Archiv für die Kategorie ‘Kunst’

Dieser englische Maler aus dem 18. Jahrhundert war mir kaum bekannt. Da wurde es doch nun mal Zeit hinzugucken. Und das hat sich sehr gelohnt!

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Ausschnitt aus dem Gemälde „Mr und Mrs. Andrews“, 1750; Quelle: Hamburger Kunsthalle

Thomas Gainsboroughs lebte überwiegend von Auftragswerken, Darstellungen Adliger, die er lieber vor einen ländlichen Hintergrund setzte, als in statische Umgebung. Davon also lebte er. Seine Landschaftsbilder, in früheren Jahren zunächst Kopien oder Anlehnungen an die Holländischen Landschaftsmalereien des 17. Jahrhunderts, jedoch in späteren Jahren eigene Motive, sind denn vielmehr das, wofür sein Herz schlug. Einige davon konnten wir in dieser Ausstellung sehen, und die Geschichten, die in den Bildern erzählt wurden, waren tatsächlich sehr eigen, zum Teil erzählten sie von den Veränderungen der politischen Gegebenheiten, die gerade für die Landbevölkerung fatal waren.

Beispielsweise war ein Gemälde ausgestellt, in der eine Familie an einem Weiher steht, im Schatten neben ihnen grasende und ruhende Kühe, im Hintergrund die Hütte, und irgendwo im Schatten ein Mann, der Holz sammelt. Auf den ersten Blick ist es ein ruhiges Idyll. Doch der Schein trügt: Das Haus im Hintergrund ist sehr klein, wenn man die Menge der Menschen betrachtet, die dort alle am Weiher stehen – sollen sie dort alle wohnen? Der Mann, der das Holz sammelt, begeht gerade damit eine Straftat, denn dies wurde nach einer Umverteilung verboten:  Man sollte, nein, musste das Holz kaufen! Die Kühe, die dort idyllisch grasen,  sind ebenfalls fehl am Platze, denn auch dies war nicht gewünscht. Und so verwandelt sich das Idyll in die politische Darstellung von ärmlichen, rechtlosen Bauern, die als Leibeigene den adligen Grundbesitzern ein gutes Stück weit ausgeliefert waren.

Abgesehen von solchen – meisterhaften – Darstellungen war Thomas Gainsborough sehr experimentierfreudig und versuchte durch verschiedene Techniken neue Effekte zu erzielen. Bis heute zählt er zu den wichtigsten Künstlern des 18. Jahrhunderts in England. Schön, dass die Kunsthalle einige tolle Bilder hergeholt und uns gezeigt hat!

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Drei Künstler aus unterschiedlichen Zeiten, aus verschiedenen Regionen der Welt, die unterschiedlich gearbeitet und dazu unterschiedliche Materialien und Medien genutzt haben, deren Werke in dieser Ausstellung  alle in Schwarzweiß gefertigt wurden, wurden hier konzeptionell  verbunden.

Während Francisco Goyas ausgestelltes Druckwerk – es handelt sich um die Radierungen aus den „Caprichos“ und den „Schrecken des Krieges“  ein für ihn zeitgemäßes Medium nutzt, um seine Grafiken zu vervielfachen, und Sergej Eisenstein mit dem Medium Film ebenfalls seine Kunst einer breiten Masse vorstellen konnte, setzt Robert Longo auf riesige Bilder, die in aufwändiger Technik hergestellt wurden, deren Motive jedoch teilweise aus anderen Medien wie Fernsehen oder Fotos stammen – Unikate also, die sich der massenhaften Vervielfältigung stringent verweigern. Und das, obwohl die Motive bereits verbreitet sind, jedenfalls teilweise.

