Archiv für die Kategorie ‘Kunst’

jane-der-fuchs-und-ichAufmerksam geworden bin ich auf das Buch durch meine Bloggerkollegin Klappentexterin, und die Rezension hat mich derart neugierig gemacht, dass ich sofort losgezogen bin, um mir dies Buch zu besorgen. Zudem habe ich noch nie meine Nase in eine Graphic Novel gesteckt, war also auch deswegen neugierig. Und was soll ich sagen: Ich bin schwer begeistert…!!!

Helène wird in der Schule gemobbt – niemand will mehr etwas mit ihr zu tun haben. Wie es dazu kam, wird nur in Ansätzen geschildert. Irgendwie hat es etwas mit dem Pettycoat-Kleid zu tun, das ihre Mutter ihr liebevoll genäht hat. Doch genaueres wird nicht gesagt – so ist genug Raum vorhanden, sich die Geschichte selbst zusammen zu reimen. Helène übersteht diese schwere Zeit der Einsamkeit, indem sie sich in ein Buch vertieft: „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë. Wie Helène muss sich auch die Hauptfigur des Romans durch eine schwere und einsame Kindheit bewegen, und es ist tröstlich, dass Jane es tatsächlich schafft zu überleben.

Helènes Lage spitzt sich noch zu, als die Kinder zu einer Klassenreise genötigt werden…

 

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Das Buch besteht aus wunderbaren Zeichnungen, die nicht nur in sensiblen Schwarzweiß-Bildern Helènes Lebensgefühl festhalten, sondern auch die Bedeutung des Brontë-Romans vor Augen führt. Denn wie ein lebensrettender Anker erscheinen hier Farbtupfer in verschiedenen Orangetönen. Diese treten immer auf, wenn Helène etwas erfährt, das ihren Erlebnishorizont um ein positives, tröstendes Element bereichert, und so wird für uns sichtbar, wie und warum Helène es schafft, diese schwierige Zeit zu überstehen. Die Zeichnungen, egal ob schwarzweiß oder mit dem Farbtupfer, sind dabei so wunderbar, dass es eine Augenweide ist, das Buch durchzugehen. Kaum hatte ich es durch, musste ich deshalb von vorne beginnen (und jetzt könnte ich es auch schon wieder zur Hand nehmen…).

Dieses Buch schildert sehr gelungen das schwierige Lebensgefühl einer Fünftklässlerin und fängt auf beeindruckende Weise ein, wie sich vieles ändern kann – und das auch zum Besseren. Ich fand es einfach toll.

 

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Im 17. Jahrhundert erfuhr die Kunst in den Niederlanden einen riesigen Aufschwung: Die Nachfrage nach Gemälden stieg, die Menschen verlangten nach Kunst, um ihr eigenes Heim zu schmücken. Die Künstler mussten sich etwas einfallen lassen, um den Kunstmarkt zu bedienen und den verschiedenen Geschmäckern – und Geldbeuteln – gerecht zu werden. Manchen Kunden ging es um flüchtige Alltagsszenen, andere wollten filigran gemalte Bilder haben, die natürlich in der Herstellung teurer waren. Wieder andere verlangte es nach Naturszenen oder aber nach ausgefalleneren Motiven. Portraits standen hoch im Kurs, aber auch die günstigeren Tronies, das sind portraitähnliche Charakterstudien von oft anonymen Personen, wurden zu begehrten Kunstobjekten. Die Beliebtheit dieser Bilder ging sogar so weit, dass man sie in einer Lotterie gewinnen konnte.

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Ausschnitt von der Website des Bucerius Kunstforum http://www.buceriuskunstforum.de

Damit die Künstler schnell produzieren konnten, gab es Spezialisierungen: Einer konzentrierte sich darauf, Kühe zu malen, der nächste war ein Meister im Malen von Wirtshausszenen; ein Spezi hatte sich auf das Wiedergeben von Szenen mit Feuer konzentriert, und so weiter. Durch diese Herangehensweise entstanden Bilder von sehr unterschiedlicher Qualität. Sicher, sie waren filigran und gut gemalt, doch neben beeindruckenden Portraits gab es auch Gemälde mit vergleichsweise wenig starker Aussagekraft.  Ich mochte die Bilder zwar, aber eine gewisse Tiefe entbehrten einige am Ende doch. Sicher werde ich den Gemälden nicht gerecht, wenn ich das Wort ‚Kitsch‘ einwerfe – und es ist auch nicht für jedes Bild bezeichnend – doch ganz wegdenken lässt es sich nicht.

