Diesen Manga-Film über die Tochter des berühmten Künstlers Hokusai ist uns ausschnittweise schon in der Manga-Ausstellung über den Weg gelaufen – das hatte mich neugierig gemacht, und dank Tauschticket habe ich die DVD günstig geschossen.

Die Geschichte ist eigentlich kaum eine; vielmehr ist es ein Portrait der Persönlichkeit der jungen Tochter, die ihrem Vater zum Teil bei der Fertigstellung der Auftragsarbeiten half, da sie mindestens so begabt war, wie ihr Vater. Ihr Schwachpunkt war vielleicht nur die Darstellung erotischer Szenen, die einer gewissen Tiefgründigkeit entbehrt haben soll.

Szene aus ‚Miss Hokusai‘; Bildquelle: AV Visionen (gefunden bei Filmstarts.de)

Doch der Film gibt zudem einen Einblick in die japanische Kultur und deren ganz alltäglichen Umgang mit verschiedenen Geistern und anderen Phänomenen. So bekommen Vater und Tochter beispielsweise von einem Künstlerkollegen die Anleitung zum Drachenmalen. Dabei hatte man eben darauf zu warten, dass sich der Drache aus windigen Höhen zum Künstler hinab begibt, um endlich auf dem Papier zu landen. Miss Hokusai versucht es – und am nächsten Morgen schon ist das riesige und beeindruckende Bild des Drachens fertig, eine Arbeit, die sonst mehrere Tage braucht!
Auch mit geisterhaften Phänomenen wird umgegangen, als handele es sich um einen ganz alltäglichen Vorgang. Beispielsweise möchte der Maler Hokusai beobachten, wie der Hals einer Kurtisane des Nachts während des Schlafes immer länger wird. Völlig abgefahren!

Auch die Geschichte – und die Darstellung dazu – vom Künstler, von seinen Händen, die sich nachts auf den Weg machen, länger und länger werden und zu verschwinden drohen, ist durch das Phantasievolle an sich schon ungemein spannend. Dass sich die Mangakultur hervorragend dazu eignet, diese Ideen szenisch umzusetzen, versteht sich von selbst, auch wenn die Figuren stark vereinfacht dargestellt sind.

Es ist ganz besonderer Film, reich an Phantastischem, aber auch atmosphärisch dicht, vielleicht gerade wegen seiner Episodenhaftigkeit. Dass er einen Preis abgesahnt hat, scheint mir jedenfalls nachvollziehbar. Und gerechtfertigt!

Hier kannst Du Dir den Trailer zu Miss Hokusai anschauen.

 

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2x-stefanssonDen ersten Roman hatte ich ja schon gelesen, aber anlässlich der anstehenden Lektüre des zweiten Teils habe ich ihn mir erneut zu Gemüte geführt.

Um was es in diesem Zweiteiler geht, ist gar nicht einfach zu beschreiben. Im Mittelpunkt steht Ari, der an einem Morgen vor 2 Jahren das Geschirr vom Küchentisch wischt – und seine Familie daraufhin verlässt; auch seine Arbeit im Verlag schmeißt er hin, ebenso bricht er seine literarischen Versuche ab. Er flieht nach Kopenhagen, beginnt dort ein neues Leben.

Erst ein Brief seines Vaters, der ihn vor seinem bevorstehenden Tod noch einmal sehen will, ein Brief von seiner Stiefmutter, die Urkunde seines Großvaters und zwei Zeitungsartikel locken ihn wieder zurück nach Island, zu seiner Vergangenheit, der er sich nun endlich stellt. Sein Freund, der zum Teil als Ich-Erzähler fungiert, holt ihn vom Flughafen ab. So sind es nur wenige Tage, von denen dieser Roman handelt; ständige Rückblicke, innere Monologe über die Vergangenheit und andere Arten von Ausführungen, die Ari in diesen Tagen begleiten, werden ausführlich beleuchtet – und daraus setzt sich ein komplexes Bild der Gesellschaft und der inneren Seelenzustände der Isländer zusammen. Jón Kalmans Blick bleibt dabei immer menschlich-liebevoll, selbst bei größeren Verfehlungen. Alles Verhalten heute hat seine eigene Geschichte, und diesem wird in den beiden Büchern gebührend Rechnung getragen. Es sind menschliche Geschichten, teilweise rührend oder auch komisch, beispielsweise wenn der alte Arbeiter im Fisch nur noch gnadenhalber weiterarbeiten darf und mit roter, tropfender Nase und eisigkalten Händen immer wieder innehält, um Gedichte vorzutragen, oder wenn ein altes Paar sich über die Lustgeräusche der Nachbarn zunächst fürchterlich aufregt, nur um kurz darauf davon angesteckt zu werden und selbst im Schlafzimmer verschwindet. Doch auch ein einschneidendes Erlebnis aus Aris und des Ich-Erzählers Jugend bekommt durch einen Zeitungsartikel eine neue – zerschmetternde – Erkenntnis.