Die Arbeiten von Robert Longo dominierten ganz klar diese Ausstellung, sowohl durch ihre Größe als auch durch die aufwändige Herstellung: Es sind riesige Bilder, die in Kohle gemalt wurden. Hierbei wurde die Kohle mit dem Pinsel aufgetragen.  Das erkennt man jedoch nicht, so genau und filigran wurde gearbeitet, dass sich der Eindruck einstellt, man stünde vor riesigen Fotos.

Die Motive sind dabei scheinbar willkürlich gewählt: Transformer, Teletubbies, Flüchtlingsboot oder andere hochpolitische Motive wurden in akribischer Feinarbeit großformatig hergestellt. Einige der Bilder bereiteten mir echtes Zähneklappern, wie beispielsweise ein ca. 2×1,5 m großes Bild von einem Einschlussloch einer Fensterscheibe der Redaktion Charlie Hebdo:

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Robert Longo, 2015

Ein anderes Werk ist mehrdimensional zu sehen, indem zwei Bilder sich gegenüber stehen: Zum einen die Darstellung von farbigen Footballspielern, die aus Protest gegen die Ungleichbehandlung von farbigen Personen durch die Polizei mit erhobenen Händen das Stadion betreten, zum anderen – genau gegenüber aufgehängt, das Bild einer Gruppe von Polizisten mit aufgestellten Schilden.

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Robert Longo, 2016

Insofern sind Robert Longos Bilder zumeist politische Statements, auch wenn uns überdimensionale Teletubbies entgegenlachen, in die Darstellung miteinbezogen die pixelige TV-Qualiät.

Inspiriert haben ihn zudem Röntgenbilder berühmter Gemälde wie beispielsweise eines von Rembrandts „Bathseba im Bade“:  Es wurde deutlich, dass Rembrandt das Gemälde zunächst komplett anders anlegte: Fast keck schaute Bathseba aus dem Bild, doch übermalte Rembrandt diese Fassung, und nun hat Bathseba eine beinahe demütige, melancholische Haltung. Die Röntgenbilder holen die Geschichte der Fassung wieder her, machen sie gleichwertig, und dadurch, dass Longo beide Fassungen gemalt hat, erzählt er auch von Entscheidungsprozessen und Konflikten Rembrandts bei der Wahl von Aussage und letztendlich auch der Wirkung. Das fand ich sehr interessant.

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Robert Longo: als Vorlage diente die Röntgenaufnahme von Rembrandts Gemälde „Bathseba im Bade“, 2015-2016

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Francisco Goya: „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“, 1799

Goyas phantastische Druckwerke gingen neben diesen raumeinnehmenden Bildern von Robert Longo dagegen beinahe unter – etwas, was sie sicher nicht verdient haben.  Mit den Caprichos – hier setzte er z.B. Sprichworte bildlich um, oder er zeigte freche, auch anstößige Motive – riskierte Goya einiges: Entstanden sie doch zu Beginn der Inquisition. Erst nach Goyas Lebzeit wurde die Bilderreihe „Schrecken des Krieges“  veröffentlich, möglicherweise, weil die politischen Umstände es vorher nicht hergaben? Jedenfalls wird Goyas kritische Haltung zu Krieg überdeutlich und ist daher ebenso politisch wie die Caprichos, in denen die Karikaturen eine freie Meinungsäußerung voraussetzen.

Auf einer riesigen Längsseite wurden Filme von Sergej Eisenstein gezeigt, und zwar in sehr, sehr langsamen Tempo, so dass man genau studieren kann, wie durchkomponiert die einzelnen Szenenbilder sind. Dazu wurden Skizzen von Eisenstein gezeigt, aus denen ebenfalls zu schließen ist, dass Eisenstein in seinen Filmen nichts dem Zufall überließ.

Mit Sergej Eisenstein werde ich mich noch an anderer Stelle befassen: Ich habe seine Filme „Ivan der Schreckliche“ (Teil 1+2) hier schon liegen.

Die Ausstellung geht nur noch bis zum 27. Mai 18 – es ist also noch etwas Zeit, sie zu besuchen, ich fand, es hat sich sehr gelohnt.

