Archiv für die Kategorie ‘Reisen’

jahrdeshasenIch nehme ja sehr gerne Literatur von den Landsleuten, in dessen Land ich reise, mit – dieses Jahr verschlug es mich zu einer tollen Wanderreise nach Finnisch-Lappland, deshalb lag es nah, endlich einmal ein Buch von Arto Paasilinna in die Hand zu nehmen, der aus Kittilä stammt – und dort ganz in der Nähe hatte ich Quartier genommen.

Tatsächlich habe ich festgestellt, dass wir eine ganze Menge Romane von Paasilinna besitzen, mein Schatz mochte seine Romane sehr. Ich dagegen kannte diesen Autor gar nicht.

Auf einer Autofahrt mit einem Kollegen fahren zwei Männer einen Hasen an. Der eine der beiden sucht ihn, während der andere nicht warten will und wegfährt. Der Zurückgelassene, ohnehin mit seinem Leben unzufrieden, nimmt das als Anlass,  aus seinem Leben auszusteigen und mit dem kranken Hasen gemeinsam kreuz und quer durch Finnland zu reisen – und dabei erleben die beiden ganz enorme Abenteuer…

Und so erzählt der Roman von Bären, Bergung von vermeintlichen Schätzen und anderen Ungeheuerlichkeiten, und das auf eine amüsante und etwas schrullige Art. Das zu lesen war belustigend, auch wenn es meinen Humor nicht wirklich traf. Ich fand den Roman – 1972 erstmals erschienen – nicht mehr zeitgemäß, weder das Männer- noch das Frauenbild in dem Buch haben mich angesprochen. Dennoch war es natürlich schön, in dem Land zu sein, das Schauplatz dieser fiktiven Vorkommnisse war, und das als Matritze für die verschiedensten Grenzüberschreitungen diente, die der Protagonist vornahm. Insofern hat das Buch abgesehen von dem speziellen Humor auch ganz erfrischende Seiten.

Vielleicht also ist es nicht das letzte Buch von Paasilinna, das ich in die Hand genommen habe. Eines habe ich auf jeden Fall noch vor, wegen dieses unglaublichen Titels: Der wunderbare Massenselbstmord.

 

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liebhaberohnefestenwohnsitzDas Hörbuch hatte ich meinem Schatz geschenkt, vor gar nicht allzu langer Zeit, aber doch lang genug her, als dass er es noch mit Genuss hören konnte. Das Buch hatte ich ja selbst schon vor einiger Zeit gelesen, nun war ich neugierig, was er damals so sehr an Sophie Rois‘ Einlesung genossen hatte.

Die Geschichte war auch beim zweiten Mal spannend und auf eine angenehme Weise phantastisch sowie originell (und diesmal hatte ich eigentlich gar nichts mehr an der Geschichte auszusetzen, was etwas anders beim ersten Lesen war, s. meinen Blogbeitrag von damals), und Sophie Rois hat sie wirklich sehr pointiert gelesen.
Der Hauptprotagonist hatte die Angewohnheit, auf so manche Frage statt verbal zu antworten, einen gewissen Laut auszustoßen, eine Art hörbaren Seufzers, beredter vielleicht als viele Worte, wenngleich vielsagend unverbindlich, aber doch deutlich seinem Gefühl Ausdruck verleihend, auf diese Frage vielleicht gar nicht aufgrund seiner geheimnisvollen Herkunft und Geschichte antworten zu können – oder zu dürfen. Von Sophie Rois‘ Umsetzung dieses Lautes hat mir mein Schatz vorgeschwärmt. Und es stimmt: Dieser Seufzer ist ihr großartig gelungen.

Dieses Buch macht zudem einmal mehr Lust, die wunderbare Stadt Venedig zu besuchen, denn dort spielt der Roman. Ich jedenfalls habe große Lust bekommen, dort wieder einmal hinzufahren, jedoch kann ich mir kaum vorstellen, dass ich noch einmal dort hinfahre. Es ist vielleicht der einzige Ort auf der Erde, der mir aufgrund der Umstände versagt ist, erneut zu besuchen.

Es hat mir dennoch große Freude gemacht, das Buch ein zweites Mal zu genießen, und da ich ja nach Kassel und Münster unterwegs mit Bahn und Bus war, hatte ich auch genügend Muße, es zu hören. Empfehlenswert!

