In diesem Jahr bisher gelesen

Veröffentlicht: 25. Mai 2017 in Kultur, Literatur, Bücher, Gedanken

Ich bin entsetzt: Man könnte den Eindruck gewinnen, dass ich gar nicht lese, denn ich habe in diesem Jahr noch gar nicht über meine Lese-Erlebnisse geschrieben. Aber ich habe eigentlich immer ein Buch in Arbeit, und tatsächlich liegt die Betonung sowohl auf „eigentlich immer“ und „ein Buch“. Auf mehr zur Zeit kann ich mich nicht konzentrieren, mehrere Bücher im selben Zeitraum zu lesen ist mir völlig fremd…  (Fällt mir ein Witz ein: „Ich lese immer mehrere Bücher zur gleichen Zeit“ „- Ja – aber wie halten Sie die denn alle??“)

„Die Säulen der Erde“ – Roman von Ken Follet

saeulenDie Bücher von Ken Follet sind bislang komplett an mir vorbeigegangen, und da ich durchaus hörte, dass es lohnenswerte Bücher seien, habe ich mich über das chronologisch erste Buch hergemacht, es handelt in der Zeit von 1100 in England und umreißt den Bau einer Kathedrale. Da sich so etwas ja bekanntlich immer etwas hinzieht, vergehen im Verlauf mindestens 50 Jahre, in denen wir das Werden und Vergehen der verschiedenen ProtagonistInnen verfolgen. Das Buch ist sehr geschickt aufgebaut, denn es bietet Einblicke nicht nur in das Leben eines Kirchenmannes und des Klosters, sondern auch von Handwerkern, Rittern und anderen mehr oder minder begüterten Edelleuten sowie sogar Außenseitern. Die Geschichte mag in manchen Teilen recht konstruiert sein und ich fand auch einige Passagen sehr unwahrscheinlich, beispielsweise wie eine Frau mit sicherlich starkem Willen mit einem Säugling quer durch Europa zieht, um ihren Mann zu finden – und das im Jahr 1100 – das konnte ich nicht ganz abnehmen.
Bei allen Schwächen in der Handlung und einem Schreibstil, den ich nicht als literarisch bezeichnen möchte, hat mich das Buch dennoch gepackt und es zu lesen hat Spaß gemacht. Genau das habe ich mir auch von dieser Lektüre versprochen. Ich brauchte einen Schmöker, und das ist einer.

„Die Katze des Dalai Lama“ – Buch von David Michie

katze-dalai-lama1Nicht nur, weil ich seit zwei Jahren Katzenbesitzerin bin und unweigerlich zur –liebhaberin geworden, hatte mich dies Buch interessiert. Es war zudem die Empfehlung einer Freundin. Und ja – es ist eine Entdeckung!!!

Die kleine Katze (mit einer Schwäche der Hinterbeine ausgestattet)  wird vom Dalai Lama als Ausgestoßene  aufgenommen und und verbreitet seitdem im Dunstkreis Seiner Heiligkeit noch mehr gutes Karma. Als lernbegierige Katze verfolgt sie aber ihr Umfeld mit einem durchaus buddhistischen Interesse und belauscht nicht nur die Gespräche bei Empfängen, sondern auch in ihrem Umfeld und stellt Beobachtungen im Ort an. So weit, so niedlich. Doch die Gespräche und Handlungen dienen im Grunde genommen nur als Aufhänger in eine federleichte Einführung in die buddhistischen Lehren. (Langweilig beschrieben könnte man auch sagen, dass die Sorgen und Nöte der Menschen in der Umgebung der Katze als Fallbeispiele dienten, aber das schreibe ich natürlich nicht). Dieses wunderbare Buch lässt sich also in verschiedener Hinsicht lesen und genießen: Als Bericht aus dem Blickwinkel der Katze Seiner Heiligkeit (kurz KSH), aber auch als Einführung in die buddhistischen Lehren und die große Weisheit des Dalai Lama. Ich hätte nach jedem Kapitel am liebsten eine kleine Zusammenfassung geschrieben, so interessant und auch wichtig fand ich das. Wo findet man schon ein Buch, das eine ungeheure Leichtigkeit hat und dabei so sehr in die Tiefe geht – ich habe es bisher  nur in diesem Buch gefunden.
Ich muss ja nicht alle Bücher besitzen, die ich lese – aber bei diesem hege ich doch den Wunsch, es zu haben. Mit Sicherheit lese ich es nochmal!