Nicht nur viele tolle Ölgemälde, einige Aquarelle und Holzschnittdrucke waren in der Ausstellung zu sehen – auch einige Masken und Skulpturen aus Karl Schmidt-Rottluffs Privatsammlung waren mit von der Partie, denn diese haben sein Werk nachhaltig beeinflusst und wurden oft zu seinem Motiv.

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Motiv von der Website des Bucerius Kunstforums. Die Ausstellung läuft noch bis zum 21.5.18. Mehr unter https://www.buceriuskunstforum.de

 

Seine Gemälde sind bestimmt durch eine große Farbigkeit und Reduktion der Formen auf das Wesentliche. Beinahe könnte man seinen Malstil als grob bezeichnen, und unschwer lässt sich erkennen, dass Schmidt-Rottluff ein der Künstlervereinigung „Die Brücke“ zugehöriger Maler ist (sogar Gründungsmitglied), denn auch bei anderen Künstlern dieser Gruppe sind die starke Farbigkeit und formale Reduktion der Motive zu finden.

Aus der Wahl der Motive und der Farben spricht, so finde ich, eine große Sehnsucht nach einer anderen Welt, die mit der im Deutschland vor und zwischen den beiden Weltkriegen nicht viel zu tun hat. Mir kommt es so vor, als wäre er auf der (Welt-)Flucht gewesen nach einer Idylle irgendwo an einem anderen Ende der Welt. Auch die vielen Bilder, die an seinen abgelegenen Urlaubsorten in der Nähe der Ostsee entstanden, sprechen von der Suche nach Ruhe und Idyll. Das kann natürlich täuschen, da sich die Ausstellung im Bucerius Kunstforum auf den Aspekt der Einflussnahme außereuropäischer Kunstwerke auf das Œuvre Schmitt-Rottluffs konzentriert und zudem einige Ölgemälde mit Landschaftsdarstellungen aus seinen Aufenthalten an der Ostsee hinzu genommen hat.

Die Original-Masken zu sehen neben den Bildern, in denen sie gemalt wurden, war jedenfalls sehr interessant, denn in den Gemälden erfuhren die Masken eine weitere Verfremdung; also entstand ein Kunstwerk aus einem anderen, der subjektive Blick auf einen subjektiven Blick trifft auf den subjektiven Blick der Betrachter und macht einmal mehr klar, dass es das Objektive vielleicht gar nicht geben kann.

Mich hat vor allem die Farbwahl erfreut, denn die Bilder sind unglaublich bunt, die Farben kühn nebeneinander gesetzt, krasse Kontraste erzeugend. So mutig und radikal sein zu können, ist an sich schon eine riesige Kunst. Es ist beinahe überflüssig zu erwähnen, dass die ersten Ausstellungen der „Brücke“-Maler riesige Misserfolge waren. So etwas hatte die Welt zuvor noch nicht gesehen…

Heute mutet das Werk dann teilweise schon wieder ein wenig überholt an. Wir sind mit den Masken aus Afrika und Ozeanien weitestgehend vertraut (nicht zuletzt durch die Werke der Expressionisten; Schmidt-Rottluff ist nicht der einzige Künstler, der von den Masken und Skulpturen fasziniert war und diese gemalt hat). Sogar ich habe einige Skulpturen billig in Afrika gekauft, es sind heutzutage gängige Souvenirs, hierzulande findet man sowas sicherlich auf fast jedem Flohmarkt.

Jedenfalls hatten für mich einige der Bilder einen merkwürdigen Beigeschmack, wurden die Masken auf den Gemälden doch zum Teil neben Topfpflanzen gesetzt. Rebellion auf dem Fensterbrett (Sturm im Wasserglas?) sozusagen – von heute aus betrachtet… Dennoch ist dies auf jeden Fall eine sehr bunte, sehr lohnenswerte Ausstellung. Nur nach Berlin-Zehlendorf ins Brücke-Museum (aber erst, wenn die Bilder aus der Ausstellung zurückgehängt wurden!!!)  zu gehen wäre besser.

