Archiv für die Kategorie ‘Theater/Oper’

Eine Wette soll zeigen, dass die Verlobten von Fernando und Guglielmo auch nicht besser sind als andere Frauen: keine sei treu, alle machen es so, behauptet Don Alfonso. Die beiden Männer glauben das nicht und lassen sich auf eine Wette ein – die zu einem Resultat führt, das nicht nur die Männer nicht für möglich gehalten hätten, sondern zudem eigentlich alles – Liebe, Treue, Ehe als gesellschaftliche Konstante – in Frage stellt.

Trailer Cosi fan tutte von der Hamburgischen Staatsoper

Nicht erst heute mutete die Geschichte seltsam an, auch zu Mozarts Zeiten war es ein seltsames Thema, das er sich da vorgenommen hatte, wenn auch aus ganz anderen Gründen als heute. Damals wurde Liebe in der Gesellschaft anders gesehen: Ein Ehepaar, das sich liebt? Sowas galt als unanständig. Es war sozusagen verpönt, sich diesbezüglich öffentlich zu outen.

Und heute: sicher kein Thema, eher im Gegenteil. Aber ein Treuetest, der ist heute so absurd wie damals.
Doch weil Mozart so wunderbare Musik zu der Handlung gefunden hat, wird all dies doch akzeptiert, damals wie heute.
Die Inszenierung setzt sich entsprechend über die psychologischen Aspekte hinweg – die „gab“ es zu Mozarts Zeiten schließlich sowieso noch gar nicht.

In Anklängen an die Commedia del’Arte findet Herbert Fritsch Kostüme, die bunt und witzig sind, und zum Einen den Zyniker Don Alfonso als solchen auch zeigt, wenn er mit weißen Handschuhen, die er wie ein Dirigent hin und her bewegt und damit bestätigt, was er erwartet, zum Anderen das Hausmädchen der beiden Schwestern, Despina, spinnenähnlich in Kostüm und Szene setzt, was äußerst passend ist, denn in der Tat spinnt sie fleißig an dem Netz der Intrige, das die beiden Schwestern nur so einfach hereinrasseln lässt in die Entlarvung ihrer vermeintlichen Treue.

Spannend ist, so erklärte es uns der Operndramaturg bei der Einführung, dass die vier Stimmen der beiden Paare in der Ausgangssituation  unkonventionell zusammenfanden: der Tenor liebt die Mezzosopranstimme, der Bariton den Sopran. Das Verkehrte wird durch den Partnertausch wieder „richtig“ und bleibt doch falsch…
Am Ende, als herauskommt, dass die beiden Verlobten ihre Liebsten einem Test unterzogen hatten, ist dennoch alles offen. Denkbar sind beide Kombis, warum auch nicht?

Die Aufführung bleibt ein buntes – und zwar quietschebuntes – Spektakel, bei dem kein Auge trocken bleibt. Es ist eine grade, unkomplizierte und witzige Inszenierung, die viel Raum für eigene Gedanken lässt. Ich fand das so unterhaltsam wie tiefgründig.

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patentoechterJulia Albrecht ist die kleine Schwester von Sabine Albrecht, die 1977 die Terroristen Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar in das Haus von Jürgen Ponto einschleuste, was dessen Tod bedeutete. Jürgen Ponto und Hans Christian Albrecht, der Vater der Schwestern, waren sehr gute Jugendfreunde und Paten für Kinder des jeweils anderen: Jürgen Ponto war es für Julia Albrecht und Hans Christian Albrecht für Corinna Ponto. Nach dem Anschlag auf Jürgen Ponto brachen die Familien den Kontakt ab. Julia Albrecht, damals 13 Jahre alt, verlor durch die Untat ihrer Schwester ein Stück ihrer eigenen Identität, wurde sie doch nunmehr als „Schwester von …“ gesehen. Diese Tatsache, aber auch der Mord und dann der abgebrochene Kontakt zu der Familie Ponto, waren mehr als lähmend. Wie geht man mit diesem Ereignis um? Wer muss die Schuld tragen, die die Schwester ihrer Familie aufgebürdet  hat, und wie schwer ist es, erst recht in der Pubertät, wenn man als eigenständiges Individuum übersehen wird, weil die Schwester eine so große, zudem komplett negative Rolle spielt? Kann man dies alles überhaupt verarbeiten, aufbereiten, und wenn, wie, und wer hilft dabei? Das alles und noch viel mehr sind bitterschwere Fragen, die Julia Albrecht seit ihrem 13. Lebensjahr mit sich herumträgt und die zu erörtern alles andere als leicht sind. 30 Jahre später hat Julia Albrecht Kontakt zu Corinna Ponto aufgenommen, um das Schweigen endlich zu brechen. In einem Briefwechsel ist es ihnen endlich möglich, diese Bürde ein Stück weiter aufzuarbeiten, und durch das Buch über diesen Dialog können auch wir uns 30 Jahre später diesem Thema erneut annähern.

