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Konzerte und Gärten

Veröffentlicht: 25. Juni 2017 in Gedanken, Kultur, Kunst, Musik, Reisen

Was hat denn nun das miteinander zu tun? Vielleicht Musik im Garten? Nein, nein. Nur einfach, dass ich hier einmal etwas vorankommen will, und nun verbinde ich zwei kulturelle Themen, die mir beide sehr am Herzen liegen.

Das Hagen Quartett spielte am 29.3. in der kleinen Elphi
Ludwig van Beethoven: Streichquartett G-Dur op. 18/2
Bela Bartok: Streichquartett 3 Sz 85
Johannes Brahms: Streichquartett a-Moll op. 51/2

Und am 26.4. besuchte ich die Aufführung des Apollon Musaète Quartett in der kleinen Elphi, und gespielt haben sie
Crisantemi von Giacomo Puccini
Streichquartett a-Moll op. 35a von Anton Arensky
Andante festivo von Jean Sibelius
Streichquartett g-Moll op 27 von Edvard Grieg

Und nun soll ich nach so langer Zeit etwas über diese Konzerte schreiben und kann es gar nicht… Für mich ist Musik noch immer die flüchtigste aller Künste, zu der ich vermutlich auch den Zugang am schwierigsten finde. Deshalb fällt es mir auch sehr schwer, jetzt noch etwas darüber zu schreiben. An die Töne kann ich mich auch nicht mehr erinnern, und das Konzert am 29. März hat sich ohnehin sehr schnell verflüchtigt. Nur eines hat sich wieder gezeigt: Die modernen Streichquartette liebe ich mehr als die alten. Sie machen etwas in meinem Kopf, stoßen Gedanken an, lassen Assoziationen entstehen, tun mir gut, berühren mich. Das ganz andere System, mit dem ich mein Gehör, meinen Kopf in Berührung bringe, erfasst mich auf eine Weise, die in meinem Alltag sonst nicht vorkommt. Es erweitert meinen Horizont auf eine Art, die mir zu beschreiben kaum möglich ist.
Die Stücke der Komponisten aus dem 19. Jahrhundert haben bei mir diese Wirkung in nicht ganz so ausgeprägter Weise, jedenfalls nicht an jenem Abend. Sicherlich ist es auch immer stimmungsabhängig.

Besser erinnere ich das Konzert im April. Die gespielte Musik hatte fast durchgängig einen traurigen Grundtonus, vielleicht bis auf das Stück von Grieg, in das er, laut Programmheft, seine persönliches Liebestragödie  zum Thema machte. Es ist ein temperamentvolles Stück. Am meisten hatte mich an diesem Abend jedoch Puccinis Streichquartett beeindruckt, in der die Trauer so greifbar wurde.

Aber insgesamt muss ich meine Konzertimpressionen besser  unmittelbar nach den Konzertbesuchen  beschreiben – sonst ist wirklich alles weg!

Keukenhof  in Holland

Leichtere Kost ist dann doch ein Besuch in einem Garten zur Tulpenzeit, in der ich mich ja, wie bereits beschrieben, im schönen Noordwijk in Holland aufgehalten habe. Der Keukenhof liegt dort gleich um die Ecke, und so haben wir uns auf den Weg gemacht, die Tulpen zu entdecken. Der Keukenhof  hat wohl nur zur Tulpensaison geöffnet und stellt die neuen Tulpenzüchtungen vor. Und das sind schon ganz schön dolle Dinger.

 

Der Japanische Garten im Botanischen Garten im Hamburg

Aber um tolle Gartenerlebnisse zu finden, muss man nicht unbedingt weit weg fahren. Vor der eigenen Haustür liegen ebenfalls Paradiese, auch wenn sie klein sind. Nicht satt sehen kann ich mich an den leuchtenden Farben der Azaleen, wenn sie so schön blühen in dem japanischen Gartenstück in Hamburg-Klein Flottbek. Es hat uns entrückt in eine exotische, prachtvolle Welt, in der wir ganz schnell für einen Besuch lang alles andere vergessen konnten. Seht einfach selbst, wie schön er ist. Unser Besuch fand am 20. Mai statt. Und der nächste Mai kommt bestimmt!!!

