Archiv für die Kategorie ‘Kultur’

Plakat des Filmes mit Vanessa Redgrave als Fania Fénelon; Quelle: Filmstarts.de

Anlass, warum ich diesen Film noch einmal sehen wollte, war ein Interview mit Esther Bejarano, das ich neulich im Radio hörte. Esther Bejarano war Mitglied im Mädchenorchester in Auschwitz, lebt heute noch und macht auch noch immer Musik – eine ganz besondere Frau ist das, von der wir alle viel lernen können (das 26-minütige Interview lohnt sich zu hören, hier der Link dazu).

Der Film, der auf das Tagebuch von Fania Fénelon zurückgeht,  erzählt aus der Sicht der damals berühmten Pariser Chansonsängerin die Ereignisse im KZ Auschwitz. Fania Fénelon wird zusammen mit einer ganzen Gruppe von Juden und Jüdinnen aus Paris direkt nach Auschwitz deportiert – auch wenn sie wie Vieh in einem Wagen zusammengepfercht werden, sind sie vollkommen ahnungslos über ihr Schicksal. Dort angekommen, werden sie geschoren und „gleichgemacht“. Einem Wunder gleich wird Fania jedoch entdeckt und der schweren Arbeiten enthoben, da sie Mitglied des Orchesters, dem nur weibliche Musikerinnen angehören, werden soll. Maria Mandl, eine der KZ-Leiterinnen, eine schwer gestörte Frau, aber Musikliebhaberin, hat das Orchester initiiert, das ihr und anderen KZ-Funktionären zur Erbauung dienen soll. Die Dirigentin ist niemand geringeres als Alma Rosé, einer Nichte von Gustav Mahler und selber bekannte Violinistin.

Das Mädchenorchester genießt eine Sonderstellung im KZ. Es bekommt bessere Kleidung, muss keine Schwerarbeit leisten – und seine Mitglieder werden vor allem nicht vergast. Durch die Sonderstellung zieht es natürlich den Unmut der anderen Häftlinge auf sich, abgesehen davon ist die Angst, etwas falsch zu machen, ständige Begleiterin. Fania Fénelon kritisiert Alma Rosé dafür, dass diese nicht noch mehr Sonderrechte für die Orchestermitglieder fordert. Letztendlich erreicht Alma bei allem jedoch, dass die Mitglieder vor ihrer Vernichtung einigermaßen geschützt sind, auch wenn sie ihrem Orchester wie sich selbst beinahe Unmenschliches abverlangt.

Fania, die bald stolz ihren Künstlernamen – der Name ihrer nichtjüdischen Mutter – ablegt und den Namen ihres jüdischen Vaters, Goldstein, annimmt, widersteht den Greueln, die um sie her geschehen, nicht zuletzt durch die Frage nach dem, was der Mensch eigentlich sei. Denn sie sieht: Auch Maria Mandl, der berüchtigte KZ-Arzt Josef Mengele und alle weiteren KZ-WärterInnen sind letztendlich doch Menschen, und die Frage ist, ob man sich ein Urteil über andere Menschen erlauben kann. Wäre es nicht menschlicher, zu versuchen, die eigene Würde zu bewahren und damit über der Menschenquälerei und Tötung zu stehen, selbst wenn dies bedeutet, es nicht überleben zu können? Denn was macht den Menschen aus? Eine interessante Frage, wie ich finde, erst recht, wenn sie unter diesen schwierigsten aller Bedingungen gestellt wird…

Es ist ein berührender Film, bei dem bestimmt viele fürchterlich weinen müssen. Und das Thema ist und bleibt wichtig – wenn etwas nicht vergessen werden darf, dann sind es die Greueltaten, die von den Nazis verübt wurden. In den Menschen, und das glaube ich wirklich, schlummern wilde Tiere, die, werden sie losgelassen, die unmenschlichsten Taten vollbringen können – darum bleibt die Frage nach Menschlichkeit, die in diesem Film aufgeworfen wird, immer, immer, immer aktuell.