Darum also handelt dieses Theaterstück, das auf Basis des Buches entstand, echt harter Tobak. Auf der Bühne sehen wir zwei Wohnungen mit jeweils zwei identischen Räumen, die spiegelverkehrt  aufgebaut wurden, so dass wir im einen Teil das Wohnzimmer, in dem anderen die Küche im vorderen Bereich sehen. In diesen Räumen wuseln jeweils 3 gleich gekleidete Frauen verschiedenen Alters herum: es sind Julia Albrecht und Corinna Ponto in jeweils verschiedenen Altern. Und so wie das Bühnenbild und die Schauspielerinnen also verschiedene Aspekte der Geschichte beleuchten, geschieht dies in den Dialogen, die die verschiedenen Themen, aber auch den Ablauf der damaligen und der darauf folgenden Geschichte beleuchten. Da ist zum Beispiel der genaue Hergang: Wie Sabine Albrecht schon vor der Tat ab und zu wie zufällig bei der befreundeten Familie auftauchte, sodass kein Verdacht aufkommen sollte, als sie schließlich mit zwei vermeintlichen Freunden im Schlepptau vor der Tür steht. Aber wie geht es weiter? Wusste Sabine Albrecht, dass die beiden sofort Jürgen Ponto niederschießen würden? Sie war ja von einer Entführung ausgegangen, aber was war vorbereitet, damit Jürgen Ponto das Haus – gar freiwillig? – verlassen würde?? Fragen über Fragen. Oder auch: Die Eltern von Sabine Albrecht wussten, dass sie mit Personen in Kontakt gekommen ist, die radikale Ansichten hatten und waren froh, als Sabine in den Wochen vor der Tat vermeintlich Abstand genommen hatte. Radikale Ansichten: Wo fängt es an, und wo hört es auf? Ist davon auszugehen, dass jemand mehr oder weniger aus heiterem Himmel Verrat an den Jugendfreund des Vaters begeht? Hinterher erkennt man die Zeichen, aber wenn man mittendrin steckt? Ihr seht schon, es tun sich eine Menge, eine Unzahl von Fragen auf, eine schwerer zu beantworten als die nächste.

Auf der Bühne also wuseln die jeweils drei Frauen herum, einmal ist es die Situation unter den Geschwistern – Julia liebt ihre 13 Jahre ältere Schwester Sabine abgöttisch (während Sabine Albrecht, als sie 1990 in Berlin-Marzahn gefunden wurde, angab, sich kaum erinnert zu haben, dass sie überhaupt eine kleine Schwester hätte), dann wieder geht es um die Frauen 30 Jahre nach dem Vorfall, oder eben um Situationen innerhalb der Zeitspanne, und immer wieder werden Passagen beinahe wie ein Mantra wiederholt, ähnlich wie Gedanken, die ständig und immerzu um ein bestimmtes Thema kreisen. So wird auch das Publikum mitgerissen auf eine intensive Zeitreise und in die Gedankenwelt der beiden betroffenen Frauen, und zwar auf eindringliche und intensive Weise.