Hätten mich nicht gleich zwei Freundinnen unabhängig voneinander auf diese grandiose Ausstellung aufmerksam gemacht, ich hätte sie wohl versäumt. Und ich bin so froh, dass ich sie gesehen habe!

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Foto in der Ausstellung mit Alice Neel inmitten einiger ihrer Werke

Alice Neel, 1900 geboren, ist eine amerikanische Künstlerin. Den Namen hatte ich zuvor nie gehört, was ich im Nachhinein eigentlich nicht verstehe – aber hierzulande scheint mir diese Künstlerin wohl eher unbekannt … Vielleicht hat sie eher im Stillen gewirkt, denn während Jackson Pollock großformatig und gekonnt  kleckste, Andy Warhol seine Pop Art entwickelte und Robert Rauschenberg mit Gegenständen, Farben und Aktionen herumexperimentierte, tat Alice Neel nur eines: Sie malte, vor allem Portraits. Aber das tat sie mit Inbrunst und  Herzblut, und so floss nicht nur ihr handwerkliches Können in ihre Werke ein, sondern zudem ist jedes ihrer Bilder zugleich eine persönliche Stellungnahme. Ich habe selten in einem Portrait so viel Subjektivität gesehen, wie bei dieser Künstlerin: Nicht nur zeigen ihre Bilder die Menschen, sie zeigen auch ihre aktuelle Verfassung, und man sieht den Bildern auch an, welches Verhältnis die Künstlerin zu den Portraitierten hatte. Deutlich lässt sich in manchen Bildern eine gewisse Ablehnung herauslesen, beispielsweise auf den Gemälden, auf denen GaleristInnen portraitiert wurden. So hat sie eine Galeristin zahnlos und vergrämt gemalt, einer anderen malte sie einen unglaublichen Busen – man könnte sich vorstellen, dass Alice Neel schon vor diesen unvorteilhaften Portraits von den Galeristinnen abgeurteilt worden ist… Henry Geldzahler, Kurator für zeitgenössische Kunst und Freund von Andy Warhol, schaut uns aus dem Portrait so skeptisch an, als seien wir Zuschauer gleich mit auf dem Prüfstand, nicht nur Alice Neel, die sich ja vielleicht Anerkennung von dem Objekt ihrer künstlerischen Begierde versprach…

Ihre Portraits sind aufrichtig und authentisch, beispielsweise von Müttern mit ihren Babys, die alles andere als niedlich dargestellt sind, sondern unglaubliche Bullerköppe haben und ganz offensichtlich auf den Nerven der liebenden Mütter mit ihren tapsigen Füßen herumtrampeln. Nein, man kann nicht sagen, dass Alice Neel in ihren Gemälden etwas beschönigt; vielmehr sind ihre Bilder Dokumentationen der Stimmungen, und zwar ihrer eigenen UND der der Portraitierten.

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Alice Neels Sohn, erschöpft von der Arbeit. Foto: S.G.

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Zur Entstehungszeit dieses Gemäldes galten Pärchen, deren Hautfarbe sich voneinander unterschieden, als ungewöhnlich… In ihrem Atelier galten Konventionen jedoch nicht viel. Foto: U.D.

