Und dies war das ganze Programm im großen Saal der Elbphilharmonie:

Charles Ives: The unanswered question / Two contemplations Nr. 1 (1906)
Anna Thorvaldsdóttir: Aeriality (2011)
Haukur Tómasson: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 (Uraufführung)
Igor Strawinsky: L’oiseau de feu (Der Feuervogel) / Ballett in zwei Bildern mit Introduktion (1910)

Es ist ganz selbstverständlich, dass solche Stücke wie das von Charles Yves in einem so wundervollen Raum wie dem großen Saal der Elbphilharmonie einfach gespielt werden muss: Die Musiker haben sich auf die verschiedenen Ebenen innerhalb des Publikums verteilt, um genau zu sein, die Trompete, die die Fragen stellt, sowie die Geigen, die dem Dialog zwischen der Trompete und den antwortenden Holzblasinstrumenten – als einzige mit dem Dirigenten auf der Bühne verbleibend – einen unerschütterlichen Rahmen geben. Und so klingt der Saal, ist voller Musik, die einzelnen Standorte der Streichinstrumente vermag ich nicht auszumachen, und doch ist alles deutlich und klar zu hören. Die Geigen bilden einen mystisch wirkenden Grundton, der aber Halt gibt, wenn die Trompete 7 mal fragt, und die Holzbläser sich in Antworten versuchen, die von mal zu mal dissonanter klingen. Und sie tun es nur 6 mal. Die siebte Frage bleibt unbeantwortet, bleibt im Raum stehen, während die Streichinstrumente weitermachen. Es sind acht Minuten Musik, die es absolut in sich haben. Charles Yves hat es dem Dirigenten überlassen, wann die einzelnen Fragen und ihre Antworten über die ewigen Streicher gesetzt werden. Nur sollten die Streicher am Ende allein spielen, so die Vorgabe. Ein intensives Stück, das viel Raum für Interpretation und philosophischer Betrachtung lässt – toll!

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Anna Thorvaldsdóttir und Haukur Tómasson beim Einführungsgespräch

Anna Thorvaldsdóttirs Stück „Aeriality“ hatte ich mir schon auf Youtube angehört, um nicht unvorbereitet zu sein – am Ende war ich es doch: Denn so klar und deutlich setzen sich die einzelnen Musikinstrumente in dem (Klang-)Raum durch, wie es auf einem Video am heimischen Bildschirm nicht möglich ist.
Es ist schon merkwürdig: Bei isländischen Künstlern denkt man doch allemal zuerst an die großartige Natur des Landes, und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sehr viele isländische Künstler sich auch ihre Inspiration aus der Natur holen. Auch Anna kann davon nicht frei gewesen sein, wenn sie die Töne durch den Raum schickt wie eine bleierne Wolke, die doch bei näherem Hinhören gar nicht  homogen klingt – und die großartige Akustik setzt diesem Tribut: viele Einzelstimmen werden hörbar und transportieren sich. Die bleierne Wolke, die dann doch zu verfliegen und kurzfristig einem Sonnenstrahl Raum zu geben scheint… Der Titel Aeriality ist ein Wortspiel, vielleicht auch ein Hinweis, um diese Musik deuten zu können, die zunächst so düster daherkommt und sich dann ein Stück weit in Wohlgefallen auflöst. Anna Thorvaddottirs Musik hat mich so sehr an die großen Gemälde von Anna Gudjónsdóttir erinnert; ich sehe eine Verbindung zwischen der rätselhaften Verborgenheit einer Naturempfindung, die aber doch intensiv aus den Bildern spricht – und auch aus Anna Thorvaldsdóttirs Musik.

