Heimelige Kinoerlebnisse II

Veröffentlicht: 22. Januar 2018 in Filme, Kultur

Und weiter geht es mit meinen letzten Filmerlebnissen, zuhause genossen… Ich versuche ja immer, eine Schnittmenge zwischen meinem Geschmack und dem meines Sohnes zu finden, was nicht immer einfach ist. Natürlich gibt es trotzdem eine Reihe anspruchsvoller Filme oder auch Filmklassiker, die ich ihm gern zeigen möchte. Insofern ist unser Zuhausekino nicht wirklich repräsentativ für meinen eigenen Filmgeschmack.

‚Ghost – Nachricht von Sam‘ – Film von Jerry Zucker (1990)

Sam, erfolgreicher Banker und glücklich verheiratet, wird Opfer eines Raubüberfalls – und stirbt. Als Geist bleibt er aber in der Nähe seiner Frau (Demi Moore) und kommt schließlich hinter eine Intrige, dessen Opfer er geworden ist… Nur ein Medium kann ihm nun noch helfen, um seine Frau zu schützen, und das findet sich mitten in Brooklyn – gespielt wird es von Whoopi Goldberg.

Upps, tot… Filmszene aus „Ghost, Nachricht von Sam“ mit Patrick Swayze. Bildquelle: Filmstarts.de

Patrick Swayze, Demi Moore und Whoopi Goldberg – das sind schon drei SchauspielerInnen, die für einen guten Film stehen! Und hinzu kommt das äußerst gelungene Drehbuch von Bruce Joel Rubin. Zu Recht hat der Film zwei Oscars bekommen, einen Oscar hat Whoopi Goldberg als beste Nebendarstellerin abgesahnt, die zweite Auszeichnung galt dem Original-Drehbuch. Ich fand beide sehr gerechtfertigt. Die schauspielerische Leistung aller Mitwirkenden war überaus überzeugend: dicht, schlüssig, brillant und originell, und die Geschichte war stimmig, spannend, atmosphärisch und nicht zuletzt witzig. Dieser Film könnte tatsächlich zu einem meiner Lieblingsfilme werden… Nur das Ende war dann doch ein klein wenig viel zu moralisch. Dennoch: Der Film ist wie gemacht für einen unterhaltsamen Kino-Winterabend!

‚Leon, der Profi‘ – Film von Luc Besson (1995)

Der Profikiller Leon (großartig und knochentrocken: Jean Reno) bemerkt, dass der Nachbar in Schwierigkeiten steckt und rettet dessen Tochter (schon damals mit 13 Jahren toll: Natalie Portman): Nur knapp entkommt sie einem Massaker, das ihre komplette Familie zum Opfer fällt, darunter auch ihr geliebter kleiner vierjähriger Bruder… Für ihn will sie Rache nehmen. Da trifft es sich doch, dass Leon sie aufgenommen hat – dann könnte er sie auch gleich ausbilden! Das Schicksal nimmt seinen Lauf im Zickzack, und wir Zuschauer immer fix hinterher… Das war schon manchmal anstrengend, wenn es doch etwas zu blutig und brutal wurde. Dennoch: Jean Reno und Natalie Portman sind ein Filmpärchen, wie es im Buche steht, ein dolles Team, und der Film war nicht nur originell (klar: hat ja auch Luc Besson gedreht!!!) sondern auch sehr spannend.

‚Ich. Darf. Nicht. Schlafen.‘ – Film von Rowan Joffe (2014)

Eigentlich ein wenn auch sehr konstruierter Plot, doch ein interessantes Gedankenspiel: Christine (Nicole Kidman) wacht seit zwanzig Jahren auf, ohne sich an die Vergangenheit zu erinnern. Ein Mann in ihrem Bett behauptet, er sei ihr Gatte, ein Anrufer erklärt ihr, er sei ihr Psychiater, und die Kamera, mit deren Hilfe sie ein Filmtagebuch führt, sei im Schrank versteckt. Über Tage, Wochen oder Monaten gelingt ihr eine kleine Rekonstruktion ihres bisherigen Lebens, aber da ist noch viel, das sie nicht weiß… Das war schon eine spannende Ausgangssituation, auch gut gespielt durch Nicole Kidman und Colin Firth. Doch leider flacht das Drehbuch zum Ende hin drastisch ab, und die Geschichte nimmt Wendungen, die ich absolut nicht schlüssig fand. Und das trübte den Genuss an diesem Psychthriller leider gewaltig ein.

