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Bummel durchs Kontorhausviertel, Hamburg

Veröffentlicht: 19. Mai 2019 in Kultur, Kunst, Reisen

Es ist immer das Gleiche: Da muss erst lieber Besuch aus der Ferne kommen, damit man mal seine eigene Stadt kennenlernt – wie doof das ist! Aber egal – einmal damit angefangen, habe ich mich nicht davon abhalten lassen, einen zweiten Spaziergang, diesmal nicht nur mit einer anderen Freundin von auswärts, sondern dazu unter fachkundiger Führung, vorzunehmen. Ziel: Das spannende Kontorhausviertel in Hamburg in der Innenstadt, unweit des Hauptbahnhofs. Außerdem passte das wegen der zeitlichen Nähe zu der gerade besuchten Ausstellung der 20er Jahre.

Um 1900 herum wurde mit der Neugestaltung dieser Gegend begonnen. Vorher, nämlich 1892, war in den engen Gängen und Gassen des Viertels die Cholera ausgebrochen, und damit war klar, dass etwas getan werden musste, um die Lebens-  und auch die hygienischen Bedingungen zu verbessern – aber bitte nicht hier! Man hatte anderes damit vor, als neue Wohnhäuser entstehen zu lassen. Vielmehr sollten hier die Menschen künftig zur Arbeit gehen, aber nicht mehr wohnen – diese Aufteilung war damals ein ganz neuer Gedanke. Aus diesem Grunde entstanden einige große Kontorhäuser, die in der Gestaltung der Innenräume größtmögliche Freiheit ließ. Deshalb waren die Fenster möglichst gleichmäßig angeordnet, um dann die Innenräume frei nach den Bedürfnissen zu gestalten, mit (nicht tragenden) Wänden, die sich von daher leicht versetzen ließen. Innenhöfe sollten zudem dafür sorgen, dass genügend Licht und Luft in die Räume konnte.

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Der Sprinkenhof von außen…

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Innenhof

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Treppenhaus Sprinkenhof

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Treppenknauf Sprinkenhof

 

Als Architekt konnte unter anderem Fritz Höger (dessen Namen ich schon aus Worpswede kannte)  gewonnen werden – der hat den Sprinkenhof und das Chilehaus geschaffen, zwei wunderschöne Werke im expressionistischen Stil, die auch heute noch so schön wie beeindruckend sind. Der Sprinkenhof ist über eine kleine Gasse, die auch heute noch (für Fußgänger) passierbar ist,  gebaut worden. Mit den Klinkersteinen (das sind bei hohen Temperaturen gebrannte und dadurch besonders haltbare und wasserabweisende Ziegelsteine) wurde nicht nur besonders nachhaltig gebaut, sondern zudem sehr kreativ umgegangen, indem Muster in die Fassaden eingearbeitet wurden, vor allem im Chilehaus. Der Sprinkenhof wurde mit unterschiedlich gemusterten Keramikelementen verziert, dies aber in einer derart strengen Weise, dass es nicht verspielt wirkt, sondern sachlich, wenn auch alles andere als nüchtern.

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Das Chilehaus

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Das Chilehaus liegt an zwei Straßen, die spitz aufeinander zulaufen. Und dieser Straßenarchitektur ist das Chilehaus gefolgt, indem es ebenfalls spitz zuläuft – und wie spitz!! Das ganze Gebäude ist einem riesigen Schiff nachempfunden, was natürlich gut passte, denn Auftraggeber war ein Reeder. Hinzu kommt, dass das Haus elegant jede Straßenrundung – oder Schiffsrundung – nachempfindet und sich dem scheinbar mühelos  anpasst. Ich könnte stundenlang den verschiedenen Perspektiven nachgehen, die sich an diesem Gebäude dabei auftun und empfehle allen, mir gleichzutun, es lohnt sich!

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Die Steine hatte übrigens der Auftraggeber  in großem Schnäppchenstil vollzogen, indem er Steine dritter Wahl kaufte. Der Architekt war zunächst nicht davon begeistert, doch als die Steine, die doch recht individuell ausfielen, aufeinander saßen, ergab sich ein hochästhetisches Spiel von Formen und Farben, so dass dies am Ende doch eine gute Entscheidung war.