Das mit der Natur habe ich bei Haukur Tómassons 2. Klavierkonzert jedoch nicht in dem Maße herausgehört. Am Flügel saß übrigens Vigingur Olafsson (Jahrgang 1984!!), der sich in die hochabstrakte Gedankenwelt zeitgenössischer Musiker hineinzusetzen vermag – eine riesige Leistung! Die Töne zwischen Klavier und Orchester stehen in einem ständigen Dialog, bestehend aus vielen einzelnen Tönen und mehr oder eher weniger melodischen Versatzstücken, der mich eher an komplizierte mathematische Berechnungen erinnern lässt, als an Naturgewalten. Es ist ein toller Kontrast, der hier bei der Musikauswahl vorgenommen wurde: Die düster-bleierne Musik Annas gegenüber dem komplizierten und beinahe verspielten Gedankenspiel von Haukurs Komposition – beide großartig, beide so unterschiedlich! Auch dieses Stück habe ich sehr genossen.

Nach der Pause gibt es dann noch Strawinskys Feuervogel, der so ganz anders ist als das Stück von Charles Yves, obwohl doch beide im Abstand von drei Jahren – nämlich 1906 (Yves‘ Stück) – Yves war aber seinem Zeitgeist sehr weit voraus –  und 1910 – entstanden sind. Der Feuervogel ist ein tolles Stück, mit schillernden, beinahe verklärten Zügen, und dann wieder absolut wild und ungebändigt. Spätromantisch, halt. Herr Salonen hat auch dieses Stück mit viel Inspiration dirigiert, es war ganz großartig. Ich möchte so gern einmal diese Ballettmusik mit Tänzern sehen, ich muss mal schauen, vielleicht hat meine Hamburger Staatsoper das ja im Repertoire…

Im Anschluss an dieses unglaublich tolle Konzert, nach einiger Wartezeit und einem Freigetränk, um viertel vor 12 spielte im Rahmen des Island-Festivals, das ja diesen Februar in Hamburg stattfindet, noch Júníus Meyvant  aus seinem neuen Album »Floating Harmonies« auf. Es mag an vielerlei gelegen haben, dass mir dieses Konzert nicht zusagte. Zum einen war das andere Konzert mit diesen sehr ausdifferenzierten Tönen noch präsent. Wie soll da eine oder mehrere E-Gitarren gegenan kommen? Június ist ein Musiker der leisen Töne, mit seinen Brüdern und seinem Vater auf der Bühne kamen diese Jungs einfach nicht gegen die Aura eines ganzen Orchesters gegenan. Und ich will ja überhaupt nicht sagen, dass nicht auch Rock oder Pop in der Elphi gespielt werden sollten – aber diese Musik verlangte meiner Meinung nach nach einem anderen Rahmen, intimer, wo man dem Musiker nicht von hinten oben auf die ungekämmten Haare glotzt, sondern seine Mimik, überhaupt seine ganze Ausstrahlung viel näher mitbekommen kann. Ist meine Meinung. Und da ich eher gar nicht in Rockkonzerte gehe, ist es noch nicht mal eine fundierte…

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Eine dolle Bühnenschau, aber durch meine Perspektive von Bereich T1 auf der 16. Ebene hat sich die Musik nicht vermittelt

Spät ist es dadurch geworden, doch es war ein ganz besonderer Abend, von dem ich noch lange zehren werde. Tja, und die Elphi… die ist ein Thema für sich, die hier im Blog bald ihren eigenen Beitrag verdient.

Das war eines unserer Weihnachtsferienprojekte: All diese Filme nochmal hintereinander weg auf unserem heimischen Apparat zu schauen, und das war wirklich keine schlechte Idee…

Wir haben die Filme chronologisch der Geschichte nach geguckt, heißt, zunächst die Hobbit-Filme, dann Herr der Ringe. Auch das war eine gute Idee, nicht nur der Story im richtigen Ablauf zu folgen, sondern auch, weil sich die Qualität der Filme, die ja eigentlich von vornherein nicht schlecht ist, tatsächlich steigert.

