liebhaberohnefestenwohnsitzDas Hörbuch hatte ich meinem Schatz geschenkt, vor gar nicht allzu langer Zeit, aber doch lang genug her, als dass er es noch mit Genuss hören konnte. Das Buch hatte ich ja selbst schon vor einiger Zeit gelesen, nun war ich neugierig, was er damals so sehr an Sophie Rois‘ Einlesung genossen hatte.

Die Geschichte war auch beim zweiten Mal spannend und auf eine angenehme Weise phantastisch sowie originell (und diesmal hatte ich eigentlich gar nichts mehr an der Geschichte auszusetzen, was etwas anders beim ersten Lesen war, s. meinen Blogbeitrag von damals), und Sophie Rois hat sie wirklich sehr pointiert gelesen.
Der Hauptprotagonist hatte die Angewohnheit, auf so manche Frage statt verbal zu antworten, einen gewissen Laut auszustoßen, eine Art hörbaren Seufzers, beredter vielleicht als viele Worte, wenngleich vielsagend unverbindlich, aber doch deutlich seinem Gefühl Ausdruck verleihend, auf diese Frage vielleicht gar nicht aufgrund seiner geheimnisvollen Herkunft und Geschichte antworten zu können – oder zu dürfen. Von Sophie Rois‘ Umsetzung dieses Lautes hat mir mein Schatz vorgeschwärmt. Und es stimmt: Dieser Seufzer ist ihr großartig gelungen.

Dieses Buch macht zudem einmal mehr Lust, die wunderbare Stadt Venedig zu besuchen, denn dort spielt der Roman. Ich jedenfalls habe große Lust bekommen, dort wieder einmal hinzufahren, jedoch kann ich mir kaum vorstellen, dass ich noch einmal dort hinfahre. Es ist vielleicht der einzige Ort auf der Erde, der mir aufgrund der Umstände versagt ist, erneut zu besuchen.

Es hat mir dennoch große Freude gemacht, das Buch ein zweites Mal zu genießen, und da ich ja nach Kassel und Münster unterwegs mit Bahn und Bus war, hatte ich auch genügend Muße, es zu hören. Empfehlenswert!

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Skulpturenausstellung Münster

Veröffentlicht: 23. September 2017 in Kultur, Kunst, Ausstellungen

Alle zehn Jahre, immer im Documenta-Jahr, werden auf Münsters öffentlichen Straßen und Plätzen Skulpturen von Gegenwartskünstlern ausgestellt – Grund genug, einen Abstecher in diese schöne Stadt zu machen!

Dieses Mal empfand ich die ausgestellte Kunst etwas arg sperrig, doch auch das hatte unbedingt was. Die Kunst war irgendwie auf dem Sprung, wollte verschwinden, schien die Betrachter zu beobachten – oder schien sich auf andere Weise zu zieren, (wohlwollend oder auch nicht ) rezipiert zu werden. Jedenfalls einige Kunstwerke…

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Da steht beispielsweise ein Schwertransporter vorm Museum (aufgestellt wurde er von Cosima von Bonin und Tom Burr), auf seiner Ladefläche steht ein Kasten, genau in der Größe der Skulptur von Henry Moore (die dort aber schon lange steht). Man könnte meinen, die Kunst würde von hier wegtransportiert werden…

Mit auf dem Foto ist eine Zeichnung an der Wand, und in diesem Stile gibt es noch mehr von dieser Art Wandschmuck. So weit ich es erinnere, sind immer fallende Figuren dargestellt. Irgendwie haben die Zeichnungen, angebracht vom Künstler namens Sany, etwas Heiteres an sich, und doch wirken sie fremd, und das Fallen an sich assoziiert eine plötzliche Bewegung, dazu tragisch. Ist das Kunst oder kann das weg? Gute Frage. Und ich glaube, tatsächlich es ist diese Frage, die sich hier tiefgründig auftut.

muenster_steinblockEbenso rätselhaft und dazu irgendwie falsch ist die Skulptur, aufgestellt von Lara Favaretto, die vis a vis dem sogenannten Traindenkmal gegenübersteht. Sie ist aber gar nicht das, was sie zu sein scheint: sie sieht zwar aus wie ein grob behauener Steinblock, ist es aber nicht. Vielmehr ist der vermeintliche Steinklotz innen hohl, ein Fake, sozusagen.