Der Spaziergang führte uns dann noch in die Speicherstadt, zu den alten Speichern und dann zu den neuen Bauwerken, die sich stark voneinander unterscheiden, auch wenn sie doch zur gleichen Zeit hochgezogen wurden. Dies ist durchaus so gewollt, und es sind in der Tat sehr interessante Gebäude, die gerade dadurch zur Geltung kommen, als dass sie sich von den anderen umgebenden unterscheiden. Eine ziemlich gelungene Planung ist das, wie ich finde, deren Idee vielleicht erst entstanden ist, als der erste Neubauabschnitt abgeschlossen war und hier die Häuser alle gleich sind, was eher eintönig ist.

Es ist ein richtig toller Stadtbummel gewesen, den ich jeder/m empfehle, der/die nicht die Shoppingmall Hamburgs entdecken will, sondern das, was Hamburg, der am Hafen liegenden Weltstadt, wirklich ausmacht.

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dasmaedchenSo eine Fahrt mit dem Auto lässt sich ja hervorragend nutzen, um ein Buch zu hören. Und wenn es denn so spannend erzählt wird, dann rast auch die Zeit schnell vorbei.

Ich hätte ja lieber das geheime Leben der Bäume gehört, mein Sohn war aber nicht dafür, sondern kam mit diesem Steven-King-Knaller an. Die Geschichte ist schnell erzählt: Die Baseballverrückte Tricia mit ihrem roten(!!!)  von einem Baseballstar handsignierten Cappy verirrt sich bei einem Ausflug mit ihrer Mutter und Bruder im Wald. Dieser entwickelt sich nicht gerade zu ihrem besten Freund, sondern nimmt sie tiefer und tiefer in sich auf. Nur der Gedanke an ihren Baseballhelden lässt sie durch das Dickicht weiterkämpfen und den Weg aus dem Wald suchen. Nur hat sie die ganze Zeit das Gefühl, beobachtet zu werden….

Das Buch ist, wie ein echter Steven-King-Klassiker sich gehört: Rasend spannend erzählt. Wir gehen mit dem Mädchen durch den Wald, das schon bald Nahrung sucht und Wasser, das, endlich gefunden, durchaus seine Tücken hat. Um sich bei Laune zu halten, hört sie sich abends die Baseballspiele auf ihrem Walkman mit Radioempfang an, wodurch sie neuen Mut schöpft und ein unglaubliches Durchhaltevermögen entwickelt. Alles spitzt sich jedoch dramatisch zu, als sie sich nicht allein wähnt…

Spannend, spannend, spannend – und mal wieder wird klar, dass die kürzesten und einfachsten Plots nicht immer die schlechtesten sind, wiewohl man wohl Steven King heißen muss, um daraus ein solch packendes Drama zu machen. Gelesen hätte ich es dennoch nicht. Aber zum Hören und Wachbleiben auf der Autobahn hat es seinen Zweck prima erfüllt.

Den Namen hatte ich noch nie gehört, und das geht hier in Norddeutschland wohl nicht nur mir so. Helmut Lander hat mit seiner Arbeit eher im Raum Darmstadt gewirkt. Um so schöner, dass diese Ausstellung uns nun diesen Künstler nahe bringt.

In der Austellung kristallisieren sich diese Themen heraus: Fotos und Zeichnungen von seinen Reisen, die er in den 1950er, 60er und 70er Jahren nach Afrika und Indien unternommen hat, dann die Auseinandersetzung mit Körpern in teils erotischen, teils die Bewegung fixierenden Bildern, und schließlich Skulpturen.

Die Bilder, die Lander auf seinen Reisen machte, versuchen sich in Objektivität. Sie lassen uns nicht etwa eintauchen in die Landschaften oder in die Gesichter. Diese bleiben uns vielmehr ein Rätsel. Die Bilder haben nichts Idyllisches oder gar etwas verklärendes oder kitschiges an sich. Sie versuchen vielmehr, das zu dokumentieren, was gerade erlebt wird, und das sieht eher fremd und abweisend aus. Die Nomadenvölker, die Lander besucht hat, führen ja auch ein ganz anderes Leben, als wir hier im Westen, und diese Fremdheit wird durch seine Zeichnungen greifbar.

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Die gezeichneten Portraits und auch die Landschaft halten mich Betrachterin auf Distanz.

In der Zeit, in der Helmut Lander diese Länder bereiste, gab es natürlich keinerlei touristische Infrastruktur. Das Verständnis für das Fremde musste er sich mithilfe des Zeichenstiftes und seiner Beobachtungsgabe hart erarbeiten. Es gelang ihm ein authentisches Werk, das die gezeichneten Menschen ohne Deutung oder Interpretation dem Betrachter überlässt.