Trotzdem war es eine aufschlussreiche und interessante Ausstellung zu einem ausgefallenen kunsthistorischen Thema.

Von dem Hamburger Künstler Carl Lohse (1895-1965) hatte ich vor Besuch der Ausstellung nie gehört. Das hat vermutlich auch damit zu tun, dass er eine relativ kurze Schaffenszeit hatte, bzw. eine sehr kurze und später noch eine, über die ich nichts sagen kann, weil ich keine Bilder von ihm aus der Zeit kenne. Den Aussagen innerhalb der Ausstellung nach war es aber die kurze Schaffenszeit 1919-21, in der er Herausragendes geleistet hatte. Wie so oft, blieb der Erfolg damals aber aus, und frustriert ergriff Carl Lohse zunächst einen bürgerlichen Beruf und ließ das Malen in der Zeit vielleicht sogar ganz bleiben – obwohl Alfred Lichtwark versuchte, ihn zu fördern.

Es sind wilde Bilder, ursprünglich, der Mann muss in diesen zwei Jahren gemalt haben wie verrückt, denn verrückt sind die Gemälde auch. Sowohl farblich, als auch vom Malduktus hat er auf der Leinwand herumexperimentiert, und so ist in dieser Zeit ein beeindruckendes Oeuvre entstanden, fern aller Konventionen und auch Traditionen – wiewohl sich Lohse durchaus zeitgemäß zu den Expressionisten zählen lässt.

Lohses Darstellung von Orten erinnern an die apokalyptischen Landschaften von Ludwig Meidner (die sind allerdings früher entstanden), und zeichnen sich wie dessen Bilder durch einen wilden Malstil aus:

Das Heftige und Freie in seinen Bildern hat mich besonders beeindruckt. Ganz ungebremst hat er sich den Farben und Formen hingegeben:

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Hier im Detail lässt sich noch besser erkennen, wie der Künstler Lohse auf der Leinwand gewütet hat:

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Die Portraits nehmen ebenfalls einen großen Raum in Lohses Werk ein, und auch sie bestechen durch Originalität. Fast meint man sich an Andy Warhol erinnert zu fühlen, was natürlich komplett anachronistisch ist, doch in gewisser Weise scheint mir Maler Lohse durchaus ein Wegbereiter der Pop-Art zu sein:

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Mich haben die Bilder durchaus in ihren Bann gezogen. Eine tolle Entdeckung, die ich dank des Ernst Barlach Hauses machen konnte (die Ausstellung endet heute)!

Von Ernst Eitner hatte ich noch nie etwas gehört, warum eigentlich nicht? Er war ein Künstler um 1900 und lebte und arbeitete in Hamburg im Stile des Impressionismus.
Nun könnte man böse die Frage stellen, was seine Originalität eigentlich ausmachte. Den Impressionismus hatte er nicht erfunden, das waren ja die Künstler in Frankreich. Dennoch war es zu seinen Lebzeiten nicht einfach, sich mit der impressionistischen Malweise zu behaupten. Damals empfand das Publikum die Gemälde, in denen Licht und Luft einzufangen versucht wurde, als Kleckserei – „Spinat mit Ei“ wurde ein Gemälde von Ernst Eitner in einer vernichtenden Kritik benannt. Heute können wir das nicht mehr finden und erfreuen uns vielmehr an diesen wunderschön gemalten Bildern, die, wie ich finde, vom Stil her durchaus mit den Franzosen seiner Zeit mithalten können.

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Aquarell von Ernst Eitner

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Ölgemälde von Ernst Eitner

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Interieur, vermutlich in Öl (ich erinnere mich nicht genau)

Mal gerade, dass er den impressionistischen Stil nicht weiterentwickelt hat, mag man ihm vorwerfen. Aber Ernst Eitner stand zu dem Stil, organisierte sich in Hamburg mit anderen Künstlern im „Hamburgischen Künstlerklub“, und wurde von Alfred Lichtwark, dem damaligen Direktor der Hamburger Kunsthalle, gefördert. Eitners Motive waren jedoch nicht auf lichtdurchrflutete Natur beschränkt; auch Menschen oder gar Maschinen bei der Arbeit gehörten zu seinen Themen, was das Publikum ebenfalls eher befremdlich anmutete. Irgendwie war Ernst Eitner letztendlich doch ein Mitglied des Bürgertums – und damit doch in guter Gesellschaft, wenn man daran denkt, dass auch Thomas Mann sich dazu rechnete (wenn auch mit einer gewissen Ambivalenz).

Mehr über die Arbeit von Ernst Eitner und die Ausstellung im Jenisch-Haus (bis 12. November) findest Du hier.