 

9783746629339Nachdem wir neulich auf unserem roten Sofa Huldars ‚Schafe im Schnee‚ gemeinsam gelesen hatten, überkam mich doch sehr die Lust dazu, noch einmal seinen ersten Roman, mit dem er auch gleichzeitig einen tollen Erfolg landete, zu lesen. Und das getan zu haben, habe ich keine Sekunde bereut!

Huldar ist es satt, in Reykjavík herumzuhängen und Sein-Leben-nicht-auf-die Reihe-zu-kriegen zu kultivieren. Und so beschließt er mitten im Winter die Verrücktheit, seine Heimatinsel, von der er bislang nur wenig gesehen hat, zu umrunden – und das auch noch mit einem Volvo Lappländer (genannt ‚Lappi‘), einem Gefährt, das durchaus einen eigenen Charakter zu haben scheint… Und während seine Freunde ihn für verrückt erklären, fährt er tatsächlich los – zu dem größten aller Abenteuer: dem Leben selbst!

Und so erzählt er von seinen Problemen, das Auto zu bändigen, oder die Straße – denn im Winter bei Schnee und Glatteis Pässe zu überqueren, ist nicht ungefährlich. Und wenn diese beiden ihm kein Kopfzerbrechen bereiten, ist es womöglich die auf dem Land lebende Bevölkerung, bemitleidenswert, wie Huldar findet, da fernab von dem pulsierenden Reykjavík. Doch schnell findet er heraus, dass das Landleben nicht ganz reizlos ist, und auch die Begegnungen  mit den Menschen sind für viele Überraschungen gut! Dazwischen erzählt Huldar immer wieder von sich selbst, einem echten isländischen Greenhorn, das seine Probleme und Konflikte offen, aber mit einer gesunden Distanz ausspricht, was durchaus seine überaus komischen Seiten hat.

Ja, und so ist er auf der Suche nach sich selbst, und die Suche, sie läuft ins Leere. Da beschreibt er beispielsweise einen Hotelaufenthalt im tiefsten Hinterland Islands, in dem er nun aber wirklich systematisch zu sich selber finden will und sich zu diesem Zweck im Hotel einschließt, während draußen ein Schneesturm tobt (in dessen Verwehungen er sogar schon einem Geist begnetet ist). Doch er findet und findet nichts – wiewohl er natürlich in Wirklichkeit einen ganzen Schatz hebt, indem er am Ende eben dieses wunderbar stimmungsvolle, launige Büchlein über Island und seine ‚Menschwerdung‘ schreibt.

Huldar Breiðfjörð ist hier ein wirklich toller Aufsatz gelungen, der sich wunderbar (vor-)lesen lässt und riesig Spaß bringt. Es ist eine phantastische Roadnovelle, die sich auch als Reiselektüre hervorragend eignet. Und wenn man sich als Tourist durch Island bewegt, wird man ganz sicher die ein oder andere Person oder Lokalität aus diesem Buch in natura begegnen.

9783462044362Dieses Buch hat mir mein Zahnarzt geschenkt, nachdem ich ihn mit dem ersten Buch der letzten Trilogie von Jón Kalman Stefansson bedacht hatte. Die Patientin ist ja klar im Vorteil, wenn sie mit offenem Mund den Erzählungen ihres Arztes lauschen kann, und insofern eine andere Art der Antwort finden muss (wenn sie will). Ich wollte, denn es ist nicht nur ein guter Zahnarzt, sondern zudem auch noch ein Freund guter Literatur.