Besonders beeindruckend waren die Zeichnung von weiblichen Körpern, die mich teilweise an das erotische Werk von Egon Schiele erinnerte. Er hat Frauenakte gezeichnet, deren Körper teilweise verdreht sind, dabei jedoch eine große Anmut besitzen. In den Fotos verlieren die Körper beinahe ihre Gegenständlichkeit, so verfremdet wirken sie hier – und so werden sie zu Körpern, die mich Betrachterin beinahe verunsichern, ob es sich noch um ein Bild vom menschlichen Körper handelt, oder nicht vielmehr etwas davon abstahiertes. Interessant!

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Die Zeichnung, die auch als Plakat gewählt wurde, da allerdings spiegelverkehrt, warum auch immer. Die Lichtreflexe bitte ich zu entschuldigen.

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Foto von einem Foto in der Ausstellung Helmut Lander

Auch die Skulpturen fand ich beeindruckend. Sie waren teilweise aus Gegenständen zusammengebaut, die Helmut Lander irgendwo aufgelesen hatte und als Schrott oder Holzabschnitten zusammengeschraubt wurden und schließlich in Metall gegossen wurden. Manche der Skulpturen griffen Bewegungen auf; so wurde die Starrheit der Teile in das Spannungsfeld einer Bewegung gebracht. Irgendwie gut.

Die Ausstellung geht noch bis zum 23. Juni, und ich fande meinen Besuch wirklich lohnenswert.

csm_produkt-2490_f1b8a0b7fbIn letzter Zeit habe ich einiges gehört über die Pilgerwanderung über den Jakobsweg. Eine Freundin hatte sich über sechs Wochen auf dem Weg befunden. Ausgelöst oder befeuert  wurde ein Jakobsweg-Wandern unter anderem durch dieses Buch, das mir fürs Auskurieren einer Erkältung gerade die richtige Lektüre schien.

Hape Kerkeling hielt nicht hinterm Berg mit den Strapazen, die dieser Wanderweg mit sich bringt. Wehe Füße, auch Einsamkeit sind denn wohl ständige Begleiter auf dem Weg. Aber auch verrückte Begegnungen, zuallererst und wohl auch –letzt mit sich selbst, dann aber auch mit einigen mehr oder weniger  ich sage mal schrulligen Typen. Jede Begegnung stellt auch eine Herausforderung dar, die Sonne brennt von oben, die Füße von unten. Und dennoch bricht Hape seine Wanderung nicht ab.

Das liest sich einfach wunderbar easy, und doch ahnt man auch, dass diese Begegnung mit sich selbst nicht belanglos ist, auch wenn wirklich nicht viel passiert und sich vieles wiederholt: Hotel oder Herberge  suchen (Hape Kerkeling mied dann doch die einfachen Pilgerherbergen, denn wollte er, wie er meinte, mit den anderen Wanderern zwar den Weg teilen, nicht aber den Fußpilz), Einkehr in mittelmäßigen, aber immerhin doch Gaststuben, Begegnungen mit anderen Wanderern. Aber er schafft es, das komplette Buch zu fesseln und dass man ihm gespannt folgt. Ich konnte mitlachen über missglückte Frühstücke oder Begegnungen mit allzu abgedrehten Personen, aber mich auch mitfreuen, als er endlich neue und ganz intensive Freundschaften schließen konnte, deren Innigkeit eine ganz besondere war. Auch meine Freundin berichtete über solch intensiven Begegnungen, und das klang sehr gut.

Es wird klar: Diese lange Wanderung ist eine Begegnung mit sich selbst, und das ist ja manchmal die schwierigste aller Beziehungen und Begegnungen.

Hape Kerkeling blieb, so schien mir, überwiegend unerkannt. Seine unmittelbaren und wichtigsten Begleiterinnen wie Anne aus England und Sheelagh aus Neuseeland lernten ihn ohne Kenntnis seiner Prominenz kennen. Und auch ich als Leserin nahm ihn eher als netten Kumpel wahr. Auch wenn ich Hape Kerkeling natürlich kannte (und zwar mindestens doch so gut, dass ich ihn wohl auf der Straße wiedererkennen würde), wusste ich doch wenig über seine Sketche. Habe ein wenig bei Youtube gestöbert, und was ich da fand, trifft nur selten meine Art von Humor. Das Buch aber war eine feine Unterhaltung mit einigem gewissen Tiefgang. Ob es wohl auch ein Bestseller geworden wäre, wenn es ein Fremder geschrieben hätte?