Es war ein intensives, konzentriertes Theatereignis, das hier stattfand, das uns noch einmal zu den Geschehnissen von vor 30 Jahren zurückführen, zur RAF und deren schrecklichen Taten und auch in die zynische Welt der DDR-Regierung, die diese Personen nach dem Anschlag aufhnahm und versteckte, sie vorher sogar entsprechend trainiert hatte, um solchen Anschlag auszuüben. Um es kurz zu sagen: Mitreißend, intensiv, bewegend. Wer kann, möge das Stück anschauen. Oder das Buch lesen. Oder beides.

Die Dreigroschenoper ist für mich beinahe so etwas wie die Initialzündung meiner Theaterbegeisterung, auch wenn sich diese in den letzten Jahren nicht mehr so recht zeigen wollte (scheint sich aber gerade wieder zu ändern, vielleicht). Und dies Stück wollte ich wirklich schon lange mal wieder sehen. Wohlwissend, dass dieser Film zwar nicht die Dreigroschenoper zeigt, sondern vielmehr Brechts Bemühungen einer Verfilmung zum Thema hat, war aber sonnenklar, dass ich ihn sehen wollte – unbedingt! Und ich habe es auch nicht bereut.

Das Boot am Ufer losgemacht: Filmszene aus Mackie Messer – der Dreigroschenfilm mit Hannah Herzsprung und Tobias Moretti; Bildquelle: Filmstarts.de

Wie gesagt, im Film geht es vielmehr um die Verfilmung des Stücks. Nachdem Berthold Brecht und Kurt Weill auf der Premiere gebibbert haben, ob das Publikum das Stück annehmen würde und sodann auf große Begeisterung stießen, gab es diesen Plan. Produzenten und Filmfirma fanden sich ebenfalls, jedoch bestand von dieser Seite die Meinung, dass an der ein oder anderen Stelle Modifizierungen vorgenommen werden müssten, sowohl aus Kostengründen als auch aus moralischen und gar politischen Gesichtspunkten betrachtet. Und so verhandeln der Filmproduzent  und Berthold Brecht (Lars Eidinger), und gehen das Stück einmal durch – was uns entsprechend vorgespielt wird. Wir sehen also das, was Brecht vielleicht so vorschwebte, und das ist ganz enorm gutes Theater mit mitreißendem Gesang. Die Besetzung war entsprechend toll: Der sehr charismatische Macheath wurde überzeugend von Tobias Moretti gegeben, Hannah Herzsprung war perfekt als Polly, Britta Hammerstein war ebenfalls überzeugend in der Rolle der Lotte Lenya bzw. „Seeräuber“ Jenny – ah! Wunderbar! (auch wenn ich schon als Kind die Single-Platte mit Lotte Lenya als Seeräuber-Jenny immer und immer wieder hörte, weil ich sie so liebte – die Darbietung in dem Film war ebenfalls klasse). Großartig und überraschend toll hat auch Joachim Król als Peachum gespielt und gesungen. Diese Ausführungen haben mir Riesenspaß gemacht. Grenzwertig waren die aufwendigen aber wie ich finde konventionellen (Ballett-)Tanzeinlagen. Das war mir persönlich etwas zu geleckt und ästhetisch und erinnerte mich eher an das Fernsehballett aus den achtziger Jahren (damals guckte ich noch fern, jetzt ja schon lang nicht mehr, deshalb weiß ich auch nicht, ob das immer noch so ist wie damals).

Der Film an sich kam nie zustande, letztendlich scheiterte alles sowohl am Geld als auch am aufkeimenden Nationalsozialismus.

Kurz gesagt: Wer die Dreigroschenoper liebt, kann unbehelligt in den Film gehen, denn man kommt auf seine Kosten: Tolle Gesangseinlagen und überzeugende SchauspielerInnen machen’s möglich! Manchmal vergisst man vielleicht sogar ein wenig, dass sich die eigentliche Handlung um die Filmproduktion und den damit verbundenen Schwierigkeiten dreht. Aber auch das war interessant, beleuchtet dies das Stück ebenfalls, beispielsweise um Fragen des Anstandes von 1930, die klare politische Ausrichtung des Stückes, aber auch finanzielle Aspekte.
Ich kann den Film auf jeden Fall empfehlen.