Während die Geschichte des Hobbits von Tolkien ja auch „nur“ in einem Band Platz findet, ist spürbar, wie die Geschichte aufgeblasen wurde, um drei Filme produzieren zu können. So empfinde ich nun doch eine ganze Menge Längen in den Hobbit-Filmen, und einiges hatte mich schon im Kino genervt, wie z.B. das Gesabbele des Drachen in „Smaugs Einöde“. Die Geschichte zwischen der Elbin Tauriel und dem Zwerg Fili mochte ich sehr und fand es eine Bereicherung, aber streng genommen gehört sie dort nicht hinein, da sie im Buch auch nicht vorkommt.

Martin Freeman als Hobbit; Filmszene aus Der Hobbit: Eine unerwartete Reise; Bildquelle: Filmstarts.de

Martin Freeman als Hobbit; Filmszene aus Der Hobbit: Eine unerwartete Reise; Bildquelle: Filmstarts.de

Martin Freeman als Bilbo ist allerdings großartig. Martin Freeman kann sein komisches Talent voll entfalten, und er macht die Filme trotz aller Kritik sehenswert. Dennoch: als „Vorspiel“ taugen die drei Hobbitfilme sicherlich, doch hätten zwei Filme vielleicht auch gereicht.

„Herr der Ringe“ hat deutlich mehr Substanz, liegt dazu auch mehr Stoff vor. Viele Nuancen in den Persönlichkeiten der „Gefährten“ kommen zum Tragen (außer vielleicht beim schönen Legolas, gespielt von Orlando Bloom – irgendwie guckt der doch immer gleich, finde ich).

In allen sechs Filmen sieht man noch eine weitere Hauptrolle: und das ist Neuseeland, wo alle Filme gedreht wurden. Eine grandiose Landschaft ist das, rauh, vielfältig, lieblich, atemberaubend!

Aber: ach, naja. Insgesamt gesehen muss ich schon sagen, dass mir der Stoff um den Ring nicht sonderlich zusagt, und das betrifft sowohl die Bücher als auch die Filme. Ich sehe vielleicht, dass es gute Filme sind, und ich hatte durchaus meinen Spaß und meine Unterhaltung im Kino und jetzt auch wieder vorm Fernseher. Doch mein Lieblingsstoff wird es nie. Mir ist das zu kämpferisch, und abgesehen von einigen Wendungen, die mir gut gefallen (wie besipielsweise, wenn Bilbo den Arkenstein verschleppt und den Gegnern bringt, weil er erkennt, dass Thorin durch seinen Glanz komplett die Bodenhaftung zu verlieren droht), ist es einfach kein Lieblingsstoff von mir. Aber als Mutter eines 15jährigen mache ich hier sicherlich einige Zugeständnisse, und die mache ich auch gern.

 

„A single Man“ – Film von Tom Ford (2009)

Veröffentlicht: 5. Februar 2017 in Filme, Kultur

Nachdem ich neulich den sehr interessanten und unter die Haut gehenden Film „Nocturnal Animals“ gesehen und in Deborahs Rezension von Tom Fords erster Regiearbeit gelesen habe, musste ich mir diesen Film einfach unbedingt anschauen. Und: es hat sich gelohnt…

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Colin Firth und Julianne Moore in „A single man“; Bildquelle: Filmstarts.de

Anfang der 60er Jahre, in Los Angeles: Der Literaturprofessor George (genial gespielt von Colin Firth) kommt über den Tod seines Lebensgefährten nicht hinweg. Nach acht Monaten der Trauer und des Alleinseins – keine Frage, dass er sich als Schwuler zur damaligen Zeit nicht outen konnte, ohne gesellschaftliche und andere Restriktionen zu erfahren – entschließt er sich, Selbstmord zu machen. Der Film handelt von seinem letzten Tag, und dieser ist – einfach perfekt. Wunderschön.

