mit dieser Seite der ehemaligen DDR auseinandersetzt. Übrigens wurde toll gespielt: Alexander Scheer gab einen sehr überzeugenden Gundermann ab.

„Ocean’s 8“ – Film von Gary Ross

Veröffentlicht: 24. Juli 2018 in Filme, Kino, Kultur

Mir war nach einem leichten, schönen Sommerfilm, und da dieser hier mit einer dollen Besetzung aufwartet, dachte ich halt, probierst es mal… ´

Szene aus Ocean’s 8 mit Awkwafina, Cate Blanchett, Rihanna, Sandra Bullock, Sarah Paulson; Bildquelle: Filmstarts

Und spannend war er schon, der Film. Die Besetzung mit acht bekannten Schauspielerinnen natürlich auch grandios. Nur war die Handlung vielleicht doch ein wenig sehr an den Haaren – vielleicht ja an denen der tollen Schauspielerinnen – herbeigezogen. So blieb mir die ein oder andere Frage unbeantwortet.
Dennoch interessant, Cate Blanchett in der herben Rolle einer abgebrühten Kriminellen zu sehen, oder Rihanna als hochbegabte Hackerin (auch wenn sie ein wenig trutschig daherkam). Mehr Probleme hatte ich mit Helena Bonham-Carter , die irgendwie verwurstelt spielte, was zwar zur Rolle passte, aber dennoch so wirkte, als ob Bonham-Carter nicht viel mit dieser Figur anfangen konnte.
So blieb es ein leichter Sommerfilm für eine heiße Sommernacht, die die Sinne an sich schon vernebelt. Trotzdem, mit diesen Einschränkungen hat der Film auch Spaß gemacht.

„Am Strand“ – Film von Dominic Cooke

Veröffentlicht: 22. Juli 2018 in Filme, Kino, Kultur

Ich glaube, Ian McEwans Romane müsste ich unbedingt mal lesen… „Abbitte“, oder eben auch „Am Strand“ sind faszinierende Filme, die auf seine Romane zurückgehen. Nun habe ich aber erstmal den Film gesehen, den ich beinahe nicht besucht hätte, weil ich die Handlung so merkwürdig fand: Ein frisch verheiratetes Paar, das sich in der Hochzeitsnacht nicht näher kommen kann… Klang erstmal nicht soo spannend.

Saoirse Ronan in „Am Strand“; Bildquelle: Filmstarts.de

Aber was hätte ich verpasst! Natürlich ist die missglückende Hochzeitsnacht ein ganz gehöriger Auslöser für die Krise in der frischen Ehe, die eben nicht so einfach „vollzogen“ werden kann: Sind doch Florence Ponting (wieder mal ganz toll: Saoirse Ronan) und Edward Mayhew (überzeugend: Billy Howle)  noch Jungfrau… aber das erschwert die Sache vielleicht nur. Viel entscheidender ist doch, dass die beiden trotz ihrer durchaus positiv besetzten Beziehung zueinander sehr empfindsam sind – und das ist vielleicht etwas, das man Anfang der 60er Jahre besser nicht sein sollte. Nicht nur Sexualität ist ein Tabu-Thema, über das man nicht spricht (und selbst die Aufklärungsbücher sind derart verklemmt, dass sie einen nur abtörnen, was eine köstliche Szene zeigt, in der Florence und ihre kleine Schwester in einem Aufklärungsbuch lesen und sich nur schütteln können über den Sexualakt). Es sind auch andere heikle Dinge wie beispielsweise der Umgang mit Behinderungen:  Edwars Mutter nämlich erlitt durch einen schweren Unfall einen Hirnschaden, so  dass sie kaum mehr zurechnungsfähig ist. Nun lebt sie zwar im Kreise der Familie, jedoch ist dies schwer, wenn man weder Zugang zu der erkrankten Person findet,  noch darüber offen sprechen kann. Und auch  Florence hat ein schweres Päcklein zu tragen: In Andeutungen wird gezeigt, dass sie unter Umständen als Kind sexuelle Übergriffe  zu erleiden hatte. Doch fehlten damals die Worte für diese Untaten, und also können sie auch nicht aufgearbeitet werden.

Und nun stehen sich diese beiden Menschen, die eigentlich gut zusammen passen und sich zudem gegenseitig lieben, gegenüber, und es klappt nicht mit der Hochzeitsnacht…

Diese Geschichte wird mitfühlend und berührend erzählt, wir Zuschauer können uns in beide Personen hineinfühlen und mitleiden, wie selten im Kino. Hinzu kommen grandiose Bilder aus Südengland, eine Augenweide! Ein großartiger Film!

Über Maria Callas und über ihren Mythos weiß ich viel zu wenig. Das war mir Antrieb, in diesem Film zu gehen.