‚Girl on the train‘ – Film von Tate Taylor (2016)

Noch so ein Thriller war dann dieser Film: Rachel ist geschieden und hat ein dickes, fettes Alkoholproblem. Eigentlich will sie nur zurück in ihr altes Leben mit ihrem Mann, doch der ist anderweitig liiert und hat mit seiner neuen Partnerin ein Kind, was ihr zu haben nicht vergönnt war. Jeden Tag fährt sie mit der Bahn an dem Grundstück ihres Hauses vorbei, das sie einst bewohnte und schaut sehnsuchtsvoll in die Fenster. Dabei fällt ihr Blick auch aufs Nachbarhaus, in dem ein junges, offensichtlich verliebtes Paar wohnt. Auch die beiden beneidet sie um ihr Glück.

Filmszene aus „Girl on the train“ mit Emily Blunt. Bildquelle: Filmstarts.de

Aber ein Blick hinter die Fassade stürzt sie schließlich und endlich in Abgründe, nicht nur in das der anderen, sondern auch in seelische, eigene…

Das ist der Stoff, aus dem ein gelungener Psychothriller gemacht ist! Emily Blunt (als Rachel), Haley Benett, Justin Theroux und die weiteren Schauspieler machen ihre Sache so gut, dass ein spannender, überzeugender Psychothriller dabei heraus gekommen ist. Ich fand den Film auf jeden Fall sehenswert.

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Ein vielleicht ehrgeiziges und vielleicht auch grenzwertiges Unterfangen ist dieses ganz besondere Filmprojekt: Es ist ein Film über Vincent van Gogh, dazu ganz im Stile seiner Bilder bearbeitet… Jede Einstellung wurde zwar ganz normal mit Schauspielern  gedreht, dann aber wurden alle einzelnen Bilder im Stile von van Gogh übermalt. Ein Effekt mit nichts dahinter? Nein, ich fand das nicht…

Szenenbild aus „Loving Vincent“ mit Chis O’Dowd und Douglas Booth; Bildquelle: Filmstarts.de

Der Sohn des mit Vincent van Gogh befreundeten Briefträgers Joseph Roulin bekommt von seinem Vater den Auftrag, einen Brief des mittlerweile verstorbenen Vincent an den Adressaten, Vincents Bruder Theo van Gogh zuzustellen. Das aber erweist sich als unmöglich, denn Theo ist ebenfalls nicht mehr am Leben. Amand Roulin, der den Auftrag zunächst nur widerwillig angenommen hat, beginnt, sich für die schillernde Persönlichkeit Vincent van Gogh zu interessieren – und für die Umstände, die zu seinem Tod  führten. Hat Vincent wirklich Selbstmord begangen, wie er selbst behauptet hatte? Und wenn nicht, wer hat ihn ermordet? Armand forscht nach, spricht mit den Menschen, die Vincent begegnet sind und wundert sich über die kontroversen Meinungen über den exzentrischen Künstler: Einige liebten ihn, andere wollten ihn nicht mehr in ihrem Ort sehen, manche verehrten ihn als Künstler. Dabei nimmt die Handlung eine berührende und unerwartete Wendung… Gleichzeitig sehen wir auf der Leinwand viele der von Vincent gemalten Bilder, doch hier sind sie bewegt.

So entsteht nicht nur ein Bild von Vincents schillernder Persönlichkeit, sondern auch gleich ein Film über seine Bilder. Und dies alles zudem mit einer berührenden Handlung, dargestellt durch phantastische Schauspieler wie Douglas Booth (als Armand), Saoirse Ronan (Margaret Gachet) und Jerome Flynn als Dr.  Gachet, um nur einige zu nennen. Denn das war das Interessante: Die schauspielerischen Fähigkeiten taten der starken Bildbearbeitung keinerlei Abbruch!