Ich mochte auch den zweiten Teil des Romans, ich kann gar nicht anders, denn Jón Kalman Stefansson ist ein gnadenlos guter Schriftsteller, dessen tiefe und nachdenkliche Blicke auf die menschlichen, allzu menschlichen Vorgänge um ihn herum mich tief berühren. Dennoch ist mir die Lektüre diesmal schwerer als sonst schon gefallen, was daran lag, dass so wenig passiert und statt dessen viel reflektiert wird. Auch sind es unglaublich viele Geschichten, die Jón Kalman erzählen will und erzählt, so dass ich mehr als einmal den Faden verlor. Das kann aber auch daran liegen, dass ich zu unkonzentriert gelesen habe, denn etwas Ausdauer sollte man für diese anspruchsvolle Literatur durchaus mitbringen. Es lohnt sich aber! Sehr sogar!

Unzufrieden war ich mit den Covern. Obwohl beide Bücher zusammengehören, sieht man es der Aufmachung nicht an, trotz ansonsten wirklich liebevoller Ausstattung.

 

baselitz1Diese kleine und wie immer in diesem Hause feine Ausstellung widmet sich ganz dem druckgrafischen Werk dieses einstmals rebellischen Künstlers. Georg Baselitz bediente sich ja bekanntermaßen mit einem Trick, um die Sehgewohnheiten des Publikums zu brechen und so neue Aspekte entdecken zu lassen: Er drehte die Motive teilweise einfach auf den Kopf. Interessanterweise ist es dann wirklich nicht mehr ganz einfach, sich auf dem Bild zurechtzufinden, denn das Auge sucht nach Anhaltspunkten und findet sie schließlich mit dem auf den Kopf gestellten Motiv. Und dennoch verändert sich die Sicht dadurch: Einiges zu erfassen wird schwierig zugunsten anderer Feinheiten, die sonst vielleicht nicht wahrgenommen worden wären.

Die riesigen Holz- und Linolschnitte leben jedoch auch von ihrer Monumentalität. Teilweise sind die Bilder mindestens 1,50 m breit und vielleicht 2 m hoch. Auch das macht, neben der zum Teil rein verarbeiteten Farben, einen großen Reiz aus.
Was mir sehr gefallen hat, waren die persönlichen, ja privaten Stellungnahmen. Ganz eigene Positionen fand Baselitz, beispielsweise in einer Bilderreihe, in der er sich selbst als alternden Mann darstellt.

Auch haben mich die ungewöhnlichen Perspektiven beeindruckt, wie bei dem Bild „Spaziergang“. Am schönsten fand ich jedoch die Reihe „Sing Sang BDM“, in der sich bei dieser feinen Strichätzung menschliche Körper auf dem Papier abzeichnen.

 

Dennoch, bei allem muss ich zugeben, dass ich zunächst keinen Zugang zu Baselitz‘ Werk gefunden habe. Ein „Aha“- oder „Oh“-Erlebnis hatte ich bei dieser Ausstellung nicht wirklich. Jetzt aber, mit Abstand – denn leider – oder vielleicht ja auch gücklicherweise – habe ich es schon wieder nicht zeitnah geschafft, über meinen Besuch zu schreiben – gefallen mir die Bilder besser und besser. Interessant, dass sich mein Eindruck nun nochmal geändert hat. Bloggen ist eben eine wirklich gute Möglichkeit, die Dinge erneut Revue passieren zu lassen und nochmal die eigene Meinung zu überdenken.

‚Jugend ohne Gott‘ Film von Alain Gsponer

Veröffentlicht: 29. Oktober 2017 in Filme, Kino, Kultur

Die Adaption von Ödön von Horvarths Roman schließt sich im Grunde genommen an meine Reihe der Science-Fiction-Filme an. Es ist eine Dystopie, und dies aber doch ziemlich angelehnt an unsere Zeit. Autos, Busse, Kleidung sind einigermaßen identisch mit heute, aber anders sind die Umstände, in denen die Menschen leben. Es ist nunmehr eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: die Eliteklasse und die dritte, die im Elend lebt, inmitten von Umweltverschmutzung, ohne Geld, Bildung oder eigener Wohnung.

