Archiv für die Kategorie ‘Theater/Oper’

Es ist Mitte Dezember. Das Wetter schmuddelt, gebastelte Papier-Weihnachtssternchen brechen aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit in sich zusammen wie auch die Vorweihnachtsstimmung, falls diese überhaupt schon aufgekommen ist bei diesen warmen Temperaturen und dem ewigen Grau.…  Da leuchtet selbst das Gold in der Einkaufszone nicht ganz so helle.

Vielleicht lässt sich das ändern durch den Besuch eines A Capella-Weihnachtskonzertes: MaybeBop, ein Gesangsquartett, bestehend aus 4 herrlichen Herrenstimmen, schwingt sich stimmlich hoch hinauf in sphärische Höhen eines beleuchteten Weihnachtsbaumes und begibt sich tief hinab in den Keller zu den Weihnachtskartoffeln, die da auf ihre Veredelung warten – metaphorisch gesprochen.

Neben der Aufforderung, das eine oder andere Liedchen mit dem geneigten Publikum gemeinsam zu trällern, statten sie auch, gesangtechnisch ganz in der Tradition des Barbershops  bleibend, unseren Freunden, den Türken von nebenan einen Besuch ab und lassen deren Gummibaum auch gleich im weihnachtlichen Glanz erstrahlen. Und so ist es ein bewegter musikalischer Querschnitt, den die vier sympathischen Jungs hier bieten, und dies verbunden mit einer tollen Beleuchtungsshow, die sie zudem perfekt in Szene setzt.

Hier eine gummibäumliche Kostprobe (lässt sich ganzjährig gut hören):

Improvisieren können die vier auch: aus einigen Begriffen, die das Publikum ihnen zuruft, setzen sie stante pede einen Musiktext zusammen und singen ihn sogleich – keine Ahnung, woher sie diesen Zauber nehmen – und das Ganze passt zudem zu dem weihnachtlichen Motto.

Falls bis kurz vor Schluss noch immer keine Weihnachtsstimmung aufgekommen sein sollte, wenden sie am Ende eine bezaubernde Gehirnwäsche an und singen mit uns allen zusammen „Stille Nacht, heilige Nacht“… Danach hatte sogar das immer noch herrschende Schmuddelwetter draußen einen kleinen Silberschweif bekommen – Weihnachten jedenfalls kann kommen!

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Ich muss zugeben: Eigentlich hätte ich ein anderes Stück sehen wollen, das aber leider wegen der Erkrankung einer Schauspielerin nicht statt fand. Als Lückenbüßer wurde nun dies Stück eingesetzt, in das ich nie gegangen wäre. Die Karten waren besorgt, ein Ersatz fand sich nicht, nagut, dann sollte es wohl so sein. Beste Voraussetzungen also, um das Theater komplett begeistert zu verlassen! Denn so war es bei mir.

Ich hatte ehrlich gesagt etwas vergessen, wie unterhaltsam Bertold Brechts Stücke trotz ihrer politischen Aussage doch sind, zumal die Musik von Paul Dessau das ihrige dazu beisteuert! Die Bühne war etwas dunkel, die Kostüme überaus dezent grau in grau oder pastellfarben, was einen sehr gedämpften Eindruck vermittelt. Das passt zur Situation, wir sind inmitten des dreißigjährigen Krieges. Mutter Courage besteht darauf, Profit aus dem Krieg zu ziehen und verliert dabei doch eigentlich alles und merkt es nicht… So ist dies Stück gerade in diesen Zeiten hochaktuell!

Das schwarz gehaltene Bühnenbild war mehr als schlicht, bestand eigentlich nur aus einer Art Manege, oberhalb saßen die Musiker, gerade so, als wären wir in einer Zirkusvorstellung. Es war nur etwas sehr dunkel was etwas ermüdend wirkte (wobei an Schlaf bei dieser schauspielerischen Leistung ganz sicher nicht zu denken war). Die Kostüme hatte ich schon erwähnt, sie ergaben in all ihrer Gedämpftheit eine ganz sinnhafte Ästhetik. Highlights waren die Auftritte des Chores, der ganz wunderbar seine Lieder sang, während die zerstreute Yvette (Victoria Trauttmannsdorff) zwischen den Menschen umherirrte. Ein wunderschönes Bild ergab das!

Gabriela Maria Schmeide gab die Mutter Courage, und das konnte sie, sowohl in leiseren Tönen als auch ziemlich schrillen, aber immer in den richtigen. Dieser Theaterbesuch hat sich sehr gelohnt!