 

Diesen Manga-Film über die Tochter des berühmten Künstlers Hokusai ist uns ausschnittweise schon in der Manga-Ausstellung über den Weg gelaufen – das hatte mich neugierig gemacht, und dank Tauschticket habe ich die DVD günstig geschossen.

Die Geschichte ist eigentlich kaum eine; vielmehr ist es ein Portrait der Persönlichkeit der jungen Tochter, die ihrem Vater zum Teil bei der Fertigstellung der Auftragsarbeiten half, da sie mindestens so begabt war, wie ihr Vater. Ihr Schwachpunkt war vielleicht nur die Darstellung erotischer Szenen, die einer gewissen Tiefgründigkeit entbehrt haben soll.

Szene aus ‚Miss Hokusai‘; Bildquelle: AV Visionen (gefunden bei Filmstarts.de)

Doch der Film gibt zudem einen Einblick in die japanische Kultur und deren ganz alltäglichen Umgang mit verschiedenen Geistern und anderen Phänomenen. So bekommen Vater und Tochter beispielsweise von einem Künstlerkollegen die Anleitung zum Drachenmalen. Dabei hatte man eben darauf zu warten, dass sich der Drache aus windigen Höhen zum Künstler hinab begibt, um endlich auf dem Papier zu landen. Miss Hokusai versucht es – und am nächsten Morgen schon ist das riesige und beeindruckende Bild des Drachens fertig, eine Arbeit, die sonst mehrere Tage braucht!
Auch mit geisterhaften Phänomenen wird umgegangen, als handele es sich um einen ganz alltäglichen Vorgang. Beispielsweise möchte der Maler Hokusai beobachten, wie der Hals einer Kurtisane des Nachts während des Schlafes immer länger wird. Völlig abgefahren!

Auch die Geschichte – und die Darstellung dazu – vom Künstler, von seinen Händen, die sich nachts auf den Weg machen, länger und länger werden und zu verschwinden drohen, ist durch das Phantasievolle an sich schon ungemein spannend. Dass sich die Mangakultur hervorragend dazu eignet, diese Ideen szenisch umzusetzen, versteht sich von selbst, auch wenn die Figuren stark vereinfacht dargestellt sind.

Es ist ganz besonderer Film, reich an Phantastischem, aber auch atmosphärisch dicht, vielleicht gerade wegen seiner Episodenhaftigkeit. Dass er einen Preis abgesahnt hat, scheint mir jedenfalls nachvollziehbar. Und gerechtfertigt!

Hier kannst Du Dir den Trailer zu Miss Hokusai anschauen.

 

baselitz1Diese kleine und wie immer in diesem Hause feine Ausstellung widmet sich ganz dem druckgrafischen Werk dieses einstmals rebellischen Künstlers. Georg Baselitz bediente sich ja bekanntermaßen mit einem Trick, um die Sehgewohnheiten des Publikums zu brechen und so neue Aspekte entdecken zu lassen: Er drehte die Motive teilweise einfach auf den Kopf. Interessanterweise ist es dann wirklich nicht mehr ganz einfach, sich auf dem Bild zurechtzufinden, denn das Auge sucht nach Anhaltspunkten und findet sie schließlich mit dem auf den Kopf gestellten Motiv. Und dennoch verändert sich die Sicht dadurch: Einiges zu erfassen wird schwierig zugunsten anderer Feinheiten, die sonst vielleicht nicht wahrgenommen worden wären.

Die riesigen Holz- und Linolschnitte leben jedoch auch von ihrer Monumentalität. Teilweise sind die Bilder mindestens 1,50 m breit und vielleicht 2 m hoch. Auch das macht, neben der zum Teil rein verarbeiteten Farben, einen großen Reiz aus.
Was mir sehr gefallen hat, waren die persönlichen, ja privaten Stellungnahmen. Ganz eigene Positionen fand Baselitz, beispielsweise in einer Bilderreihe, in der er sich selbst als alternden Mann darstellt.

Auch haben mich die ungewöhnlichen Perspektiven beeindruckt, wie bei dem Bild „Spaziergang“. Am schönsten fand ich jedoch die Reihe „Sing Sang BDM“, in der sich bei dieser feinen Strichätzung menschliche Körper auf dem Papier abzeichnen.