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Foto von Maria Callas und ihrem Mann Aristote Onassis; Bildquelle: Filmstarts.de

Maria Callas sagte von sich selber, dass es 2 Personen in ihr gäbe: einmal Maria, die private Person, und einmal ‚die Callas‘, die Sängerin, die es mit ihrer Kunst geschafft hat, die Menschen zu verzaubern, und damit in der Öffentlichkeit steht.

Der Film greift zurück auf Zeitungsartikel und Fernsehberichte über Maria Callas und bezieht ein Fernseh-Interview mit ein, das wohl bislang nicht veröffentlicht worden ist. In der Öffentlichkeit präsentiert sich eigentlich noch eine dritte Maria Callas: diejenige, wie sich ihr Publikum, und wie sich die Paparazzi ihr Leben vorstellen. Eigentlich ist es das Abbild der privaten Maria, diejenige, deren Misserfolge auf der Bühne, aber auch in der Liebe breitgetreten werden. Wie erging es der Privatfrau Maria damit wirklich? Das soll trotz dieses Films ein Geheimnis bleiben, wie auch damals die Öffentlichkeit eben „nur“ erfuhr, dass sie sich wegen Depressionen der Öffentlichkeit eine Weile entzogen hat.

Insofern bleibt der Film auf dem Niveau der Veröffentlichungen und spiegelt nur das erneut, was das Publikum damals durch die Klatschpresse auch erfahren hat. Keine Spekulationen werden gemacht, und das ist auf jeden Fall gut so. Die Presse hatte sie damals schon genug auseinandergenommen, und das sollte wirklich reichen.

Sehr genossen habe ich auch, dass viele ihrer Arien gezeigt wurden, die sie wirklich hingebungsvoll gesungen hat. Ohja, sie war eine wunderbare Belcanto-Sängerin! Allein dafür lohnte sich dieser Filmabend.

Dies ist mal wieder von hinten bis vorne, von oben bis unten, ein echter Wes-Anderson-Film – und damit witzig, ironisch und grandios verspielt!

Szenenbld aus „Isle of Dogs – Ataris Reise“; Bildquelle: Filmstarts.de

Gedreht wurde er wieder einmal in der Slow-Motion-Technik, in dieser Technik hatte Wes Anderson schon Erfahrungen, denn sein Film Der phantastische Mr. Fox wurde ebenfalls so hergestellt.

Diesmal geht es um einen kleinen Jungen, der seinen Hund sucht. Dies muss er auf der Insel Trash Island tun, auf die nicht nur aller Müll, sondern auch alle Hunde aus Japan verbannt wurden. Ausgerechnet sein Ziehvater, das Staatsoberhaupt, besitzt eine  ausgeprägte Aversion gegenüber Hunden. Merkwürdig, dass er doch dessen Ziehsohn einen Hund (ausgestattet mit einem speziellen Sender, mit dessen Hilfe die Verständigung zwischen Kind und Hund möglich wird) anschafft…

Atari begibt sich also auf die Insel und lernt andere Hunde kennen, vom Schoßhündchen bis zum Straßenköter, und alle helfen ihm bei seiner Suche.

Also schon ziemlich abgefahren, diese Geschichte, die in einer fernen  Zukunft in einem fernen Japan spielt. Doch bietet sie Grundlage für überbordende Phantasie und viele verrückte Einfälle, die, lässt man sich auf die Geschichte ein, viel Spaß machen. Hinzu werden Japan-Klischees hoch und runter zitiert, die in ihrer Dichte riesig Laune machen. Immer wieder werden auch Passagen auf Japanisch gesprochen, die dann untertitelt wurden, wenn überhaupt. Aber das hatte auch den Effekt, dass man immer wieder daran erinnert wird, wie schwer sich die Verständigung zwischen Mensch und Tier gestaltet  (ich kann ja auch nicht genau verstehen, was meine Katze meint, wenn sie mir miauend um die Beine streift, genauso wie sie dieselben Probleme plagt, wenn ich sie etwas frage). Das machte den Film einmal mehr exotisch…

Bestimmte Stilmittel, aber auch Themen kennen wir schon aus anderen Wes Anderson-Filmen, beispielsweise, wenn die Akteure frontal in die Kamera schauen und über das Geschehen reflektieren. Ein kleiner Junge war auch die Hauptfigur in Moonrise Kingdom, der b.a.w. mein Lieblingsfilm von Wes Anderson bleibt.

Wir haben uns köstlich amüsiert – es ist intelligentes, ironisches Kino. Wes Anderson – der auch das Drehbuch selber schrieb – versteht es meisterhaft, aus den verrücktesten Stoffen gute Unterhaltung zu zimmern.