Ich traue mich nicht recht, ein Bild von der Website des Thalia Theaters zu posten (will keine Urheberrechte verletzen), aber schau Dir gern, um einen Eindruck von der Inszenierung zu bekommen, den kleinen Film an (oben rechts).

 

Zarina und ihre Schwester sind die erwachsenen Töchter pakistanischer Auswanderer und wurden mitten im heutigen Amerika muslimisch erzogen. Nach dem Tod der Mutter ist die größte Sorge des Vaters, der sich ein ansehnliches Geschäft aufbauen konnte, dass seine Töchter nun Ehemänner finden, die seinen muslimischen Vorstellungen entsprechen. Bei der jüngeren Tochter scheint dies auch gelungen, sie ist bereits verlobt. Doch die ältere, Zarina, hat wenig Interesse an einer Eheschließung, wurde doch ihre erste, eigene Wahl vom Vater verworfen. Stattdessen hat sie sich nun dem Schreiben eines Buches gewidmet, in dem sie versucht, den Menschen in dem Propheten zu entdecken, womit sie sich auf sehr dünnes Eis begibt.

Währenddessen datet der Vater mit potentiellen muslimischen Männern, um schon  mal eine Vorauswahl für Zarina zu treffen. Und tatsächlich: Er wird fündig, und Zarina selbst ist dem Mann trotz aller Befremdung ob der Aktionen ihres Vaters nicht abgeneigt.

Als jedoch der Vater durch Zufall das Manuskript liest, kommt es zu einem Eklat, der zum Bruch der Familie führt…

Dieses kurze Stück erzählt vielschichtig von den kulturellen Unterschieden zwischen der amerikanischen Gesellschaft und dem muslimischen Glauben, aber es erzählt auch von der unverbrüchlichen Liebe innerhalb einer Familie sowie der Auslegung von Glauben im Wandel der Kulturen und Zeiten. Allein der in Pakistan aufgewachsene Vater kann nicht begreifen, was die Töchter wegen  ihrer streng religiösen Wurzeln in Amerika durchzumachen haben, und unter welchen enormen Anpassungsschwierigkeiten sie leiden. Zarina ist das Bild einer starken, eigensinnig denkenden Frau, das dem Islam trotz ihres Glaubens  – oder gerade deswegen – gehörig  – oder, nach des Vaters Meinung,  ungehörig – auf den Zahn fühlt.

Dieses Vier-Personen-Stück wurde perfekt besetzt von Lina Beckmann, Paul Herwig, Josefine Israel und Ernst Stötzner, die sich einem intensiven Spiel hingaben. Der Abend war äußerst gelungen, es ist ein tolles Stück und eine adäquate Inszenierung.

Lulu ist Projektionsfläche für die erotischen Wünsche der Männer; eine alte Geschichte eigentlich, die Frank Wedekind in zwei Theaterstücken aufgeschrieben hat und die Grundlage für diese Oper darstellen. Und so ist auch Lulu hier auf der Bühne wandel- und formbar, was sie in merkwürdigen Verrenkungen auch bildhaft darstellt. Auch wenn die Männer, die ihr reihenweise erliegen, zum Untergang verdammt sind, so ist doch Lulu nicht die Gewinnerin: Zu schnell dreht sich die Geschichte um, und aus der Königin wird eine Bettlerin, die am Ende einen ganz gemeinen Tod stirbt.

Christoph Marthaler hat zu der Oper seine ganz eigene Regiearbeit abgelegt, die mit Zeichen nicht spart und den SängerInnen neben den sicherlich schwierigen Gesangspartien zudem beinahe artistische Fähigkeiten abverlangt – was auch gelingt. So verkörpert Barbara Hannigan eine glaubhafte Lulu mit großartigen schauspielerischen und gesanglichen Fähigkeiten.

Alban Berg hat die Oper nicht beendet, und auch dies legt Christoph Marthaler offen, indem eine Pause eintritt, bevor die Musik, die Friedrich Cerha Bergs Musik hinzufügte, erklang. Doch auch hier formte Marthaler das Stück noch und ließ ein Violinkonzert von Alban Berg spielen, das der Komponist „Andenken eines Engels“ nannte und einen äußerst passenden Schluss bildete, wie ich finde. Gespielt hat Veronika Eberle die Violine leidenschaftlich und mitreißend, und setzte dadurch der Lulu-Figur ein ergreifendes musikalisches Denkmal. Alban Berg hatte dieses Violinkonzert zu Ehren Manon Gropius geschrieben, der Tochter von Walter Gropius und Alma Mahler-Werfel, die 18-jährig an einer Krankheit verstarb, und das passte sehr gut in diese Oper und war auch musikalisch noch ein weiteres Highlight.