So ist dies ein toller Film geworden, mit einer schlüssigen, fesselnden und berührenden Handlung, und dann auch noch szenisch umgesetzt in den Motiven Vincent van Goghs. Ein Meisterwerk, wie ich finde, und unbedingt sehenswert!!

Hier geht es zum Trailer.

 

Die kleine, feine Ausstellung im tollen Hamburger Museum für Völkerkunde stellt zwei historische Abschnitte Koreas nebeneinander – und das ergibt einen megakrassen Einblick in die Entwicklung dieses traditionsreichen und technikaffinen Landes.

Koreas frühe Entwicklung ist geprägt von Konfuzius‘ Lehren – ein Philosoph, der um 500 v. Chr. lebte und wirkte. Seine Lehren zielten grob gesagt auf einen Lebensstil ab, der moralisch einwandfrei und strebsam war. Noch heute sind diese Lehren in Korea greifbar, wenn auch andererseits etwas verformt, wie mir scheint.

Die Abteilung über die alte Zeit umfasst Hüte, Kimonos, Fächer und anderen Zubehör. Uralt und einigermaßen beeindruckend zeugen sie von einer ausgeprägten Hofkultur und auch von Behördentum.

Die neuere Abteilung hingegen bietet einen Einblick in das heutige Korea, in dem die alten Traditionen fortbestehen – so sind Fotos von einem Markt in Korea zu sehen, die durchaus zeigen, wie altertümlich es dort noch immer zugeht, wenn Bauern ihre Waren auf dem Boden präsentieren, gleich neben den Auspüffen von Autos… Die Ausstattungen der Wohnungen sind dagegen ähnlich wie hier, auch wenn die Gewohnheiten und Geschmäcker der KoreanerInnen sich von den unseren unterscheiden. Faszinierend war z.B. ein spezieller Kühlschrank, der so eingerichtet ist, dass darin das beliebte und weitverbreitete Kimchi – das ist speziell eingelegtes Gemüse, sehr gesund – darin Platz findet. Mhm. Ich stand davor, und man hatte dort „Muster-Kimchi“ in den Kühlschrank gelegt, so sah es jedenfalls aus. Dennoch verbreitete sich der typische Kimchi-Geruch – ob sie den Kühlschrank entsprechend „einparfümiert“ hatten?

Auch andere Dinge schienen mir so fremd zu sein wie von einem anderen Stern: Da gab es beispielsweise auch eine Karaoke-Kiste zu sehen, in die man an öffentlichen Orten hineingehen kann. Gegen Münzeinwurf kommt dann Musik aus dem Kasten, zu dem man nach Herzenslust trällern kann. Merkwürdig… Als wir die Ausstellung besuchten, war diese Kiste hochfrequentiert: drei Koreaner(?) hatten sich dort hineingequetscht und unterhielten lautstark alle Ausstellungsbesucher…

Gruselig fand ich die Popkultur der koreanischen Jugend. Die Boygroup, von der Fotos an der Wand hingen, schien mir viel eher aus Stricherjungen zu bestehen. Sind jedoch Idole. Natürlich fanden sich in der Ausstellung auch Stücke mobiler Endgeräte, was uns drastisch vor Augen führt, wo viele unserer Handys und Smartphones herkommen. Daneben fanden sich brav gehandwerkelte Überdecken für einen geordneten Haushalt.

Einiges fand ich wirklich sehr fremd, beispielsweise die vielen Sorten von „Medizin“, um einen Kater nach einer feuchtfröhlichen Nacht zu bekämpfen, oder auch die Instant-Fertigsuppen, die man freilich auch mittlerweile bei uns im Supermarkt kaufen kann. Auch ist Korea mit seiner unglaublichen wirtschaftlichen Entwicklung ein Paradebeispiel für Ehrgeiz und Leistungsdenken, das mir etwas unheimlich ist…

Korea ist eine Welt zwischen Fast Food, Technikbegeisterung, Ehrgeiz und strengen Traditionen. Ein spannendes Land! Es ist eine spannende, übersichtliche Ausstellung, die Einblick in ein modernes und für mich ziemlich exotisches Land gibt.