Dies ist eine sehr ungewöhnliche Weiterentwicklung von Tanztheater der New Yorkerin Elizabeth Streb, die mit ihrem Konzept Barrieren zwischen Tanz und Akrobatik spielend spielerisch aushebelt und ganz neue Aspekte von Körpererfahrung sichtbar macht wie zum Beispiel Fliegen – mit einer (oder vielen) Bauchklatscherlandung(en)…

streb

Bild von der Website http://www.kampnagel.de

Wenn man ihre Kunst sieht, kommt man nicht umhin zu überlegen, ob dies nicht viel eher Akrobatik sei, ich würde mal sagen, die Grenzen sind hier in der Tat verschwommen. Als akrobatische Leistungen taugen die Vorführungen allemal, doch das ist kein Zirkus, was wir hier sehen, dafür fehlt am Ende doch ein gewisser Kitzel. Nein, es ist ein Tanz, in dem die Tänzer wie Actionhelden – so wird der Vergleich gezogen – über das Normalmaß der menschlichen Fähigkeiten hinauswachsen. Die Körper fliegen tatsächlich, gehen steile Wände hoch, sind zu rasend schnellen Bewegungen fähig und erinnern damit tatsächlich an die Choreographie von Superman & Co. Hier wird etwas von der Erfahrung sichtbar, die die Künstler mit Zeit und Raum machen, und das ist hochspannend.

Wenn die TänzerInnen durch die Lüfte fliegen, wieder und wieder, verschwimmt beinahe das Bild von menschenmöglichen Bewegungen, eine Zirkulation liegt in der Luft, die Bewegungen und das Bild davon werden abstrakt und führen zu einer ganz neuen, ungesehenen Dimension. Choreographie wird Geometrie, Erfahrung von Körper und Raum. Die Menschen wachsen geradezu über sich hinaus und zeigen ein Stück weit etwas – Übermenschliches.

Ich hatte gleich doppelt Glück: Zum Einen habe ich die Karten gewonnen, zum Zweiten setzte sich im letzten Moment die Regisseurin genau neben mich (nicht dass wir ins Gespräch gekommen wären, dafür bin ich ja viel zu schüchtern), und dadurch konnte ich miterleben, wann sie mit der Action hochzufrieden war, und wann sie aber besonders zusammenzuckte, weil ein Moment vielleicht doch brennzliger war, als einstudiert – und einige Actions waren wirklich sehr gefährlich! Natürlich hat sie ansonsten die Zeit genutzt und sich fleißig Notizen gemacht.

Ich freue mich sehr, dass ich diese Veranstaltung besuchen konnte, auch wenn dies eher einem Zufall geschuldet war. Was lehrt mich das? Öfters zu Kampnagel gehen, experimentelles (Tanz-)Theater gucken!!!

Hier ein Youtube-Video mit Ausschnitten dieser Tanzeskunst:

 

Dieses Theatererlebnis hätte ich beinahe vergessen, in diesem Blog zu erwähnen, was ganz sicher mit meinem gespaltenen Verhältnis zu Theater und dazu mit Bearbeitungen fürs Theater zu tun haben… Immer und immer wieder frage ich mich, warum nun auch das Thalia Theater immer öfter, so scheint mir, die Tradition aufbricht, Theaterstücke auf die Bühne zu bringen und stattdessen literarische Vorlagen aufnimmt. Wie auch diesmal. Ich verstehe das nicht ganz. Was ist so falsch daran, ein Buch zu lesen? Was ist der Vorteil von einer Aufarbeitung fürs Theater?