Schwere Kost, die Oper, ganz sicherlich, aber absolut lohnenswert! Hier einige Impressionen:

Als alter Harry-Potter-Fan lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, mir jedes Fitzelchen von dieser Geschichte reinzuziehen. Egal, was es ist… Und also war klar, dass auch das neue Theaterstück irgendwann mein Nachttischchen beehren würde.

Was soll ich sagen… Es hat riesig Spaß gemacht, alte (und gealterte) Bekannte wiederzutreffen, von Zaubersprüchen zu lesen, die längst Einzug ins Langzeitgedächtnis genommen haben, einfach nochmal in dem reichen Fundus zu schwelgen, den uns Joanne K. Rowling mit ihrem komplexen Romanwerk hinterlassen hat. Ich hatte auch gar nicht erst die Erwartung, dass das Theaterstück, das ja noch noch nicht einmal aus Joanne K. Rowlings Feder stammt (auch wenn sie es in ihre Obhut genommen hat), die Romane übertreffen könnte. Aber hätte ich sie gehabt, wäre sie absolut enttäuscht worden.

Nach diesen Abstrichen hat dieses Puzzle aus dem Siebenteiler „Harry Potter“ aber durchaus Spaß gemacht. Dreh- und Angelpunkt ist das trimagische Turnier, das Thema das vierten Buches ist – und das ich immer als besonders unheimlich empfand. Besonders tragisch war der Tod von Cedric Diggory, der ja tatsächlich mehr oder weniger zufällig sein Leben verloren hat. Hier knüpft die Geschichte an mit der durchaus philospophischen Frage, ob eine Veränderung der Vergangenheit möglich ist. Für Zauberer, die im Besitz eines Zeitumkehrers sind – einem höchst gefährlichen und umstrittenen Accessoires – wäre dies machbar – jedoch mit welchen Konsequenzen…

Im Mittelpunkt steht Albus Severus Potter, der mittlere Sohn der drei Kinder von Harry und Ginny Potter, der als einziger dem Hause Slytherin zugeordnet wurde, was eines seiner von ihm empfundenen Makel darstellt. Doch im Sohn von Draco Malfoy, Scorpius, findet er einen verlässlichen Freund, eine Tatsache, die die Eltern nur schwer akzeptieren können, waren doch die jeweiligen Väter zu Schulzeiten verfeindet. Aber das ist 19 Jahre und länger her, Harrys Narbe schmerzte schon ewig nicht mehr, und über die Geschichte mit dem dunklen Lord ist Gras gewachsen. So jedefalls dachte man, bis… und hier setzt nun die spannende Geschichte des Theaterstückes ein, die sich auch wunderbar lesen lässt und ehrlich gesagt nach Verfilmung schreit… Wie man dies Stück auf die Bühne bringen kann, weiß ich nicht so recht, aber es hat ja schon einmal funktioniert (die Uraufführung war letztes Jahr in London). Hätte ich gern gesehen.

Ja, also, ich finde nicht, dass man das Theaterstück unbedingt lesen muss, und es zu lesen ohne die Romane zu kennen, würde auf jeden Fall deutlich weniger Spaß bringen. Aber den hatte ich auf jeden Fall!

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Die Handlung ist schnell erzählt: Daphne fühlt sich unter Menschen nicht so recht wohl; sie geht mehr auf inmitten der Natur. Ihr Jugendfreund Leukippos versteht das nicht so recht, und auf jeden Fall täte er sie sowieso am liebsten mit den menschlich-fleischlichen Wonnen vertraut machen. Doch das kommt bei Daphne nicht gut an. Als aber Apollo, getarnt als Hirte, auftaucht, ist sie hin und weg, was aber nicht heißt, dass sie seinem Werben nachgibt. Als es zu einer Eifersuchtsszene der beiden werbenden Männern kommt, tötet Apollo kurzfristig den Nebenbuhler. Doch das Entsetzen, das Daphne an den Tag legt, und auch ihre Schuldgefühle, die sie empfindet, da Leukippos ihretwegen gestorben ist, lassen Apollo seine Tat bereuen. Er bittet um Aufnahme des Leukippos in den Olymp. Daphne verwandelt er in einen Lorbeerbaum und eröffnet ihr damit endlich die Welt, zu der Daphne schon immer eine Seelenverwandtschaft hatte.

