chines_verangenheitEs waren praktische Beweggründe (handlich, leicht), die mich zu diesem Buch aus dem Stapel ungelesener Bücher greifen ließ – es sollte auf einem Kurztrip das Folgebuch sein. Zudem hatte ich es einmal verschenkt, ohne es vorher selbst gelesen zu haben – etwas, das ich mir nur aus guten Gründen erlaube, die in diesem Fall aber nicht vorlagen…

Ein Mandarin aus dem Jahr 1000 reist per Zeitmaschine in das Jahr um 1983 und kommt zudem nicht wie erwartet in China an, sondern in „Min-chen“, sprich, München. Entsetzt stellt er fest, dass in dieser Welt eigentlich nichts mehr so ist, wie er es kennt. Es ist laut durch die fremdartigen ‚Ao-tos‘, in denen sich die ‚Großnasen‘ durch die Stadt bewegen, und es stinkt. Doch da das Ziel seiner zeitlich begrenzten Zeitreise ist, die Zukunft zu erforschen, blickt er mit äußerst fremdartigem Blick auf das Hier und Jetzt. Seine Beobachtungen teilt er einem Freund im zeitlich und räumlich fernen China mit, die Übertragung findet an einem speziellen Platz statt, und auch das Papier dafür ist speziell. Kao-Tai schließt Freundschaft mit einem Historiker, und schon sehr bald findet er auch eine Geliebte. Zudem lernt er einen Förster auf Weiterbildung kennen sowie einen Richter. Und so bekommt er Zugriff auf verschiedenste Lebensbereiche und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus… Der Clou ist, dass er über die Ao-tos (Autos) genauso ins Staunen kommt, wie über die Rechtsprechung, die er für viel zu lasch hält (keine Todesstrafe oder Verstümmelungen mehr nach Straftaten), über die Anti-Baby-Pille oder über Zaubertricks in einem Stripperladen. Er wundert sich über die entfremdete Arbeit in einer Fabrik und entsetzt sich über den sauren Regen, der die Wälder zerstört.

Dieses Büchlein, das sich wunderbar leicht herunterlesen lässt, ist durch den gefilterten Blick eines Mandarins des 1000. Jahrhunderts sehr vielschichtig, zeigt es uns doch den Spiegel vor das, was besser geworden ist, wie z.B. Demokratie, die der Mandarin nicht kennt und auch befremdet gegenüber tritt, Rechtsprechung oder Gleichberechtigung der Frau, oder das, was schlechter geworden ist, wie die Naturzerstörung. Oder was perverser geworden ist wie entfremdete Arbeit, Fabriken, Industrie, worauf aber gleichzeitig die Annehmlichkeiten des Lebens aufbauen, die der Mandarin aber gerne in Anspruch nimmt. Das Buch hat großen Spaß gemacht zu lesen, zudem ist es eine originelle Idee, die Welt um 1980 aus großer Distanz zu betrachten.

 

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Ich muss zugeben: Eigentlich hätte ich ein anderes Stück sehen wollen, das aber leider wegen der Erkrankung einer Schauspielerin nicht statt fand. Als Lückenbüßer wurde nun dies Stück eingesetzt, in das ich nie gegangen wäre. Die Karten waren besorgt, ein Ersatz fand sich nicht, nagut, dann sollte es wohl so sein. Beste Voraussetzungen also, um das Theater komplett begeistert zu verlassen! Denn so war es bei mir.

Ich hatte ehrlich gesagt etwas vergessen, wie unterhaltsam Bertold Brechts Stücke trotz ihrer politischen Aussage doch sind, zumal die Musik von Paul Dessau das ihrige dazu beisteuert! Die Bühne war etwas dunkel, die Kostüme überaus dezent grau in grau oder pastellfarben, was einen sehr gedämpften Eindruck vermittelt. Das passt zur Situation, wir sind inmitten des dreißigjährigen Krieges. Mutter Courage besteht darauf, Profit aus dem Krieg zu ziehen und verliert dabei doch eigentlich alles und merkt es nicht… So ist dies Stück gerade in diesen Zeiten hochaktuell!