„Ganz langsam bis zehn zählen“ – Roman von Mildred Lee

ganz-langsamWer kennt dieses Buch? Wahrscheinlich niemand (außer meiner Freundin Uli). Ich habe es zwischen meinem 13. Und 15. Lebensjahr wer weiß wie oft gelesen, doch habe ich es mir immer aus der Hamburger Bücherhalle ausleihen müssen. Neulich fiel mir dieses Buch wieder ein, und es gelang mir doch tatsächlich, ein antiquarisches Exemplar zu ergattern, was mich sehr froh gemacht hat.
Beim erneuten Lesen hatte ich ein seltsames Phänomen: Da ich das Buch ja wie gesagt schon mehrmals gelesen habe, hatte ich den Eindruck, es beinahe auswendig zu kennen. So flüsterte mir eine innere Stimme schon das Ende des Satzes ins Ohr, bevor ich ihn las – so genau konnte ich mich noch an das Buch erinnern!

Es handelt von einem Jahr im Leben eines 13-14 jährigen Mädchens, das in all ihren Höhen und Tiefen begleitet wird, und das auf  sehr einfühlsame Weise. Eigentlich passiert nichts wirklich Dramatisches – außer, dass Honor Sands  ein Jahr Pubertät durchlebt. Wie gesagt, damals in meiner eigenen Pubertät war es ein wichtiges Buch für mich, und es war schön, es erneut zu lesen. Und ich freue mich, dass ich es nun besitze. Scheinbar ist das Buch nach den 70er Jahren nicht wieder aufgelegt worden. Schade.

„Die Katze des Dalai Lama und die Kunst des Schnurrens“ – Buch von David Michie

katze-dalai-lama2Es zog mich doch gleich zum  nächsten Buch über die Erlebnisse der KSH (Katze Seiner Heiligkeit). In diesem bekommt die Katze die Aufgabe vom Dalai Lama gestellt, in dessen siebenwöchiger Abwesenheit einmal die Frage, was Glück sei, zu ergründen. Auch in diesem Buch verfolgt die Katze ihr Umfeld genau, und anhand der Menschen um sie herum erkennt sie, was glücklich macht. Einige schillernde Persönlichkeiten werden hier beschrieben, die nach vielleicht einigen Irrwegen in aller Bescheidenheit ihr eigenes Glück finden, und das – oh Wunder – außerhalb eines groß gedachten Karrierismus und dem Streben nach Anerkennung.

Eine kurze und oberflächliche Formel habe ich nach der ersten Lektüre hier herausgefunden: Glück ist eine sehr persönliche Angelegenheit, aber wenn das eigene Streben zur Zufriedenheit führt und dabei einen guten Zweck nicht außer Acht lässt (oder sogar Ausgangspunkt der eigenen Handlungen wird), kann sich auch ein Glücklichsein einstellen. Auch dieses Buch empfand ich als großen Schatz, auch dessen Lehren möchte ich weiter verfolgen und am liebsten beherzigen. Wie oft werde ich es noch lesen müssen, um auch in meinem Leben die Weichen zu stellen? Wirklich: Unglaublich leseswert!

Ausstellungen in letzter Zeit

Veröffentlicht: 24. Mai 2017 in Kultur, Kunst, Ausstellungen

Es ist grässlich mit mir, ich komme zur Zeit kaum zum Blog-Schreiben… oder besser, ich nehme mir dafür keine Zeit. Oder ich habe keinen Kopf dafür. Natürlich bin ich deshalb kulturell nicht weniger unterwegs, und so gibt es einen gehörigen Blog-Rückstau, dem zu begegnen gar nicht mal so einfach ist. Nun denn. Genug geklagt!