Eine Eliteuniversität führt einen Eignungstest durch: Von ca. 20 Prüflingen werden vielleicht nur 3 oder 5 Leute aufgenommen, so genau weiß man es nicht. Sie werden aufgefordert, die Aufgaben im Team zu lösen, es kommt also auch auf Sozialkompetenz an, und gleichzeitig stehen sie unter enormem Druck, da sie sich aus der Menge hervorzutun haben, um den begehrten Studienplatz zu ergattern. Die Vorauswahl fällt natürlich auf Jugendliche aus reichem Elternhaus. Dort, wo dies nicht gegeben wird, wird fleißig gemobbt, bis der Jugendliche aus dem Auswahlverfahren ausgeschlossen wird und ein Studium nur an einer Schule, in der unter chaotischen Verhältnissen gelehrt wird, fortsetzen kann – unter diesen Voraussetzungen wird er sich niemals für den Elitekreis qualifizieren können.

Bei der Schnitzeljagd nach Bonuspunkten einen weiteren Abschnitt geschafft, der implantierte Chip im Arm wird ausgelesen. Filmszene aus „Jugend ohne Gott“ mit Alicia von Rittberg und Jannis Niewöhner. Bildquelle: Filmstarts

Der junge Zach (Jannis Niewöhner), Erbe eines Unternehmens, ist vielleicht ein Stückchen sensibler und intelligenter als die anderen. Er erkennt die schizophrenen Strukturen, unter denen sich die Jugendlichen zu beweisen haben, und außerdem hat er noch den Selbstmord seines Vaters zu verarbeiten. Die junge Frau F. findet Gefallen an ihm und möchte ihn nur unterstützen. Doch er hat kein Interesse. Als er auf dem Testgelände – ein ausuferndes Waldgebiet – die „Gesetzlose“ Ewa, kennen lernt, entbrennt er in Liebe, und er findet die Kraft, sich aus der absurden Testsituation zu befreien. Doch dann geschieht ein Mord…

Immer wieder sehen wir die selben Szenen, jedoch immer aus dem Blickwinkel einer anderen Person, und so wird der Mordfall wie ein Puzzle gelöst. Zum Schluss ist es die Perspektive des begleitenden Lehrers, die uns den Mörder offenbart.

Die herzlose Atmosphäre ist sehr gut getroffen, das Unmenschliche auf den Punkt gebracht. Die Dystopie ist in beeindruckende Bilder gebracht worden, doch am Ende wurde es mir etwas zu rührselig. Dennoch fand ich, dass es ein sehr sehenswerter Film ist. Inwieweit von Horvarths Vorlage die Adaption verkraftet, kann ich nicht beurteilen, meine Lektüre liegt zu lang zurück. Vielleicht wiederhole ich sie ja demnächst nochmal.

 

Ich hatte ja schon mehrfach erwähnt, dass wir inmitten des Star Trek-Fiebers stecken. Seit ziemlich langer Zeit schauen wir schon Raumschiff Enterprise, aber auch Raumschiff Voyager, ein Projekt, das uns über zwei Jahre in den Bann schlug.

Durch den Eingriff des sogenannten Fürsorgers, eines übermächtigen Wesens im All, das durchaus als launisch zu bezeichnen ist, wird das Raumschiff unter der Leitung von Kapitän Janeway in den Delta-Quadranten versetzt, was hunderte von Lichtjahren vom Alpha-Quadranten, in dem die Erde zu finden ist, entfernt liegt. Ihre neue Mission ist nun, zur Heimat zurückzukehren. Auf ihrem Weg zurück begegnet die Crew des Raumschiffs verschiedensten Wesen, und es sind Abenteuer unterschiedlichster Art zu bestehen. Mehrfach sind es die Borg (eine Spezies, die von der Assimilierung verschiedenster Lebewesen lebt und dessen Wissen dem Kollektiv hinzugefügt wird), die der Crew zu schaffen macht – doch durch ihre Begegnung gelingt die Befreiung eines Menschen, deren Name „Seven of Nine“ lautet, oder irdisch: Annika. Ihre Assimilierung geschah in ihrer Kindheit, und über viele, viele Folgen entwickelt sie sich nun wieder zu einem individuellen Menschen zurück. Auch andere Crewmitglieder erfahren ihre Entwicklungen. So findet beispielsweise die geniale Ingenieurin B’Elana Torres , die immer ganz erstaunliche Kreativität beim Lösen technischer Probleme an den Tag legt, zu ihrer klingonischen Identität, wie auch zu ihrer menschlichen (sie ist ein Mischling), und auch zu ihrer großen Liebe. Ebenso gelingt die Integration der Mitglieder um den Maquis, einer Widerstandsbewegung gegen die Sternenflotte.