Das schwarz gehaltene Bühnenbild war mehr als schlicht, bestand eigentlich nur aus einer Art Manege, oberhalb saßen die Musiker, gerade so, als wären wir in einer Zirkusvorstellung. Es war nur etwas sehr dunkel was etwas ermüdend wirkte (wobei an Schlaf bei dieser schauspielerischen Leistung ganz sicher nicht zu denken war). Die Kostüme hatte ich schon erwähnt, sie ergaben in all ihrer Gedämpftheit eine ganz sinnhafte Ästhetik. Highlights waren die Auftritte des Chores, der ganz wunderbar seine Lieder sang, während die zerstreute Yvette (Victoria Trauttmannsdorff) zwischen den Menschen umherirrte. Ein wunderschönes Bild ergab das!

Gabriela Maria Schmeide gab die Mutter Courage, und das konnte sie, sowohl in leiseren Tönen als auch ziemlich schrillen, aber immer in den richtigen. Dieser Theaterbesuch hat sich sehr gelohnt!

Ich traue mich nicht recht, ein Bild von der Website des Thalia Theaters zu posten (will keine Urheberrechte verletzen), aber schau Dir gern, um einen Eindruck von der Inszenierung zu bekommen, den kleinen Film an (oben rechts).

 

Bella Brown (Jessica Brown Findlay), von der behauptet wird, dass ihr Leben bislang alles andere als normal verlief, bekommt vom Verwalters des Vermieters die Aufforderung, den Garten in Schuss zu bringen. Sie ist zwar im Hause äußerst penibel und zwanghaft auf Ordnung aus, aber die Natur mache ihr Angst. Ihr Leben verlief bislang scheinbar einsam. Sie arbeitet in einer Bibliothek, und in der Freizeit versucht sie, Schriftstellerin zu sein. Kontakte nach außen hat sie keine. Dies ändert sich erst, als – plötzlich – verschiedene Dinge gleichzeitig passieren: Sie kommt in Kontakt zu ihrem schrulligen Nachbarn (Tom Wilkinson) und dessen ebenso exzentrischen Koch (Andrew Scott), der kurz nach deren flüchtiger Bekanntschaft seine Arbeitsstelle ungefragt zu Bella hinüberwechselt. In der Bibliothek trifft sie auf einen eigenen und ebenfalls gestört scheinenden jungen Typ, der Erfinder sein soll. Im Verlauf gibt es also jede Menge Anknüpfungspunkte an exzentrische Begegnungen und seltsamen Dialogen, und inmitten all dessen verwandelt sich das Stück wilder Natur immer mehr in – ja, kommst Du nicht drauf? – in eine Augenweide.

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Guck mal, da geht es schon los: Es regnet in Strömen, aber die beiden Schauspieler (Jessica Brown Findlay, Tom Wilkinson) werden nicht nass! Bildquelle: Filmstarts.de

Na, toll. Trotz der hochkarätigen Besetzung ist der ganze Film am Ende nichts, da das Drehbuch nicht stimmig ist. Ich konnte keiner, aber auch gar keiner Figur irgend etwas von ihrer Eigenheit abnehmen; sei es Bellas zwanghafter Ordnungssinn, der aber gar nicht so zwanghaft scheint, wenn der Koch doch alles vollkrümelt und von ihr keine Reaktion erfolgt; sei es, dass der brummige Nachbar, der ihr immer zugesetzt hat, aus heiterem Himmel liebenswert und umgänglich wird, oder auch dass der Koch gaaanz plötzlich seine jahrelange Stellung von einem Moment auf den anderen hinschmeißt und von Stund an für ein mittelloses Mädchen kocht (und er macht ihr nicht einmal Avancen, wozu er aber eigentlich jede Menge Gründe hätte). Das Zauberhafte, das der Film eigentlich hätte haben sollen und vielleicht auch können, hat sich mir ebenfalls nur als Behauptung vermittelt. Die Eigenheiten der Figuren waren niedlich ausgedacht und hätten, wenn sie denn nicht nur so behauptet daher gekommen wären, eine riesige positive Schlagkraft entwickeln können – allein, ich konnte keiner Figur irgend etwas glauben. Schade, wirklich.