Christof Loy verlegt die Szenerie inmitten einer bayerischen Wirtschaft, in der die zünftgen Buabn sich vorm Dionysos-Fest erstmal waschen und auch sonst mit dem Präsentieren ihrer Männlichkeit nicht hinterm Berg halten. Daphne dazwischen passt nicht in diese illustre Runde, hängt lieber mit den Topfpflanzen ab, die vor der Wirtschaft stehen, als sich unter die bierseelige Gesellschaft zu mischen. Es ist ein altes Thema, das Inmitten-der Gesellschaft-sein-aber-sich nicht-zugehörig-fühlen, welches von Richard Strauß in eine innige, spätromantische Musik umgesetzt wurde und die Tiefe des Konflikts einmal mehr betont. In Christof Loys Inszenierung ist nicht Apollo der ausübende Mörder, vielmehr wird Daphne von dem Gott zu der Untat gezwungen. Und diese muss dann auch die Folgen ausbaden. Statt einer kompletten äußeren Verwandlung in einen Lorbeer sind es nur ein paar Blätter, mit denen sie sich schmückt; letztendlich wird sie abgeführt, um für ihre Tat zur Rechenschaft gezogen zu werden. Ja, die Götter! Was richten sie für Unheil an! Und im nächsten Moment haben die kleinen Menschen alles wieder auszubaden…

Im Grunde genommen, und das ist vielleicht eine gewagte Deutung, ist das Stück hochaktuell. Die Götter mischen sich unter unser Volk als Aufmischer, Psychopathen, die es, wie auch immer, schaffen, dass ihren kaputten Ideen andere Menschen folgen und sich zu Taten hinreißen lassen, die man einem einzelnen schwachen Menschen in dieser Heftigkeit kaum zutrauen kann. Mit idealistischem Unterbau aber ist dann so einiges möglich… Tja, und diese Götter entziehen sich der Strafe, denn ausgeübt wurden die Taten nicht von ihnen. Menschen, die nicht in der Lage sind, ihre Taten in ihrer Schwere zu erfassen, müssen – und das ist richtig so – dafür zur Rechenschaft gezogen werden…

Es war ein toller Abend mit wunderbaren Stimmen von Agneta Eichenholz als Daphne und Eric Cutler als charismatischer Apollo. Richard Strauß‘ Musik dazu war grandios!

Mein Sohn steht total auf die Hörbuchfassung der Känguru-Trilogie von Marc-Uwe Kling, die er ja auch selbst spricht, und die ich in Ausschnitten ebenfalls kenne. Also lag es nahe, die Bühnenfassung anzusehen!

Natürlich ist diese sehr gekürzt, wie sollen auch alle drei Bücher in einem Theaterstück normaler Länge Platz finden? Da ich das Original nicht kenne, kann ich die Qualität der Adaption nicht beurteilen, ich habe aber den Eindruck, dass Marc-Uwes Original deutlich witziger ist und auch nicht so oberflächlich, wie das auf der Bühne vielleicht ja zwangsläufig sein muss, allein schon wegen der umfangreichen Kürzungen.

Jedenfalls macht Uwe Zimmermann als Känguru eine gute Figur, und auch Stephan Möller-Titel gibt einen überzeugenden Marc-Uwe ab. Die anderen beiden Darsteller (neben dem Musiker Florian Miro) aber, die in die verschiedensten Rollen schlüpfen, haben mich nicht im geringsten überzeugt. Sie spielten überzogen, aufgedreht und aufgesetzt, nee, wirklich, nennt man das dann Boulevardtheaer, wenn man es böse meint?

Es war mal etwas anderes, ins Theater zu gehen, vor allem mit Sohnemann, und insofern war es auch ein gelungener Abend. Nur merke ich einmal mehr, dass ich immer noch ernsthafte Schwierigkeiten mit dem Theater im Allgemeinen habe, wenn ich  davon ableite, was ich in letzter Zeit im Besonderen gesehen habe. Zm Einen fühle ich mich wie eine krittelnde Theaterabonenntin, der es – polemisch oder selbstkritisch gesagt – nicht konventionell genug sein kann, zum Anderen merke ich einmal mehr, dass es  mich höllisch nervt und einfach gar nicht interessiert, wenn Schauspieler verrückte Ideen auf die Bühne bringen, die mit dem Inhalt des Stückes nichts zu tun haben. Einfach nur witzig um des Gags willen, nein, das ist mir zu platt und sagt für mich zu wenig aus. Verrückt sein auf der Bühne, das ja, aber immer hintergründig muss es für mich sein. Der Witz um der Witzigkeit willen ist da nicht so meins.