Merkwürdiger- und inkonsequenterweise stelle ich mir diese Frage nicht bei Verfilmungen. Nun denn, keiner zwingt mich, in die Theateraufführungen zu gehen, die ihre Interpretation eines Romanes zeigen…

Ich muss gestehen, dass ich weder von diesem Roman noch von dem Autor je vorher gehört hätte. Es war einer Empfehlung geschuldet, der  ich – zudem aus gesellschaftlichen Gründen – gefolgt bin. Und enttäuscht wurde ich ja auch nicht…

Die Lebensgeschichte von Benjamin von Stuckrad-Barre war schmerzhaft genug: in der Schule nicht zurechtgekommen, wird er schnell Überflieger im Musikproduzentenbusiness und erlangt Ansehen. Der Aufstieg kommt so schnell wie der Fall in die Drogenszene, die sein komplettes Selbstzerstörungs- und Suchtpotential aktiviert. Doch ein Freund, ein Stern am Musikhimmel und am Horizont des Gefallenen zieht ihn aus dem Sumpf: Udo Lindenberg ist es, der ihm im entscheidenden Moment unter die Arme greift und hilft wieder auf die Beine zu kommen…

Szenisch wurde dies durch Einsatz von Licht und Toneinblendungen und durch mehrere Darsteller in den verschiedenen Lebenssituationen dieses Ausnahmekünstlers geschickt umgesetzt. Zwar oft verwirrend, blieb der rote Faden doch immer sichtbar, seine Irrungen und Wirrungen nachvollziehbar. Dabei folgte das Geschehen ganz eigenen hochästhetischen Gesetzen, so dass es Freude machte, zu folgen. Wenigstens bis zur Pause. Der zweite Teil hätte meiner Meinung nach stark gekürzt werden können, da sich weder viel Neues ergab noch so viel Zeigenswertes. Da die Aufführung eh 3 ½ Stunden dauerte, hätte eine halbe Stunde kürzer dem Tempo und der Intensität eher gut getan.

Ob ich den Roman lesen werde? Bislang hatte ich diesen Plan nicht.

 

Über Maria Callas und über ihren Mythos weiß ich viel zu wenig. Das war mir Antrieb, in diesem Film zu gehen.

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Foto von Maria Callas und ihrem Mann Aristote Onassis; Bildquelle: Filmstarts.de

Maria Callas sagte von sich selber, dass es 2 Personen in ihr gäbe: einmal Maria, die private Person, und einmal ‚die Callas‘, die Sängerin, die es mit ihrer Kunst geschafft hat, die Menschen zu verzaubern, und damit in der Öffentlichkeit steht.

Der Film greift zurück auf Zeitungsartikel und Fernsehberichte über Maria Callas und bezieht ein Fernseh-Interview mit ein, das wohl bislang nicht veröffentlicht worden ist. In der Öffentlichkeit präsentiert sich eigentlich noch eine dritte Maria Callas: diejenige, wie sich ihr Publikum, und wie sich die Paparazzi ihr Leben vorstellen. Eigentlich ist es das Abbild der privaten Maria, diejenige, deren Misserfolge auf der Bühne, aber auch in der Liebe breitgetreten werden. Wie erging es der Privatfrau Maria damit wirklich? Das soll trotz dieses Films ein Geheimnis bleiben, wie auch damals die Öffentlichkeit eben „nur“ erfuhr, dass sie sich wegen Depressionen der Öffentlichkeit eine Weile entzogen hat.

Insofern bleibt der Film auf dem Niveau der Veröffentlichungen und spiegelt nur das erneut, was das Publikum damals durch die Klatschpresse auch erfahren hat. Keine Spekulationen werden gemacht, und das ist auf jeden Fall gut so. Die Presse hatte sie damals schon genug auseinandergenommen, und das sollte wirklich reichen.

Sehr genossen habe ich auch, dass viele ihrer Arien gezeigt wurden, die sie wirklich hingebungsvoll gesungen hat. Ohja, sie war eine wunderbare Belcanto-Sängerin! Allein dafür lohnte sich dieser Filmabend.