Es ist eine äußerst spannende Serie, deren einzelne Folgen zumeist packend waren und gut durchdacht. Als Fortsetzungsgeschichte ist aber auch gelungen, dass jede Folge für sich stehen konnte und innerhalb einer Dreiviertelstunde eine tolle Spannung aufgebaut wurde. Es wurde uns nie langweilig, die 172 Episoden in 7 Staffeln zu schauen, auch wenn wir dafür Jahre gebraucht haben.

Sci-Fi hoch drei

Veröffentlicht: 7. Oktober 2017 in Filme, Kultur

Mein Sohn und ich haben ganz sicher eine gemeinsame Schnittmenge, was unseren Geschmack von Filmen angeht: Science Fiction. Grundsteine dieser Leidenschaft wurden bei mir bereits in der Kindheit gelegt – denn ich gehöre zu denen, die die Erstaustrahlung der Serie „Raumschiff Enterprise“ im Deutschen Fernsehen sozusagen live miterlebte (und da das schon lange her ist und ich um 1992 nicht alle Folgen in der Wiederholung gesehen habe und ich meinen Bildungsauftrag an meinen Sohn zu erfüllen habe, schauen wir sehr fleißig und ausdauernd seit knapp zwei Jahren nochmal alle Serien und alle Staffeln von Raumschiff Enterprise, Next Generation, Raumschiff Voyager, aber dazu ein anderes mal).

„Passengers“ – Film von Morten Tyldum (2016)

Diesen Film, der Anfang diesen Jahres in die Kinos kam, hatten wir leider verpasst – nun mussten wir das Schauen auf DVD nachholen. Was schade war, denn es hätte ein 1A Kinoerlebnis werden können…

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Filmszene aus „Passengers“; Bildquelle: Filmstarts.de

In einer weit entfernten Zukunft reisen tausende Menschen zu einem 150 Erdenjahre entfernten Planeten. Die Zeit überstehen sie konserviert in einem Kälteschlaf – zu dieser Zeitrechnung ist es nunmehr eine oft durchgeführte Routine. Durch eine Fehlfunktion erwacht einer der Passagiere, Jim (Chris Pratt), 90 Jahre zu früh. Einsam fristet er sein Dasein, bis er sich zu einer folgenschweren Tat durchringt… Der Film ist beinahe ein Kammerspiel, denn bis auf Chris Pratt, Jennifer Lawrence und Michael Sheen gibt es kaum weitere Schauspieler. Das riesige Raumschiff, ausgelegt auf 5.000 Passagiere, ist dabei mehr als eine Kammer, sondern ein monumentaler, futuristischer Spielplatz. Die Ausstattung, die Story, die Schauspieler sind von allererster Sahne, und so ist ein äußerst sehenswerter Film entstanden mit atemberaubend schönen Bildern. Ich habe den Film zu sehen sehr genossen.

„Das fünfte Element“ – Film von Luc Besson (1997)

Den neuesten Besson-Film hatten wir ja verschmäht – Zeit war es aber, endlich diesen alten Besson-Film auszugraben! Eine Bedrohung kommt in einer fernen Zukunft auf die Erde zu. Die Menschen wurden vor tausenden Jahren aber bereits gewarnt und auf dieses Ereignis vorbereitet. Ein fünftes Element, das sie damals auf die Erde gebracht haben, muss „nur noch“ entsprechend aufbereitet werden und wird dann in der Lage sein, die Bedrohung zu eliminieren. Anderenfalls ginge die Erde zu Bruch. Dieses fünfte Element tritt in Form einer wunderhübschen jungen Frau (Milla Jovovich) in Erscheinung, in die sich der Taxifahrer der Zukunft (Bruce Willis) unsterblich verliebt. Und genau so chaotisch und irre phantasievoll, mit perfekten Szenen in einer teilweise atemberaubenden Choreographie verfolgen wir die Handlung zu Zeiten der Raumschifffahrt sowohl entrückt, entzückt als auch gepackt. Hat Spaß gemacht!