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Es ist ein Märchen, wenn auch ein tiefgründiges, das sich Hugo von Hoffmannsthal, der das Libretto schrieb (und daraus auch eine Erzählung entwickelte) und Richard Strauss hier ausgedacht haben. Eingearbeitet sind jede Menge Sagen und andere Märchen, die den Stoff unendlich bereichern.

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Szenenbilder aus „Die Frau ohne Schatten“; in der Mitte: LIse Lindstrom als Färberein, die mit ihrer Stimme erneut tief beeindrucken konnte (vorher gesehen und gehört als Brünnhilde im „Ring des Nibelungen“. Die Bilder gefunden auf der Website der Staatsoper, Bildquelle ist sicher dort zu finden

Des Kaisers Frau, einst von diesem als Reh erjagt, hat ein Problem: Da sie aus der Geisterwelt stammt, wirft sie keinen Schatten, aber sollte sie dies nach Vollendung eines ganzen Jahres nicht tun, muss sie in die Geisterwelt zurückkehren, und der Kaiser soll sterben – schon in drei Tagen verstreicht diese Frist. Mit dem Schattenwurf fehlen ihr noch zwei weitere Eigenschaften: Ihr fehlt das Menschliche, und Kinderkriegen kann sie auch nicht. Also zieht die Amme, ebenfalls aus der Geisterwelt stammend, los, um einen Schatten zu besorgen. Der ließe sich vielleicht von der Frau des Färbers abkaufen, denn diese will, nachdem sie 2 ½ Jahre nach Eheschließung noch kinderlos ist, sowieso keine Kinder mehr – ihr gefiele es vielmehr, reich zu sein…

Andreas Kriegenburg hat daraus ein menschliches, allzumenschliches Drama gemacht: Beide Beziehungen, sowohl die aus der „High Society“, als auch die der Färber-Ehe, sind in der Krise. Der Färbersfrau wird alles zuviel, muss sie neben ihren Mann auch noch dessen behinderte Brüder versorgen. Der herzensgute Färber, für den nicht genug Menschen am Tisch sitzen können, nimmt die Überforderung seiner Frau nicht wahr, zudem wünscht er sich Nachkommenschaft. Die Frau des Kaisers hat bereits menschliche Fähigkeiten entwickelt, wie ich meine, denn sie liebt ihren Mann und wünscht sich nichts sehnlicher, als den Fluch, der auf den beiden lastet, abzuwenden.

Der Clou der Inszenierung ist, dass beide Handlungen auf vertikaler Ebene stattfinden, die sich ständig abwechseln: Ganz oben gibt es die Geisterwelt, oder vielleicht ist es auch die Traumwelt (Freud lässt grüßen); darunter liegt die Welt des Kaisers, und ganz unten befindet sich das Gemeine Volk. Der Traum überhaupt spielt eine wichtige Rolle, geht doch die Färbersfrau ganz zu Beginn dieser Inszenierung mit den Worten „Es ist zu viel“ zu Bett, und was nun folgt, könnte auch ihr Traum sein, in dem sich die verschiedenen Ebenen miteinander in Verbindung setzen. Diese Idee geht ganz gut auf.

Die Musik von Richard Strauss berührt mich immer sehr, sie dringt in tiefere Schichten meines Bewusstseins vor und kommt dabei zu Bereichen, die vielleicht schon lange nicht mehr angesprochen wurden. Oder wie ich es gerade in Haruki Murakamis „Die Ermordung des Commendatore“ lesen konnte (zwar in Bezug auf den „Rosenkavalier“, in diesem Punkte aber übertragbar auch auf andere Werke von Straus): „Als Oper ist natürlich seine Handlung von Bedeutung, doch auch wenn man sie nicht versteht und sich allein den Fluss der Musik überlässt, versinkt man an gewissen Stellen völlig in ihrer Welt“ (S. 147).