Es liegt ja nun schon gut 20 Jahre zurück, dass ich mir den „Ring des Nibelungen“ angeschaut habe, da dachte ich, dass ich mir dies einmal wieder gönnen könnte (nachdem diese Inszenierung ja auch schon 10 Jahre auf dem Buckel hat). Und: das war gar nicht mal so eine schlechte Idee…

Bild gefunden auf der Seite der Hamburgischen Staatsoper, Copyright s. dort

Ein großes Haus dient hier als Spielplatz: Während die drei Rheintöchter mehr schlecht als recht über den Schatz, das Rheingold, wachen – was sich schon daran zeigt, dass sie sich in einem riesigen Bett tummeln – holt sich Alberich nach erfolgreichem Raub das Rheingold in den Heizungskeller, wo er das Gold zu einem Ring zusammenschmiedet: Dadurch sind , wie die Sage vom Rheingold erzählt, die Voraussetzungen erfüllt, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Seinen Bruder Mime weist er an, einen Tarnhelm herzustellen, mit dessen Magie es ihm gelingen könnte, die Macht zu erlangen und zu halten.  Dies alles geschieht in den Tiefen dieses Hauses, während sich die Götter auf dem Dachboden neben ihrem Modellbauwerk beraten, wie sie den Riesen Fasolt und Fafner (die sahen aus wie zwei Hamburger Kiezgrößen – köstlich! – und treffend) die Göttin Freia wieder abluchsen können – war es doch von Wotan, dem Chefgott, etwas vorschnell gewesen, gerade sie den Erbauern als Lohn für den Bau Walhalls zu versprechen, denn Freia wird dringend gebraucht. Nur sie ist nämlich in der Lage, den Göttern die Äpfel zu ernten, die sie brauchen, um weiterhin alles unter Kontrolle zu behalten… Loge, ein Halbgott und Lebemann, pfiffig, weltgewandt und aalglatt, schmiedet einen Plan: Wenn man Alberich das Rheingold abnimmt, wäre dieser gar nicht mal so schnöde Mammon sicher etwas, mit dem man Freia angemessen frei kaufen könnte…

Das Bühnenbild passte perfekt, es erinnert an ein großes Spielhaus, in dem so ein Kinderkram bestens aufgehoben ist, denn eigentlich ist es nichts anderes, was da abgeht. Die Rheintöchter sind zu verspielt und die Götter unterm Dach juchhe zu verkopft, um den Ernst der Lage zu begreifen, während die arbeitende Bevölkerung – nämlich die Zwerge im Heizungskeller und die Riesen auf der Baustelle – von der „High Society“ nach Strich und Faden verarscht werden. Kommt einem doch irgendwie bekannt vor, oder? Am Ende, egal ob man es gut oder schlecht nennen will, da dies variiert, je nachdem welcher Partei man angehört, stehen die Götter am riesengroßen Fenster, genießen Sekt und Aussicht, während die Rheintöchter den Raub des Schatzes in der Ferne beklagen. Unter dem Fenster befindet sich nach bester Wohnzimmermanier ein laaaanger Heizkörper, Symbol nicht nur einer gutbürgerlichen, gemütlichen Wohnsituation, sondern dazu Zeichen der Präsenz der Außenstehenden, der geächteten Zwerge, die die Hoheit in den Tiefen besitzen… – wenn auch nicht mehr die Weltherrschaft. Wer hat die überhaupt? Fasolt hat seinen Bruder Fafner ja bereits erschlagen, was dem Fluch geschuldet ist, der auf dem Ring liegt…

Die Stimmen waren alle brillant, alle auf hohem Niveau, deshalb fällt es mir schwer, hier jemand besonders Herausragenden zu nennen. Ganz sicher hilft es auch den SängerInnen bei der Ausgestaltung der Rollen, wenn die Inszenierung derart in sich stimmig ist – und das war hier der Fall.

Es war ein kurzweiliger, ein inspirierender Opernabend, der ganz sicher neugierig auf mehr gemacht hat – nicht zuletzt auf den zweiten Teil des „Ring“. Der läuft aber erst wieder im November, wenn die Tage empfindlich kurz und die Temperaturen auch nicht mehr das Gelbe vom Ei sind. Könnte ein Trost werden, dort hinzugehen. Mal sehen. Vermutlich tue ich das auch.