Konzerte und Gärten

Veröffentlicht: 25. Juni 2017 in Gedanken, Kultur, Kunst, Musik, Reisen

Was hat denn nun das miteinander zu tun? Vielleicht Musik im Garten? Nein, nein. Nur einfach, dass ich hier einmal etwas vorankommen will, und nun verbinde ich zwei kulturelle Themen, die mir beide sehr am Herzen liegen.

Das Hagen Quartett spielte am 29.3. in der kleinen Elphi
Ludwig van Beethoven: Streichquartett G-Dur op. 18/2
Bela Bartok: Streichquartett 3 Sz 85
Johannes Brahms: Streichquartett a-Moll op. 51/2

Und am 26.4. besuchte ich die Aufführung des Apollon Musaète Quartett in der kleinen Elphi, und gespielt haben sie
Crisantemi von Giacomo Puccini
Streichquartett a-Moll op. 35a von Anton Arensky
Andante festivo von Jean Sibelius
Streichquartett g-Moll op 27 von Edvard Grieg

Und nun soll ich nach so langer Zeit etwas über diese Konzerte schreiben und kann es gar nicht… Für mich ist Musik noch immer die flüchtigste aller Künste, zu der ich vermutlich auch den Zugang am schwierigsten finde. Deshalb fällt es mir auch sehr schwer, jetzt noch etwas darüber zu schreiben. An die Töne kann ich mich auch nicht mehr erinnern, und das Konzert am 29. März hat sich ohnehin sehr schnell verflüchtigt. Nur eines hat sich wieder gezeigt: Die modernen Streichquartette liebe ich mehr als die alten. Sie machen etwas in meinem Kopf, stoßen Gedanken an, lassen Assoziationen entstehen, tun mir gut, berühren mich. Das ganz andere System, mit dem ich mein Gehör, meinen Kopf in Berührung bringe, erfasst mich auf eine Weise, die in meinem Alltag sonst nicht vorkommt. Es erweitert meinen Horizont auf eine Art, die mir zu beschreiben kaum möglich ist.
Die Stücke der Komponisten aus dem 19. Jahrhundert haben bei mir diese Wirkung in nicht ganz so ausgeprägter Weise, jedenfalls nicht an jenem Abend. Sicherlich ist es auch immer stimmungsabhängig.

Besser erinnere ich das Konzert im April. Die gespielte Musik hatte fast durchgängig einen traurigen Grundtonus, vielleicht bis auf das Stück von Grieg, in das er, laut Programmheft, seine persönliches Liebestragödie  zum Thema machte. Es ist ein temperamentvolles Stück. Am meisten hatte mich an diesem Abend jedoch Puccinis Streichquartett beeindruckt, in der die Trauer so greifbar wurde.

Aber insgesamt muss ich meine Konzertimpressionen besser  unmittelbar nach den Konzertbesuchen  beschreiben – sonst ist wirklich alles weg!

Keukenhof  in Holland

Leichtere Kost ist dann doch ein Besuch in einem Garten zur Tulpenzeit, in der ich mich ja, wie bereits beschrieben, im schönen Noordwijk in Holland aufgehalten habe. Der Keukenhof liegt dort gleich um die Ecke, und so haben wir uns auf den Weg gemacht, die Tulpen zu entdecken. Der Keukenhof  hat wohl nur zur Tulpensaison geöffnet und stellt die neuen Tulpenzüchtungen vor. Und das sind schon ganz schön dolle Dinger.

 

Der Japanische Garten im Botanischen Garten im Hamburg

Aber um tolle Gartenerlebnisse zu finden, muss man nicht unbedingt weit weg fahren. Vor der eigenen Haustür liegen ebenfalls Paradiese, auch wenn sie klein sind. Nicht satt sehen kann ich mich an den leuchtenden Farben der Azaleen, wenn sie so schön blühen in dem japanischen Gartenstück in Hamburg-Klein Flottbek. Es hat uns entrückt in eine exotische, prachtvolle Welt, in der wir ganz schnell für einen Besuch lang alles andere vergessen konnten. Seht einfach selbst, wie schön er ist. Unser Besuch fand am 20. Mai statt. Und der nächste Mai kommt bestimmt!!!

 

9783746629339Nachdem wir neulich auf unserem roten Sofa Huldars ‚Schafe im Schnee‚ gemeinsam gelesen hatten, überkam mich doch sehr die Lust dazu, noch einmal seinen ersten Roman, mit dem er auch gleichzeitig einen tollen Erfolg landete, zu lesen. Und das getan zu haben, habe ich keine Sekunde bereut!