Und dann war da noch der fiese Kringel von Nairy Baghramian. Beinahe trotzig liegt er da im Vorhof des Erbdrostenhofes, und er erinnert an eine schnell gezeichnete Markierung in einer Landkarte. So spröde dieser Kringel auch wirken mag, so scheint er doch einer höheren Macht entsprungen, die vielleicht eine Ordnung verfolgt, die nicht im Sinne von uns Bürgern ist… Das wiederum finde ich beinahe unheimlich, gerade zu diesen Zeiten, wo der eine oder andere Politiker (oder auch gleich mehrere) durchzudrehen scheint und Dinge beschließt – vielleicht vor einer Landkarte -die an und für sich schon gruselig sind…

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Noch ein weiteres Werk will ich nennen, um meine vorangestellte These zu stützen: die freche Installation von Michael Dean. Der Künstler hat den Innenhof des Museums mit Folie abgehängt. Nur durch einige Gucklöcher kann man Ausschnitte auf die Installation werfen, was neugierig macht. Doch man kann sie auch durch einen Eingang begehen. Und steht dann zwischen rätselhaft angeordnetem Schrott mit Betonfüßen… Angeblich sollen die Teile der Installation in Form eines f in Schreibschrift angeordnet sein, ich konnte das nicht erkennen. Auch dieses Werk entzog sich mir und ließ mich weder an einer Ästhetik noch an einem Bedeutungsansatz teilhaben.

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Ich muss zugeben, dass ich mich besser einer Führung angeschlossen hätte, ohne dies blieb mir der Zugang zu vielen der Werke verschlossen, wenn sie nicht genau dies bewirken sollten. Trotzdem habe ich den Tag in Münster sehr genossen, die Stadt ist entzückend und macht auf mich einen weltoffenen Eindruck, nicht zuletzt, weil man hier an allen Ecken und Enden Kunst sieht, denn viele Werke sind aus den vorangegangenen Skulpturenausstellungen ins Stadtbild integriert worden.

Besuch der Documenta 14

Veröffentlicht: 9. September 2017 in Ausstellungen, Gedanken, Kultur, Kunst

Ich maße mir nicht an, dass ich in den 1 ½ Tagen in Kassel wirklich einen Überblick über die gesamte Documenta bekommen habe, zumal ich bei weitem nicht alle Ausstellungsorte besucht habe. Es ist bei einer Auswahl geblieben, mehr oder weniger willkürlich. Da uns schon vorher klar war, das wir nicht alles „schaffen“ werden, haben wir uns das auch gar nicht vorgenommen, sondern wir versuchten, den kleinen Ausschnitt auf uns in Ruhe wirken zu lassen und zu genießen.

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Der Parthenon der Bücher

Unser Rundgang begann klassischerweise am Friedrichsplatz, wo die argentinische Künstlerin Marta Minujín den Parthenon aus Athen nachbauen ließ und den „Parthenon der Bücher“ aufbaute, indem sie an Metallgestellen lauter Bücher festband, die irgendwo auf der Welt schon mal verboten waren. Um die Bücher zu schützen, hat sie sie mit Plastik umwickeln lassen. Und um den Parthenon wirklich voll zu machen, waren Mehrfachhängungen unumgänglich. Vom nahen betrachtet ergab sich für mich kein besonders beeindruckendes Bild. Die Materialien wirkten billig, und die Auswahl finde ich persönlich zu willkürlich, da findest Du Bücher von Solschenizyn neben Brecht, aber da findest Du auch Bücher von Goethe und jede Menge Harry Potter. Mir schien das zu willkürlich; kann man vielleicht sagen, dass sehr, sehr viele Bücher aus den verschiedensten Gründen irgendwo auf der Welt mal verboten waren? In der Abendsonne ergab sich später dann doch noch ein einigermaßen ästhetischer Anblick, was mich ein wenig versöhnte. Aus welchen Gründen auch immer, habe ich den Anblick bei Dunkelheit – durch eine spezielle Beleuchtung sollte das dann sehr schön aussehen – verpasst.