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Filmszene aus „Das fünfte Element“ mit Ian Holm, Bruce Willis, Milla Jovovich; Bildquelle: Filmstarts.de

 

„Moon“ – Film von Duncan Jones (2009)

Die Energieressourcen für die Erde werden in dieser fernen Zukunft auf dem Mond produziert. Zur Sicherstellung des Ablaufs ist genau eine Arbeitskraft samt einiger Hilfsgeräte vonnöten. Drei Jahre ist nun Sam Bells (Sam Rockwell) Arbeitszeit auf dem Mond, und die drei Jahre sind beinahe rum, die Rückfahrt auf die Erde, die Rückkehr zu seiner Familie, naht. Doch durch einen Unfall, der ihm um ein Haar sein Leben kostet, kommt er hinter das fürchterliche Geheimnis seines Daseins, und alles, sein komplettes Leben samt Herkunft, werden in Frage gestellt.

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Filmszene aus „Moon“; Bildquelle: Filmstarts.de

Nur ganz langsam werden die Rätsel in diesem Film gelöst, und das auf äußerst spannende Weise. Von diesen 3 Filmen ist diese Handlung die gruseligste, das Drama am größten. Und als Zukunftsvision ist es die düsterste. Es ist ein sehenswerter Film, der auch nachdenklich macht. Auch dies war ein wunderbares Filmerlebnis.

„Auguste Rodin“ – Film von Jacques Doillon

Veröffentlicht: 3. Oktober 2017 in Filme, Kino, Kultur

Kürzlich, nämlich im Barberini-Museum hatte ich erst wieder einige Bronzeskulturen von Auguste Rodin gesehen. Er war ein Meister seiner Zunft, das ist gar keine Frage. So ist es kein Wunder, dass ich Lust hatte, mir diesen Film anzusehen, trotz der mittelmäßigen Kritiken.

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Filmszene aus „Auguste Rodin“ mit Izïa Higelin, Vincent Lindon. Bildquelle: Filmstarts.de

Schlaglichtartig werden Szenen aus Rodins Leben gezeigt, so z.B. viele aus seiner langjährigen Liebschaft mit Camille Claudel, einer ebenfalls sehr begabten Bildhauerin (und Schwester von Paul Claudel, dem Schriftsteller), aber auch mit seiner Lebensgefährtin und Haushälterin sowie mit anderen Frauen in erotischen Verbindungen. Oder er wird bei der Arbeit gezeigt, oder auch, wenn er sich vor seinen Auftraggebern rechtfertigen muss – gerade die Skulptur von Honoré Balzac erzeugt großen Unmut. Doch sind die Szenen thematisch nicht gebunden, sie reihen sich mehr oder weniger zusammenhanglos aneinander. Das hat mir keinerlei neuen Erkenntnisse über Rodin und sein Leben gebracht, ja, ich weiß nicht, was mir der Film eigentlich erzählen wollte. Dass er eine intensive Liebschaft mit Camille Claudel hatte? Dass seine neuen, sogar revolutionär zu nennenden Ideen in der Bildhauerei auf Missmut bei der breiten Masse stießen? In diesem Zusammenhang bringt es mir nichts, wenn ich in einer anderen Sequenz sehe, wie Auguste Rodin die Rinde eines Baumes ertastet…

So blieb das Agieren der Schauspieler sehr an der Oberfläche, weil einfach nicht klar war, was eigentlich erzählt werden sollte, die Figuren, beispielsweise andere Künstler des Impressionismus, blieben nur oberflächlich gezeichnet.

Allerdings kannte ich Rodins Skulptur von Honoré Balzac noch nicht – sie ist ein Riesenschritt auf dem Weg in die moderne Kunst und wunderbar eigen – toll!

Die Darstellerin der Camille Claudel (Izïa Higelin) hatte es besonders schwierig, denn obwohl der Film „Camille Claudel“ mit Isabell Adjani in der Titelrolle schon dreißig Jahre alt ist, so ist er doch noch recht präsent (zumindest mir). Diese Frau ereilte ja ein wirklich schlimmes Schicksal. An Begabung stand sie ihrem Meister Rodin in nichts nach, doch hatte sie das Pech, eine Frau zu sein, weswegen ihr Anerkennung verweigert wurde. Die Liebesgeschichte mit dem untreuen Rodin trieb sie zudem in den Wahnsinn, und ihr Bruder ließ sie für ihre restlichen Lebensjahre – Jahrzehnte! – wegsperren, so dass sie nicht mehr künstlerisch arbeiten konnte. War das Neid? Vielleicht.

Das war das Gute an diesem Film „Auguste Rodin“: Dass ich mich auch an das Schicksal von Camille Claudel erinnert habe und mir den Ausstellungskatalog einer Ausstellung von 1987 in Hamburg noch einmal vornahm. Eine große Begabung! Wie es auch Rodin war.