Huldar ist es satt, in Reykjavík herumzuhängen und Sein-Leben-nicht-auf-die Reihe-zu-kriegen zu kultivieren. Und so beschließt er mitten im Winter die Verrücktheit, seine Heimatinsel, von der er bislang nur wenig gesehen hat, zu umrunden – und das auch noch mit einem Volvo Lappländer (genannt ‚Lappi‘), einem Gefährt, das durchaus einen eigenen Charakter zu haben scheint… Und während seine Freunde ihn für verrückt erklären, fährt er tatsächlich los – zu dem größten aller Abenteuer: dem Leben selbst!

Und so erzählt er von seinen Problemen, das Auto zu bändigen, oder die Straße – denn im Winter bei Schnee und Glatteis Pässe zu überqueren, ist nicht ungefährlich. Und wenn diese beiden ihm kein Kopfzerbrechen bereiten, ist es womöglich die auf dem Land lebende Bevölkerung, bemitleidenswert, wie Huldar findet, da fernab von dem pulsierenden Reykjavík. Doch schnell findet er heraus, dass das Landleben nicht ganz reizlos ist, und auch die Begegnungen  mit den Menschen sind für viele Überraschungen gut! Dazwischen erzählt Huldar immer wieder von sich selbst, einem echten isländischen Greenhorn, das seine Probleme und Konflikte offen, aber mit einer gesunden Distanz ausspricht, was durchaus seine überaus komischen Seiten hat.

Ja, und so ist er auf der Suche nach sich selbst, und die Suche, sie läuft ins Leere. Da beschreibt er beispielsweise einen Hotelaufenthalt im tiefsten Hinterland Islands, in dem er nun aber wirklich systematisch zu sich selber finden will und sich zu diesem Zweck im Hotel einschließt, während draußen ein Schneesturm tobt (in dessen Verwehungen er sogar schon einem Geist begnetet ist). Doch er findet und findet nichts – wiewohl er natürlich in Wirklichkeit einen ganzen Schatz hebt, indem er am Ende eben dieses wunderbar stimmungsvolle, launige Büchlein über Island und seine ‚Menschwerdung‘ schreibt.

Huldar Breiðfjörð ist hier ein wirklich toller Aufsatz gelungen, der sich wunderbar (vor-)lesen lässt und riesig Spaß bringt. Es ist eine phantastische Roadnovelle, die sich auch als Reiselektüre hervorragend eignet. Und wenn man sich als Tourist durch Island bewegt, wird man ganz sicher die ein oder andere Person oder Lokalität aus diesem Buch in natura begegnen.

9783462044362Dieses Buch hat mir mein Zahnarzt geschenkt, nachdem ich ihn mit dem ersten Buch der letzten Trilogie von Jón Kalman Stefansson bedacht hatte. Die Patientin ist ja klar im Vorteil, wenn sie mit offenem Mund den Erzählungen ihres Arztes lauschen kann, und insofern eine andere Art der Antwort finden muss (wenn sie will). Ich wollte, denn es ist nicht nur ein guter Zahnarzt, sondern zudem auch noch ein Freund guter Literatur.

So also kam dies Buch zu mir. Es ist die Geschichte vom Autor Meyerhoff selbst, von Beruf Schauspieler und zudem derzeit im Hamburger Schauspielhaus tätig, wo ich ihn in ‚‚Die Schule der Frauen‘ auch schon gesehen habe. Und es geht um sein Jahr in Amerika, das er als Austauschschüler mit ca. 18 Jahren besucht hatte, und zwar dem Amerika op’n Dörp’n, mitten in der Provinz in Laramie (Wyoming) – und das ist allemal exotisch! Er erzählt von Jacuzzi-Partys mitten im Winter in den Bergen – man hatte nicht nur in einen entfernten Winkel jede Menge Alkohol mitgebracht, sondern auch gleich seinen Whirlpool, in dem man sich nun besoffen tummelte. Oder er erzählt von merkwürdigen Individuen wie einem Lehrer, dessen Familie ihn zu einer Body-Building-Darbietung einlädt – alle Familienmitglieder sind daran beteiligt, während über ihnen die Adler kreisen. Die im Anschluss mit Steaks gefüttert werden. Merkwürdiges Land, das, komische Leute – Amerikaner halt, Individuen bis auf die Knochen. Doch Joachim – oder wie man ihn vermutlich in Amerika rief: Joakim – erzählt auch von seinem Erwachsenwerden, das ihn natürlich parallel einholt, von seiner Entwicklung, die im Kreise seiner geliebten Familie in einer norddeutschen Kleinstadt nicht in diesem Maße möglich gewesen wäre. Und er erzählt von einem schweren Schicksalsschlag, der ihn um so stärker ins Leben zu katapultieren scheint, und es wird klar, wie dieser Mensch durch das Jahr Amerika gereift nach Deutschland zurückkehrt, stolz, arrogant, und doch noch zu jung, um nicht furchtbar ins Straucheln zu geraten, um am Ende aber wieder aufzustehen und ein Stück weiter zu sich selbst zu finden.