Seine Haushälterin ist sehr bemüht, seine Assistentin an der Uni sieht heute besonders schön aus, und in seiner Vorlesung kommt er auf existentielle Themen zu sprechen, während seine Studenten ihm an den Lippen hängen. Besonders ein junger Student nimmt intensiv Anteil, und intuitiv spürt dieser, dass es ein besonderer Tag für George sein muss…. Am Abend trifft George ein letztes mal seine beste Freundin (toll und intensiv gespielt von Julianne Moore), die es zutiefst bedauert, dass George, den sie liebt, homosexuell ist. George wird geliebt, er findet Beachtung, das sind die wichtigen Dinge, die er an seinem letzten Tag erfährt – dessen Ende dann doch ganz anders verläuft als erwartet…

Es ist ein ruhiger Film, und ich als Zuschauerin kann mich in das Gefühlsleben von George hineinversetzen. Immer wieder erinnert er sich in Rückblenden an Episoden aus seinem Leben mit seinem Freund, mit dem er 16 Jahre zusammen war. Das Leben erscheint ihm nun trist – und auch die Farben im Film sind es. Doch wenn ihn Leben durchflutet, er das Hier und Jetzt genießt, gewinnen die Bilder an Farbigkeit – beinahe bis hin zu überbordender Bonschehaftigkeit – wie auch Georges Leben lebendig und bunt wird, für einen Moment.

Es ist ein wunderbarer Film, intensiv, und mit Colin Firth und Julianne Moore genial besetzt. Nicht zu vergleichen mit den „Nocturnal Animals“ (der auf ganz andere, viel subtilere Weise unter die Haut ging), aber auf jeden Fall berührend und voller Romantik.

Tja, und was mache ich jetzt? Wenn Tom Ford in dem zeitlichen Abstand weiter produziert, habe ich eine ziemliche Durststrecke vor mir…. Tom Ford muss ja auch eine schillernde Persönlichkeit sein, ein Alleskönner, oder? Bringt als Modeschöpfer erst Gucci wieder auf die Beine, und dann fängt er an, Filme zu drehen – und was für welche! Faszinierend…

„La La Land“ – Film von Damien Chazelle

Veröffentlicht: 29. Januar 2017 in Filme, Kino, Kultur

Ich gebe zu, ich bin ein wenig neugierig auf den Film geworden, nachdem ich hörte, dass er beim Golden Globe so viele Preise abgesahnt hat. Und nun bin ich einmal mehr abgrundtief enttäuscht und auch abgestoßen von der amerikanischen Filmkultur und erst recht vom Golden Globe.

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Emma Stone und Ryan Gosling beim Step – Filmszene aus „La La Land“. Quelle: Filmstarts.de

Die Geschichte handelt von zwei jungen Künstlern (Mann und Frau), die als Schauspielerin bzw. Jazzpianist in Los Angeles auf den großen Durchbruch hoffen. Sie lernen sich kennen und lieben – doch harmoniert ihre Beziehung auch mit ihren Selbstverwirklichungsplänen? Während der Beantwortung dieser Fragen wird viel getanzt und gesungen – an sich nichts Schlechtes in Filmen. Aber ganz sicher absolut nichts Neues. Wie behauptet wird. Weswegen der Film wie gesagt überhäuft wurde mit Preisen. Für mich absolut überhaupt gar nicht nachvollziehbar. So finde ich die Tanz-Szenen und anderen Choreografien in „Hail Cesar“ – hier als Persiflagen – deutlich erfrischender als dieses hier, zumal die Handlung nicht halb so originell war, wie der Film der Coen-Brüder.

Emma Stone, die die weibliche Hauptrolle übernommen hat, hat ohne Frage ein schönes und interessantes Gesicht. Aber kann man sich ehrlich nach kurzer Zeit noch merken, wie Ryan Gosling aussah, ihr männlicher Gegenpart?