„Revisited“ Ausstellung mit Werken zum Bau der Elbphilharmonie in den Deichtorhallen zu Hamburg

Meine Begeisterung über die Elphi habe ich hier ja schon kund getan, und so interessierte mich auch zu sehen, was andere Künstler zu diesem Prachtgebäude zu sagen haben. Die Ansätze waren sehr unterschiedlich: Neben einem „Quasi -Gegenentwurf“, gezeigt in einer riesigen, aus verschiedensten Materialien zusammengeschusterten und –gezimmerten Modell-Frechheit, gab es auch tolle Fotos aus dem Bau zu sehen, Entwürfe, die auf sexistische Elemente von Architektur im Allgemeinen Bezug nehmen, aber auch Dokumentationen aus dem Architekturbüro mit Teilen der Original-Modelle und einer Reihe von Fragebögen, die die Arbeiter der Elphi-Baustelle beantwortet haben. Doch auch eine Spinne durfte mit einem kunstvoll gesponnenen Netz, das in einem verdunkelten Raum durch eine Lichtinszenierung ästhetisch aufgemotzt wurde,  auf die Elbphilharmonie antworten. Und über den politischen Ablauf, eigentlich einem riesigen Skandal, weil die Kosten ja explodierten wie ein riesiges Feuerwerk, gab es ebenfalls eine Arbeit. Ja, eine vielseitige Ausstellung. Und gut, dass ich diesen Blog schreibe, denn direkt nach dem Besuch, der schon ewig her ist, war ich eher enttäuscht, hatte ich mir doch eine ästhetischere Antwort auf die Elphi erhofft. Jetzt, rückblickend, erkenne ich die Vielseitigkeit und Komplexität der Ausstellung besser.

„Warten“ in der Kunsthalle

Eine Themenausstellung… Verschiedenste Aspekte vom Warten wurden in den Werken aufgegriffen und mal ästhetisch, mal witzig, mal auch konzeptionell untersucht.  Ein Bewohner eines Hospizes schaut eine Weile aus dem Fenster (Film); auf Fotos sind Prostituierte, die in einem entlegenen Industrieviertel auf Freier warten, Anglern, die an eher weniger idyllischen Plätzen ihre Ruten ausgeworfen haben, gegenübergestellt – ein seltsames Spannungsverhältnis… Andere Installationen wie z.B. die Wartehalle, in der man Literatur zum Durchblättern zum Thema Warten findet, oder einer Art selbstgezimmertes Freizeitparadies für pensionierte Beamten, die ab nun eigentlich nur noch auf ihr Ende warten, wenn man so will, führen deutlich bis drastisch die Absurdität dieses weit verbreiteten Seinszustands  vor Augen. Was soll’s? Am besten, man quartiert sich gleich in dem 4qm großen Wartehäuschen ein, das mit Küche und Klo einen kleinen, aber doch ganz eigenen Wartebereich mit nützlich-heimeligen Akzenten wie dem Bett ausgestatteten Rückzugsort  darstellt. Um zu warten – worauf? Dass der Bus kommt – wohin? Es ist eine zugleich irritierende als auch anregende Auseinandersetzung mit dem Thema Warten, das um so absurder wird, je länger ich darüber nachdenke.

ESA

Nicht unerwähnt möchte ich meinen Besuch der Space-Expo auf dem ESA-Gelände in Noordwijk, Holland, lassen. Natürlich geht es dort um die Raumfahrt und vielerlei Aspekte. Einige Ausstellungsstücke laden zum Mitmachen ein, wie z.B. der Landesimulator einer  Weltraumkapsel. Richtig Gänsehaut habe ich aber bekommen bei den Ausstellungsstücken, die tatsächlich mal im All waren und nun mitsamt ihrer Schrammen, die sie sich beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre  zugezogen haben, ausgestellt werden.