Es ist eine Geschichte, die sich gut lesen lässt und mich als Leserin abwechselnd zum Staunen, Lachen oder Trauern bringt, ja, man kann sagen, dies Buch hat mich mitgenommen zu einer Reise – nach Amerika und ins Ich von Joakim. Letzteres natürlich nur ein Stück weit. Ich bewundere seine Offenheit, diesen Prozess mit uns Lesern zu teilen. Ja, und es macht neugierig auf die weiteren Bücher, die dieser vielbegabte Autor mittlerweile herausgebracht hat!

image_1_12596Im Sommer fahren wir auf die Färöer Inseln, und da ist es ja klar, dass wir uns schon jetzt für das Land interessieren. Und erst recht, wenn Huldar Breiðfjörð die Inseln besucht hat und darüber schreibt… denn sein Buch ‚Liebe Isländer‘, hatte mir damals gut gefallen (und jetzt lesen wir es gerade wieder).

Ein Isländer also besucht die Färöer Inseln, und er fragt sich, ob er eigentlich im Ausland ist… So ähnlich scheinen sich die beiden Völker zu sein, und doch gibt es Unterschiede – nicht zuletzt dadurch, dass dieser kleine Inselstaat Island Geld gepumpt hat, als dies 2008 in die große Krise geriet. Da das Buch zu dieser Zeit geschrieben wurde, ist die Krise oft Thema zwischen Huldar und den Menschen, denen er auf den Färöern begegnet. Denn streng genommen ist dieses Buch kein Roman, sondern vielmehr eine Reisebeschreibung, denn Huldar Breiðfjörð erzählt, was ihm auf seiner vierwöchigen Reise über die Inseln im Winter so alles widerfahren ist.

Und was ist ihm denn nur widerfahren? Das lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: Fast nichts. Aber das macht nichts, weil Huldar es versteht, seine Beobachtungen und Erlebnisse mit den Ureinwohnern und auch zugereisten Isländern in eine leichtseichte Form zu packen, sodass es Spaß macht, das Buch (vor-)zu lesen. So erzählt er von einem Zimmernachbarn in einer Art Wohnheim in Torshavn, der im Straßenbau und zur Zeit im Winterräumdienst tätig ist, und ausgiebig über seine Arbeit berichtet. Ich stelle mir vor, dass er Huldar vielleicht ziemlich zugeblubbert hat über Asphaltarten, der Kunst des Asphaltierens oder auch der Problematik von Schlaglöchern. Huldar aber versteht es, auch daraus noch etwas zu formen, das uns einen Eindruck von der färöischen Bevölkerung vermittelt. Wobei seine Besuche des färöischen Nachtlebens oder einer Veranstaltung, in der der typisch färöische Tanz getanzt wird, vielleicht noch aufschlussreicher sind…
Also, es war nett, dies Büchlein zu lesen, aber an seinen Erfolg ‚Liebe Isländer‘ kommt dieser färöische Roman einfach nicht heran.

Am Buchende ist auch ein Foto vom Autor höchstselbst: Er sitzt, seine Hand den Kopf mit den struppeligen Haaren stützend, vor einem Schachbrett – und erinnert irgendwie schrecklich an Woody Allen… Der ewig zweifelnde Intellektuelle, ein, wie er sich im Buch selbst nennt, ‚erfahrener Reisender‘ auf dem Weg vom Irgendwo ins Nirgendwo, tragisch und komisch zugleich. Wie seine Bücher es sind, tragisch, weil so wenig passiert, komisch, weil doch etwas passiert, aus dem sich eine Art Geschichte formen lässt.

kologridisIch war ja aufgrund meiner Reise auf der Suche nach Literatur, die etwas mit Florenz zu tun hat. Und weil mich die Zeit der Medici, wie ja hier vor kurzem des öfteren erörtert, besonders interessiert hat, fiel meine Wahl auf dieses Buch. Eine gute Wahl? In gewisser Weise ja, in anderer überhaupt gar nicht!