So also kam dies Buch zu mir. Es ist die Geschichte vom Autor Meyerhoff selbst, von Beruf Schauspieler und zudem derzeit im Hamburger Schauspielhaus tätig, wo ich ihn in ‚‚Die Schule der Frauen‘ auch schon gesehen habe. Und es geht um sein Jahr in Amerika, das er als Austauschschüler mit ca. 18 Jahren besucht hatte, und zwar dem Amerika op’n Dörp’n, mitten in der Provinz in Laramie (Wyoming) – und das ist allemal exotisch! Er erzählt von Jacuzzi-Partys mitten im Winter in den Bergen – man hatte nicht nur in einen entfernten Winkel jede Menge Alkohol mitgebracht, sondern auch gleich seinen Whirlpool, in dem man sich nun besoffen tummelte. Oder er erzählt von merkwürdigen Individuen wie einem Lehrer, dessen Familie ihn zu einer Body-Building-Darbietung einlädt – alle Familienmitglieder sind daran beteiligt, während über ihnen die Adler kreisen. Die im Anschluss mit Steaks gefüttert werden. Merkwürdiges Land, das, komische Leute – Amerikaner halt, Individuen bis auf die Knochen. Doch Joachim – oder wie man ihn vermutlich in Amerika rief: Joakim – erzählt auch von seinem Erwachsenwerden, das ihn natürlich parallel einholt, von seiner Entwicklung, die im Kreise seiner geliebten Familie in einer norddeutschen Kleinstadt nicht in diesem Maße möglich gewesen wäre. Und er erzählt von einem schweren Schicksalsschlag, der ihn um so stärker ins Leben zu katapultieren scheint, und es wird klar, wie dieser Mensch durch das Jahr Amerika gereift nach Deutschland zurückkehrt, stolz, arrogant, und doch noch zu jung, um nicht furchtbar ins Straucheln zu geraten, um am Ende aber wieder aufzustehen und ein Stück weiter zu sich selbst zu finden.

Es ist eine Geschichte, die sich gut lesen lässt und mich als Leserin abwechselnd zum Staunen, Lachen oder Trauern bringt, ja, man kann sagen, dies Buch hat mich mitgenommen zu einer Reise – nach Amerika und ins Ich von Joakim. Letzteres natürlich nur ein Stück weit. Ich bewundere seine Offenheit, diesen Prozess mit uns Lesern zu teilen. Ja, und es macht neugierig auf die weiteren Bücher, die dieser vielbegabte Autor mittlerweile herausgebracht hat!

image_1_12596Im Sommer fahren wir auf die Färöer Inseln, und da ist es ja klar, dass wir uns schon jetzt für das Land interessieren. Und erst recht, wenn Huldar Breiðfjörð die Inseln besucht hat und darüber schreibt… denn sein Buch ‚Liebe Isländer‘, hatte mir damals gut gefallen (und jetzt lesen wir es gerade wieder).

Ein Isländer also besucht die Färöer Inseln, und er fragt sich, ob er eigentlich im Ausland ist… So ähnlich scheinen sich die beiden Völker zu sein, und doch gibt es Unterschiede – nicht zuletzt dadurch, dass dieser kleine Inselstaat Island Geld gepumpt hat, als dies 2008 in die große Krise geriet. Da das Buch zu dieser Zeit geschrieben wurde, ist die Krise oft Thema zwischen Huldar und den Menschen, denen er auf den Färöern begegnet. Denn streng genommen ist dieses Buch kein Roman, sondern vielmehr eine Reisebeschreibung, denn Huldar Breiðfjörð erzählt, was ihm auf seiner vierwöchigen Reise über die Inseln im Winter so alles widerfahren ist.

Und was ist ihm denn nur widerfahren? Das lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: Fast nichts. Aber das macht nichts, weil Huldar es versteht, seine Beobachtungen und Erlebnisse mit den Ureinwohnern und auch zugereisten Isländern in eine leichtseichte Form zu packen, sodass es Spaß macht, das Buch (vor-)zu lesen. So erzählt er von einem Zimmernachbarn in einer Art Wohnheim in Torshavn, der im Straßenbau und zur Zeit im Winterräumdienst tätig ist, und ausgiebig über seine Arbeit berichtet. Ich stelle mir vor, dass er Huldar vielleicht ziemlich zugeblubbert hat über Asphaltarten, der Kunst des Asphaltierens oder auch der Problematik von Schlaglöchern. Huldar aber versteht es, auch daraus noch etwas zu formen, das uns einen Eindruck von der färöischen Bevölkerung vermittelt. Wobei seine Besuche des färöischen Nachtlebens oder einer Veranstaltung, in der der typisch färöische Tanz getanzt wird, vielleicht noch aufschlussreicher sind…
Also, es war nett, dies Büchlein zu lesen, aber an seinen Erfolg ‚Liebe Isländer‘ kommt dieser färöische Roman einfach nicht heran.