Van- Gogh-Museum, Amsterdam

Von Noordwijk aus wollte ich wenigstens einmal Amsterdamer Luft schnuppern und das Van-Gogh-Museum besuchen, mehr habe ich von Amsterdam leider nicht gesehen – ich muss unbedingt bald wiederkommen! Aber dies Museum stand doch am dringlichsten auf meiner Wunschliste. Die Ausstellung ist nach van Goghs Leben chronologisch aufgebaut und zeigt aber auch wegweisende Gemälde von Künstlern, die das Wirken van Goghs mitgeprägt haben sowie  von Zeitgenossen, und gibt so einen guten Überblick über van Goghs Werk und seine Zeit. Es sind so grandiose Gemälde zu sehen wie ‚Die Kartoffelesser‘, oder natürlich die berühmten Sonnenblumen. Aber neben diesen sehr berühmten Gemälden gibt es viele, die ebenfalls großartig sind.
Es ist schon verrückt, wenn man sich vorstellt, dass van Goghs Malweise für das Publikum derart ungewöhnlich war, dass es die Ästhetik der Bilder nicht wahrnehmen konnte. So blieb bekanntlich der Erfolg zu seinen Lebzeiten aus. Wie schwer muss es sein, trotz aller Widerstände und Misserfolge doch weiterzumachen und irgendwie zu wissen, dass er mit seiner Kunst großartiges geschaffen hat, auch wenn niemand (außer seinem Bruder und vielleicht einer Handvoll Kollegen) an ihn glaubte. Ja, ich kann mir vorstellen, an solch einer Missachtung seiner Leistung kann man letztendlich zerbrechen oder darüber wahnsinnig werden… oder sogar beides. Der Besuch lohnt sich sehr, aber man sollte sich die Karten im Vorfeld besorgen, wir haben es nicht getan und haben an einem stinknormalen Werktag 45 Minuten für Karten angestanden.

Barberini-Museum, Potsdam: Ausstellung „Impressionismus“ und „Klassiker der Moderne“

In den Frühjahrsferien bin ich ein wenig herumgekommen, war nicht nur in Holland, auch ein Kurzbesuch in Berlin musste sein, und ich bin heilfroh, dass ich das Barberini-Museum bei dieser Gelegenheit besuchen konnte: Was soll ich sagen: Es war eine ganz tolle Ausstellung mit großartigen Gemälden von vielen Impressionisten. So wunderbare impressionistische Gemälde, in denen Landschaft und Wetter eine herausragende Rolle spielten, habe ich lange nicht gesehen. Einige wunderbare Seerosenbilder von Monet waren für mich der Höhepunkt, aber auch Bilder, in denen die Motive deutlich unspektakulär sind (wie z.B. die Heuhaufen), dafür aber die Umsetzung in der impressionistischen Malweise umso aufrührender, gab es zu sehen. Dazu wurden aber auch Gemälde aus späterer Zeit gezeigt, die Themen aus den impressionistischen Bildern aufgreifen und in ein neues Licht rücken – spannend! Tolle Gemälde aus der klassischen Moderne, beispielsweise von Edward Munch, waren auch vertreten. Insgesamt war es eine hochkarätige Ausstellung in einem tollen Gebäude, die zu besuchen sich ungemein lohnt (aber auch nur noch bis zum 28. Mai).
Der Abstecher in den Trakt (ist das ständige Ausstellung? Ich weiß es nicht) von (zensierten) Künstlern zu Zeiten der DDR war ebenfalls bereichernd und sehenswert.

Paula Modersohn-Becker – Ausstellung im Bucerius Kunstforum, Hamburg

Kurz vor Ablauf habe ich es denn zum Glück doch noch geschafft, diese Ausstellung zu besuchen. Und auch sie hat sich sehr gelohnt! Paula Modersohn-Becker war die Ausnahmekünstlerin zwischen den tollen und sehr begabten Künstlern aus der Worpsweder Künstlerkolonie – nicht zuletzt, weil sie sich durch ihre Besuche in Paris zur Weiterentwicklung ihres eigenen Schaffens selbst förderte. Die Werke, die hier ausgestellt wurden, sind durch die Bank großartige Malerei. Ob es atmosphärische Landschaftsmalerei  ist oder Portraits von der einfachen Bevölkerung von Worpswede: Diese Bilder haben die Seele des Motivs genau erfasst und auf den Punkt gebracht. Mein Lieblingsbild war auch zu sehen: Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag. Es zeigt die Künstlerin mit nacktem Oberkörper schwanger. Doch zu diesem Zeitpunkt ist sie es nicht. Es ist die Kunst, die in ihr reift. Leider wurde sie kurz danach tatsächlich schwanger. Es ist tragisch und traurig, dass genau dies ihr zum Verhängnis wurde: Sie starb kurz nach der Geburt ihrer einzigen Tochter.

Ich bin froh, dass ich es noch rechtzeitig geschafft habe. Was hätte ich ansonsten verpasst!