Der Roman greift vielleicht gewisse Eckpunkte der florentinischen Geschichte auf. Lorenzo di Medici, ‚der Prächtige‘, stirbt. Nach seinem Tod führt ein Komplott zur Flucht seiner Söhne aus Florenz. Girolamo Savonarola predigte schon seit Längerem in Florenz, doch jetzt beginnt sein Ruhm noch weiter zu steigen. Er predigt gegen den Wohlstand, gegen Schmuck und deren Träger. Diese sind ohnehin in Verruf geraten, wozu Lorenzo einiges beigetragen hatte, da er beispielsweise Steuern einführte (zu Lasten des ohnehin armen Volkes), damit er seinen ausschweifenden Lebenswandel und sein Mäzenatentum weiter führen konnte. Das kam bei den Bürgern ohnehin nicht besonders gut an, man hatte jedoch wegen der Medici-Generation vor Lorenzo dieser Familie immer Loyalität bezeugt. Dank Savonarolas vermutlich meisterhafte Rhethorik hing Florenz schließlich an seinen Lippen und machte die Abkehr von allem Herrlichen in Florenz möglich.

Dieser historische Hintergrund bildet die Kulisse der Geschichte um Monna Lisa Gherardini, die mitten in die Medici-Intrigen auch ihrer eigenen Identität auf die Spur kommt. Eine nicht kleine Rolle spielt dabei Leonardo da Vinci, der den Auftrag, angeblich von Lorenzo noch vor seinem Tod, bekam, Monna Lisa zu malen. Durch ihn erfährt Monna Lisa dann das Geheimnis ihrer Mutter…
Das war spannend zu lesen, und was ziemlich klasse war, war, dass ich ja nun viele der Orte kannte, die von den Protagonisten aufgesucht wurden. Das war schon ein besonderes Lesevergnügen, die Figuren zu den Orten zu begleiten, viel intensiver war dadurch mein Vorstellungsvermögen. Das habe ich sehr genossen.

Was ich aber abscheulich finde, ist, dass der Roman einen Teil der Personen, die in Florenz damals lebten, benutzt hatte, um eine ganz eigene Geschichte zu erzählen. Ich weiß nicht, ich bin da einfach empfindlich: Mona Lisa, die Leonardo da Vinci malte, war die Gattin eines der reicheren Stoffhändler (dass sie es war, die er malte, ist umstritten, das Buch folgt allerdings dieser Theorie). Im Buch kommt ihr Gatte nicht grad gut weg, ebenso Mona Lisas Vater nicht. Wenn ich jedoch bei Wikipedia über diese Frau nachlese, so scheint mir, dass weder ihre Ehe so grässlich war oder der Vater bestimmte Eigenschaften besessen hatte, wie im Roman geschildert. Das finde ich einfach nur schlimm. Vielleicht kann man ja sagen, dass es eben nur ein Roman ist, der bestimmte historsiche Gegebenheiten aufgreift und zu einer spannenden Handlung – spannender als das, was wirklich geschehen ist – zusammen setzt, aber ich empfinde doch das eine oder andere als rechte Verunglimpfung.

Ich kann mir allerdings vorstellen, dass das Schicksal der Frauen im 15. Jahrhundert durchaus schlimm war; dass Vergewaltigung in der Ehe an der Tagesordnung stand und Frauen absolut nichts wert waren. Die Schilderung mag insofern authentisch sein, aber die Übertragung auf tatsächlich vorhandene Personen finde ich falsch, wenn es für die Untaten keine Belege gibt.

Das Buch ist übrigens auch unter dem Titel ‚Ich, Mona Lisa‘ und ‚Leonardos Geheimnis‘ herausgekommen. Beide Titel zielen auf bestimmte Leserschaften wie mich ab. Tja, mich hat das zwar nicht getroffen, da ‚Die Verschwörung von Florenz‘ ja nicht soo reißerisch klingt. Dennoch: das Buch hat mich auch getroffen. Aber am Ende habe ich es – versenkt.