Am Buchende ist auch ein Foto vom Autor höchstselbst: Er sitzt, seine Hand den Kopf mit den struppeligen Haaren stützend, vor einem Schachbrett – und erinnert irgendwie schrecklich an Woody Allen… Der ewig zweifelnde Intellektuelle, ein, wie er sich im Buch selbst nennt, ‚erfahrener Reisender‘ auf dem Weg vom Irgendwo ins Nirgendwo, tragisch und komisch zugleich. Wie seine Bücher es sind, tragisch, weil so wenig passiert, komisch, weil doch etwas passiert, aus dem sich eine Art Geschichte formen lässt.

kologridisIch war ja aufgrund meiner Reise auf der Suche nach Literatur, die etwas mit Florenz zu tun hat. Und weil mich die Zeit der Medici, wie ja hier vor kurzem des öfteren erörtert, besonders interessiert hat, fiel meine Wahl auf dieses Buch. Eine gute Wahl? In gewisser Weise ja, in anderer überhaupt gar nicht!

Der Roman greift vielleicht gewisse Eckpunkte der florentinischen Geschichte auf. Lorenzo di Medici, ‚der Prächtige‘, stirbt. Nach seinem Tod führt ein Komplott zur Flucht seiner Söhne aus Florenz. Girolamo Savonarola predigte schon seit Längerem in Florenz, doch jetzt beginnt sein Ruhm noch weiter zu steigen. Er predigt gegen den Wohlstand, gegen Schmuck und deren Träger. Diese sind ohnehin in Verruf geraten, wozu Lorenzo einiges beigetragen hatte, da er beispielsweise Steuern einführte (zu Lasten des ohnehin armen Volkes), damit er seinen ausschweifenden Lebenswandel und sein Mäzenatentum weiter führen konnte. Das kam bei den Bürgern ohnehin nicht besonders gut an, man hatte jedoch wegen der Medici-Generation vor Lorenzo dieser Familie immer Loyalität bezeugt. Dank Savonarolas vermutlich meisterhafte Rhethorik hing Florenz schließlich an seinen Lippen und machte die Abkehr von allem Herrlichen in Florenz möglich.

Dieser historische Hintergrund bildet die Kulisse der Geschichte um Monna Lisa Gherardini, die mitten in die Medici-Intrigen auch ihrer eigenen Identität auf die Spur kommt. Eine nicht kleine Rolle spielt dabei Leonardo da Vinci, der den Auftrag, angeblich von Lorenzo noch vor seinem Tod, bekam, Monna Lisa zu malen. Durch ihn erfährt Monna Lisa dann das Geheimnis ihrer Mutter…
Das war spannend zu lesen, und was ziemlich klasse war, war, dass ich ja nun viele der Orte kannte, die von den Protagonisten aufgesucht wurden. Das war schon ein besonderes Lesevergnügen, die Figuren zu den Orten zu begleiten, viel intensiver war dadurch mein Vorstellungsvermögen. Das habe ich sehr genossen.

Was ich aber abscheulich finde, ist, dass der Roman einen Teil der Personen, die in Florenz damals lebten, benutzt hatte, um eine ganz eigene Geschichte zu erzählen. Ich weiß nicht, ich bin da einfach empfindlich: Mona Lisa, die Leonardo da Vinci malte, war die Gattin eines der reicheren Stoffhändler (dass sie es war, die er malte, ist umstritten, das Buch folgt allerdings dieser Theorie). Im Buch kommt ihr Gatte nicht grad gut weg, ebenso Mona Lisas Vater nicht. Wenn ich jedoch bei Wikipedia über diese Frau nachlese, so scheint mir, dass weder ihre Ehe so grässlich war oder der Vater bestimmte Eigenschaften besessen hatte, wie im Roman geschildert. Das finde ich einfach nur schlimm. Vielleicht kann man ja sagen, dass es eben nur ein Roman ist, der bestimmte historsiche Gegebenheiten aufgreift und zu einer spannenden Handlung – spannender als das, was wirklich geschehen ist – zusammen setzt, aber ich empfinde doch das eine oder andere als rechte Verunglimpfung.