Uff. Im April war ich nun gar nicht fleißig im Blogschreiben, keine Zeit – und warum? Ein Grund liegt darin, dass ich Urlaub hatte. Es zog mich zu einem Besuch von Freunden erst nach Holland, dann nach Berlin. Dazu hatte ich aber vielleicht auch keine Zeit zum Blogschreiben, weil es so viel zu lesen/hören/sehen gab, so dass ich nun eine lange und beinahe erdrückende Liste habe, die ich hier im Blog erwähnen möchte. Also gehe ich jetzt mal „praktisch“ vor und versuche mich, mal kurz zu fassen.

Weil ich neulich so reingefallen bin – ich wollte den Film ‚The Salesman‘ unbedingt sehen, doch der war schneller aus dem Kino, als dass ich ihn gucken konnte – habe ich mich bei diesem Film furchtbar beeilt und richtig unter Stress gesetzt – nur um festzustellen, dass er auch später noch in den Kinos hoch- und runterlief… Verstehe das eine(r), wann Filme nur ein paar Tage im Kino sind – selbst wenn sie Preise gewonnen haben – während andere richtig lang laufen…

Jedenfalls war dies zu Recht ein Kassenschlager, und das aus verschiedenen Gründen: Zum einen ist es ein Film, der von der Grundstimmung gute Laune verbreitet, zum anderen ist sein Thema eines, das von rassistischen Verhältnissen zeugt, die wirklich skandalös sind…

Drei hochbegabte Afroamerikanerinnen sind Anfang der 60er Jahre bei der NASA sozusagen als Rechnerersatz (denn Computer gab es ja damals noch nicht) tätig und haben die Aufgabe, die hochkomlizierten Berechnungen der weißen männlichen Amerikaner zu überprüfen. Trotz hervorragender Fähigkeiten werden sie jedoch klein gehalten, dürfen nicht wissen, was sie da eigentlich nachrechnen, und selber denken ist streng verboten. Als Frau! Und dann noch als Schwarze! Karriere machen? Als Ingenieurin? Den neuen IBM-Computer kompetent mit Daten füttern und programmieren? Undenkbar!! Besser und scharfsinniger rechnen können als die weißen Männer um sie herum? Kann ja gar nicht sein!!!

Szenenbild aus „Hidden Figure“ mit  Octavia Spencer, Taraji P. Henson und Janelle Monáe

Doch zum Glück kommt es anders, und diese drei Frauen setzen den weißen Männern ein X vors U nach dem anderen… Katherine Johnson als Mathe-Genie (hinreißend gespielt von Taraji P. Henson), die geborene Ingenieurin Mary Jackson (Janelle Monáe) und Dorothy Vaughan (wunderbar verkörpert von Octavia Spencer), die sich laut Film (aber es wird schon so oder so ähnlich auch gewesen sein) nicht nur die Programmiersprache für den IBM Großrechner selbst aneignete, sondern ihr Wissen dann mit den anderen afroamerikanischen Frauen ihrer Abteilung teilte, dürfen ganz sicher nicht in Vergessenheit geraten. Um so schöner zu hören, dass es auf dem Gelände der NASA heute einen Raum gibt, der nach Katherine Johnson benannt wurde. Diesen Frauen – und wer weiß, wem noch alles – ist es jedenfalls zu verdanken, dass der erste bemannte Raumflug der NASA zum Erfolg wurde und der Astronaut heil wieder auf der Erde landete. Eine unglaubliche Leistung!

Es ist ein wichtiger Film, denn diese Geschichten von Rassismus müssen bekannt und noch bekannter werden, selbst wenn sie schon in der Vergangenheit liegen. Es ist schon genug Unrecht aus rassistischen und chauvinistischen Gründen geschehen, und diese Sache ist nun leider noch immer nicht gegessen, auch wenn sich seitdem viel getan hat.

 

Franz Schubert: Streichquartett G-Dur D 887

Franz Schubert hatte mit dem Tod ein Ding am Laufen, viele seiner Musikstücke kreisen um dies Thema, so auch dieses Stück. Und „kreisen“ ist hier wörtlich gemeint, denn die Themen wiederholen sich eins ums andere Mal, werden variiert, sind wie Gedanken, die einen nicht loslassen und die einen immer wieder einholen, ob man nun will oder nicht. Ein leidenschaftliches Stück Musik ist das, das mich sehr berührt hat.