Ob ich mich selbst auf diesen Weg begeben würde, weiß ich nicht… Die Infrastruktur (nämlich Herbergen und Gaststätten) ist ja gut, und der Weg hat auch landschaftlich einige Höhepunkte. Doch die Einsamkeit wäre vielleicht auch ein ständiger Begleiter, denn solch einen Weg gemeinsam mit jemand anderes zu laufen, erscheint mir schwierig. Sich auf einen gemeinsamen Rhythmus zu einigen, ist vielleicht eine zu große Anstrengung. Dazu körperliche Beschwerden, die überwunden werden wollen… Ganz einfach ist das sicher nicht, wenn auch in gewisser Weise tatsächlich heilend. Ich bewundere das Durchhaltevermögen eines jeden.

Die kleine, feine Ausstellung im tollen Hamburger Museum für Völkerkunde stellt zwei historische Abschnitte Koreas nebeneinander – und das ergibt einen megakrassen Einblick in die Entwicklung dieses traditionsreichen und technikaffinen Landes.

Koreas frühe Entwicklung ist geprägt von Konfuzius‘ Lehren – ein Philosoph, der um 500 v. Chr. lebte und wirkte. Seine Lehren zielten grob gesagt auf einen Lebensstil ab, der moralisch einwandfrei und strebsam war. Noch heute sind diese Lehren in Korea greifbar, wenn auch andererseits etwas verformt, wie mir scheint.

Die Abteilung über die alte Zeit umfasst Hüte, Kimonos, Fächer und anderen Zubehör. Uralt und einigermaßen beeindruckend zeugen sie von einer ausgeprägten Hofkultur und auch von Behördentum.

Die neuere Abteilung hingegen bietet einen Einblick in das heutige Korea, in dem die alten Traditionen fortbestehen – so sind Fotos von einem Markt in Korea zu sehen, die durchaus zeigen, wie altertümlich es dort noch immer zugeht, wenn Bauern ihre Waren auf dem Boden präsentieren, gleich neben den Auspüffen von Autos… Die Ausstattungen der Wohnungen sind dagegen ähnlich wie hier, auch wenn die Gewohnheiten und Geschmäcker der KoreanerInnen sich von den unseren unterscheiden. Faszinierend war z.B. ein spezieller Kühlschrank, der so eingerichtet ist, dass darin das beliebte und weitverbreitete Kimchi – das ist speziell eingelegtes Gemüse, sehr gesund – darin Platz findet. Mhm. Ich stand davor, und man hatte dort „Muster-Kimchi“ in den Kühlschrank gelegt, so sah es jedenfalls aus. Dennoch verbreitete sich der typische Kimchi-Geruch – ob sie den Kühlschrank entsprechend „einparfümiert“ hatten?

Auch andere Dinge schienen mir so fremd zu sein wie von einem anderen Stern: Da gab es beispielsweise auch eine Karaoke-Kiste zu sehen, in die man an öffentlichen Orten hineingehen kann. Gegen Münzeinwurf kommt dann Musik aus dem Kasten, zu dem man nach Herzenslust trällern kann. Merkwürdig… Als wir die Ausstellung besuchten, war diese Kiste hochfrequentiert: drei Koreaner(?) hatten sich dort hineingequetscht und unterhielten lautstark alle Ausstellungsbesucher…

Gruselig fand ich die Popkultur der koreanischen Jugend. Die Boygroup, von der Fotos an der Wand hingen, schien mir viel eher aus Stricherjungen zu bestehen. Sind jedoch Idole. Natürlich fanden sich in der Ausstellung auch Stücke mobiler Endgeräte, was uns drastisch vor Augen führt, wo viele unserer Handys und Smartphones herkommen. Daneben fanden sich brav gehandwerkelte Überdecken für einen geordneten Haushalt.

Einiges fand ich wirklich sehr fremd, beispielsweise die vielen Sorten von „Medizin“, um einen Kater nach einer feuchtfröhlichen Nacht zu bekämpfen, oder auch die Instant-Fertigsuppen, die man freilich auch mittlerweile bei uns im Supermarkt kaufen kann. Auch ist Korea mit seiner unglaublichen wirtschaftlichen Entwicklung ein Paradebeispiel für Ehrgeiz und Leistungsdenken, das mir etwas unheimlich ist…

Korea ist eine Welt zwischen Fast Food, Technikbegeisterung, Ehrgeiz und strengen Traditionen. Ein spannendes Land! Es ist eine spannende, übersichtliche Ausstellung, die Einblick in ein modernes und für mich ziemlich exotisches Land gibt.