Ich kann mir allerdings vorstellen, dass das Schicksal der Frauen im 15. Jahrhundert durchaus schlimm war; dass Vergewaltigung in der Ehe an der Tagesordnung stand und Frauen absolut nichts wert waren. Die Schilderung mag insofern authentisch sein, aber die Übertragung auf tatsächlich vorhandene Personen finde ich falsch, wenn es für die Untaten keine Belege gibt.

Das Buch ist übrigens auch unter dem Titel ‚Ich, Mona Lisa‘ und ‚Leonardos Geheimnis‘ herausgekommen. Beide Titel zielen auf bestimmte Leserschaften wie mich ab. Tja, mich hat das zwar nicht getroffen, da ‚Die Verschwörung von Florenz‘ ja nicht soo reißerisch klingt. Dennoch: das Buch hat mich auch getroffen. Aber am Ende habe ich es – versenkt.

Mein nächster Urlaub gleich nach Florenz führte mich ins wunderschöne Hunsrück – mitten in den Herbst. Bei so schönem Wetter durch diesen bunten Wald zu spazieren, war eine riesige Freude! Ein Abstecher ca. 70 km entfernt musste aber sein. Wir waren schon mal hier im Praehistorium, vor 4 1/2 Jahren, und dass dieses ganz besondere Museum auch noch vergrößert wurde, wussten wir nicht. Um so lohnender war es, noch einmal herzukommen.

Das Museum entführt uns im ersten (alten) Teil zu den Beginn unseres Planeten. Was alles nach dem Urknall passierte, und wie lange diese einzelnen Phasen dauerten, bis sich schließlich das erste Leben auf der Erde zeigte! Unglaublich!  Und wie lange es wiederum dauerte, bis sich daraus Dinosaurier entwickelt haben, die dann ein jähes Ende fanden. Es wurden Räume ausgestaltet mit Pflanzen und Tieren (alles Plastik), die Eindrücke von den verschiedenen Entwicklungsphasen gaben, mit kleinen Animationen der Tiere. So konnten wir einen recht konkreten Eindruck von den verschiedenen Phasen gewinnen. Total gut gemacht, kurzweilig und spannend!

Der Audioguide meinte es etwas sehr gut mit einem, er war etwas zu ausführlich für mich, aber da mich ja niemand gezwungen hat, alles mit anzuhören, war auch das o.k.

Im zweiten – neuen -Teil ging es dann um eine Reise von heute bis zurück zu den Wurzeln der Menschheit. Einige wichtige Phasen der Geschichte (vor allem) der westlichen Welt (in der neueren Zeit) wurden genauer erläutert. Jede Station lag etwas weiter zurück als die vorherige. Wir sahen also sozusagen die Kultur der Menschen verschwinden und waren aber schwer beeindruckt davon, wie weit sie in die Vergangenheit zurückreichte.

Das war alles supergut aufbereitet und wissenschaftlich auf einem akzeptablen Stand, denn schließlich gibt es immer auch neuere Erkenntnisse. Was einerseits angenehm, andererseits beängstigend war: Wir hatten Herbstferien und waren zwar absolut nicht die einzigen Gäste, es war aber ziemlich leer. Das hat dieses interessante Museum absolut nicht verdient! Der Vorteil war, dass uns die Aufseher zum Teil uns in Gespräche verwickelten, auch oder gerade inhaltlicher Natur, sodass wir beinahe eine kleine Führung bekamen. Vielleicht hatten wir ja auch nur Glück. Aber es war ziemlch klasse zu sehen, wie diese Aufseher für die Inhalte des Museums brannten! Das sprach ebenfalls sehr für dieses Museum.