Nachdem ich „Lost in Translation“ von Sofia Copolla gesehen habe, war ich neugierig auf ihren neuen Film, der zudem mit einer tollen Besetzung (Nicole Kidman, Kirsten Dunst) aufwartet…

Der Film spielt während des Bürgerkriegs zwischen den Nord- und Südstaaten in einem fast leeren Mädchenpensionat in South Carolina. Nur 5 Schülerinnen sind nicht wegen des Krieges nach Hause geschickt worden, und eine Lehrerin (Kirsten Dunst) sowie die Schulleiterin (Nicole Kidman) sind mit ihnen in dem Haus. Durch ihr einsames und zurückgezogenes Leben kommt ihnen die Abwechslung, die ein verwundeter Soldat, von einem der Mädchen unweit des Pensionats inmitten der dichten Wälder gefunden und nun von der Leiterin aufgenommen, gerade recht. Er solle zunächst seine Verwundung ausheilen, dann würde man ihn der hiesigen Polizei ausliefern, heißt es zunächst. Der Soldat nutzt jedoch die Gunst der Stunde und schmeichelt sich bei allen Mädchen und Frauen ein. Jede setzt ihre Erwartungen in die Begegnung mit ihm, was ein unausgesprochenes Geheimnis ist. Als sie feststellen müssen, dass ihre Erwartungen allesamt enttäuscht wurden, werden drastische Maßnahmen ergriffen, um der Lage wieder Herr zu werden…

The Beguiled

Filmszene aus „Die Verführten“ mit Colin Farrell und Kirsten Dunst; Quelle: Filmstarts.de

Es sind bestechend wunderschöne Bilder sowohl vom Urwald in den Südstaaten als auch von den Frauen und Mädchen im Haus, die diesen Film atmosphärisch dicht machen. Hinzu kommt das analytische Auge Sofia Coppolas und die großartige schauspielerische Leistung aller Beteiligten, die diesen Film so sehenswert machen. Tolles Kino und eine echt abgefahrene Geschichte, erzählt nach dem Roman A Painted Devil von Thomas P. Cullinan.

Noch mehr Couch-Kino

Veröffentlicht: 15. Juli 2017 in Filme, Kultur

„Memento“ – Film von Christopher Nolan (2001)

Leonard Selby hat durch ein Ereignis sein Kurzzeitgedächtnis eingebüßt. Das Letzte, das er sich merken konnte, ist, dass seine Ehefrau vergewaltigt und ermordet wurde. Nun sinnt er nach Rache.
Das ist aber ziemlich schwierig, wenn man nach fünf oder weniger Minuten schon wieder vergessen hat, was zuvor geschah, und bietet jede Menge Möglichkeiten, in die verschiedensten Fallen zu tappen. Die am wenigsten schlimmste ist vielleicht noch, dass er in einem Hotel zwei Zimmer vermietet bekommt – und der Portier sagt ihm noch frech ins Gesicht, dass er absichtlich doppelt vermietet habe, das steigere den Umsatz, und er, der Mieter, würde es ja eh gleich wieder vergessen haben…

Der Film schraubt sich Stück für Stück im Rückwärtsgang zurück, um die zeitlich letzten Ereignisse, mit denen der Film begonnen hat, nachvollziehen zu können.

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Mithilfe von Tattoos versucht Leonard (Guy Pearce), sich die wichtigsten Fakten zu merken. Aber warum hat er Kratzer im Gesicht? Und was will die Frau hinter seinem Rücken (Carrie-Anne Moss) von ihm, und wer ist sie überhaupt? Szenenbild aus „Memento“, Quelle: Filmstarts.de

Eine originelle Idee ist das für ein raffiniertes Drehbuch. Die Umsetzung ist packend, aber es ist auch anspruchsvoll, dem Film in diesem Rückwärtsgang zu folgen, da wir immer zuerst das Ende der Szene vor dessen Entwicklung dorthin sehen. Warum nimmt die Kellnerin Leonard das Bier, das vor ihm steht, wieder weg? Und warum hat er sich ein Autokennzeichen auf den Oberschenkel gravieren lassen? Es ist ein faszinierender Film, den ich aber gut und gerne noch mindestens ein weiteres Mal sehen müsste, um alle Wendungen zu verstehen. Das werde ich auch tun.