 

Dennoch, bei allem muss ich zugeben, dass ich zunächst keinen Zugang zu Baselitz‘ Werk gefunden habe. Ein „Aha“- oder „Oh“-Erlebnis hatte ich bei dieser Ausstellung nicht wirklich. Jetzt aber, mit Abstand – denn leider – oder vielleicht ja auch gücklicherweise – habe ich es schon wieder nicht zeitnah geschafft, über meinen Besuch zu schreiben – gefallen mir die Bilder besser und besser. Interessant, dass sich mein Eindruck nun nochmal geändert hat. Bloggen ist eben eine wirklich gute Möglichkeit, die Dinge erneut Revue passieren zu lassen und nochmal die eigene Meinung zu überdenken.

Skulpturenausstellung Münster

Veröffentlicht: 23. September 2017 in Ausstellungen, Kultur, Kunst

Alle zehn Jahre, immer im Documenta-Jahr, werden auf Münsters öffentlichen Straßen und Plätzen Skulpturen von Gegenwartskünstlern ausgestellt – Grund genug, einen Abstecher in diese schöne Stadt zu machen!

Dieses Mal empfand ich die ausgestellte Kunst etwas arg sperrig, doch auch das hatte unbedingt was. Die Kunst war irgendwie auf dem Sprung, wollte verschwinden, schien die Betrachter zu beobachten – oder schien sich auf andere Weise zu zieren, (wohlwollend oder auch nicht ) rezipiert zu werden. Jedenfalls einige Kunstwerke…

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Da steht beispielsweise ein Schwertransporter vorm Museum (aufgestellt wurde er von Cosima von Bonin und Tom Burr), auf seiner Ladefläche steht ein Kasten, genau in der Größe der Skulptur von Henry Moore (die dort aber schon lange steht). Man könnte meinen, die Kunst würde von hier wegtransportiert werden…

Mit auf dem Foto ist eine Zeichnung an der Wand, und in diesem Stile gibt es noch mehr von dieser Art Wandschmuck. So weit ich es erinnere, sind immer fallende Figuren dargestellt. Irgendwie haben die Zeichnungen, angebracht vom Künstler namens Sany, etwas Heiteres an sich, und doch wirken sie fremd, und das Fallen an sich assoziiert eine plötzliche Bewegung, dazu tragisch. Ist das Kunst oder kann das weg? Gute Frage. Und ich glaube, tatsächlich es ist diese Frage, die sich hier tiefgründig auftut.

muenster_steinblockEbenso rätselhaft und dazu irgendwie falsch ist die Skulptur, aufgestellt von Lara Favaretto, die vis a vis dem sogenannten Traindenkmal gegenübersteht. Sie ist aber gar nicht das, was sie zu sein scheint: sie sieht zwar aus wie ein grob behauener Steinblock, ist es aber nicht. Vielmehr ist der vermeintliche Steinklotz innen hohl, ein Fake, sozusagen.

Und dann war da noch der fiese Kringel von Nairy Baghramian. Beinahe trotzig liegt er da im Vorhof des Erbdrostenhofes, und er erinnert an eine schnell gezeichnete Markierung in einer Landkarte. So spröde dieser Kringel auch wirken mag, so scheint er doch einer höheren Macht entsprungen, die vielleicht eine Ordnung verfolgt, die nicht im Sinne von uns Bürgern ist… Das wiederum finde ich beinahe unheimlich, gerade zu diesen Zeiten, wo der eine oder andere Politiker (oder auch gleich mehrere) durchzudrehen scheint und Dinge beschließt – vielleicht vor einer Landkarte -die an und für sich schon gruselig sind…

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Noch ein weiteres Werk will ich nennen, um meine vorangestellte These zu stützen: die freche Installation von Michael Dean. Der Künstler hat den Innenhof des Museums mit Folie abgehängt. Nur durch einige Gucklöcher kann man Ausschnitte auf die Installation werfen, was neugierig macht. Doch man kann sie auch durch einen Eingang begehen. Und steht dann zwischen rätselhaft angeordnetem Schrott mit Betonfüßen… Angeblich sollen die Teile der Installation in Form eines f in Schreibschrift angeordnet sein, ich konnte das nicht erkennen. Auch dieses Werk entzog sich mir und ließ mich weder an einer Ästhetik noch an einem Bedeutungsansatz teilhaben.

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Ich muss zugeben, dass ich mich besser einer Führung angeschlossen hätte, ohne dies blieb mir der Zugang zu vielen der Werke verschlossen, wenn sie nicht genau dies bewirken sollten. Trotzdem habe ich den Tag in Münster sehr genossen, die Stadt ist entzückend und macht auf mich einen weltoffenen Eindruck, nicht zuletzt, weil man hier an allen Ecken und Enden Kunst sieht, denn viele Werke sind aus den vorangegangenen Skulpturenausstellungen ins Stadtbild integriert worden.