Weitere Impressionen findest Du bei Facebook: https://www.facebook.com/VoelkerkundemuseumHH/posts/10155969868676823

Heimelige Kinoerlebnisse I

Veröffentlicht: 19. Januar 2018 in Filme, Kultur

Winterzeit. Sich einen heißen Kakao machen, ein Kekschen gönnen, eine Kuscheldecke überwerfen und dann ab vor die heimische Glotze…  Schönes Bild. Dazu komplett falsches Bild. Das mit dem Kakao und dem Keks gehört zum Lesen! Bei uns wird nämlich vielmehr eine Tüte Chips geschlachtet. Jedenfalls: auf auf ins Vergessen, hinein ins virtuelle Abenteuer!

Und dies spuckte unser DVD-Player im Dezember und Januar für uns aus:

‚Hulk‘ Film von Ang Lee (2003)
Da ich keine Marvel-Comics lese, bin ich mit der Comicfigur des Hulk auch nicht vertraut. Muss man das sein? Vielleicht nur, um mit der Jugend von heute mitreden zu können, und auch um zu verstehen, worüber die Nerds in „Big Bang Theory“ so diskutieren. Ansonsten denke ich, eigentlich nicht, obwohl ich schon ein wenig neugierig wurde, was Ang Lee aus dem Thema herausgeholt hat.

Filmszene aus ‚Hulk‘; Bildquelle: Filmstarts.de

Und das hat mir schon gefallen: Der Gammastrahlen-Verseuchte Bruce (Eric Bana) erfährt von seiner Kontamination erst, als er erneut versehentlich Gammastrahlen ausgesetzt wurde (zu dumm auch, dass er, wie seine Eltern, die er gar nicht kennengelernt hat, Gammastrahlenexperimente durchführt). Die Gammastrahlen bewirken, dass Bruce sich, ohne sich dessen bewusst zu werden, in ein Monster verwandelt. Ang Lee hat deutlich gemacht, dass die Geschichte aus der Comicwelt stammt – eine Entscheidung, die den Film durch Einblendungen in Form lebender Comicbildchen ganz interessant macht.

‘A World beyond‘ – Film von Brad Bird (2015)

Das Beste an dem Film war für mich die Mitwirkung von George Clooney. Ansonsten war es mir ein viel zu hektischer Fantasy-Science-Fiction-Mix, der mich eher entweder nervös gemacht oder nicht interessiert hat. Es ist eine Walt-Disney-Produktion, und das merkt man auch, für die Zielgruppe 8-10 Jährige. Warum uns der Film empfohlen wurde, und erst recht vom wem? Decken wir den Mantels des Schweigens über dies Kapitel.

‚Blade Runner‘ Film von Ridley Scott (1982)

Tatsächlich hatte ich diesen Film-Klassiker noch nicht gesehen, und das wiederum halte ich doch für eine cineastische Wissenslücke… Abgesehen davon hat er mich durch die fantastische Ausstattung sehr fasziniert.

Harrison Ford als sogenannter Blade Runner jagt im Jahre 2019 (!) einige Replikanten. Diese wurden von den Menschen nach ihrem Ebenbild erschaffen. Als geklonte Geschwister sollten sie auf anderen Planeten die Drecksarbeit verrichten, es wäre dann nicht so schlimm, wenn jemand dabei ums Leben kommt. Doch die versklavten Replikanten wehren sich, und nun haben sich einige von ihnen unters Volk gemischt, um für ihre eigenen Rechte zu kämpfen – eine gefährliche Situation…

Filmszene aus Blade Runner mit Daryl Hannah, Harrison Ford; Bildquelle: Filmstarts.de

Was mich an dem Streifen überaus fasziniert hat, war neben der sehr detailreichen Ausstattung und dem Entwurf einer dystopischen Zukunft – es regnet immer, die Straßen sind überfüllt und schmutzig, und dann gibt es zudem geklonte Wesen, die sich nun rächen wollen  – die Anspielung auf philosophische Bezüge oder auf Mythen. Dies ist ganz sicher ein Film, bei dem man auch beim wiederholten Schauen immer noch eine Menge Neues entdecken kann.

In letzter Zeit habe ich viele Filme gesehen, und der Besuch dieses Kinoerlebnisses liegt schon einige Wochen zurück. Was blieb von diesem Film?