Dmitri Schostakowitsch: Streichquartett Nr. 15 es-Moll op. 144

Schwer zu fassen war für mich dieses Stück. Das Belcea Quartett ließ dazu das Licht dimmen, so dass es die Wirkung eines echten Nocturnos hatte, eines Nachtstückes. Dies hat die Wirkung des Stückes noch intensiviert, doch auch visuell war es für mich ein starkes Erlebnis: Diese schwierige, sehr ruhige und dennoch aufregende Musik, gespielt von drei Männern in dunklen Anzügen und einer Frau (Corina Belcea) in einem roten, ärmellosen Kleid; die weißen Arme, graziös die Violine haltend, nur beleuchtet von dem Display des Tablets, von dem sie die Noten ablas – das war schon ein intensiver, wunderschöner An- und Augenblick.

Ich habe das Konzert sehr genossen. Die MusikerInnen auch, denn ich glaube, auch sie waren berauscht von dem tollen Klang im kleinen Elphi-Saal, denn sonst hätten sie vielleicht nicht zwei Zugaben gemacht.

Lulu ist Projektionsfläche für die erotischen Wünsche der Männer; eine alte Geschichte eigentlich, die Frank Wedekind in zwei Theaterstücken aufgeschrieben hat und die Grundlage für diese Oper darstellen. Und so ist auch Lulu hier auf der Bühne wandel- und formbar, was sie in merkwürdigen Verrenkungen auch bildhaft darstellt. Auch wenn die Männer, die ihr reihenweise erliegen, zum Untergang verdammt sind, so ist doch Lulu nicht die Gewinnerin: Zu schnell dreht sich die Geschichte um, und aus der Königin wird eine Bettlerin, die am Ende einen ganz gemeinen Tod stirbt.

Christoph Marthaler hat zu der Oper seine ganz eigene Regiearbeit abgelegt, die mit Zeichen nicht spart und den SängerInnen neben den sicherlich schwierigen Gesangspartien zudem beinahe artistische Fähigkeiten abverlangt – was auch gelingt. So verkörpert Barbara Hannigan eine glaubhafte Lulu mit großartigen schauspielerischen und gesanglichen Fähigkeiten.

Alban Berg hat die Oper nicht beendet, und auch dies legt Christoph Marthaler offen, indem eine Pause eintritt, bevor die Musik, die Friedrich Cerha Bergs Musik hinzufügte, erklang. Doch auch hier formte Marthaler das Stück noch und ließ ein Violinkonzert von Alban Berg spielen, das der Komponist „Andenken eines Engels“ nannte und einen äußerst passenden Schluss bildete, wie ich finde. Gespielt hat Veronika Eberle die Violine leidenschaftlich und mitreißend, und setzte dadurch der Lulu-Figur ein ergreifendes musikalisches Denkmal. Alban Berg hatte dieses Violinkonzert zu Ehren Manon Gropius geschrieben, der Tochter von Walter Gropius und Alma Mahler-Werfel, die 18-jährig an einer Krankheit verstarb, und das passte sehr gut in diese Oper und war auch musikalisch noch ein weiteres Highlight.

Schwere Kost, die Oper, ganz sicherlich, aber absolut lohnenswert! Hier einige Impressionen:

Ein Mann, der 23 verschiedenen Persönlichkeiten besitzt, und in der sich gerade eine 24. – extrem bedrohliche – Persönlichkeit einen Weg bahnt: Das schien doch mal ein interessanter Thriller zu sein. Und vielleicht mag das ein Widerspruch sein, wenn ich mich doch gerade darüber beklagt habe, dass so mancher Film eine Story zum Thema hat, die mich einerseits berühren, andererseits unterhalten soll (was mich stört), und ich nun in einen handfesten Psychothriller mit phantastischen Ausmaßen gehe – und das mit Genuss – aber auch mir gefällt es manchmal, mich in den Kinosessel zurückzulehnen und fesseln zu lassen…