 

‚3 Tage in Quiberon“ Film von Emily Atef

Veröffentlicht: 29. April 2018 in Filme, Kino, Kultur

Wenn ich an Romy Schneider denke, dann erinnere ich mich an eine schöne Frau und an eine Wahrhaftigkeit in ihrem schauspielerischen Ausdruck, die ihre überragende Ausstrahlung ausmachte. Meine Erinnerungen fußen auf die Kenntnis weniger Filme, die ich vor ewig langen Zeiten gesehen habe. Dennoch ist dies eben mein Mythos von Romy Schneider. Sissy, Erotik, unglücklich sein, tragische Lebensumstände, ein Gartenpfosten, der ein Kind aufgespießt hat…; eine zerbrochene Frau.

Charly Hübner und Marie Bäumer in ‚3TAge in Quiberon‘; Bildquelle: Filmstarts.de

Allein wegen dieser Erinnerungen war ich sehr neugierig auf diesen Film, eine kluge Wahl war es, ihn in Schwarweiß zu drehen, knüpft er doch an die Erinnerungen der 60er Jahre an, in denen wir die Sissy-Filme doch alle nur so an unseren heimischen Fernsehapparaten sahen. Das passte gut.

Romy Schneider (gespielt von Marie Bäumer) befindet sich 1981 in einem Kurhotel in Quiberon zur Entgiftung. Alkohol und Tabletten haben ihrer Gesundheit zugesetzt, ganz zu schweigen von ihren finanziellen Problemen und ihrer Zerrissenheit zwischen dem Beruf und ihren beiden Kindern. Immer kommt eines von beiden zu kurz, und das ist vielleicht auch das Motto ihres Lebens: Denn sie ist, was sie tut, und das  immer mit Haut und Haar. Spielt sie, wird sie zu der Figur; ist sie bei ihren Kindern, ist sie ganz Mutter.

Romy Schneider wird besucht von dem Stern-Reporter Michael Jürgs der sich schneidig, scharf und ehrgeizig gibt (Robert Gwisdek) und dem Fotograf Robert Lebeck, so ein lieber Kerl…(gespielt von Charly Hübner). Zweiteren kannte sie schon, und es verbindet sie eine innige Freundschaft. Ebenfalls reist Romys beste Freundin Hilde (Birgit Minichmayr) an, um Romy beim Interview und überhaupt beizustehen, denn es geht ihr absolut lausig. Warum sie zu dem Interview bereit ist, habe ich nicht wirklich verstanden, am Ende war es vielleicht nur die Aussicht, den Fotografen wiederzusehen. Fakt ist, dass sie in diesen drei Tagen dem Reporter gegenüber sehr ehrlich ist und seine teilweise provokanten, übergriffigen Fragen mit einer beinahe bestürzenden Offenheit begegnet, so dass es Michael Jürgs selbst schon ganz mulmig wird und er ihr später das Interview vorlegt und absegnen lässt, bevor es in die Veröffentlichung geht. Diese Interview-Situation ist eine von vielen in dem Film. Denn abends kommen die vier ganz privat zusammen, um in einer Kneipe ausgelassen zu feiern, natürlich fließt der Chamapgner an diesem Abend, doch es ist in jeder Hinsicht ein berauschender Abend, in dem sich Romy entspannt und ansteckend fröhlich zeigt – nur um in den frühen Morgenstunden fertig und zerknirscht im Hotel anzukommen, und übermannt von schlechtem Gewissen ihrer Kinder gegenüber diese morgens um vier Uhr oder so anrufen will… Hilde, während des Interviews zum Anstandswauwau avanciert, hält sie am Ende davon ab. Überhaupt Hilde: Mit wachen Augen versucht sie, Romy vor sich selbst zu schützen, redet ihr Tabletten, welche genommen werden wollen oder Alkohol, der getrunken werden wil, aus, mit wenig Erfolg.

Es sind wunderbare Szenen, die diesen atmosphärisch dichten Film ausmachen und das wunderbare Schauspiel aller Darsteller, aber allen voran das Spiel von der wunderschönen Marie Bäumer (der eine gewisse äußere Ähnlichkeit mit Romy Schneider von jeher nachgesagt wird). Sie spielt Romy derart überzeugend, dass ich zwischendurch glatt vergessen habe, dass Marie Bäumer gar nicht Romy Schneider ist, sondern sie nur spielt. Irgendwie war ich versetzt, entrückt in einen Film mit Romy Schneider, und nicht über sie. Das war faszinierend. Im Übrigen ist es ein leidenschaftlicher Film, ein Plädoyer fürs satte, ungebremste Leben, ohne zu verheimlichen, dass es eine Schattenseite gibt, die genau so schwer auszuhalten ist, wie der Gegenpol. Gleichzeitig ist es ein poetischer Film, romantisch auch, wenn wir sehen, wie Romy beim Fotoshooting über die bretonischen Steine am Strand springt oder mit einem vagabundischen Künstler in der Kneipe feiert. Ich freue mich, dass der Film gerade so tolle Auszeichnungen bekommen hat und gehe damit ganz d’accord. Es ist ein unbedingt sehenswerter Film.