In den Karlsauen war diesmal nicht viel zu sehen. Die „Blutmühle“, ein großes Holzkonstrukt, in das einstmals Sklaven festgebunden wurden, die durch ein ständiges Im-Kreis-Laufen dafür sorgten, dass Münzen geprägt wurden, war nicht in Bewegung, und der schmale Streifen, in dem der Künstler Lois Weinberger verschiedene Wildpflanzen sich ansiedeln lässt, musste vermutlich noch erst in Gang kommen, aber die Fragestellung ist interessant: Wem gehört die Erde, auf der sich die Pflanzen ansiedeln, auch wenn sie von weit her kommen…?

Und das ist sicherlich ein Schwerpunkt, ein Thema, das von vielen Künstlern auf dieser Mammutveranstaltung aufgegriffen wurde: Was bedeutet Identität, was ist Heimat, was ist die Fremde? So gab es viele Installationen, die sich auch mit der Frage beschäftigten, was es bedeutet, dass viele Urvölker durch die Globalisierung oder durch den Eingriff des Staates ihre Kultur und Tradition verlieren. Nachdenklich gemacht hat mich das Werk von Susan Hiller („Lost and Found“): Hier wurden in einem dunklen Raum Tonspulen von Sprachen abgespielt, die vom Aussterben bedroht sind (oder mittlerweile ausgestorben sind), dazu gab es eine Aufzeichnung ihrer Schallwellen. Es macht mich traurig, zu erfahren, wie viel an Kultur anderer Völker einfach verschwindet…

Abgesehen von der sehr interessanten Dauerausstellung des Museums für Nekromantik gab es auch dort interessante Exponate. Das Künstlerduo Prinz Gholam beispielsweise stellt in seinen Videos Posen alter griechischer Statuen nach, was sich auf einem Friedhof, am Rande eines Amphitheaters oder vor einem Säulenarrangement merkwürdig ausnimmt, zumal die beiden Alltagskleidung tragen. Besonders spannend fand ich eine Fotoreihe von Thomas Dick mit Bildern australischer Ureinwohner, die beim Fischen und Jagen gezeigt wurden. Es sind Szenen, die man heute in dieser Form ganz sicher nicht mehr sehen kann…

Foto von Thomas Dick

Viele Exponate in der Documentahalle greifen dieses Thema wieder auf: Da gibt es gleich zwei Räume, die Fotos, Dokumente, Kleidungsstücke und Musikinstrumente des Musikers Ali Farka Touré aus Mali zeigen. Was ich davon mitnehme, ist der Stolz auf sein Heimatland, seine Identifizierung mit Mali als Ausgangspunkt seiner Kreativität. Allerdings ist Touré hier nicht der Künstler, sondern Ingo Diarra, der meiner Meinung nach genau dies zeigen wollte. Berührend fand ich auch den hinteren Teil der Documentahalle, mit Werken des afrkanischen Künstlers El Hadji Sy, der mit den Füßen seine Bilder auf grobes Sackleinen malte und zum Teil Seile als zusätzliches Gestaltungselement hinzunahm. Dazu wurde leise afrikanische Musik gespielt, und so entstand eine besondere Stimmung.