Es war ein besonderer, ganz wunderbarer Opernabend.

 

Dies ist die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Hape Kerkeling: Im Fokus steht seine Kindheit, in der er einen harten Schicksalsschlag erleiden musste. Ich hatte den Trailer gesehen und war neugierig geworden auf den Jungen, der Hans Peter im Alter von vielleicht 9 Jahren spielte…

Filmszene mit Eva Verena Müller als eine Tante von Hape, und Julius Weckauf in „Der Junge muss an die frische Luft“; Bildquelle: Filmstarts.de

Was soll ich sagen… Dieser Film ist durch das phantastische Spiel von Julius Weckauf atmosphärisch dicht, beglückend und bei allem berührend! Er zeigt, was es heißt, eine depressive Mutter zu haben, aber dennoch nicht den Lebensmut zu verlieren, und auch nicht die Fröhlichkeit, wenn diese auch zeitweise auf der Strecke bleiben muss. Der Film zeigt aber auch eine liebevolle, große Familie, die zusammenhält wie Pech und Schwefel, und in der jedes Familienmitglied mit seinen jeweiligen Eigenheiten einen Platz hat. Diese Familie wird derart lebendig und liebevoll bei gleichzeitiger ruhrpöttischer Feierwütigkeit gezeichnet, dass es eine Freude ist. Und dann Julius Weckauf, der mit seinen 11 Jahren eine reife schauspielerische Leistung hingelegt hat, dass es nur so eine Freude ist! Dies ist ein Ausnahmetalent, und ich hoffe sehr, dass er auf dem Boden bleiben kann…

Doch bei aller Fröhlichkeit, die der Film ausstrahlt, kommt auch der Tiefgang nicht zu kurz, denn Hape hatte es als pummeliges Kind, das sich gerne auch mal als Prinzessin verkleidet hat, sicherlich nicht ganz leicht. Durch seine einnehmende Art aber hat er am Ende doch immer die Kurve bekommen. Großes Kino, unbedingt sehenswert!

Aaach – Weihnachten! Was gibt es schöneres, als sich im Kino in eine andere Welt entführen zu lassen? Dieser Film jedenfalls konnte das trefflich!

Gellert Grindelwald (Johnnie Depp), den Newt Scamander (was kann Eddie Redmayne eigentlich nicht spielen??) im letzten Tierwesen-Film ja hinter Gittern bringen konnte, gelingt die Flucht. Es treibt ihn nach Paris, um Credence ausfindig zu machen, da dieser über eine bestimmte Macht verfügt. Credence wiederum treibt die Frage nach seiner wahren Herkunft um, und diese Frage führte ihn nach Paris… Eigentlich könnte nur Albus Dumbledore (den ich, verkörpert von Jude Law, etwas zu glatt fand) besiegen, aber dieser kann es eben doch nicht tun, weil ein Blutschwur ihn davon abhält. Deshalb bittet er Newt, sich auf die Suche nach Grindelwald zu machen, und Newt reist nun mal nicht ohne seinen Koffer, in dem er seine komplette Menagerie von magischen Geschöpfen mit sich führt…

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Filmszene aus „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ mit Eddie Redmayne als Newt Scamander; Bildquelle: Filmstarts.de

Und das alles – Zauberstäbe, magische Tierwesen, Zauberwesen wie Nagini, die mal Frau, mal Schlange ist, und einige weitere verrückte Charaktere – bieten schon genügend Stoff für einen unterhaltsamen Kinoabend, erst recht, wenn dieser von David Yates angerichtet wurde, der uns ja auch schon die letzten 4 Harry-Potter-Filme bescherte (und den ersten Teil von „Phantastische Tierwesen“).