La La Land – übrigens ein Synonm für Los Angeles – ist ein Film, der L.A. feiert und die Filmindustrie: Je quietschbunter und oberflächlicher, um so besser. Es ist ein Film aus der Traumfabrik, der wiederum nichts anderes als einen Traum fabriziert hat. Bunt und schön und schön blöd. Finde ich.

Wenigstens vielleicht ein guter Stoff für ein Musical auf der Bühne, darauf könnte man sich dann vielleicht ein wenig freuen, wenn man in Musicals geht…

 

Ich habe ja, da ich im letzten Jahr ein 3-Veranstaltungen-Abonnement hatte, schon vor langer, langer Zeit einen Brief von der Elbphilharmonie bekommen, ob ich nicht wieder… Naklar, und ob ich wollte! Der Preis war zudem sowas von unschlagbar, dass ‚Nein‘ zu sagen echt Sünde gewesen wäre.

Und so bin ich also in den Genuss eines der Eröffnungskonzerte der Elbphilharmonie gekommen, was mich aus verschiedenen Gründen ganz glücklich gemacht hat…. In einem anderen Artikel werde ich mich noch über das Gebäude ausmehren, das mir ausnehmend gut gefallen hat. Jetzt geht es aber um das Konzert.

Darüber zu schreiben, fällt mir wie immer schwer. Musik beschreiben, als blutige Laiin ist ein haariges Unterfangen, aber ich will es mal probieren.

Wolfgang Amadeus Mozart: Streichquartett d-Moll KV 417b
Während man von Mozart eher leichte, fröhliche Musik kennt, kommt dieses Musikstück tragend und schwer daher: in Moll-Tönen eben. Die Umstände, unter denen es Mozart aufschrieb – meist hatte er die Kompositionen schon fertig im Kopf, bevor er ans Notieren ging – muten geradezu  exzentrisch an: Seine Frau Constanze liegt nämlich, sich in Wehen immer wieder vor Schmerzen krümmend, kurz vor der Geburt des ersten Sohnes. Mozart soll nun also daneben gesessen haben und seine Arbeit immer wieder unterbrochen haben, um seine Frau zu umsorgen oder ihre Hand zu halten. Sobald sich Constanzes Situation wieder ein wenig entspannt hat, soll er wieder an seine Arbeit zurückgekehrt sein. So erzählt Constanzes zweiter Ehemann. Will man dies Werk also autobiografisch betrachten, so wundern mich die Moll-Töne, und sie wundern mich nicht. Die Geburt ist doch eine riesig gefährliche Angelegenheit, zumal im Entstehungsjahr 1783, als Kaiserschnitte noch nicht gang und gäbe waren. Zugleich bedeutet die Geburt – zumal des ersten Kindes – so oder so einen starken biografischen Einschnitt. Vielleicht also ist auch ein Stück Abschied in dem Stück herauszulesen, von der eigenen Kindheit und ganz sicher von der Unabhängigkeit. Mag sein, dass Mozart genau solches mit zum Ausdruck bringen wollte. Ich fand es sehr schön. Doch so flüchtig wie Musik nun mal ist, ist mein Gehör ungeübt, und mehr kann ich leider nicht dazu schreiben.

Ludwig van Beethoven: Streichquartett f-Moll op. 95 »Quartetto serioso«
Beethoven muss ein Mann von recht launischer und eigener Natur gewesen sein, und so ist auch dieses Stück Gefühlswallung in Reinkultur. Wut stecken in den Noten, Heftigkeit und Unausgeglichenheit. Dieses Temperament wussten die vier Streicher des Quatuor Ebène bestens herauszuarbeiten. Schon lange möchte ich einmal mehr über Ludwig van Beethovens Biographie wissen. Laut Programmheft war Herr Beethoven oft verliebt und schien zur Entstehungszeit dieses Stücks gerade einmal mehr von einer Frau abgewiesen worden zu sein.