Ausschnitt aus einem Stickwerk von Britta Marakatt-Labba

Mit großem Interesse habe ich die vielleicht 15 Meter lange Stickerei der Samin Britta Marakatt-Labba angeschaut, die auf ihrem Exponat von dem Leben hoch oben in Lappland erzählt (und tatsächlich befinde ich mich, während ich diesen Text geschrieben habe, in Lappland, aber das nur nebenbei). Die Samen leben im hohen Norden, in Lappland über Norwegen, Schweden, Finnland und Russland verteilt und in jedem der Länder bilden sie eine Minderheit, die sich durch die Staatenteilung nur schlecht zusammenschließen kann, um für ihre Rechte und Lebensweise einzutreten. Diese einzige Urbevölkerung Europas hat also kaum ein Organ, um gehört zu werden. Und da sie in einem Gebiet lebt, das voller Bodenschätze steckt, lässt sich leicht ausmalen, was mit dieser Kultur in Zukunft zu geschehen droht…

Wie ein riesig großes Mobile hängen in verschiedenen Blautönen Stoffe von der Decke – dies ist die Demonstration von Ergebnissen aus alten Färbetechniken, für die der Künstler Aboubakar Fofane einsteht. Auch hier ist eine Stück Kultur vom Aussterben bedroht, denn das industrielle Einfärben von Stoffen ist natürlich effektiver… Es sind übrigens ganz besonders schöne Blautöne, und viele verschiedene…

Das Friedericianum ist auf dieser Documenta der Ort für einen Museumstausch: Zu Gast ist das Athener Museum für Gegenwartskunst, das mit beeindruckenden Kunstwerken aufwartet, in denen häufig auf die Kultur der griechischen Antike zurückgegriffen wird: Teilweise auf Mythen, teilweise aber auch auf die Philosophie oder Politik. In einer Videoinstallation wurden Stellungnahmen zu der Frage, was Demokratie sei, aus verschiedensten Ländern zusammengestellt. Die Künstlerin Janine Antoni geht ganz anders vor: Sie hat nächtelang ihre Augenbewegungen während des Schlafens aufgezeichnet und das entstandene Muster in einen riesenlangen Teppich verwebt. Da muss einiges passiert sein, in ihren Träumen! Und wer sagt, dass nicht auch Odysseus seine Abenteuer nur (oder wenigenstens) geträumt habe?

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Webteppich von Marielou Schultz

Die Abstecher in die Neue Galerie und in die Neue neue Galerie waren ebenfalls sehr lohnenswert. In der neuen Galerie geht es im Untergeschoss auch nochmal um die Wurzeln, die Identität, beispielsweise, wenn die alte Webkunst irgendwo in Südamerika verloren gegangen ist, weil eine Fabrik für Mikrochips die Arbeiterinnen angeworben hatte. Nun sehen wir hier wunderbar handgewebte Teppiche, die aber nicht die alten Muster zeigen, sondern vielmehr riesengroße Muster der Mikrochips. Die afrikanische Künstlerin Otobong Nkanga hat Seife hergestellt, die neben ausgewählten Ölen auch einen beträchtlichen Anteil an Kohle beinhaltet, was sie schwarz macht – ein vielschichtiges Werk, da es auf die Ausbeutung der Menschen im Kohlebergbau hinweist und die Frage, ob man sich mit dieser Seife wohl die Hände in Unschuld waschen könne?

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Auschnitt aus einem bearbeiteten Foto von Gauri Gill und Rajesh Vangad

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Ebenfalls von Gauri Gill und Rajesh Vangad

Ich habe hier längst nicht alle Ausstellungsorte angerissen und erst recht nicht alle Werke, das geht auch nicht. Aber es waren zwei tolle Tage auf der Documenta, schwer verdauliche Kost, wie eigentlich üblich, und mir scheint, dass die Exponate in eine bestimmte Richtig zielten, nämlich in die nach der Frage der Identität, dem Anderssein und -denken, und nach der Frage, was es bedeuten wird, wenn die Vielfalt von Kulturen immer mehr und für immer verloren geht.