Wie auch schon bei früheren Star Wars Filmen hing für mich auch hier die Handlung an einem seidenen, allerdings durchaus einigermaßen roten Faden. Liegt es an meiner Vergesslichkeit? Der Haupt-Bösewicht ist hier ein gewisser Snoke. Wo kommt der her? Das wird im Film nicht erklärt. Wenn man also mal dieses kleine Detail außer Acht lässt, ergibt sich insgesamt ein schlüssiges Drehbuch.

Daisy Ridley, Mark Hamill in ‚STar Wars 8: Die letzten Jedi‘ als dieselben; Bildquelle: Filmstarts.de

Dieser „Wer-auch-immer-er-ist“-Snoke will die letzten Widerständler nun endlich zur Strecke bringen. Helfen soll ihm dabei Kylo-Ren (interessant: Adam Driver), der Sohn von Prinzessin Leia und Han Solo, beides Widerständler erster Stunde. Kylo-Ren hatte sich jedoch wie sein Opi Darth Vader der dunklen Seite zugewandt.

Nun zur ursprünglichen Frage zurück: was blieb mir im Gedächtnis? Es waren zum Einen eindrucksvolle Kampf- aber auch andere wunderschöne Szenen, ein tolles Szenario wurde hier entworfen. Zum Anderen erschien mir das Drehbuch in sich einigermaßen schlüssig, und die Charaktere waren sehr spannend und interessant. Hätte man gedacht, wie würdig Prinzessin Leias (Carrie Fisher) Vertretung, die Vizeadmirälin Amilyn Holdo (brillant gespielt von Laura Dern) während ihres Komas diese vertritt? Es sind gerade die dramaturgischen Kniffe, die den Film so facettenreich werden lassen… Viele unerwartete Wendungen bringen eine enorme Spannung mit sich. Ebenso fand ich auch, dass zum Beispiel die kleine Antiheldin Rose (überzeugend: Kelly Marie Tran), etwas pummelig, dazu durchschnittlich wirkend, sich großartig mausert – das ist nicht nur eine tolle dramaturgische Leistung, sondern auch – bzw. vor allem – eine bemerkenswerte schauspielerische. Von der schauspielerischen Überzeugungskraft lebt überhaupt vieles in diesem Film, dazu die perfekten Bilder! Da kann ein echter Star Wars-Fan vielleicht auch die eine oder andere phantastische Spinnerei verzeihen…

Fazit: Ein voller, toller, voll toller Film, der Besuch lohnt sich, wenn man Popcorn-Kino will.

madame-d-ora

Wer in den 20er, 30er Jahren etwas von sich hielt, besuchte in Wien Madame d‘Oras (1881-1963) Fotostudio, um sich dort von ihr fotografieren zu lassen. So entstanden in der aufregenden Zeit der 20er Jahre viele Portraits von der Wiener Upper Class und auch der Künstlerbohéme, aber auch von vielen Schauspielern und Modemacherinnen. Die Fotos sind in den gewählten Ausschnitten und den sorgfältig herausgearbeiteten Graustufen ästhetische Meisterwerke, die die Menschen vorteilhaft in Szene setzten – bis zum aufkeimenden Nationalsozialismus. Das heile Weltbild, auch das von Madame d’Ora, geriet ins Wanken. Hatte sie zuvor die Menschen in ihrem Prunk gezeigt, in wunderbaren Kleidern und in voller Schmuckmontur, hinterlässt diese Zeit ihre Spuren auch in ihrer Arbeit. Durch ihre notwendige Flucht – sie war Jüdin – kommt sie in Berührung mit Leid und Elend, das ihre Arbeit aus den tollen 20ern ad absurdum zu führen scheint. Konsequent wendet sie sich auch fotografisch anderen Motiven zu: Sie fotografiert in Flüchtlingsunterkünften und dokumentiert damit die Kehrseite von Reichtum und Wohlstand.