Maurice Ravel: Streichquartett F-Dur:
Das Stück von Ravel stellte für mich den Höhepunkt des Abends dar, die Streichinstrumente bildeten ein wunderbar harmonische Einheit, und so löste das Stück in mir eine Welle von ästhetischer Schwelgerei aus, denn so wunderbar war das Zusammenspiel der vier Instrumente, die zudem auf vielerlei Weisen gespielt wurden. Auf wohlklingende Einheiten folgten Pizzicati, und die Instrumente konnten auch durch die vieltönige Melodik ihre komplette Bandbreite demonstrieren. Zwischendurch entstanden in mir Bilder von Naturlandschaften von größter Harmonie. Es war toll.

Das Publikum raste am Schluss, und die temperamentvollen jungen Musiker, die ihren Emotionen schon beim Spiel der Instrumente deutlich zeigten (so dass sie öfters durch Aufstampfen des Fußes bei Tempowechsel den Stücken eigene Geräusche – natürlich sicher ungewollt – hinzufügten) zeigten in zwei Zugaben, wie groß ihre künstlerische Bandbreite ist. Von einer ohnehin obsoleten Unterscheidung zwischen E- und U-Musik halten die Jungs jedenfalls nichts! So spielten sie einen rasanten Tango von Astor Piazola, der uns echt vom Hocker riss, und dann noch ein Stück von Miles Davis (glaube ich).

Das Quatuor Ebène ist auf jeden Fall einen Konzertbesuch wert! Oder besser: nicht nur einen!

Nicht nur, weil ich Paula Modersohns Bilder sehr mag – und das bereits vor unseren Besuchen in Worpswede – wollte ich den Film unbedingt sehen. Es steht auch eine große Ausstellung in meinem geliebten Bucerius Kunstforum an. Und außerdem interessiert mich natürlich immer das Thema „Die Frau und die Kunst“. Es gibt also genug Gründe für mich, dass ich diesen Film unbedingt sehen wollte. Und es hat sich sehr gelohnt, wenn ich auch einige Abstriche zu machen habe…

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Carla Juri als Paula Modersohn-Becker; Filmszene aus „Paula“; Bildquelle: Filmstarts.de

Paula Becker ist auch mt 24 Jahren nicht verheiratet, was ihrem Vater Sorge bereitet. Malen will sie, naja, das geht ja noch – aber Künstlerin werden? Aber sie hat es sich in den Kopf gesetzt und nimmt Malkurse in dem von Bremen aus gesehen nahen Worpswede (interessant, dass diese Tradition schon so lange besteht, denn das kann man auch heute noch klassischerweise dort machen). Dort lernt sie den früh verwitweten Maler Otto Modersohn (und seine kleine Tochter) kennen – und lieben. Und endlich kommt sie unter die Haube – und kann zudem ihrem Traum, sich auch künstlerisch zu verwirklichen, näher kommen.

Und hier wird es für mich etwas haarig, was die Geschichte im Film angeht. Einige biografische Gegebenheiten wurden nicht genau übernommen (allerdings welcher Film tut das schon), sondern werden zur Setzung dramatischer Höhe- oder Wendepunkte verändert. So ist Paulas Abreise nach Paris an ihrem 30. Geburtstag in dem Film die erste und einzige Reise, während sie schon tatsächlich drei Parisaufenthalte vorher  absolvierte, bevor sie sich endgültig von Paul Modersohn trennte. In dem Film spitzt sich daher auch schon vorher zu, dass Paula sich als Künstlerin dennoch den ehelichen Pflichten unterzuordnen hatte. Den Grund, warum sie beispielsweise nicht schon gleich nach Eheschließung schwanger wurde, betrachte ich hier ebenfalls mit einiger Skepsis, wiewohl ich ihn schlüssig und hochineressant finde – spricht es doch sehr für Otto Modersohns Zugewandtheit zu seiner Frau. Aber ob es so war???