‚The Party‘ – Film von Sally Potter

Veröffentlicht: 13. August 2017 in Filme, Kino, Kultur

Eine Frau öffnet die Tür und richtet eine Pistole frontal auf uns Publikum – damit beginnt der Film. Und gleich wirft er also die Frage auf: Warum? Was ist geschehen? Dies wird in den kammerspielartigen restlichen 70 Minuten nun aufgerollt.

Endlich hat Janet (Kristin Scott Thomas) den Höhepunkt ihrer Karriere erreicht: Sie wird zur Gesundheitsministerin ernannt. Dies Ereignis will sie mit ihrem Mann Bill (Timothy Spall) und einigen engen Freunden feiern. Doch ihr Gatte wirkt einigermaßen teilnahmslos, und auch ihre anderen Gäste wie ihre beste Freundin April, ihres Zeichens Zynikerin, mit ihrem esoterischen und etwas abgehobenen Freund Gottfried oder das lesbische Pärchen Martha und Jinny sowie der hypernervöse Banker Tom (Cillian Murphy), dessen Frau erst später nachkommen will, tragen an ihren eigenen Problemen schwer. Die Geschichte nimmt ihren folgenschweren Lauf, als Bill eine Mitteilung macht, über dessen Folgen und den entsprechenden Ausführungen letztendlich die komplette Partygesellschaft ins Straucheln gerät…

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Szenenbild mit Timothy Spall aus „The Party“; Bildquelle: Filmstarts.de

Es ist ein hochintensives Kammerspiel, das durch die perfekte Besetzung mit Timothy Spall, Bruno Ganz, Kristin Scott Thomas, Cillian Murphy und allen weiteren DarstellerInnen brilliert. Das lässt beinahe über die dramaturgischen Schwächen des Stückes hinwegsehen, denn nicht jeder der Konflikte ließ sich für mich nachvollziehen. Der Schluss war dann ein Knaller, der mich ganz unvorhergesehen einholte. Ich bin jedoch nicht ganz überzeugt, dass er vom Ende betrachtet vollkommen schlüssig war, das wage ich dann doch zu bezweifeln.

Dennoch war es ein amüsanter Kinoabend, und die sorgfältig ausgeleuchteten Schwarzweißbilder stellten auch einen ästhetischen Genuss dar. Wer also schon ‚Der Gotte des Gemetzels‘ mochte, wird bei diesem Film ebenso auf seine Kosten kommen.

‚Pi‘ – Film von Darren Aronofsky (1999)

Veröffentlicht: 12. August 2017 in Filme, Kultur

Der Mathematiker Max Cohen (Sean Gullette) ist dem Geheimnis aller Dinge, der Lösung aller Probleme auf der Spur: Hinter der Zahl Pi verbirgt sich seiner Erkenntnis nach vermutlich die Antwort auf – einfach alles. Egal, ob es sich um den Aktienverlauf handelt oder um die Frage nach Gott: Die Antwort versteckt sich hinter dem Algorhythmus um Pi. Nun gilt es für Max, den Beweis zu erbringen. Doch neben seinen heftigen Migräneattacken, die ihn behindern, spackt auch noch sein Computer ab. Und wer alles verfolgt ihn, um an der Lösung teilzuhaben?

Szenenbild aus „Pi“ mit Sean Gullette; Bildquelle: Filmstarts.de

Der Film bleibt ganz in der speziellen Wahrnehmungswelt des Mathematikers verhaftet, und das bezieht sich auch auf die Optik: auf die grobkörnigen Schwarzweißbilder, in denen der Film gedreht wurde. Kaum mehr als schemenhaft erschließt sich ihm die Umgebung, und das zeigt auch seine Verbohrtheit, mit der er seiner These nachhängt, auch wenn sein Freund und ehemaliger Mentor ihn warnt, der Sache ganz und gar auf den Grund zu gehen und damit wie er einst seine Gesundheit zu gefährden.