Noch etwas ist mir aufgefallen: Anita Rée (1885-1933), deren Werke ich neulich in der Hamburger Kunsthalle gesehen habe,  und Alice Neel (1900-1984) sind ja mehr oder weniger Zeitgenossinnen, doch während Anita Rée vergleichsweise sehr in der europäischen Maltradition verhaftet war (was keine Herabsetzung ihrer Kunst bedeutet), scheint mir Alice Neel viel unbelasteter und freier an ihre Kunst herangegangen zu sein. Natürlich sind die 15 Jahre Unterschied zwischen beiden Geburtsjahren entscheidend, da in der Welt Anfang des 20. Jahrhunderts  gravierende Umbrüche und  ein Weltkrieg herrschten. Dennoch, interessant, wie groß die Unterschiede sind…

Die Ausstellung  dieser bewegenden Bilder war absolut sehenswert. Hatte ich schon gesagt, dass ich froh bin, sie nicht verpasst zu haben? Leider endete die Ausstellung am 14. Januar. Hoffentlich kommen Alice Neels Werke bald mal wieder her, ich habe jetzt schon Sehnsucht nach ihnen.

 

Die kleine, feine Ausstellung im tollen Hamburger Museum für Völkerkunde stellt zwei historische Abschnitte Koreas nebeneinander – und das ergibt einen megakrassen Einblick in die Entwicklung dieses traditionsreichen und technikaffinen Landes.

Koreas frühe Entwicklung ist geprägt von Konfuzius‘ Lehren – ein Philosoph, der um 500 v. Chr. lebte und wirkte. Seine Lehren zielten grob gesagt auf einen Lebensstil ab, der moralisch einwandfrei und strebsam war. Noch heute sind diese Lehren in Korea greifbar, wenn auch andererseits etwas verformt, wie mir scheint.

Die Abteilung über die alte Zeit umfasst Hüte, Kimonos, Fächer und anderen Zubehör. Uralt und einigermaßen beeindruckend zeugen sie von einer ausgeprägten Hofkultur und auch von Behördentum.

Die neuere Abteilung hingegen bietet einen Einblick in das heutige Korea, in dem die alten Traditionen fortbestehen – so sind Fotos von einem Markt in Korea zu sehen, die durchaus zeigen, wie altertümlich es dort noch immer zugeht, wenn Bauern ihre Waren auf dem Boden präsentieren, gleich neben den Auspüffen von Autos… Die Ausstattungen der Wohnungen sind dagegen ähnlich wie hier, auch wenn die Gewohnheiten und Geschmäcker der KoreanerInnen sich von den unseren unterscheiden. Faszinierend war z.B. ein spezieller Kühlschrank, der so eingerichtet ist, dass darin das beliebte und weitverbreitete Kimchi – das ist speziell eingelegtes Gemüse, sehr gesund – darin Platz findet. Mhm. Ich stand davor, und man hatte dort „Muster-Kimchi“ in den Kühlschrank gelegt, so sah es jedenfalls aus. Dennoch verbreitete sich der typische Kimchi-Geruch – ob sie den Kühlschrank entsprechend „einparfümiert“ hatten?

Auch andere Dinge schienen mir so fremd zu sein wie von einem anderen Stern: Da gab es beispielsweise auch eine Karaoke-Kiste zu sehen, in die man an öffentlichen Orten hineingehen kann. Gegen Münzeinwurf kommt dann Musik aus dem Kasten, zu dem man nach Herzenslust trällern kann. Merkwürdig… Als wir die Ausstellung besuchten, war diese Kiste hochfrequentiert: drei Koreaner(?) hatten sich dort hineingequetscht und unterhielten lautstark alle Ausstellungsbesucher…

Gruselig fand ich die Popkultur der koreanischen Jugend. Die Boygroup, von der Fotos an der Wand hingen, schien mir viel eher aus Stricherjungen zu bestehen. Sind jedoch Idole. Natürlich fanden sich in der Ausstellung auch Stücke mobiler Endgeräte, was uns drastisch vor Augen führt, wo viele unserer Handys und Smartphones herkommen. Daneben fanden sich brav gehandwerkelte Überdecken für einen geordneten Haushalt.