Ich muss allerdings zugeben: Der Film war ab und an doch etwas wirr, so dass es mir nicht immer leicht fiel, zu folgen. Letztendlich aber ging das Drehbuch auf, und die Handlung war stimmig. Und auch das ist uns Harry-Potter-Fans ja nicht neu, dass wir Joanne K. Rowlings ganz eigener Magie durchaus vertrauen können, die uns durch Wirren und Abwege am Ende aber doch zielsicher zum Finale leitet, das sowohl in dem Film als auch bestimmt nochmal am Ende der Filmreihe stattfinden wird. Ich glaube daran – und freue mich schon auf die nächsten Teile. So wie es sich mir darstellt, hat Joanne K. Rowling diesmal „nur“ die Drehbücher verfasst und keinen Roman aus dieser Geschichte gemacht, was ich eigentlich etwas schade finde.

 

5bcd9a911fb20965a6c68c20_MFPLDer Film folgt einer Roma-Familie, die über Nacht Deutschland durch eine Zwangsabschiebung verlassen muss, und wie es ihr in Mazedonien dann ergeht.

Mitglied dieser Familie ist auch der 13-jährige Zijush, der aus seiner Schule in Deutschland gerissen wird. Da er hier aufgewachsen ist, kennt er die Sprache in Mazedonien gar nicht, und überhaupt: zunächst kann er dort nicht zur Schule gehen, vielleicht aus organisatorischen Gründen, wer weiß. Die Klassenlehrerin in Bremerhaven, Frau Carstens, holt ihn deshalb kurzerhand übers Smartphone zum Unterricht in Deutschland dazu, denn hier hat er Freunde gefunden, die ihn vermissen. Auch macht sich Frau Carstens in den Ferien auf, um Zijush und seine Familie in Skopje, der Hauptstadt Mazedoniens, zu besuchen – und bringt Zijushs besten Freund gleich mit.

Der Film, und also wir, folgen ihr dorthin. Man ahnt es ja schon: Wie kann es einer Familie, die jahrelang in Deutschland geduldet wurde und also hier gelebt hat, in Mazedonien schon gehen? Nicht gut – und zwar, weil die Roma dort nicht nur aus finanziellen Gründen in sozialen Brennpunkten leben. Eine weitere Tatsache ist, dass sie mit rassistischen Anfeindungen leben müssen, denn auch in Mazedonien werden sie lediglich geduldet. Der Anblick der schlecht ausgestatteten Schulen lässt Frau Carstens weinen, denn ihr ist sofort klar, dass hier die SchülerInnen überhaupt nicht gefördert werden. Hinzu kommt, dass viele nicht einmal eine Schule besuchen, warum, habe ich nicht ganz verstanden, aber da manche Familien in Wohnwagen oder einige Kinder auf der Straße leben, ist es vermutlich auch eine Frage des festen Wohnsitzes. Eine gute Frage – denn gerade wenn eine Familie aus Deutschland zwangsausgewiesen wird, ist nicht davon auszugehen, dass sie sofort einen festen Wohnsitz haben wird. In Zujishs Fall gab es einen Verwandten, der die Familie wenigstens bei sich aufnehmen konnte.

Wir erfahren von diesem grässlichen Kreislauf: Hier in Deutschland wird eine Roma-Familie geduldet, so lange es einen Arbeits- oder Ausbildungsvertrag gibt (so habe ich es verstanden). Aber eine Arbeit oder einen Ausbildungsplatz zu finden ist natürlich schwierig, wenn man über keine besondere Schulbildung verfügt. Eine durchgängige Schullaufbahn ist aber nicht gewährleistet, wie in Zijushs Fall deutlich wird. In Deutschland lediglich bis zu einem bestimmten Maß geduldet, in Mazedonien teilweise sogar verfolgt – Zijush wurde beispielsweise einmal auf dem Nachhauseweg von der Schule von Nachbarn verprügelt – können Roma kein beständiges Leben führen und sind verbannt, am Rande des sozialen Abgrundes zu leben – ohne Aussicht auf Besserung.