Ich kann es nur jedem empfehlen, dies Museum zu besuchen, wenn man mal in der Nähe ist. Es lohnt sich total! Hier geht es schon mal virtuell dorthin.

Ich bin nicht gut darin, meine Reisen vorzubereiten, erst recht nicht, wenn ich das Land/die Stadt noch gar nicht kenne. Das war in diesem Falle ja ein wenig anders, weil ich Florenz ja schon kannte, und zwar aus zwei Besuchen. Der erste Besuch war mit einem Freund, mit dem ich damals dem ‚dolce vita‘ auf der Spur war. Die Museen hatten wir nicht mal richtig wahrgenommen, weil wir nur darauf aus waren, die Atmosphäre der Stadt in uns aufzunehmen. Es war unsere erste Station in Italien, nachdem wir von Hamburg heruntergetrampt waren und schon ein wenig Bekanntschaft mit den heißblütigen (heute würde ich sagen: unverschämten) Italienern geschlossen hatten und völlig übermüdet waren.
Zu meinem zweiten Besuch, während des Studiums, war ich in Begleitung mit einer Freundin, die Kunstgeschichte studierte, mit ihr war ich in so vielen Museen, wie es nur möglich war, wenn man nur 2 Tage Zeit hat und dazwischen unbequem im Auto übernachtet. Und dieses Jahr nun der dritte Besuch mit einer anderen Freundin, die Kunstlehrehrerin ist, mit der ich mir echt den Kulturschock gegeben habe (und wie schön das war!!). Dennoch ein Begleiter, der Florenz gut kennt, war auch sie nicht. Wir blieben aber nicht unbegleitet, denn dieses feine Buch von Birgit Haustedt deckte so manche Wissenslücke.

Die 10 Spaziergänge, die vom Florenz zu Dantes Zeiten bis in die heutige Zeit führen, zeigen Florenz von einer gewissen Insiderseite. Ich bin zwar nicht einem vorgeschlagenen Spaziergang gefolgt, habe aber eine Menge Orte aufgesucht, von denen Birgit Haustedt atmosphärisch dicht erzählt in einem Ton, als würde sie einem diese Anekdoten, Fakten und Betrachtungen ins Ohr flüstern – was den perfekten Begleiter ausmacht. So erzählt sie beispielsweise von Dante und seiner ‚Götlichen Komödie‘ – einem Werk, das die Florentiner wohl noch immer ehren (Roberto Benigni soll sie auswendig können) und das durch die Besonderheit,  in der italienischen Umgangssprache des 13. Jahrhunderts mit vielen Anspielungen auf Politik und Gesellschaft geschrieben worden zu sein, herausragende Bedeutung hat. Oder sie erwähnt andere literarische oder künstlerische Meisterwerke, schreibt über Bocaccios ‚Decamerone‘ (ein tolles Werk!) oder darüber, wie Michelangelo Tag und Nacht an seinem David gearbeitet hat, nachdem ein anderer Künstler diesen Marmorklotz bereits verunstaltet hat. Oder sie erzählt, wie Rainer Maria Rilke und andere deutsche Künstler sich von dieser Stadt haben inspirieren lassen. Diese Art der Annäherung an eine Stadt war genau nach meinem Gusto. Wenig Fakten (genug für mich), aber dafür viele Geschichten, atmosphärisch dicht erzählt, das ist genau die richtige Mischung für mich! Ein ’normaler‘ Reiseführer überfordert mich oft: Es gibt zu viele Tipps und Empfehlungen, und am Ende lege ich ihn frustriert weg. Das war mit diesem besonderen Reisebegleiter aber wohltuend anders. Kann ich also nur empfehlen, obwohl ich noch nicht mal alle Spaziergänge durchgelesen habe. Es soll aber immer genug Gründe geben, Florenz ein weiteres mal zu besuchen! – und dann lese ich alles nochmal und den Rest dazu.