Einiges fand ich wirklich sehr fremd, beispielsweise die vielen Sorten von „Medizin“, um einen Kater nach einer feuchtfröhlichen Nacht zu bekämpfen, oder auch die Instant-Fertigsuppen, die man freilich auch mittlerweile bei uns im Supermarkt kaufen kann. Auch ist Korea mit seiner unglaublichen wirtschaftlichen Entwicklung ein Paradebeispiel für Ehrgeiz und Leistungsdenken, das mir etwas unheimlich ist…

Korea ist eine Welt zwischen Fast Food, Technikbegeisterung, Ehrgeiz und strengen Traditionen. Ein spannendes Land! Es ist eine spannende, übersichtliche Ausstellung, die Einblick in ein modernes und für mich ziemlich exotisches Land gibt.

Weitere Impressionen findest Du bei Facebook: https://www.facebook.com/VoelkerkundemuseumHH/posts/10155969868676823

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Wer in den 20er, 30er Jahren etwas von sich hielt, besuchte in Wien Madame d‘Oras (1881-1963) Fotostudio, um sich dort von ihr fotografieren zu lassen. So entstanden in der aufregenden Zeit der 20er Jahre viele Portraits von der Wiener Upper Class und auch der Künstlerbohéme, aber auch von vielen Schauspielern und Modemacherinnen. Die Fotos sind in den gewählten Ausschnitten und den sorgfältig herausgearbeiteten Graustufen ästhetische Meisterwerke, die die Menschen vorteilhaft in Szene setzten – bis zum aufkeimenden Nationalsozialismus. Das heile Weltbild, auch das von Madame d’Ora, geriet ins Wanken. Hatte sie zuvor die Menschen in ihrem Prunk gezeigt, in wunderbaren Kleidern und in voller Schmuckmontur, hinterlässt diese Zeit ihre Spuren auch in ihrer Arbeit. Durch ihre notwendige Flucht – sie war Jüdin – kommt sie in Berührung mit Leid und Elend, das ihre Arbeit aus den tollen 20ern ad absurdum zu führen scheint. Konsequent wendet sie sich auch fotografisch anderen Motiven zu: Sie fotografiert in Flüchtlingsunterkünften und dokumentiert damit die Kehrseite von Reichtum und Wohlstand.

Auch Portraits erhalten einen neuen Aspekt: Statt den ewigen Glanz zu zeigen, bezieht sie bildlich auch den körperlichen Verfall mit ein, macht die Vergänglichkeit und das Altern spürbar, zeigt nun auch das, was sie in den Bildern vor dem Krieg kategorisch ausgeklammert hatte. Jetzt sind es nicht mehr die glatten Gesichter von jungen Menschen, vielmehr das Aufdecken von Alterungsprozessen, das sie auf manchen Bildern noch drastisch unterstreicht, indem sie Tierkadaver mit ins Motiv hinzunimmt, bilden den neu gesetzten inhaltlichen Schwerpunkt.

Und dann, schließlich, mündet ihre Arbeit in zwei Serien, die sie in einem Pariser Schlachthof aufgenommen hat: Tote Kälberaugen, abgezogene Schafe, gehäutetes, mit weißen Sehnen durchzogenes Pferdefleisch sind ihre drastischen Motive, die trotz der Grässlichkeit des Themas – man fragt sich, ob das normal ist, wie die Tiere hier ums Leben gekommen sind, oder ob Tierquälerei ein weiterer Kritikpunkt ist – durchaus auch eine ganz eigene Ästhetik besitzen.

Von der schönen Welt des Scheins bis zum blutigen Schluss reicht das Spektrum von Madame d’Oras Fotokunst. Das ist eine unglaubliche Entwicklung, die die Künstlerin durchgemacht hat! Betrachtet man ihr Werk in der Gänze – und das erlaubt diese Ausstellung ja, wenn sie nicht geradezu dazu auffordert – entsteht ein verstörendes Verständnis von Ästhetik, und es drängt sich die Frage nach der Endlichkeit aller Wesen gegenüber einer unmenschlichen Verdrängung des Eigentlichen auf. Diese Ausstellung, die mich, da chronologisch angeschaut, zunächst im Ästhetischen der Motive und der formalen Bildaufteilung hat schwelgen lassen und mich sodann durch den Kontrapunkt nachdenklich werden ließ, hat mich tief berührt.