Auch Portraits erhalten einen neuen Aspekt: Statt den ewigen Glanz zu zeigen, bezieht sie bildlich auch den körperlichen Verfall mit ein, macht die Vergänglichkeit und das Altern spürbar, zeigt nun auch das, was sie in den Bildern vor dem Krieg kategorisch ausgeklammert hatte. Jetzt sind es nicht mehr die glatten Gesichter von jungen Menschen, vielmehr das Aufdecken von Alterungsprozessen, das sie auf manchen Bildern noch drastisch unterstreicht, indem sie Tierkadaver mit ins Motiv hinzunimmt, bilden den neu gesetzten inhaltlichen Schwerpunkt.

Und dann, schließlich, mündet ihre Arbeit in zwei Serien, die sie in einem Pariser Schlachthof aufgenommen hat: Tote Kälberaugen, abgezogene Schafe, gehäutetes, mit weißen Sehnen durchzogenes Pferdefleisch sind ihre drastischen Motive, die trotz der Grässlichkeit des Themas – man fragt sich, ob das normal ist, wie die Tiere hier ums Leben gekommen sind, oder ob Tierquälerei ein weiterer Kritikpunkt ist – durchaus auch eine ganz eigene Ästhetik besitzen.

Von der schönen Welt des Scheins bis zum blutigen Schluss reicht das Spektrum von Madame d’Oras Fotokunst. Das ist eine unglaubliche Entwicklung, die die Künstlerin durchgemacht hat! Betrachtet man ihr Werk in der Gänze – und das erlaubt diese Ausstellung ja, wenn sie nicht geradezu dazu auffordert – entsteht ein verstörendes Verständnis von Ästhetik, und es drängt sich die Frage nach der Endlichkeit aller Wesen gegenüber einer unmenschlichen Verdrängung des Eigentlichen auf. Diese Ausstellung, die mich, da chronologisch angeschaut, zunächst im Ästhetischen der Motive und der formalen Bildaufteilung hat schwelgen lassen und mich sodann durch den Kontrapunkt nachdenklich werden ließ, hat mich tief berührt.

 

Es ist Mitte Dezember. Das Wetter schmuddelt, gebastelte Papier-Weihnachtssternchen brechen aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit in sich zusammen wie auch die Vorweihnachtsstimmung, falls diese überhaupt schon aufgekommen ist bei diesen warmen Temperaturen und dem ewigen Grau.…  Da leuchtet selbst das Gold in der Einkaufszone nicht ganz so helle.

Vielleicht lässt sich das ändern durch den Besuch eines A Capella-Weihnachtskonzertes: MaybeBop, ein Gesangsquartett, bestehend aus 4 herrlichen Herrenstimmen, schwingt sich stimmlich hoch hinauf in sphärische Höhen eines beleuchteten Weihnachtsbaumes und begibt sich tief hinab in den Keller zu den Weihnachtskartoffeln, die da auf ihre Veredelung warten – metaphorisch gesprochen.

Neben der Aufforderung, das eine oder andere Liedchen mit dem geneigten Publikum gemeinsam zu trällern, statten sie auch, gesangtechnisch ganz in der Tradition des Barbershops  bleibend, unseren Freunden, den Türken von nebenan einen Besuch ab und lassen deren Gummibaum auch gleich im weihnachtlichen Glanz erstrahlen. Und so ist es ein bewegter musikalischer Querschnitt, den die vier sympathischen Jungs hier bieten, und dies verbunden mit einer tollen Beleuchtungsshow, die sie zudem perfekt in Szene setzt.

Hier eine gummibäumliche Kostprobe (lässt sich ganzjährig gut hören):

Improvisieren können die vier auch: aus einigen Begriffen, die das Publikum ihnen zuruft, setzen sie stante pede einen Musiktext zusammen und singen ihn sogleich – keine Ahnung, woher sie diesen Zauber nehmen – und das Ganze passt zudem zu dem weihnachtlichen Motto.

Falls bis kurz vor Schluss noch immer keine Weihnachtsstimmung aufgekommen sein sollte, wenden sie am Ende eine bezaubernde Gehirnwäsche an und singen mit uns allen zusammen „Stille Nacht, heilige Nacht“… Danach hatte sogar das immer noch herrschende Schmuddelwetter draußen einen kleinen Silberschweif bekommen – Weihnachten jedenfalls kann kommen!