Mit der steht es nämlich eh nicht so gut. Immer wieder quälen ihn diese heftigen Migräneattacken, und auch diese erleben wir Zuschauer ganz unmittelbar. Und das ist zweifellos die Stärke dieses Filmes: wir Zuschauer bleiben ob der Intensität der Bilder nicht nur unbeteiligte Zuschauer, vielmehr werden wir durch die Kameraführung und diese Schwarzweißbilder in den Schmerz, die Halluzinationen und das Erleben des Hauptprotagonisten hautnah, geradezu intim mit einbezogen.

Dadurch ist das Schauen dieses Films ein beinahe psychedelisches, äußerst spannendes Filmerlebnis, auch wenn die Handlung wirr ist und äußerst schräg. Dennoch sehr lohnenswert!

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Dieser Roman wurde schon 1967 veröffentlicht, aber erst 2014 ins Deutsche übersetzt. Besser spät als nie…!!!

An einem Ort am Meer haben sich junge, sehr reiche Leute in den 1920er Jahren ein Anwesen gekauft, um ihre Sommer dort zu verbringen mit Schwimmen, Wasserski fahren, Reiten, Malen und Feiern. Die Bediensteten beobachten das Treiben der Reichen genau und besprechen es untereinander. Zu ihnen gehört auch der Gärtner, der schon seit Jahrzehnten den zugehörigen Garten pflegt, und der sich mit Bediensteten und Herrschaften gleichermaßen gut versteht. Durch seine Schilderungen über sechs Sommer lang lernen wir die Menschen, Tiere und Pflanzen um ihn herum kennen und lieben, wie auch er es tut. Als eine Villa auf dem Nachbargrundstück gebaut wird und ein alter Freund der nachbarlichen Hausherrin einzieht, hat dies grundlegende Konsequenzen…

Der Gärtner hält eine Distanz und filtert doch alle Begebenheiten durch seinen liebevollen und nachsichtigen Blick, hat ein Ohr für jeden, der ein offenes braucht, und pflegt eine gewisse Nachsicht gegenüber denen, die er schonen zu müssen meint. Und gleichzeitig entdecken wir, dass der Garten um ihn herum nicht nur aus den Pflanzen besteht, sondern auch aus dessen menschlicher Bevölkerung, die ebenfalls gepflegt werden muss und den Tieren, die teilweise in ihre Grenzen gewiesen werden müssen, wie beispielsweise der kleine Affe, der zum Amüsement der feinen Gesellschaft an- und abgeschafft wurde. In besonderem Blickpunkt steht die Senyoreta Rosamaria: Sie stammt aus einfachen Verhältnissen und ist durch ihre Heirat zu den „oberen Zehntausend“ gestoßen. Doch bleibt sie abseits, distanziert und kühl, selbst als sie eine Fehlgeburt erfährt, oder ihr Gatte fremd geht. Doch ganz unbeteiligt kann sie nicht bleiben, als im Nachbaranwesen ein Jugendfreund einzieht. Da wir aber immer alles nur durch den distanzierten Blick des Gärtners erfahren, gilt es, sich die Geschichte selbst zusammen zu reimen und aus den Versatzstücken zu erschließen, was sehr reizvoll ist und einiges an Interpretationen zulässt.

Dieser Roman ist ein kleines Juwel. Er scheint handlungsarm und ist doch allumfassend. Er scheint simpel und handelt doch von den kompliziertesten Dingen, die das Leben zu bieten hat, allem voran die Liebe und dem Verlust geliebter Menschen. Es ist ein Roman, den man im Sommer, in einem schönen Garten sitzend am besten lesen kann – oder aber, wenn man es gerade nötig hat, sich in eine solche Welt hineinzuträumen.