 

Anita Rée: Selbsportrait, 1930 (Bildquelle. Hamburger Kunsthalle)

Anita Ree wurde 1885 geboren und stammte aus begütertenm Elternhaus. Sie wollte unbedingt Malerin werden, was zu ihrer Zeit gesellschaftlich nicht nur nicht anerkannt, an akademischen Institutionen für Frauen sogar unmöglich war. Dennoch gelang es ihr, eine entsprechende Ausbildung über Privatunterricht zu absolvieren. Mit ihren Portraits, die sie in jungen Jahren malte, hatte sie sogar einigen Erfolg. Zu Recht: Es sind wunderschöne Bilder, die nicht nur die Auftraggeberinnen pointiert darstellten (während die männlichen Portraits einen leichten Schlag ins Karikaturhafte erhielten), sondern auch in ihrer Farbigkeit und Komposition sehr eigene und ästhetisch überzeugende Bilder sind. Zwei ihrer Hauptwerke neben anderen gehören in die Hamburger Kunsthalle und sind uns HamburgerInnenn schon lange bekannt: Es ist zum einen ihr Selbstportrait, das in gelb gehalten ist, und zum anderen eine erotische Darstellung von eine Frau mit bloßem Oberkörper, die vor einem Busch mit Feigen steht. Es sind beides ungewöhnliche Bilder: der auffordernde, direkte Blick von Anita Rée in ihrem Selbstportrait spricht uns BetrachterInnen mit seiner Direktheit beinahe auffordernd an. Das andere Gemälde von der halbnackten Frau ist sinnlich und zugleich ungewöhnlich: das Bild, eine gewisse Komik, aber auch Derbheit beinhaltend, spricht eine ganz eigene Sprache, mit keinem anderen Künstler vergleichbar (ich wüsste nicht, mit wem).

Es ist ein großes Glück, dass die Hamburger Kunsthalle zur Zeit des aufkeimenden Nationalsozialismus einen Hausmeister beschäftigte, der über Kunstverstand verfügte: Wilhelm Werner war es nämlich, der zusammen mit weiteren auch einige von Anita Rées Werken vor dem Abtransport ‚entarteter Kunst‘ versteckte. So ist es allein ihm zu verdanken, dass diese Werke heute noch erhalten sind.

Verirrtes Schaf in verschneiten Dünen, 1932/33; Bildquelle: Hamburger Kunsthalle

Mit dem Nationalsozialismus wurde auch Anita Ree als Halbjüdin angefeindet. Sie reagierte mit innerer Emigration und zog sich auf die Insel Sylt zurück. Hier malte sie keine Portraits mehr, sondern Winterlandschaften, auf manchen sind verirrte Tiere zu sehen. Es sind berührende Bilder, die von einer desorientierten Lebenssituation sprechen.
1933 nahm sich Anita Rée auf Sylt das Leben.

Die Ausstellung umfasst neben einigen Zeichnungen und vielen gemalten Portraits und Landschaften (darunter auch das damals viel diskutierte Gemälde „Weiße Nussbäume“  von 1922–1925, über das ihre Verbundenheit mit der Künstlervereinigung der Hamburgischen Sezession ernsthafte Risse bekam) auch einige bemalte Möbelstücke sowie Bilder, die sie ihren Freunden schenkte. Es waren Gemälde, die sie ihnen überließ, weil sie beispielsweise bei ihnen wohnen konnte. Auch ein Puppenspiel hat sie gestaltet. Es ist eine gar nicht so kleine und sehr feine Ausstellung, deren Besuch sich sehr gelohnt hat.