Im Anschluss des Films kamen noch weitere Betroffene zu Wort, z.B. ein Roma, dessen Familie in einer Nacht-und-Nebel-Abschiebe-Aktion ins Flugzeug gesetzt wurde in ein Land, das diese kaum kennt. Obwohl die Mutter ohnmächtig auf der Straße zusammengebrochen ist, wurde darauf keine Rücksicht genommen (und wer wollte ihr oder ihrer Familie schon glauben???), und obwohl die Familie im Ankunftsland niemanden kennt und erstmal in ein Hotel gehen musste, um überhaupt ein Dach über den Kopf zu haben, fand die Abschiebung statt. Eine Juristin, die sich für die Roma einsetzt meinte, dass viele der EntscheiderInnen in den Ämtern diese Einzelheiten nicht klar wären. Leider machte sie uns Publikum klar, dass es hier in Deutschland Menschen gibt, die diese Positionen dennoch einnehmen, ich meine, man kann sich auch als Beamte/r sicherlich woanders hin versetzen lassen, wenn man eine bestimmte Arbeit nicht machen will. Insofern sind diese Menschen in gewisser Weise nicht erreichbar, um auf den Missstand aufmerksam zu machen, der durch diese Abschiebungen entstehen. Dringend müsste also etwas passieren, damit die Roma ein Leben in Würde führen könnten, egal ob hüben oder drüben.

Es war ein bewegender Film und Abend, der zur Aufklärung über Zwangsabschiebung beiträgt, aber auch schwer zum Nachdenken anregt, was hier in Deutschland fürchterlich schief läuft. Und der natürlich die Problematik aufzeigt, mit der die Roma zu leben haben – sowohl hier in Deutschland, als auch in den Ländern, in die sie abgeschoben werden. Ich hoffe, dass der Film viel, viel Publikum findet, damit möglichst viele davon erfahren, was es heißt, ein Roma zu sein.

Hiermit rufe ich einen neuen Filmpreis ins Leben, der so subjektiv und eigen ist wie mein Blog, der doch nichts anderes ist als eine Chronik meiner kulturellen Unternehmungen: Ich nenne ihn:

Das goldene Kutabu

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Und dies ist meine Auswahl aus ungefähr 18-20 Filmen, die ich – und das war hierbei eine Bedingung – im Kino gesehen habe:

Bester Film:Werk ohne Autor“ – Der Film hat mich nachhaltig beeindruckt. Das Thema, wie jemand zu seinem künstlerischen, ganz persönlichen Ausdruck findet, geht mich sehr an. Einen Film, der diese Thematik derart intensiv aufgreift, habe ich zuvor nicht gesehen (oder ich erinnere mich nicht).

Bestes Drehbuch:Der seidene Faden“ – Eigentlich ist es nicht nur das Drehbuch, das mich hierbei überzeugte. Interessante Thematik in einem Drehbuch hervorragend ausgearbeitet, tolle, tolle SchauspielerInnen, wunderbare Bilder – bei diesem Film stimmte einfach alles!

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Filmszene aus „Der seidene Faden“ mit Daniel Day-Lewis und Vicky Krieps; Quelle: Filmstarts.de

Bester Hauptdarsteller: Alexander Scheer in „Gundermann“. Ich finde es unglaublich, wenn Schauspieler zudem noch so gut singen können – so wie Alexander Scheer.

Beste Hauptdarstellerin: Marie Bäumer in „3 Tage in Quiberon“ hat mich absolut umgehauen. Sie hat Romy Schneider nicht einfach nur gespielt, sie war Romy Schneider! Absolut toll! Sie konnte an dieser Stelle sogar Alba August als „Astrid“ toppen – auch sie hat mich mit ihrem Spiel zutiefst beeindruckt.

Bester Nebendarsteller: Micheal Shannon als böser Sicherheitschef Strickland  in „Shape of Water“, Tobias Moretti als Maceath und Joachim Król als Peachum in „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ – auch für beide letztere gilt: Was können diese Schauspieler denn nicht?