Natürlich kannte ich Max Pechstein schon, er ist einer der Brücke-Maler, und im sehr lohnenswerten Berliner Brücke-Museum  habe ich einige seiner Bilder auch schon gesehen. Doch dort war er einer von vielen, und damit kann man ihm nicht so ganz gerecht werden. Um so schöner, dass das Bucerius Kunstforum ihm eine eigene Ausstellung gewidmet hat.

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Bildcollage, gefunden auf der Website des Bucerium Kunstforums

Die Farben sind sicherlich das Auffälligste an Pechsteins Werk, denn die Bilder – vor allem die früheren – sind wunderbar bunt und vermitteln eine zumeist fröhliche Stimmung. Sie sind geprägt von einer lebensbejahenden Grundstimmung, immer auf der Suche nach Harmonie und Natürlichkeit, was man von den Brücke-Malern im Allgemeinen auch kennt. Pechstein Lebensfreude lässt sich vor allem an der Farbe Gelb ablesen; diese Farbe setzte er oft kräftig ein – und es scheint mir seine Vitalität und seiner Lebens- und Schaffensfreude zum Ausdruck zu bringen. Beispielsweise in einem Selbstporträt, das er nach dem Krieg  (und einiger Zeit der Mal-Abstinenz) malte, und in dem seine Aura  förmlich gelb vor neu erwachtem Schöpfungsdrang erstrahlt.

Pechsteins Schlachtruf war „Zurück zur Natur“ – in der unberührten Natur und einem ursprünglichen Verhältnis zur eigenen Natürlichkeit und Sexualität suchte er die Erlösung von gesellschaftlichen Zwängen und von den Erlebnissen im ersten Weltkrieg. Auch dies spiegelt sich zumeist in seinen Ölgemälden wieder. Seine Gefühle, die Zwänge, denen er durch die Kriegszeit ausgesetzt war, zeigt er aber auch in einigen Gemälden: beispielsweise in der Darstellung seines etwas verkniffen aussehenden Schwagers  Harry Kaprolat, der in Hut und Mantel neben einer fest verkorkten Weinflasche sitzt. Friert er? Vielleicht. Die angenehmen Seiten des Lebens scheinen ihm verwehrt, obwohl die Farben eine andere Sprache sprechen. Das Bildnis seines kleinen Sohnes, der verstockt inmitten von Spielzeug sitzt, welches sich ganz offensichtlich nicht zu einem Spiel hinreißen lässt, spricht ebenfalls Bände, wenn man weiß, dass Max Pechstein das Bild 1916 gemalt hat und also auf einen Urlaub vom Kriegsalltag (an der Front vielleicht) keinen Zugang zu seiner Familie findet…

Das für mich aufregendste Bild ist das einer kleinen Dompteurin, die sich den engen Käfig mit 7 Raubkatzen teilt (Die Löwenbändigerin, 1920). Die Dompteurin hat Ähnlichkeit mit den 7 Löwen um sie herum und trägt ein knallrotes Kleid. Auch die Hocker, auf denen die Tiere sitzen, sind knallrot sowie der untere Teil des Bildes. Das Bild strahlt Gefahr, aber auch große Anmut aus, gleichzeitig aber auch etwas Animalisches, das jedoch im sicheren (???) Käfig verwahrt bleibt… So ist es ein ungezwungenes Bild, das gleichwohl auf die Zwänge verweist.

Die späteren Werke fand ich dann nicht ganz so spannend. Max Pechsteins Utopie versuchte er in Pallau (wo er zu Beginn des zweiten Weltkrieges hinreisen konnte, allerdings musste er die Reise wegen des Kriegsbeginns jäh abbrechen)  zu finden, doch das Exotische, das Natürliche, vielleicht die Erfüllung seines Traumes ließ für meinen Geschmack seine Gemälde zu tendenziös wirken. Für mich fehlte dort doch eher das Ursprüngliche – eigentlich merkwürdig.

Es war ein gelungener Ausstellungsbesuch, ich kann ihn nur empfehlen! Bis 3. September ist sie noch zu sehen.