Und es hat sich auch gelohnt, den Film zu schauen! James McAvoy spielt die Figur mit der multiplen Persönlichkeit und wechselt sehr gekonnt von einer Persönlichkeit zur anderen, und alle überzeugen absolut. Der Kampf, den die Figur mit sich selbst ausficht, weswegen er des öfteren spontan seine Psychotherapeutin aufsucht, nachdem ihr jede seiner Persönlichkeiten einen Hilferuf per Mail geschickt hat, ist ebenfalls überzeugend gespielt. Doch ist die Katastrophe nicht aufzuhalten: Die drei Mädchen, die er eingesperrt hält, um sie für die 24. Persönlichkeit, „die Bestie“, bereit zu halten, versuchen aus dem unterirdischen Labyrinth zu entkommen, ein Kampf um Leben und Tod nimmt dramatische Ausmaße an…

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Filmszene aus „Split“ mit James McAvoy; Bldquelle: Filmstarts.de

Es ist ein raffinierter Film, der mit einem Wechselspiel der Gefühle aufwartet und einen mitreißt in die tiefsten seelischen Abgründe – und die zum Glück einen Touch von fantastischer Entwicklung bekommen. Sonst hätte ich den Film vermutlich auch schon wieder nicht ertragen.

Als meine Freundin mir sagte, dass James McAvoy auch in „Abbitte“ – einem meiner Lieblingsfilme – mitgespielt hat, wollte ich das erst nicht glauben. Kurz nach dem Kinoabend habe ich mir dann nochmal „Abbitte“ (mein Beitrag hier) angeschaut – tatsächlich! Es ist ein extrem wandlngsfähiger Schauspieler, auf dessen schauspielerische Leistung man auch weiterhin gespannt sein darf. Beispielsweise in einem zweiten Teil von „Split“, denn der wurde bereits in diesem Film angedeutet…

„12 Years A Slave“ von Steve McQueen (2014)

Veröffentlicht: 12. März 2017 in Filme, Kultur

Etwas still ist es in diesem Blog geworden, was ganz sicher mit meiner inneren Verfassung zu tun hat. Doch ich kämpfe um die Struktur meines Alltags, denn das gibt mir Halt. Und also gibt es heute eine kleine Rezension, die schon ziemlich überfällig ist…

Dies ist die Geschichte eines Afro-Amerikaners, Mitte des 19. Jahrhunderts. Solomon ist ein freier Mann und lebt in New York, doch wird er nach Louisianna verschleppt und dort als Sklave verkauft. Die komplette Ungerechtigkeit seiner Situation und die menschenverachtenden Missetaten, die ungestraft an den Sklaven vorgenommen werden, werden gezeigt, und das ist natürlich grässlich. Toll gespielt hat Chiwtel Ejiofor den versklavten Solomon. Der Film ist nach einer wahren Geschichte entstanden, es ist die Verfilmung von dem gleichnamigen Buch von Solomon Northup, dem Mann, dem diese Leiden zugestoßen sind. Drei Oskars hat der Film abgesahnt, und das ganz sicher zu Recht!

TWELVE YEARS A SLAVE

Szenenbild aus „12 Years A Slave“ mit Chiwetel Ejiofor, Benedict Cumberbatch und Paul Dano; Bildquelle: Filmstarts.de

Dennoch: Es stellt sich bei mir momentan eine gewisse Müdigkeit ein, Filme zu schauen, die von einem schweren Schicksal handeln, das jemandem tatsächlich widerfahren ist – nicht, dass ich es nicht wichtig fände, diese Geschichten zu thematisieren! Aber die Betroffenheit, die sich beim Zuschauer einstellt: Was kitzelt sie heraus?? Wozu ist das gut? Bewirkt es irgendeine Art des Umdenkens??

Sicher ist dieser Film hervorragend gemacht, und ganz sicher sind die 3 Oskars sowie weitere Nominierungen wohlverdient. Aber geht die Rezeption weiter, als dass man sich betroffen die Backen hält? Und vielleicht, sollte man nah am Wasser gebaut sein, ein paar Tränen lässt? Und wenn ja, wozu? Ich will mich von einem Film berühren lassen, ohne Frage, aber ich wünsche mir auch, dass er etwas in mir auslöst, das mich in irgendeiner Form weiterbringt. Das mag ein anspruchsvolles Ziel sein. Aber ich mag es nicht, mich auf Kosten von Geschichten, in denen es den Menschen deutlich schlechter geht als mir, zu unterhalten – ist vermutlich das selbe Phänomen, das mich auch bei Krimis abstößt. Es gefällt mir einfach nicht.