Beste Nebendarstellerin: Saoirse Ronan in „Am Strand“ – Saoirse Ronan ist und bleibt eine Ausnahmeschauspielerin!

Beste Ausstattung:  „Loving Vincent“ für die Idee und Umsetzung im Stil von van Goghs Malerei – das hat mich restlos überzeugt, „Isle of dogs – Ataris Reise“ mochte ich sehr wegen der Verspieltheit. Ich habe den Eindruck, was auch Wes Anderson anpackt: es gelingt!

Bester Film, gesehen auf DVD/BluRay: Von den rund 32 Filmen, die ich im Heimkino gesehen habe, fällt es mir doch sehr schwer, einen Film zu küren. Wenn ich dann anfangen wollte mit mehreren, würde ich vielleicht gleich ein Drittel dieser Perlen auswählen müssen. Deshalb küre ich diesmal einen Filmemacher, mit dem ich mich in 2018 (und auch schon davor) beschäftigt habe, nämlich Darren Aronofsky, dessen Filme immer interessant und psychologisch derart geschickt gemacht sind, dass sie einem wie unter die Haut gespritzt nahe gehen. Allen voran war „Requiem for a Dream“ ein unglaublich intensiver Film. Ich schätze an Aronofsky, dass seine Filme experimentellen Charakter haben und mir Bilder und Gefühle lange in Erinnerung bleiben.

Erlesenes 2018

Veröffentlicht: 30. Dezember 2018 in Bücher, Kultur, Literatur

Auch in diesem Jahr, wie schon in den vorigen, lasse ich es mir nicht nehmen, an der Blogparade teilzunehmen, die auch dieses Jahr wieder Petzi ausrichtet. Danke dafür!
Momentan lese ich gerade an dem 20. Buch in diesem Jahr, das scheint also mein ungefähres Jahrespensum zu sein – letztes Jahr waren es 19. Aber was bedeutet schon Quantität…

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Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat? (und Begründung)

Wie jedes Jahr trifft die Frage auch dieses Mal nicht ins Schwarze. In der Regel habe ich keine Erwartungen an ein Buch. Ich fange einfach an, es zu lesen. Also werde ich auch dieses Jahr die Frage anders formulieren: Was war mein Lesehighlight 2018?

Also da schwanke ich… Ist es „Herz der Finsternis“ von Joseph Conrad, ein Buch, das sich mir nur schwer erschlossen hat, mich dann aber so nachhaltig beeindruckte? Oder ist es vielmehr „Von Männern, die keine Frauen haben“ von Haruki Murakami?  Schwer zu entscheiden…

 

Während „Herz der Finsternis“ ein vielschichtiger und hintergründiger Roman ist, ein Buch, mit dem man wahrscheinlich niemals ganz fertig wird, sind die Erzählungen von Haruki Murakami wie lauter funkelnde Edelsteine, die alle ihren ganz eigenen Reiz haben. Sicher ist, dass ich den Murakami lieber gelesen habe, und er mich letztendlich durch die Stilsicherheit im Ausdruck, aber auch durch seine Tiefe begeisterte. Andererseits: Die Bilder, die Joseph Conrad entwirft und die sich in mein Gehirn geradezu hineingefressen haben, sind stark und kräftig und sprechen für grandiose Literatur.

Ich glaube, beide Bücher gehören auf meine Favoritenliste, und ich möchte beide hiermit zu meinen intensivsten Leseerlebnissen 2018 benennen.
Meine ausführlichen Berichte findest Du hier:

Joseph Conrad: „Herz der Finsternis“
Haruki Murakami: „Von Männern, die keine Frauen haben“

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat? (und Begründung)

Ach, naja, negativ überrascht ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck, für keines meiner Leseerlebnisse. Die vielleicht originellste Lese-Erfahrung dieses Jahres war denn vielleicht von Rosalia del Castro „Die Tochter des Meeres“. Es ist gleichwohl eine Entdeckung. Immer mal wieder frage ich mich, wieviele Frauen vollkommen zu Unrecht unbekannt geblieben sind, nur weil sie Frauen sind? Jedenfalls hierzulande ist Rosalia der Castro, eine castillische Autorin, recht unbekannt. In ihrer Heimat, und die ist in Santiago di Compostella, ist sie jedoch sehr bekannt und ist noch immer in dem Herzen und ihre Gedichte auf den Lippen der dortigen Menschen zugegen. Dies erfuhr ich durch Marens wunderbaren Blog, und es berührte mich sehr.