„Wie angelt man sich einen Millionär?“ – Film von Jean Negulesco (1954)

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Schönheitsikonen der 50er Jahre: Marilyn Monroe, Lauren Bacall und Betty Grable. Szenenfoto aus „Wie angelt man sich einen Millionär?“; Bildquelle: Filmstarts.de

Tja, und dann das. Welten!! Und doch nur einen Abend von dem soeben beschriebenen Film später geguckt. Auch nach mehr als 60 Jahre ist dieser Film unterhaltsam, aber auch eigentlich nichts Besonderes. Ich denke, in den nächsten 30 Jahren werde ich den Film nicht nochmal sehen, und danach vielleicht auch nur, wenn mich Alzheimer gepackt hat. Marilyn Monroe: Eine Filmikone. Na gut. Sieht ja auch gut aus. Ein tragisches Schicksal hat sie ereilt, wie so viele Menschen, denen der Ruhm zu Kopf steigt. Das kann ich gut verstehen, ich könnte den auch nicht vertragen!

 

2 Filme über die NS-Zeit

Veröffentlicht: 10. Juli 2017 in Filme, Gedanken, Kultur

Da mein Sohn gerade Nationalsozialismus in der Schule durchnimmt, muss ihn seine bildungsbürgerliche Mutter natürlich auch mit dem ein- oder anderen Film konfrontieren, der sich mit dieser Zeit auseinander setzt. Zum Glück interessiert es ihn auch.

„Mephisto“ – Film von Istvan Szabo (1981)

Der Schauspieler Hendrick Höfgen (beeindruckend verkörpert von Klaus-Maria Brandauer) will Karriere machen – „auf Teufel komm raus“. Und das ist sicherlich wörtlich zu nehmen…
Die Geschichte setzt  zur Zeit des aufziehenden Nationalsozialismus ein. Während Hendrik alles daran setzt, ein Theater für die Massen zu entwickeln, verlassen um ihn herum seine SchauspielerkollegInnen Deutschland. Nur er behält seine eigene Karriere im Fokus und bleibt, auch als Hitler zum Reichskanzler ernannt wird und sogar Hendriks großbürgerliche Ehefrau das Weite sucht. Mehr und mehr verkauft er sich – und seine künstlerischen Ideen – an den Nationalsozialismus, der ihm im Gegenzug zu seiner Karriere verhilft. Doch der Preis ist hoch: Am Ende verliert er sämtliche Macht und wird zum Spielball des Regimes.
Wie geschickt ist die berühmte Rolle in diesen Film verwoben, zusammen mit der beeindruckenden Maske, die einer legendären Faust-Inszenierung entliehen wurde, in der damals Grustaf Gründgens Mephisto verkörperte. Und Grustaf Gründgens war auch Vorbild für Klaus Mann, dem Verfasser des gleichnamigen Romans, welches die Grundlage des Drehbuchs bildete. Mephisto ist hier Verführer und der Verführte zugleich, und der Schauspieler wird Opfer seiner eigenen Rolle…

Einmal mehr wird gezeigt, wie ohnmächtig der einzelne Mensch in der nationalsozialistischen Zeit war, und wie verheerend sich das Mittragen des Regimes für die eigene Persönlichkeit auswirkte. Ein sehenswerter, ein zeitloser Film ist das, finde ich.

„Die weiße Rose“ – Film von Michael Verhoeven (1982)

Diesen Film hatte ich nie gesehen, und so sah ich den Moment gekommen, die Lücke zu schließen. Er handelt von der Untergrundbewegung, die in Studentenkreisen 1942 entstand und versuchte, dem nationalsozialistischen Regime etwas entgegenzusetzen. Es wurden vor allem Flugblätter gedruckt und an Intellektuelle verschickt sowie hauptsächlich an der Münchener Universität ausgelegt. Innerhalb kurzer Zeit gelang doch immerhin eine Vernetzung zu anderen Städten Deutschlands, doch schon beim Verteilen des sechsten Flugblattes wurden die Geschwister Hans und Sophie Scholl erwischt. Sie wurden im Februar 1943 hingerichtet, weitere Todesurtele an Beteiligte wurden im Juli 1943 vollstreckt.