Weitere Impressionen findest Du bei Facebook: https://www.facebook.com/VoelkerkundemuseumHH/posts/10155969868676823

jahrdeshasenIch nehme ja sehr gerne Literatur von den Landsleuten, in dessen Land ich reise, mit – dieses Jahr verschlug es mich zu einer tollen Wanderreise nach Finnisch-Lappland, deshalb lag es nah, endlich einmal ein Buch von Arto Paasilinna in die Hand zu nehmen, der aus Kittilä stammt – und dort ganz in der Nähe hatte ich Quartier genommen.

Tatsächlich habe ich festgestellt, dass wir eine ganze Menge Romane von Paasilinna besitzen, mein Schatz mochte seine Romane sehr. Ich dagegen kannte diesen Autor gar nicht.

Auf einer Autofahrt mit einem Kollegen fahren zwei Männer einen Hasen an. Der eine der beiden sucht ihn, während der andere nicht warten will und wegfährt. Der Zurückgelassene, ohnehin mit seinem Leben unzufrieden, nimmt das als Anlass,  aus seinem Leben auszusteigen und mit dem kranken Hasen gemeinsam kreuz und quer durch Finnland zu reisen – und dabei erleben die beiden ganz enorme Abenteuer…

Und so erzählt der Roman von Bären, Bergung von vermeintlichen Schätzen und anderen Ungeheuerlichkeiten, und das auf eine amüsante und etwas schrullige Art. Das zu lesen war belustigend, auch wenn es meinen Humor nicht wirklich traf. Ich fand den Roman – 1972 erstmals erschienen – nicht mehr zeitgemäß, weder das Männer- noch das Frauenbild in dem Buch haben mich angesprochen. Dennoch war es natürlich schön, in dem Land zu sein, das Schauplatz dieser fiktiven Vorkommnisse war, und das als Matritze für die verschiedensten Grenzüberschreitungen diente, die der Protagonist vornahm. Insofern hat das Buch abgesehen von dem speziellen Humor auch ganz erfrischende Seiten.

Vielleicht also ist es nicht das letzte Buch von Paasilinna, das ich in die Hand genommen habe. Eines habe ich auf jeden Fall noch vor, wegen dieses unglaublichen Titels: Der wunderbare Massenselbstmord.

 

liebhaberohnefestenwohnsitzDas Hörbuch hatte ich meinem Schatz geschenkt, vor gar nicht allzu langer Zeit, aber doch lang genug her, als dass er es noch mit Genuss hören konnte. Das Buch hatte ich ja selbst schon vor einiger Zeit gelesen, nun war ich neugierig, was er damals so sehr an Sophie Rois‘ Einlesung genossen hatte.

Die Geschichte war auch beim zweiten Mal spannend und auf eine angenehme Weise phantastisch sowie originell (und diesmal hatte ich eigentlich gar nichts mehr an der Geschichte auszusetzen, was etwas anders beim ersten Lesen war, s. meinen Blogbeitrag von damals), und Sophie Rois hat sie wirklich sehr pointiert gelesen.
Der Hauptprotagonist hatte die Angewohnheit, auf so manche Frage statt verbal zu antworten, einen gewissen Laut auszustoßen, eine Art hörbaren Seufzers, beredter vielleicht als viele Worte, wenngleich vielsagend unverbindlich, aber doch deutlich seinem Gefühl Ausdruck verleihend, auf diese Frage vielleicht gar nicht aufgrund seiner geheimnisvollen Herkunft und Geschichte antworten zu können – oder zu dürfen. Von Sophie Rois‘ Umsetzung dieses Lautes hat mir mein Schatz vorgeschwärmt. Und es stimmt: Dieser Seufzer ist ihr großartig gelungen.

Dieses Buch macht zudem einmal mehr Lust, die wunderbare Stadt Venedig zu besuchen, denn dort spielt der Roman. Ich jedenfalls habe große Lust bekommen, dort wieder einmal hinzufahren, jedoch kann ich mir kaum vorstellen, dass ich noch einmal dort hinfahre. Es ist vielleicht der einzige Ort auf der Erde, der mir aufgrund der Umstände versagt ist, erneut zu besuchen.

Es hat mir dennoch große Freude gemacht, das Buch ein zweites Mal zu genießen, und da ich ja nach Kassel und Münster unterwegs mit Bahn und Bus war, hatte ich auch genügend Muße, es zu hören. Empfehlenswert!