Dennoch muss man sagen: In diesem Frühwerk von der Autorin ist ihre Könnerschaft vielleicht noch nicht ganz erblüht. Zwar fand ich vieles unglaublich gut in Worte gefasst – allem voran ihre Schilderungen der rauen Natur – aber die Gefühlsäußerungen der ProtagonistInnen schienen mir an der ein oder anderen Stelle doch etwas übertrieben. Ich müsste mich vielleicht nochmal mit ihren Gedichten befassen. Darauf hätte ich prinzipiell zwar Lust, aber mit Gedichten tue ich mich doch recht schwer.

Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Ich habe einige neue AutorInnen entdeckt dies Jahr, nämlich ganze 10, wenn ich die beiden Sachbücherautoren, die ich auch noch nicht kannte, einmal außer acht lasse. Von diesen zehn neuen muss ich auf jeden Fall Klaus Modick und Marco Balzano nennen. Klaus Modicks Buch „Konzert ohne Dichter“ hat mir sehr gut gefallen, es handelt von den Worpsweder KünstlerInnen, allen voran von Heinrich Vogeler und seinem gespaltenen Verhältnis zu Rainer Maria Rilke – verkürzt gesagt.  Nicht nur, dass ich jetzt mehr über Heinrich Vogeler wissen will, nein, auch Klaus Modicks Stil hat mich so überzeugt, dass ich unbedingt noch mehr von ihm lesen werde. „Der kretische Gast“ steht auch schon bereit in meinem Regal der ungelesenen Bücher.

Marco Balzanos Buch „Damals, am Meer“ hat mich ebenfalls sehr überzeugt. Die Geschichte von Großvater, Vater und Sohn, die aufbrechen, um die alte, seit Jahrzehnten leerstehende Wohnung in Sizilien zu verkaufen und damit auch in gewisser Weise der Wahrheit ins Gesicht zu sehen, dass die Familie seit und vielleicht sogar durch deren Umzug nach Mailand zerfallen ist, war berührend und zugleich in Bildern eingefangen, deren Tiefe unter die Haut ging.

Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

Kang_Vegetarierin_160215.inddNa, also da muss ich unbedingt dieses Cover von „Die Vegetarierin“ von Han Kang zeigen. Es nimmt sowohl Bezug zum Inhalt des Romans als auch lässt es bei längerem Hinschauen immer neues, ungeheuerliches entdecken. Bitte schau selbst! Es ist unglaublich!!!

Welches Buch wollt ihr unbedingt 2019 lesen und warum?

Also, ich habe mir ja was vorgenommen… Neulich fiel mir das Hörbuch „Ulysses“ von James Joyce in die Hände. Diesen Roman habe ich bislang nicht lesen können. Vielleicht finde ich durch das Hörbuch nun doch einen Zugang… Das muss leider noch etwas warten, bis ich in meinem Kopf freier bin, als momentan. Aber das wäre mal ein Projekt… Mal sehen. Ansonsten, ich erwähnte ja schon: Klaus Modick. Und dann habe ich die zwei Bände von Haruki Murakami zu stehen: „Die Ermordung des Commendatore“ – die stehen schon ein halbes Jahr, aber nur, weil die Vorfreude auch schon so schön ist… Tja, und dann: mal sehen, was alles meine schönen Pläne fürs nächste Jahr durchkreuzt! Spontane Leselust geht immer vor langgehegte Pläne!