Die Beziehung, so wie sie zwischen Paula und Otto in dem Film dargestellt wurde, hat mich sehr berührt. Aber auch die Bilder – von beiden – sind großartig. Paula Modersohn-Beckers Gemälde bestechen durch ihre Einfachheit und Tiefe der Gefühle, sie haben etwas extrem Authentisches, während Otto Modersohns Bilder poetisch und perfekt gemalt sind.

Carla Juri ist eine ganz wunderbare Paula, temperamentvoll, etwas naiv, aber willensstark, und in jeder Minute absolut glaubwürdig. Toll! Und die Worpsweder Landschaft in dem Film wurde großartig in Szene gesetzt (da möchte ich unbedingt mal wieder hin). Man muss eben nur aufpassen, dass man die Geschichte des Films nicht mit Paulas eigentlicher Biographie verwechselt.

Als alter Harry-Potter-Fan lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, mir jedes Fitzelchen von dieser Geschichte reinzuziehen. Egal, was es ist… Und also war klar, dass auch das neue Theaterstück irgendwann mein Nachttischchen beehren würde.

Was soll ich sagen… Es hat riesig Spaß gemacht, alte (und gealterte) Bekannte wiederzutreffen, von Zaubersprüchen zu lesen, die längst Einzug ins Langzeitgedächtnis genommen haben, einfach nochmal in dem reichen Fundus zu schwelgen, den uns Joanne K. Rowling mit ihrem komplexen Romanwerk hinterlassen hat. Ich hatte auch gar nicht erst die Erwartung, dass das Theaterstück, das ja noch noch nicht einmal aus Joanne K. Rowlings Feder stammt (auch wenn sie es in ihre Obhut genommen hat), die Romane übertreffen könnte. Aber hätte ich sie gehabt, wäre sie absolut enttäuscht worden.

Nach diesen Abstrichen hat dieses Puzzle aus dem Siebenteiler „Harry Potter“ aber durchaus Spaß gemacht. Dreh- und Angelpunkt ist das trimagische Turnier, das Thema das vierten Buches ist – und das ich immer als besonders unheimlich empfand. Besonders tragisch war der Tod von Cedric Diggory, der ja tatsächlich mehr oder weniger zufällig sein Leben verloren hat. Hier knüpft die Geschichte an mit der durchaus philospophischen Frage, ob eine Veränderung der Vergangenheit möglich ist. Für Zauberer, die im Besitz eines Zeitumkehrers sind – einem höchst gefährlichen und umstrittenen Accessoires – wäre dies machbar – jedoch mit welchen Konsequenzen…

Im Mittelpunkt steht Albus Severus Potter, der mittlere Sohn der drei Kinder von Harry und Ginny Potter, der als einziger dem Hause Slytherin zugeordnet wurde, was eines seiner von ihm empfundenen Makel darstellt. Doch im Sohn von Draco Malfoy, Scorpius, findet er einen verlässlichen Freund, eine Tatsache, die die Eltern nur schwer akzeptieren können, waren doch die jeweiligen Väter zu Schulzeiten verfeindet. Aber das ist 19 Jahre und länger her, Harrys Narbe schmerzte schon ewig nicht mehr, und über die Geschichte mit dem dunklen Lord ist Gras gewachsen. So jedefalls dachte man, bis… und hier setzt nun die spannende Geschichte des Theaterstückes ein, die sich auch wunderbar lesen lässt und ehrlich gesagt nach Verfilmung schreit… Wie man dies Stück auf die Bühne bringen kann, weiß ich nicht so recht, aber es hat ja schon einmal funktioniert (die Uraufführung war letztes Jahr in London). Hätte ich gern gesehen.

Ja, also, ich finde nicht, dass man das Theaterstück unbedingt lesen muss, und es zu lesen ohne die Romane zu kennen, würde auf jeden Fall deutlich weniger Spaß bringen. Aber den hatte ich auf jeden Fall!

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