Die weisse Rose

Lena Stolze und Wulf Kessler als Sophie und Hans Scholl in „Die weiße Rose“; Quelle: Filmstarts.de

Der Film erzählt einigermaßen nüchtern und chronologisch die Vorgänge und reißt auch die Diskussionen innerhalb der Gruppe über Formulierungen und politische Richtungen an. Einig war sich die Gruppe im Grunde genommen überhaupt nicht, nur in dem Einen, wie wichtig es ist, den mittlerweile aussichtslosen Krieg möglichst schnell zu beenden und Hitler abzusetzen.Wie mutig sind diese jungen Menschen gewesen, und wie großer Gefahr haben sie sich ausgesetzt, einfach aus dem Grunde, dass sie die Vorgänge in Deutschland nicht ertragen konnten! Und so zeigt dieser Film, wie schwer es war, politisch Rückgrad zu bewahren und sich gegen den Nationalsozialismus zu stellen.

Mich überwältigt jedes Mal der Gedanke, wie es die Nationalsozialisten schafften, nicht nur an den Fronten zu kämpfen, sondern auch in der selben Zeit die Ermordung so vieler Juden voranzutreiben und dazu noch so schnell auf Gegenstimmen innerhalb der Bevölkerung reagieren zu können. Es ist so grässlich. Und so wichtig, das niemals zu vergessen.

 

Der Film erzählt von einer kurzen Zeitspanne in Chet Bakers Leben: Nach einer Drogenkarriere, durch die Baker von seinem Ruhm so gut wie alles einbüßte, werden ihm (vermutlich von Drogendealern) die Zähne eingeschlagen. Seine Karriere scheint dahin, denn ohne Zähne Trompete spielen – wie soll das gehen? Chet Baker gibt jedoch nicht auf und probt trotz heftiger Schmerzen so lange, bis er zu seiner Musikalität zurückfindet. Seine Freundin unterstützt und ermutigt ihn auch zur Weitereinnahme von Methadon.

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Ethan Hawke verkörpert Chet Baker auf überzeugende Weise, und auch die Liebesbeziehung wird auf eine spezielle Art erzählt, die sich erst vom Ende des Films aus komplett erschloss – sehr geschickt und sehr gut erzählt! Die ganze Zeit fragte ich mich, was Elaine (gespielt von Carmen Ejogo) eigentlich an diesem Kerl findet, da er sich nicht im geringsten um ihre Karriere als Schauspielerin schert und auch sonst ihre Liebesbezeugungen mehr hinnimmt, als selbst in Gefühlen zu investieren. Durch ein Eheversprechen, das aber eigentlich ein wenig spät – und damit vielleicht auch nur halbherzig ist – kommt, scheint sich dies vielleicht zu ändern. Doch am Ende zeigt sich Chet Bakers wahre Leidenschaft: die Musik. Und Drogen scheinen notwendig zu sein…

Ethan Hawkes Einsatz war beeindruckend (das ist aber auch ein toller Schauspieler), und singen kann er auch! Das Ende des Films hat mich schwer erschüttert. Ich kann kaum glauben, dass solch künstlerische Entfaltung mit Drogen langfristig möglich ist, es scheint aber in Chet Bakers Fall so gewesen zu sein. Schaut man sich die Fotos bei Wikipedia an, packt einen allerdings das Grauen. Sein Gesicht – als junger Mann soll er als zweiter James Dean bezeichnet worden sein – hat sich mit den Jahren gewandelt zu einem, das schwer gezeichnet von den Drogen einfach nur fertig aussieht. Ein Widerspruch scheint es nicht zu sein: künstlerisch tätig sein und gleichzeitig an der Spritze zu hängen. Ich finde das sehr beunruhigend, und es macht mich sehr traurig.

Insofern war der Film – vor allem durch die schauspielerische Leistung – berührend und lohnenswert.